Vera Gasber, 2019. Foto: BR | Karin Straka

Videojournalistin und Producerin

Vera Gasber

Grüne Leuchtraketen schossen durch die Nacht. Es herrschte Krieg. Im ehemaligen Jugoslawien tobten erbitterte Kämpfe, bevor das Land zerfiel. Ich war erst ein paar Jahre alt, verstand nicht, was meine Eltern in den Nachrichten schauten. Krieg? In einem kleinen Dorf in der Vulkaneifel undenkbar.

 

Lange wusste ich nichts über Südosteuropa. In der Schule waren Frankreich, Polen, die EU, Amerika und vielleicht noch die UNO wichtige Player. Ich wollte mehr über diesen weißen Fleck auf meiner persönlichen Landkarte erfahren. Mit 27 schnallte ich mir den 60-Liter-Backpacker auf den Rücken und machte eine Interrail-Reise quer durch Südosteuropa. Eigentlich wollte ich Montenegro, Nordmazedonien (damals noch Mazedonien), Bosnien und Herzegowina, Albanien und Kosovo sehen und bereisen. Geworden sind es Kroatien, Serbien, Rumänien und Bulgarien. Der Zugverbindung sei Dank. Die war nämlich – im Gegensatz zur Busverbindung – nicht wirklich gut ausgebaut. Da mein Ticket bezahlt war und ich nicht doppelt Geld ausgeben wollte, wurde die Route eben innerhalb von einer Stunde on the road, bzw. in meinem Fall auf den Gleisen, umgeschmissen – oder um es mit meinem heimischen Dialekt (Kölsch) zu sagen: „Et kütt wie et kütt un et hätt noch emmer joot jejange.“

 

Nach Studium, Ausbildung und den ersten Jahren im Beruf arbeite ich nun seit 2018 in diesem spannenden Berichtsgebiet. 12 Länder sind es insgesamt. Ich organisiere, drehe, schneide, schreibe, reise. Ich interviewe Politiker*innen genauso wie Naturschützer*innen in den rumänischen Karpaten. Arbeite online wie linear und immer kommt es auf die richtige Perspektive und das richtige Equipment an: Mal drehe ich mit einer Kamera, mal bin ich als Mobile Reporterin mit dem Smartphone unterwegs.

 

Der Vorteil am aktuellen Tagesjournalismus? Ich weiß morgens nie, was der Tag bringt. Der Nachteil? Ich weiß morgens nie, was der Tag bringt. Genau diese Abwechslung ist es, die mich reizt – und inzwischen habe ich auch einen Stempel von Bosnien und Herzegowina in meinem Pass.