Susanne Glass 2016. Foto: BR | Markus Konvalin

ehem. Studioleiterin Fernsehen (bis 31.12.2015)

Susanne Glass

Ich erinnere mich noch genau, wie erschüttert ich war.
Im März 1999 hatte ich Frühschicht in der BR Nachrichtenredaktion. Ich war damals Chefin vom Dienst. Verantwortlich für die Inhalte der Hörfunk-News und auf Bayern 3 auch deren Präsentatorin. In der Nacht hatte die NATO begonnen, Serbien zu bombardieren. Ich musste nun verlesen: Der Kosovo-Krieg hat begonnen!

 

Zu diesem Zeitpunkt hätte ich niemals gedacht, dass ich kurz darauf selbst aus dem Kriegsgebiet berichten und mich die Region Südosteuropa bis heute nicht mehr loslassen würde.
Zumindest wusste ich schon vor dem Studium (Politologie, Volkswirtschaftslehre und Soziologe – auf Magister, später Promotion), dass mein Traumberuf Journalistin ist. Ich habe dann schon währenddessen als „Freie“ für diverse Medien gearbeitet, u. a. für die Süddeutsche Zeitung und Hospitanzen beim BR gemacht. So bin ich also in der Nachrichtenredaktion gelandet.
Als mein Chef einige Wochen nach Kriegsbeginn jemanden suchte, der bereit war, von vor Ort zu berichten, habe ich mich gemeldet. Damals mit 29 Jahren. Warum? Aus Idealismus. In der Hoffnung, ein klein wenig gegen den Wahnsinn eines Krieges tun zu können. Und aus Überdruss an eindimensionalen Geschichten, die nur Gut und Böse kennen.
Die Entscheidung habe ich niemals bereut. Südosteuropa ist ein faszinierendes, spannendes, extrem vielfältiges Berichtsgebiet. Und die Menschen aus dieser Region zu kennen, eine große persönliche Bereicherung.

 

Seit dem Krieg hat sich so vieles verändert. Manches aber auch bis heute nicht. Einige Länder sind der EU beigetreten, andere hoffen noch darauf.
Ich freue mich, dass ich das Privileg habe, diese Entwicklung begleiten zu können. Nach fünf Jahren als ARD Korrespondentin für den Hörfunk im Studio Wien, bin ich zum Fernsehen gewechselt. Das TV-Studio leite ich seit Februar 2014. Und ehrenamtlich, seit Februar 2006, den Verband der Auslandspresse in Wien.

 

Zugegeben: Ein wenig vom Idealismus meiner Anfangsjahre habe ich inzwischen verloren und durch Realismus ersetzt. Aber ich bin nach wie vor der Meinung, dass seriöse Reportagen und Hintergrundberichte dazu beitragen, dass sich Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und mit unterschiedlichen Träumen besser verstehen und akzeptieren.