Srdjan Govedarica 2017. Foto: BR | Daniel Dzyak

Korrespondent Hörfunk

Srdjan Govedarica

Oh Gott – wie spricht man das aus?! Sierdjan!? Serdjan!? Sördjan!? Wenn man wie ich fünf Konsonanten und nur einen Vokal im Vornamen trägt und als Radiojournalist arbeitet, dann ist eine gewisse Aussprachenakrobatik Teil des Jobs.

 

Den Namen habe ich meiner Herkunft zu verdanken und der Vorliebe meiner Muttersprache für Zungenbrecher (Beispiele gefällig? „Prst“ (Finger), „čvrst“ (fest), „smrt“ (Tod), „vrlo“ (sehr), Krk (Urlaubsinseln in Kroatien), etc.). Ich bin in Sarajevo geboren und habe dort bis zum Ausbruch des Bosnienkriegs gelebt. Serbokroatisch (oder wie es heute politisch korrekt aber linguistisch irreführend heißt: Bosnisch, Kroatisch, Montenegrinisch und Serbisch) ist meine Muttersprache. Viele Themen, die den Südosteuropäern auf der Seele brennen, finde ich nicht nur auf einer abstrakten Ebene spannend, sie sind auch ein Teil meiner persönlichen Geschichte.

 

Das hilft im journalistischen Arbeitsalltag. Im ARD Studio Wien mache ich deshalb gerne den „Jugo vom Dienst“ und freue mich über jede Gelegenheit, dem Publikum zuhause in Deutschland näherzubringen, wie die Menschen in Südosteuropa ticken, was sie bewegt und wie sie den nicht immer einfachen Alltag bewältigen.

 

Das ist aber nur ein Teil des Jobs. Das Berichtsgebiet des Studios umfasst neben den sieben Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens fünf weitere sehr spannende Länder. Die Themenfülle ist dementsprechend breit gefächert. Sie reicht von der Topnachricht mit Aufmacherqualität bis zur kleinen, scheinbar trivialen Geschichte, die aber erzählt gehört. Von der Nationalratswahl in Österreich, über die eingeschränkte Medien- und Meinungsfreiheit in Ungarn bis zur Frage, wo es im Berichtsgebiet außergewöhnliche Hamburger gibt, ist alles dabei. Das macht uns Korrespondenten zu Generalisten, die sich immer wieder in die spannendsten und manchmal auch seltsamsten Geschichten einarbeiten dürfen. Gerne und oft aus erster Hand, denn Reisen gehören zum Arbeitsalltag. Aus meiner Sicht sind das alles Zutaten für einen Traumjob.

 

Die Kirsche auf dem Schlagobers ist aber Wien, der Standort des Studios und nun für einige Zeit mein Lebensmittelpunkt. Es gäbe so viel zu erzählen über die monumentale Schönheit der Stadt, die Vorzüge des wahrscheinlich weltbesten öffentlichen Nahverkehrs oder über die Kunst, das Schnitzel so zuzubereiten, dass sich die Panade wellt. Wien ist aber aus einem anderen Grund jetzt schon zu der Stadt geworden, die ich auf ewig im Herzen tragen werde: Meine Tochter ist Wienerin, sie ist kurz nach meinem Jobantritt hier auf die Welt gekommen.

 

Sie heißt übrigens Maja, ihre große Schwester Jana. Wir haben ihnen ein paar Vokale spendiert. Sie wissen schon, wegen der Aussprachenakrobatik: Es könnte ja sein, dass die beiden eines Tages auch beim Radio arbeiten möchten.