Schaban Bajrami (re.) – Interview mit Naser Selmani von ZNM, dem Journalistenverein Mazedoniens. Foto: BR | Schaban Bajrami

Freier Mitarbeiter in Mazedonien

Schaban Bajrami

Ich bin 1970 in einem Dorf in der Nähe von Skopje als erster Sohn einer riesigen Familie geboren. Als Vater von fünf Kindern pflege ich diese Tradition weiter – unser Reichtum sind Kinder. Ich habe Lehrer für Albanisch und Französisch studiert. Mein Studium verdiente ich mir mit Nebenjobs im Westen u.a. als Kellner in der Schweiz in Basel, in Österreich in Obertauern und natürlich auch in Deutschland in Heidelberg. Je nachdem wo ich bei Freunden oder Verwandten Unterschlupf gefunden habe.

 

Fremdsprachen sind für mich immer interessant gewesen. Deutsch habe ich in Kursen und im Krieg gelernt. Im Balkan Krieg übersetzte ich für deutschsprachige Medien und dolmetschte für ausländische Journalisten während des Kosovokrieges.

 

Ich arbeitete für die Süddeutsche Zeitung, für „Bild“ und für die spanische Zeitung “El Pais“, obwohl ich keine Ahnung von Spanisch habe. Seit 1999 bin ich Stringer für ARD Radio. In der Zeit habe ich viel gesehen und erlebt, leider nicht immer Gutes, sondern auch Massengräber und ausgebrannte Häuser in Kosovo oder zerstörte Moscheen und verminte Kirchen in Mazedonien.

 

Da ich nicht wie ein typischer Albaner aussehe höre ich bei Interviews mit ethnischen Mazedoniern, dass an allem die Albaner Schuld seien oder umgekehrt, mazedonische Albaner sehen in den Mazedoniern die Schuldigen. Das geht schon seit Jahren so.

 

Zum Glück besteht immer noch Hoffnung auf ein verständnisvolles Zusammenleben. Zum Glück gibt es Leute in Mazedonien wie mich und meinen Kollegen Sasko. Wir verstehen uns gut. Sogar in der gefährlichsten Zeit, als Mazedonien drohte in einem Bürgerkrieg zu versinken. Wenn es so weit gekommen wäre, hätten wir nie aufeinander geschossen, sondern wir hätten uns über dem Gewehrlauf zugerufen „Geh etwas nach Links, ich sehe Dich noch zu gut…“