Sasko Golov (re.) – Interview mit Vlado Buckovski, dem ehemaligen Ministerpräsidenten und jetzigen Vize-Vorsitzenden der neuen mazedonischen Partei „Allianz für ein positives Mazedonien“. Foto: BR | Sasko Golov

Freier Mitarbeiter in Mazedonien

Sasko Golov

Im Jahr 1997 suchte der Bayerische Rundfunk einen Journalisten in Mazedonien. Der Journalist sollte gut informiert sein, Verständnis für die politischen Entwicklungen im Lande haben und Deutsch sprechen. Ich arbeitete damals als Fernsehjournalist für das mazedonische Fernsehen, ich kannte das Land und habe Geschichte studiert, aber auf Deutsch konnte ich zu dieser Zeit nur sagen: „Gutentag“, „Auffiderzen“, „Berlin“ und „Minhen“.

 

Bis zum Vorstellungsgespräch hatte ich nur drei Wochen und 12 Stunden pro Tag fürs Lernen. Ich kam unter die acht ausgewählten Bewerber: Mit 80% Englisch, 10% Improvisation, etwas Deutsch und mit Talent des deutschen Fragenden Balkan-Humor zu verstehen …

 

Dann wurde für uns acht „Auserwählte“ ein Intensivdeutschkurs in Skopje organisiert. Danach wollten die Menschen aus München fünf von uns aussuchen. Vier sollten nach Köln, in die mazedonische Redaktion der Deutschen Welle und einer sollte nach München, um weiter Deutsch zu lernen. Ich kam nach München.

 

Als ich in Skopje das neue Jahr 1999 feierte, begann der Kosovokrieg in unserem Nachbarland. Es wurde mein erster ARD Einsatz: Mit einem blau-weißen Mikrofon stand ich in der Nähe der Grenze zwischen Kosovo und Mazedonien, in den Schützengräben der mazedonischen Armee, im Feuer der Maschinengewehre der albanischen Rebellen. In Mazedonien half ich meinen deutschen Kolleginnen und Kollegen mit meinem Wissen über das Land und seine Geschichte die Gegenwart zu verstehen. Dabei hilft mir unsere Mentalität: Wenn ich jemanden nicht kenne, dann kenne ich jemanden der einen kennt der mir helfen kann.

 

Meine deutschen KollegInnen geben mir die Möglichkeit Mazedonien mit anderen Augen zu sehen. Journalisten sind hier mehr auf die Politiker und andere „mächtige“ Menschen fokussiert, als auf „normale“ Menschen. Geschichten für deutsche Zuhörer vorzubereiten brachte mich an Orte, die ich normalerweise nie besuchen würde. Ich traf und sprach mit Menschen, die ich nie treffen würde. Ich stellte Fragen, die ich nie fragen durfte (auch an mich selber). Ich habe die westliche Sicht der Dinge kennengelernt. Das half mir auch ein kleines privates Unternehmen zu gründen. Ich habe jetzt eine kleine Firma, die täglich Nachrichten aus Mazedonien bietet – auf Englisch. Meine Kunden sind Botschaften und internationale Organisationen, die im Land akkreditiert sind.

 

Ich liebe Wein und Ausflüge im Land. Ich will eines Tages sagen können, dass ich alle mazedonischen Weine probiert habe und in allen mazedonischen Dörfern gewesen bin. Bei den Weinen bin ich so um die 70% angelangt, und bei den Dörfern so bei 35% – mazedonische Städte habe ich schon alle gesehen…