Herbert Gruenwald – Lost in Bukarest? In London, wo sie zwei Jahre lang lebte, hat sie sich manchmal verlorener gefühlt… Foto: BR | Herbert Gruenwald

Freier Mitarbeiter in Rumänien

Herbert Gruenwald

Er verherrliche die westliche Kultur und ganz besonders hätten es ihm die amerikanische Literatur und Musik angetan, vermerkte die Securitate in Ceausescus Rumänien. Nicht genug damit, verfasse er Haikus und schwärme den Mädchen etwas von Kletterpartien auf einen gewissen Berg Fuji vor, der offensichtlich in einem kommunismusfeindlichen Land liege, ein schwer belastender Umstand. Dafür gehöre er eigentlich in ein Strafbataillon gesteckt, befand eine Randnotiz in seiner Geheimdienst-Akte.

 

Doch diese Prüfung sollte mir zum Glück erspart bleiben und aus dem Luftspagat zwischen dem goldenen Westen und fernen Osten heraus mimte ich gesittet das Studium der Germanistik in Bukarest.

 

Den Wunsch nach Deutschland auszuwandern, verwehrten mir erst die kommunistischen Behörden, später versagte ich ihn mir selber; vom Wunschdeutschen verwandelte ich mich zum Wahlwalachen. Als Dorflehrer, Lektor in einem Kinderbuchverlag und kurz vor der Wende Redakteur einer Literaturzeitschrift tat ich so, als würde ich arbeiten, und der kommunistische Staat tat so, als würde er mich entlohnen.

 

Im März 1990 geriet ich in eine von vielen Fangschlingen der Wirklichkeit, die Johannes Grotzky, damaliger Leiter des ARD Studios Südosteuropa, ausgelegt hatte, um sie allmählich zu einem Producernetz auf dem gesamten Balkan zu verknüpfen. In meiner Freizeit sammle ich O-Töne dessen ein, was Rose Ausländer in meinem Berichtsgebiet vorzeiten als das „Zirpen der Kiesel im Pruth” vernommen hatte.