Clemens Verenkotte 2017. Foto: BR | Daniel Dzyak

Studioleiter und Chefkorrespondent Hörfunk

Clemens Verenkotte

Lange Zeit habe ich von Ferne stets eine Statistik bewundert, die der „Economist“ jedes Jahr veröffentlicht: Die Liste der „lebenswertesten Städte der Welt“.

Seit Jahren wechseln sich zwei Metropolen an der Spitzenposition ab: Mal liegt Vancouver auf Platz 1, mal …Wien. Gelebt und gearbeitet habe ich an vielen Orten der Welt, für die ARD und den BR. Doch nach meinem Umzug kann ich das Städte-Ranking des „Economist“ nur vollständig bestätigen: Für mich ist es tatsächlich die „lebenswerteste“ Metropole, in der ich je habe wohnen dürfen. Nicht allein das beeindruckende, von vormaliger imperialer Pracht geprägte Stadtbild, das Millionen von Touristen anzieht; sondern es ist das soziale Klima, das hier anders ist: Arm und Reich grenzen sich hier nicht voneinander ab. Das beispielhafte kommunale Wohneigentum verhindert den Verdrängungswettbewerb durch steigende Mieten und unbezahlbare Immobilien – hier müssen Normalverdiener, Familien mit Kindern, Pensionäre nicht in die Vorstädte ziehen, weil sie sich das Leben in der Stadt nicht mehr leisten können. Ein tadelloser Nahverkehr, ein überbordendes kulturelles Angebot, und eine unüberschaubare kulinarische Vielfalt.

 

Doch ist es nicht Wien, sondern – und das macht unser ARD Studio Wien/Südosteuropa so einzigartig – gleich elf  weitere Hauptstädte, politische wie gesellschaftliche Zentren der Länder unseres Berichtsgebiets: Budapest, Ljubljana, Zagreb, Belgrad, Sarajevo, Pristina, Podgorica, Skopje, Tirana,  Sofia, Bukarest. – Manchmal werde ich nach meinen Hobbies gefragt, wie Lesen, Schwimmen, Theater. Ich habe stets eine einzige Antwort darauf. Mein Hobby ist genau das, was ich hier mache: Als Korrespondent mit Menschen unterschiedlichster Herkunft und Prägung zu sprechen, deren Alltag kennenzulernen, in denen sich die politische und soziale Entwicklung ihrer jeweiligen Heimatländer widerspiegelt.