Christine Dériaz, 2019. Foto: BR | Karin Straka

Cutterin

Christine Dériaz

Eigentlich wollte ich Wien wieder verlassen, als mich der damalige Studioleiter Thomas Morawski als Verstärkung des Schnitt-Teams „rekrutiert“ hat. Neun Jahre später bin ich immer noch da, nicht nur in Wien, sondern auch weiterhin eine von drei CutterInnen im Team des ARD Studios Wien/Südosteuropa.

 

Cutterin? Schnittmeisterin? Editorin? Egal wie man es nennen mag, die Präferenzen ändern sich wie Moden. Die meisten Menschen, selbst wenn sie viel ins Kino gehen oder Fernsehen schauen, wissen eigentlich nicht was wir so tun. Also, so wirklich. Dabei ist es ganz einfach: wir schreiben Geschichten, statt mit Worten, mit Bildern. Im Idealfall sind die Bilder so spannend und schlüssig, dass sich die Geschichte quasi von selbst erzählt, und manchmal ist es eher ein Kämpfen. Aber immer steht am Ende der Arbeit das, was der Zuschauer/die Zuschauerin, egal ob im Kino oder in der Tagesschau, als erstes und als prägnantestes erfasst. Das bedeutet Verantwortung. Dieses Erzählen, immer im Hinblick auf die innewohnende Verantwortung, macht den Reiz der Arbeit aus. Selbst wenn also oft die Zuschauer nicht wissen was im Schneideraum passiert, und dieser auch vielfach im „hintersten Eck“ versteckt liegt, ist unsere Arbeit mehr als sichtbar.

 

Warum mir „das Schneiden“ Spaß macht?

 

Weil es immer ein Spagat, eine Herausforderung ist. Ich muss mit Bildern, die ich mir nicht aussuchen kann, Fakten, die sind wie sie sind, zu einer „Geschichte“ zusammenbringen, die gleichzeitig packend ist und die Tatsachen klar hervorhebt. Je nach Art des Beitrags, zum Beispiel für eine Tagesschau, habe ich dafür auch noch sehr wenig Zeit; es gilt also rasch zu entscheiden, welche Bilder wie zusammengehören. Und mit dem Text der KorrespondentInnen sollte das Ganze dann am Ende auch noch zusammenpassen. Das kann manchmal ganz schön stressig werden, wenn die Studio-Uhr erbarmungslos Richtung Sendezeit tickt. Aber auch diese stressigen Phasen haben ihren Reiz, zumal es ja dann auch wieder die ruhigeren Tage gibt, mit Beiträgen für Magazine oder Reportagen. Die eher kurzen Beiträge und Geschichten für das ARD Studio Wien/Südosteuropa sind eine Ergänzung zu dem was ich außerhalb an Spiel- und Dokumentarfilmen schneide.

 

Und da ich wirklich gerne Geschichten erzähle, mache ich das manchmal auch mit Worten statt mit Bildern, zum Beispiel für Film & TV Kameramann (https://www.kameramann.de/) oder Professional Production (https://www.professional-production.de/) und auf meinem Blog (https://filmverstand.net).