Andrea Beer 2016. Foto: Dave Adam

Korrespondentin Hörfunk

Andrea Beer

Ob Slowenien, Bosnien-Herzegowina, Serbien oder Kosovo – mein Bezug zu den Ländern des früheren Jugoslawien hat sich an der Universität vertieft. Die Kriege auf dem Balkan betrafen viele meiner Mitstudierenden und ihre Familien ganz direkt. Die daraus folgenden Probleme brennen vielen Menschen vor Ort bis heute unter den Nägeln. Das konnte ich bei meinen Recherchereisen sowie meinen OSZE-Einsätzen auf dem Balkan erleben: im ostbosnischen Zvornik bei der Registrierung von Wählern in der Region oder im Kosovo als Wahlbeobachterin bei den ersten Kommunalwahlen direkt nach dem NATO-Krieg 1999. Unter den Albanern herrschte dort eine euphorische Aufbruchsstimmung, die inzwischen großer Ernüchterung gewichen ist. Im Kosovo, aber auch in Serbien oder Bosnien-Herzegowina, beklagen viele Bewohner die Korruption, eine schwierige wirtschaftliche Entwicklung und entsprechend hohe Arbeitslosigkeit, vor allem bei jungen Menschen. Auch die Aufarbeitung der Verbrechen während der Kriege vor Gerichten ist längst nicht abgeschlossen.

 

In den EU-Ländern Bulgarien oder Rumänien haben die politischen Umbrüche der letzten Jahrzehnte ebenfalls Spuren hinterlassen. Und auch hier sind Teile der politischen Eliten nicht willens oder in der Lage, die Probleme der Menschen wirkungsvoll anzugehen. Bei vielen EU-Bürgern hat sich deswegen die Meinung verfestigt, dass es falsch war, diese beiden Länder in die EU aufzunehmen. Und auch die EU-Perspektive für Mazedonien, Serbien, Bosnien-Herzegowina oder Albanien stößt immer wieder auf Zweifel. Leider. Denn nach wie vor kann eine EU-Perspektive ein wichtiger Impuls sein, der auch das unverzichtbare Engagement der Menschen vor Ort stärken kann. Noch ist sie in der Region vorhanden, die Strahlkraft der EU. Doch sie verblasst unter anderem durch das politische Desinteresse in Brüssel an der Region. Dabei verdienen diese Länder Aufmerksamkeit, nicht nur wenn sie Menschen auf der Flucht den Weg versperren sollen.  Viele setzen sich dort mit großer Energie für Veränderung ein und stellen darüber hinaus ihre kulturelle und ethnische Vielfalt eindrucksvoll unter Beweis. Als Korrespondentin möchte ich diesen vielfältigen Prozess begleiten, der nicht nur für Albaner, Mazedonier, Bulgaren oder Montenegriner, sondern für uns alle von Bedeutung ist.