Das Parlament in Budapest. Foto: BR | Karin Straka

Blick auf Ungarn von Laszlo Perczel (freier Mitarbeiter in Budapest)

Das Land der Magyaren umfasst 93.036 Quadratkilometer im Karpatenbecken und beherbergt ein streitsüchtiges Volk von etwa zehn Millionen Einwohnern. Diese Streitsüchtigkeit leiten einige Ungarn von dem „Fluch der Schamanen von Turan“ ab. Die Legende besagt, dass gleich nach der Staatsgründung Ungarns am 25. Dezember 1000 durch Stephan den I. (später den Heiligen genannt) die Schamanen das Verlassen der heidnischen Bräuche und Aufnahme des Christentums mit dem Fluch belegten: „Nie soll Eintracht und Frieden unter den Ungarn im neuen Königreich herrschen!“

 

Der Fluch bewahrheitete sich und so wurde Ungarn 1241 kurzzeitig von den Mongolen erobert. Dann fiel das Land dank der inneren Zwietracht 1526 für fast 150 Jahre den Osmanen in die Hände. Die Befreiungstruppen von Prinzen Eugen von Savoyen vertrieben 1699 zwar die Türken, machten das Land aber zur ungarischen Reichshälfte des Habsburger Reiches. Revolution und Freiheitskampf gegen das Haus Habsburg 1848-49 scheiterten und wurden blutig niedergeschlagen. Die uneinige, unglückliche Politik trieb das Land in den 1. Weltkrieg, obwohl viele Intellektuelle die Konsequenzen voraussahen und die kaisertreuen Politiker davor warnten. Mit dem „Friedensdiktat“ von Trianon am 4. Juni 1920 und einem territorialen Verlust von 72% des ehemaligen Königreiches endete dieser Weltkrieg für das Land, um zwanzig Jahre später als Verbündeter des Dritten Reiches am zweiten Weltkrieg teilzunehmen, und erneut eine riesige Niederlage mit beträchtlichen Verlusten an Menschenleben und Vermögenswerten zu erleiden.

 

Zwischen April 1945 und Juni 1948 gab es eine kurzlebige Hoffnung auf Errichtung eines demokratischen Staates, diese mündete jedoch in eine stalinistische Diktatur. Der Volksaufstand vom 23. Oktober 1956 wurde nach zwei Wochen am 4. November von den sowjetischen Truppen niedergewalzt. Nach der Konsolidierung begann in den 1960er Jahren eine Liberalisierung und Aufweichung des sozialistischen Einparteiensystems.

 

Am 25. März 1990 kam es zu der ersten freien Wahl nach 1948, an der schon fast ein Dutzend Parteien teilnahm. Seitdem gibt es Marktwirtschaft, Pluralismus, Demokratie und ständigen Zwist darüber ob die gut ist und wem wir das alles zu verdanken haben. Seit 2010 gibt es aber eine parlamentarische 2/3 Mehrheit, die alle Erfolge für sich beansprucht und die Misserfolge der letzten Jahrzehnte großzügig der Opposition überlässt.

Blick auf Ungarn von Attila Poth (freier Mitarbeiter in Budapest)

Ungarn ist das Land der drei Ps: PPP – Puszta, Paprika und Piroschka – und natürlich: Gulasch. Ein unvorbereiteter Tourist weiß nur so viel (besser, nur so wenig) über Ungarn. Unser Land hat deutlich mehr zu bieten. Weltberühmte Kurbäder mit Heilquellen, Gebirge, Tiefländer, Wälder für Wanderer oder Radfahrer oder römische Ruinen in Szombathely (deutscher Name: Steinamanger), in Heviz, in Fehervar (deutscher Name: Stuhlweissenburg) oder in Budapest. Kulturhungrige können Museen und Galerien besuchen und Oper, Operette, Folklore und Theater genießen. Den Balaton (oder Plattensee) kennt man schon: Viele Ostdeutsche haben sich vor der Wende 1989 mit ihren westdeutschen Verwandten am Ufer des Balatons getroffen. Aber haben sie schon vom Velencei-to (Velencer See) oder Tiszato (Theiß-See) gehört?

 

In Ungarn ist es nicht einfach ein Tourist zu sein. Höchstens, wenn Sie ein bisschen Ungarisch sprechen. Informationen auf Deutsch, Englisch oder in anderen Sprachen gibt es nicht immer. Und unsere Sprache… Na ja, ist etwas Besonderes! Wenn man kein Ungarisch gelernt hat, versteht man kaum etwas, da unsere Sprache weder mit romanischen noch mit slawischen Sprachen verwandt ist.

 

Die ungarische Küche ist ziemlich bekannt. Alles schwer, fettig, und Paprika überall! Natürlich gibt es bei uns andere Speisen, die gesünder sind. Typisch ungarisch ist zum Beispiel: fözelek – ein Gemüseeintopf aus Erbsen oder Karotten, Fisolen, Wirsingkohl und so weiter. Dazu isst man meistens Frikadellen, gebratene Wurst oder Pörkölt, das auf Deutsch einfach Gulasch heißt, obwohl es hierzulande eine Art Suppe ist. Zum Dessert? Mohnnudeln. In Ungarn sagt man, dass Fleischsuppe, Wienerschnitzel und Strudel typisch ungarisch sind, bei vielen Familien sogar eine Sonntagsmahlzeit.

 

Wir Ungarn sind sehr stolz auf unsere Wissenschaftler und Erfinder. Leider haben fast alle ihren Erfolg im Ausland erreicht. Wie zum Beispiel Laszlo Biro, der Erfinder des Kugelschreibers oder Leo Szilard, er war nicht nur an der Erfindung der Atombombe beteiligt, sondern hat auch den Kühlschrank erfunden. Und Albert Szentgyörgyi, der aus dem berühmten Szegediner Paprika Vitamin C isoliert hat, und als Entdecker dieses Vitamins gilt, aber danach in den USA lebte.

 

Unser berühmtester Nationaldichter ist der revolutionäre Sandor Petöfi, es gibt kein Dörfchen ohne Petöfi-Straße. Als Schriftsteller ist Imre Kertesz bekannt, er ist Nobelpreisträger, leider im Ausland berühmter und verehrter, als hierzulande. Bekannt sind noch Peter Esterhazy und Peter Nadas, deren Werke es auch in einer deutschen Übersetzung zu lesen gibt.

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