Blick auf Ljubljana. Foto: BR | Stjepan Milcic

Blick auf Slowenien von Gordan Godec (freier Mitarbeiter in Zagreb)

Slowenien ist ‚ein wenig anders‘. Und das nicht erst, seit es sich 1991 nahezu unbeschadet von Jugoslawien löste und sich geschickt in die Unabhängigkeit manövrierte. Slowenien war schon immer ‚ein wenig anders‘. In Titos Vielvölkerstaat stach Slowenien immer heraus: unauffällig, leise, bedacht, aber stets zielstrebig, pragmatisch geschickt seine Interessen durchsetzend.

 

Bei der großen Osterweiterung der EU 2004 war – wen wundert es – Slowenien schon dabei, während seine neidischen Nachbarn noch mit Nachkriegswehen kämpften. Trotz Finanzkrise, Korruptionsskandalen und Straßenschlachten bleibt Slowenien ein EU-Musterland – die Slowenen kriegen alles hin, irgendwie.

 

Doch wer den Blick starr nach vorne richtet, setzt sich nicht mit den düsteren Kapiteln seiner Vergangenheit auseinander. Wer den Fortschritt stört verschwindet, wie die 25.000 Ex-Jugoslawen, die in Slowenien leben und einfach aus dem Bevölkerungsregister gelöscht wurden.

 

So verkommt Geschichte leicht zur Folklore in einem kleinen Land, das alles hat; genauer genommen von allem ein wenig hat: ein wenig Alpen, ein wenig Mittelmeer, ein wenig Kernkraft, ein wenig Ökowirtschaft, ein wenig Katholizismus, ein wenig Atheismus, ein wenig Balkan, ein wenig Abendland! So manches Land könnten diese Widersprüche in eine innere Zerrissenheit führen, die zwei Millionen Slowenen erkennen darin stolz ihre Einzigartigkeit, die sie wie gesagt, geschickt zu nutzen wissen. So bleibt Slowenien einfach ‚ein wenig anders‘.

Blick auf Slowenien von Stjepan Milcic (freier Mitarbeiter in Zagreb)

Das Land auf der Sonnenseite der Alpen, so lautet ein Slogan des slowenischen Tourismusverbandes, und so sehen ihr Land und sich selber die meisten Slowenen. Noch im gemeinsamen Staat Jugoslawien hielten sich die Slowenen für etwas Besonderes, zum Teil wegen ihrer unterschiedlichen Sprache, aber viel mehr wegen ihrer Rationalität und Tüchtigkeit, die weit weg vom balkanisch Heftigen und Emotionalen, orientalisch Bedächtigen oder mediterran Legeren und Temperamentvollen der anderen jugoslawischen Nationen lag.

 

Ein Land – nicht auf dem Balkan, nicht am Mittelmeer (obwohl man das Letztere später doch noch zur eigenen Identität hinzufügte) sondern im Herzen von Mitteleuropa. So definierte die slowenische Intelligenz die Position Sloweniens schon in den 80-er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts, als mit einem anderen Slogan – „Slovenija moja dezela“ (Slowenien meine Heimat) der slowenische Nationalismus erwachte und Vorbereitungen zum „Ausstieg“ aus dem jugoslawischen Vielvölkerstaat und der jugoslawischen Version des Kommunismus, dem sogenannten „System der sozialistischen Selbstverwaltung“, begannen. Dieser slowenische Nationalismus war und ist allerdings nicht aggressiv, es ist eher eine Art Selbstverteidigung, um nicht von größeren Nationen verschluckt zu werden bzw. Angst davor, die eigene Identität zu verlieren. Denn bald kam noch ein weiterer Slogan hinzu – „Evropa zdaj“ (Europa jetzt), und damit zeigte man, dass die Unabhängigkeit nicht ein Selbstzweck sein sollte, sondern nur ein Zwischenschritt auf dem Weg ins vereinte Europa, was nach Meinung der gesamten (damaligen) politischen, wissenschaftlichen und kulturellen Elite in Slowenien für bzw. mit Jugoslawien nicht möglich war – wie Recht sie damit hatten sieht man heute noch.

 

Allerdings haben die offiziellen slowenischen Behörden in den 1990-ern eine Art „bürokratische ethnische Säuberung“ im Land durchgeführt als viele Bosniaken, Serben und Kroaten, die in Slowenien lebten und arbeiteten, „ausgelöscht“ wurden, d. h. ihre Rechte verloren und als Ausländer behandelt wurden. In dieser Zeit verdienten der slowenische Staat und Einzelne bzw. Gruppen mit Waffenverkauf an Kroaten und Bosniaken viel Geld (gegen das internationale Waffenembargo), worüber, wie auch über Probleme der „Ausgelöschten“, nur wenige kritische Journalisten und Intellektuelle in Slowenien geschrieben und gesprochen haben. Diese Flecken auf dem sauberen maßgeschneiderten Sonntagsanzug hat auch die EU „übersehen“, und so wurde Slowenien als ein wahrer „Musterschüler“ bei der großen Erweiterung 2004 in die EU aufgenommen. Als „Musterschüler“ galt es noch lange Zeit danach, bis die wirtschaftlichen und finanziellen Probleme das Land fast unter den EU-Rettungsschirm getrieben haben. Ich zweifle aber nicht daran, dass Slowenien es schafft, diese Krise zu überwinden, man sagt nicht umsonst, die Slowenen seien die Deutschen Südosteuropas.

 

Bergsteigen, Radfahren und Skisport sind die beliebtesten Sportarten in Slowenien, die größten Erfolge erzielten slowenische Alpine Skifahrer(innen) und Skispringer inkl. Olympische Medaillen, aber auch andere Sportdisziplinen werden gepflegt, wie Leichtathletik und Schwimmen. Im Ballsport ist Slowenien auch nicht schlecht, so sind die Nationalteams im Handball, Basketball und Volleyball praktisch regelmäßig bei EM, WM und Olympischen Spielen dabei (mehr Herren, aber auch Damen), auch die slowenischen Vereine sind verhältnismäßig erfolgreich in Europa. Im Fußball war Slowenien zweimal bei der WM dabei und einmal bei der EM, und der beste slowenische Fußballverein „NK Maribor“ spielt in der Regel im Europapokal mit und erzielt solide Ergebnisse. Das alles in einem Land mit nur zwei Millionen Einwohnern ist absolute Spitzenleistung.

 

Als Kroate mag ich die subtilen slowenischen Weißweine, gutes lokales Bier, (slowenische) yugo-cockta (viel besser als Coca-Cola!), gesundes Essen und die Gastfreundlichkeit der Slowenen/-innen, die auch in Zeiten der schlimmsten Streitereien der sog. politischen Eliten Kroatiens und Sloweniens nicht verloren ging. Daher kann ich jetzt, nachdem auch Kroatien EU-Mitglied geworden ist, mit vollem Recht sagen:

 

Slowenien ist (auch) meine Heimat! – Slovenija je (tudi) moja dezela!

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