Der Triumphbogen in Skopje wurde erst 2011 fertiggestellt. Foto: BR | Sasko Golov

Blick auf Mazedonien von Schaban Bajrami (freier Mitarbeiter in Skopje)

Eine typische Lebensgewohnheit der Mazedonier ist das Jammern, über die Krise, über zu wenig Geld, aber niemand spart an Besuchen im Cafe, zumindest die Männer nicht. Mazedonien leistet sich, trotz der Krise, das größte Disneyland Europas, mitten in der Hauptstadt Skopje. Die historischen Nachbauten sind aber alle aus Stein, Marmor oder Glas, nicht aus Pappe oder Sperrholz. Wir sind stolz auf unsere ruhmreiche Geschichte, vor allem auf Alexander den Großen, der uns aber nicht allein gehört, deswegen haben wir Probleme mit unseren Nachbarn Griechenland. Die Griechen haben sogar eine Provinz Mazedonien, wir nur Alexander den Großen überlebensgroß nachgebaut. Aber schöner als das Projekt „Skopje 2014“ ist die Natur in unserem kleinen Land. Vor allem die Matka Schlucht und der Ohrid See. Den besten Blick gibt es von den Bergen.

Blick auf Mazedonien von Sasko Golov (freier Mitarbeiter in Skopje)

Mazedonien ist eine junge Nation alter Stämme. Wir haben immer noch einige Kinderkrankheiten, aber auch Medizin gegen sie aus unserer Vergangenheit. Bei uns sind immer die Nachbarn schuldiger, als wir selber. Die Griechen lieben uns nicht, weil sie unseren Namen für „geklaut“ halten. Die Bulgaren klauen unsere Geschichte. Albaner möchten einen Teil unseres Landes in ihr Großalbanien aufnehmen. Die Serben haben uns viele Male okkupiert und wollen unsere orthodoxe Kirche nicht anerkennen. Und ja, es gibt im Land auch Leute, die als Verantwortliche für die schlechten Zeiten angesehen werden – für ethnische Mazedonier sind das die einheimischen Albaner und für die ethnische Albaner sind es – natürlich – die Mazedonier.

 

Aber jedes Wochenende und im Sommer sind wir gemeinsam am Strand in Griechenland. Im Winter fahren wir Ski in Bansko oder shoppen in Sofia. Unser Obst, unseren Wein und unser Gemüse verkaufen wir am liebsten in Albanien und Kosovo.

 

Aber ansonsten finden wir uns nett. In punkto Gastfreundschaft belegen wir Platz 3 in der Welt.

 

Die meisten Gäste kommen nach Skopje und Ohrid, wo sie unsere Weine und unseren Rakija (Schnaps) trinken. „Schopska Salat“ (Tomaten, Gurken, Schafskäse), dazu eine Ohrider Forelle oder „Tavce-Gravce“ (gebackene Bohnen, am liebsten mit geräucherten Schweinerippen) sind unsere leckersten Nationalgerichte.

 

In Ex-Jugoslawien hieß es:

“Durch Bosnien darf man nicht singen, durch Serbien nicht tanzen und durch Mazedonien nicht singen und tanzen, weil die Gastgeber es besser können.” 

 

Das Land ist stolz auf „Leb I Sol“, eine Rock Gruppe aus alten Zeiten, auf den Klavierspieler Simon Trpcevski, die verstorbene Poplegende Toshe Proevski, und auf Esma Redzepova, die Königin der Roma-Lieder.

 

In den vergangenen drei Jahren sind in der Hauptstadt Skopje, am Hauptplatz Makedonija, 6 neue Gebäude und 10 neue Monumente gebaut worden. Auf der anderen Seite des Flusses Vardar weitere 8 Gebäude, ein neuer Platz, 4 Fontänen und noch mal mehr als 50 Monumente, dazu zwei neue Brücken, ein paar Fontänen im Fluss… Jetzt baut man Schiffe, vor allem alte römische Galeeren. Das alles kann man bei einer Rundfahrt im Doppelstockbus, wie in London, sehen.

 

Da bleibt der Mund offen, nicht nur zum Essen, sondern vor Staunen.

Blick auf Mazedonien von Lyubisha Nikolovski (freier Mitarbeiter in Skopje)

Als ich geboren wurde, hieß mein Land noch Republik Mazedonien. Jetzt wird es von einigen FYROM genannt und wenn Griechenland seinen Druck erhöht, bekommen wir vielleicht einen anderen Namen, z.B. Nord- oder Hochmazedonien. Das spielt aber überhaupt keine Rolle, solange wir Mazedonier bleiben. Währenddessen vergeuden wir unsere Zeit damit Monumente, Gebäude und Galerien am Fluss Vardar zu bauen und versuchen zu beweisen, dass wir die echten Erben von Alexander dem Großen sind.

 

Solange wir die Politik außer Acht lassen, ist Mazedonien ein schönes Land, angefangen mit den verschneiten Gipfeln des „Shara“ bis hin zu den Schönheiten am Ohrid-See. Ohrid ist das Jerusalem Mazedoniens. 365 Kirchen gibt es dort, für jeden Tag eine. Eine andere Sehenswürdigkeit, die Mazedonien besonders und stolz macht ist das altertümliche Observatorium von Kokino. Die NASA erklärte es 2005 in ihrem „Timeless Knowledge“ Projekt zum viert-bedeutendsten astrologischen Erbe der Welt. Direkt hinter Stonehenge (England), Abu Simbel (Ägypten) und Angkor Wat (Kambodscha).

 

Außer meiner Heimatstadt Skopje gefällt mir die Stadt Bitola sehr gut. Dort war zur Zeit des Osmanischen Reiches der Sitz der Konsule und Kemal Atatürk, der Gründer der modernen Türkei, ging dort zur Militärschule.

 

Obwohl Mazedonien ein kleines Land mit politischen und wirtschaftlichen Problemen ist, glaube ich, dass wir diese unruhigen Zeiten überstehen und ein modernes, europäisches Land werden.

Lade Inhalte

Autor: Lade Inhalte
0:00 | 0:00