Pristina Stadtansicht. Foto: BR | Besnik Hamiti

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Blick auf Kosovo von Zana Cimili (freie Mitarbeiterin in Prishtina)

Die Eigenständigkeit des Landes ist noch immer sehr frisch. Nach dem Ende des Kosovokrieges 1999 stand der Kosovo 8 Jahre unter UN-Verwaltung. Erst 2008 erklärte er als jüngster Staat Europas seine Unabhängigkeit und wurde seither von mehr als 100 Staaten anerkannt. Die EU und die USA haben hier viel investiert, verschiedene Missionen wie die KFOR (unter Leitung der NATO), UNMIK und EULEX sind noch immer im Land aktiv.

 

Vieles wurde erreicht – viel bleibt noch zu tun. Probleme wie Korruption, Eingriffe in die Justiz, ein schwieriges Investitionsklima behindern die Entwicklung des neuen Staates.

 

Die kosovarische Bevölkerung ist bekannt für ihren Optimismus und ihre Geduld – eine Geduld die fast nie endet. „Es wird gut werden“, ist ein bekannter Ausspruch. Leider wird diese Hoffnung oft enttäuscht. Meiner Meinung nach sind nicht die heutigen PolitikerInnen die besseren RepräsentantInnen unseres jungen Staates, sondern die KünstlerInnen und SportlerInnen. Der Kosovo gilt als das Land mit der durchschnittlich jüngsten Bevölkerung in Europa, rund 70 Prozent sind unter 35 Jahre alt. Fleiß und Kreativität werden unter anderem mit Erfolgen in den Bereichen Sport, Musik, IT und Innovation belohnt.

 

Leider ist auch hier die Abwanderung ins Ausland ein großes Problem – trotz der starken Familienbande. Für die Kosovaren ist Familie alles. Es vergeht kein Tag, an dem die Eltern nicht besucht oder zumindest mit ihnen telefoniert wird. Auch zu den Verwandten die ins Ausland abgewandert sind wird enger Kontakt gehalten. Die Diaspora ist bekannt dafür, dass sie ihre Familien im Kosovo finanziell unterstützt. Und das bereits seit den 90er-Jahren, in der Zeit des Milosevic-Regimes, als die Kosovoalbaner gezwungen wurden ihre Arbeitsplätze zu verlassen, und somit ihre Einkünfte verloren. 2019 haben diese Überweisungen aus dem Ausland, vor allem aus Deutschland und der Schweiz, den Wert von 800 Millionen Euro überschritten. Abgesehen davon ist es die Diaspora, die einen Hauch von Europa in den Kosovo bringt. Eigene Reisen in die EU-Staaten sind aufgrund der Visumpflicht für EinwohnerInnen des Kosovo nach wie vor schwierig zu realisieren. Die Menschen im Kosovo sind sehr stolz auf ihre Prominenten in der Diaspora, wie die Fußballer Xherdan Shaqiri, Milot Rashica und Granit Xhaka oder die Sängerinnen Dua Lipa, Rita Ora und den Rapper Gashi, die zu den Top-KünstlerInnen der Welt zählen.

 

Außerdem haben zwei Festivals die im Kosovo stattfinden, das Filmfestival „Dokufest“ in Prizren und das „Sunny Hill Festival“, ein internationales Musikfestival in der Hauptstadt Prishtina, das Land international im positiven Sinn bekannter gemacht.

 

Bekannt sind die Menschen im Kosovo auch für ihre Gastfreundschaft. Diese Tradition wird seit Jahrhunderten gepflegt und ist einer der Gründe warum TouristInnen so gerne wiederkommen. Eine Besonderheit ist der gute Macchiato, der hier nur einen Euro kostet. Mit ein Grund, warum die Cafés trotz der hohen Arbeitslosigkeit von über 40 Prozent immer voll sind. Der andere ist, dass die Menschen im Kosovo ihre Café-Tradition lieben. Sie ist Teil ihrer Lebensart, bei der das Vergnügen an erster Stelle steht.

Blick auf Kosovo von Besnik Hamiti (freier Mitarbeiter in Prishtina)

Kosovo ist die letzte von acht Regionen, die nach dem Zerfall von Ex-Jugoslawien unabhängig geworden ist. Als jüngstes Land Europas hat es auch die jüngste Bevölkerung auf diesem alten Kontinent.

 

Anfangs Illyrische Provinz von Dardanos, danach Teil des Römischen Reiches, Teil von Alt-Serbien, Teil des Osmanischen Reiches, Teil des Königreichs Jugoslawien, dann der Jugoslawischen Föderation. Über Jahrhunderte kämpfte Kosovo schon für seine Unabhängigkeit. Unter der Führung des Gründungsvaters des unabhängigen Kosovos Ibrahim Rugova und nach Eingreifen der internationalen Gemeinschaft, mit mehr als 12.000 Kriegsopfern, wurde das Land 1999 frei. 2008 erklärte Kosovo seine Unabhängigkeit, die von mehr als 100 Ländern der Welt anerkannt wurde.

 

Die großen Wirtschaftszweige sind Landwirtschaft, Bergbau und die Energieproduktion. Trotzdem bleibt Kosovo weiterhin eines der ärmsten Länder Europas mit der höchsten Arbeitslosenrate. Wegen der ungelösten ethnischen Konflikte zwischen Albanern und Serben ist immer noch eine von der NATO geleitete Friedenstruppe von 5.000 Soldaten im Land stationiert.

 

Kosovo verfügt über natürliche Ressourcen, ein kulturelles und historisches Erbe und eine junge und optimistische Bevölkerung. Grundsteine für die zukünftige Entwicklung des Landes.

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