Pristina Stadtansicht. Foto: BR | Besnik Hamiti

Blick auf Kosovo von Besnik Hamiti (freier Mitarbeiter in Prishtina)

Kosovo ist die letzte von acht Regionen, die nach dem Zerfall von Ex-Jugoslawien unabhängig geworden ist. Als jüngstes Land Europas hat es auch die jüngste Bevölkerung auf diesem alten Kontinent.

 

Anfangs Illyrische Provinz von Dardanos, danach Teil des Römischen Reiches, Teil von Alt-Serbien, Teil des Osmanischen Reiches, Teil des Königreichs Jugoslawien, dann der Jugoslawischen Föderation. Über Jahrhunderte kämpfte Kosovo schon für seine Unabhängigkeit. Unter der Führung des Gründungsvaters des unabhängigen Kosovos Ibrahim Rugova und nach Eingreifen der internationalen Gemeinschaft, mit mehr als 12.000 Kriegsopfern, wurde das Land 1999 frei. 2008 erklärte Kosovo seine Unabhängigkeit, die von mehr als 100 Ländern der Welt anerkannt wurde.

 

Die großen Wirtschaftszweige sind Landwirtschaft, Bergbau und die Energieproduktion. Trotzdem bleibt Kosovo weiterhin eines der ärmsten Länder Europas mit der höchsten Arbeitslosenrate. Wegen der ungelösten ethnischen Konflikte zwischen Albanern und Serben ist immer noch eine von der NATO geleitete Friedenstruppe von 5000 Soldaten im Land stationiert.

 

Kosovo verfügt über natürliche Ressourcen, ein kulturelles und historisches Erbe und eine junge und optimistische Bevölkerung. Grundsteine für die zukünftige Entwicklung des Landes.

Blick auf Kosovo von Dardan Sadriu (freier Mitarbeiter in Prishtina)

Am 17. Februar 2014 feierte Europas jüngstes Land seinen sechsten Geburtstag. Und wenn vom Kosovo die Rede ist, liest und hört man sehr viel über Korruption, organisierte Kriminalität und Visa-Querelen. Aber das junge Land hat sehr viel mehr zu bieten: die jüngste Bevölkerung Europas, rund 75 % der Bevölkerung sind jünger als 35 Jahre. Die meisten haben in Europa studiert und sprechen Englisch und Deutsch. Die Kriminalitätsquote ist niedriger als in Europas Hauptstadt Brüssel.

 

Kosovaren würden für Kaffee sterben. Deshalb gibt es im Kosovo auch keinen „Coffee to go“ weil wir hier den Kaffee genießen und ihn auch ganz gemütlich trinken wollen. Prishtina bietet unzählige Cafés, Bars und Restaurants, die es locker mit vielen europäischen Hauptstädten aufnehmen können.

 

Bevor Besucher aus dem Ausland nach Kosovo kommen, lesen sie immer erst die Sicherheitshinweise ihrer Außenministerien. Dort lesen sie, dass mehr als 90 % der Bevölkerung Muslime sind. Aber was sie nicht wissen: Weniger als 0,1% können den Unterschied zwischen einem Muezzin und einem Mullah erklären. Die Menschen trinken Alkohol und rauchen, und es gibt weniger Frauen mit Kopftuch als auf den Straßen von Berlin!

 

Essen in Kosovo ist nichts ohne die Gastfreundschaft der Kosovaren. Der Kanun von Leke Dukagjini, die bekannteste Sammlung albanischen Gewohnheitsrechtes ist viele tausend Jahre alt, aber es gilt noch immer: “Mein Haus gehört dem Gast“. Zu den Nationalgerichten gehören Qebapa (Gehacktes vom Holzkohlengrill), Pasul bzw. Pasul ne tav (Eintopf aus weißen Bohnen bzw. gebackene weiße Bohnen), Suxhuk (Knoblauchwurst), Speca t´musht (gefüllte Paprika mit Fleisch und Reis), Pleskavica (Fleischpastetchen aus Rind und Lamm). Jeder Gast in unserem Land muss viel essen, so drückt man dem Gastgeber gegenüber seinen Dank aus.

 

Der ehemalige Präsident des Kosovo und Schriftsteller Ibrahim Rugova hat unser Land in der Welt bekannt gemacht. Seine Art überzeugte, er war stets pazifistisch und ruhig. Und das zu einer Zeit, in der auf dem Balkan Gewalt und Krieg herrschten. Rugova hat gezeigt, dass wir auch anders können – mit Leidenschaft und Ruhe.

 

Wir haben zwar mit vielen Problemen zu kämpfen: Die Arbeitslosigkeit ist hoch (auf bis zu 40% wird sie geschätzt), Korruption und organisierte Kriminalität bestimmen noch den Alltag. Aber die jungen Leute des Landes geben nicht auf. Sie sind kreativ, enthusiastisch, lernbegeistert und offen für Innovation.

 

Kein Wunder, dass viele Witze in Kosovo so beginnen:

„Ein Deutscher, ein Amerikaner und ein Kosovare treffen sich“ ….

Der Schlaueste ist am Ende immer der Kosovare.

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