Der albanische Nationalheld Skanderbeg auf dem Skanderbeg-Platz in Tirana. Foto: BR | Astrit Ibro

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Blick auf Albanien von Astrit Ibro (freier Mitarbeiter in Tirana)

Albanien ist mit 28.748 km² ungefähr so groß wie Baden-Württemberg und damit eines der kleineren Länder Europas. Es liegt dem Absatz des italienischen Stiefels gegenüber, auf dem Südwestbalkan. Das Land ist 340 Kilometer lang und an der breitesten Stelle 140 Kilometer im Durchmesser. Im Norden und Nordosten grenzt Albanien an Montenegro und Kosovo, im Osten an Mazedonien, im Süden und Südosten an Griechenland. Albanien ist ein Bergland: Berge und Hügel machen zwei Drittel des Balkanlandes aus. Der höchste Berg, Korabi (2764 m), befindet sich im Osten des Landes. Albanien hat ein reiches touristisches Potential: 460 Kilometer Küste, vier Seen, sieben große Flüsse und viele Berge, vor allem die nordalbanischen Alpen, die sich durch eine zauberhafte Landschaft auszeichnen. Albanien gehört zu den wasserreichsten Ländern Europas. Trotzdem gibt es leider noch keine stabile Trinkwasserversorgung für die 3,1 Mio. Albaner im Land.
Es gibt eine starke Abwanderung ins Ausland: In den vergangenen 23 Jahren sind mehr als eine Million Menschen von Albanien nach Griechenland und Italien, aber auch in andere europäische Länder, sowie nach Übersee, in die USA und Kanada, ausgewandert. Seit 2010 können Albaner ohne Visum in das Schengen-Gebiet reisen. In 45 Jahren der kommunistischen Herrschaft konnten nicht einmal die Vögel frei fliegen. Einer der kürzesten Witze aus dieser Zeit: „Albanischer Tourist“.

 

Das albanische Volk ist ein junges Volk. Das Durchschnittsalter beträgt 31 Jahre. Albaner leben auch in den Nachbarländern, wie im Kosovo, in Mazedonien, Montenegro, Griechenland und in Süditalien. Die Albaner sehen sich selbst als direkte Nachkommen der Illyrer, die seit dem Beginn der Eisenzeit die Ostküste der Adria bewohnten. Laut historischen Quellen lebte und studierte in der südalbanischen Altstadt Apollonia Octavian, der spätere Kaiser Augustus. Am Felsen von Kavaja bei Durres schlug Pompejus im römischen Bürgerkrieg Cäsar.

 

Die Sprache der Albaner ist Albanisch, ein Ableger der indo-europäischen Sprachfamilie.

 

Berüchtigt ist Albanien wegen der Blutrache, die in einigen nordalbanischen Regionen leider auch heute noch praktiziert wird. Manche vergleichen die Muslime in Albanien auch mit denen der arabischen Welt. Doch das stimmt so nicht. Die Albaner haben in der Geschichte mehr Wert auf ihr Überleben als auf die Religion gelegt. War im 19. Jahrhundert die Religion der Albaner das „Albanertum“, ist sie heute „Westeuropa“. Etwa 95 Prozent der Bevölkerung sind heute für die EU-Integration.

 

In Albanien leben drei große Religionsgemeinschaften in Frieden und Freundschaft zusammen: Muslime, Orthodoxe und Katholiken. Albanien wurde in der Geschichte zweimal christianisiert und einmal islamisiert. Zwischen 1967 und 1990 war Albanien in der kommunistischen Zeit unter Enver Hodxha das einzige atheistische Land der Welt.

 

Viele Deutsche haben Albanien nur durch Karl Mays Buch „Im Land der Skipetaren“ kennengelernt. Wenige wissen, dass ein Deutscher – Wilhelm Prinz zu Wied – im Jahr 1914 ein halbes Jahr lang Albanien regierte.

Albanischer Nationalheld ist Gjergj Kastrioti Skanderbeg, der im Mittelalter die westliche Zivilisation vor den osmanischen Heeren geschützt hat. Auch Mutter Teresa, die weltberühmte Nonne und Friedensnobelpreisträgerin, ist eine gebürtige Albanerin. Stolz sind die Albaner auch darauf, Juden im Zweiten Weltkrieg Schutz geboten zu haben. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebten in Albanien mehr Juden als vorher.

Bekannte Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur sind der Schriftsteller Ismail Kadare, dessen Romane in mehr als 35 Fremdsprachen, darunter auch ins Deutsche übersetzt worden sind, oder Dritero Agolli und Fatos Kongoli, aber auch der Maler Ibrahim Kodra, ein würdiger Vertreter des Kubismus, ganz zu schweigen von den berühmten Sopranistinnen Inva Mula und Ermonela Jaho. Einen Ehrenplatz in der albanischen Kunstgeschichte nimmt zweifelsohne der weltberühmte Schauspieler Alexander Moissi ein, Sohn eines albanischen Kaufmanns aus Kavaja.

 

Albanien ist heute eine parlamentarische Republik. Derzeit regiert eine linke Koalition. Ministerpräsident ist der Sozialist Edi Rama, bekannt als Maler und Basketballspieler. Er war 10 Jahre Bürgermeister der Hauptstadt Tirana und hat die Stadt bunt angemalt. Albanien ist seit 2009 Nato-Mitglied und bemüht sich, den Status des EU-Kandidaten zu erhalten.

 

Viele Ausländer kommen mit Vorurteilen zu uns, doch bei uns erleben sie eine beispiellose Gastfreundschaft. Lammfleisch und Raki bietet man in jeder albanischen Familie an. Albaner empfangen Fremde oft mit den Worten: „Brot, Salz und Herz“, das heißt, der Gast wird mit Brot, Salz und einem offenen Herz empfangen.

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