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Der kroatische Parlamentspräsident Gordan Jandrokovic (li), Ministerpräsident Andrej Plenkovic (mitte) und der Gesundheitsminister Vili Beros ließen sich am Mittwochvormittag öffentlichkeitswirksam mit dem Impfstoff von AstraZeneca impfen. Foto: picture alliance | PIXSELL | Jurica Galoic

unterschiedliche Corona-Lage in den südosteuropäischen EU-Ländern
Infektionszahlen und Impftempo

Das Impftempo ist in den fünf südosteuropäischen EU-Ländern sehr unterschiedlich: Ungarn hat bereits knapp 22 Prozent der Bevölkerung geimpft – nicht zuletzt durch die Verimpfung der russischen und chinesischen Vakzine. Slowenien und Rumänien liegt rund 14 und 13 Prozent im gutem EU-Mittelfeld, Kroatien hat knapp neun Prozent der Bevölkerung geimpft, und Schlusslicht ist Bulgarien. Dort haben erst knapp sechs Prozent zumindest eine erste Impfung erhalten. Allen gemein ist nicht allein nur die Tatsache, dass sie sowie zahlreiche Staaten weltweit durch die weitaus ansteckendere britische Corona-Mutation steigende Infektionszahlen aufweisen. Auch die Gesundheitssysteme, oftmals durch Personalabwanderung in westliche EU-Länder und unzureichende Finanzierung geschwächt, stoßen in der dritten Corona-Welle an ihre Grenzen.

RUMÄNIEN

In Rumänien sind die Betten auf den Intensivstationen nahezu vollständig belegt: Nach Angaben des Corona-Krisenstabs liegen knapp 1.340 Patienten auf den Intensivstationen, bei einer landesweiten Bettenkapazität in den Corona-Krankenhäusern von etwas über 1.400. Zwar soll die Anzahl der Intensivbetten um 200 erhöht werden, wie die Regierung ankündigt. Aber mit dem Infektionsgeschehen könne man nicht mithalten. Nach Worten des rumänischen Intensivmediziners Dr. Radu Tincu führt die britische Corona-Mutante zu einer „viel stärkeren Belegung der Intensivbetten“ und somit zu einer viel geringeren Anzahl freier Intensivbetten im Vergleich zum letzten Jahr. In den letzten 14 Tagen steckten sich im Durchschnitt circa 360 Menschen täglich an, fast dreimal so viele wie noch vor einem Monat. Die britische Corona-Mutante ist hier für 90 Prozent der Neuinfektionen verantwortlich. Mittlerweile steige die Anzahl von Patienten unter 60 und 50 Jahren auf den Intensivstationen. Die Vorschläge von Gesundheitsminister Vlad Voiculescu, der im Februar Schnelltests in den Schulen vorgeschlagen hatte, wurden von der Regierung nicht aufgenommen. Insgesamt, so sagt Epidemiologe Dr. Ocatvian Jurma, werde viel zu wenig getestet.
Ärgerlich und mühsam sind für viele Impfwillige in Rumänien die rigiden Termin- und Ortsvorgaben für die Impfung. Die Anmeldeplattform macht es oft schier unmöglich, sich in der in der Nähe des eigenen Wohnortes anzumelden. Stattdessen müssen oft regelrechte Expeditionen in Hunderte Kilometer weit entfernte Ortschaften unternommen werden, um sich impfen zu lassen. Der Leiter der „Nationalen Impfkampagne“, Valeriu Gheorghiță, spricht, offenkundig verharmlosend, über die entstehenden die Kosten und Mühen dieses Aufwandes von einem „natürlichen Wettbewerb“. Freie Impfplätze lassen sich oft nur in entlegenen Dörfern finden. – Zudem fehlt an Intensivmedizinern und Pflegepersonal – viele Ärzte und Krankenschwestern sind in den vergangenen Jahren ins westliche EU-Ausland abgewandert.

UNGARN

Personalmangel herrsche auch im ungarischen Gesundheitswesen, obgleich dies nur wenige Mediziner im Land offen aussprechen. Ministerpräsident Viktor Orban betont seit längerem, dass Ungarn genügend Betten und Beatmungsgeräte habe. Dies sei zutreffend, allerdings fehle es an ausreichend Personal. Ärztinnen und Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger arbeiteten bis an ihre Leistungsgrenzen. Der Chef der Medizinischen Universität Semmelweis in Budapest, Bela Merkely, erklärte gegenüber dem ungarischen TV-Sender RTL, es gebe keine Schwierigkeiten mit der Anzahl der Intensivbetten, sondern damit, „wie wir dafür die personellen Ressourcen sichern können.“ In Schnellkursen will daher die Ärztekammer im Bezirk Györ Freiwillige für den Dienst auf den Intensivstationen gewinnen. Ähnliches beabsichtigt auch die Med-Uni Semmelweis. Ungarn leidet derzeit unter heftig hohen Neuinfektionen, die 14 Tage Inzidenz liegt bei über 1.100.

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BULGARIEN

In Bulgarien sind die Kapazitäten der Krankenhäuser fast erschöpft. Deutlich steigende Neuinfektionen vermelden die Gesundheitsbehörden. Landesweit liegt die 14 Tage Inzidenz bei rund 480, in der Hauptstadt bei rund 800, in Burgas bei 900. Der Anstieg der Zahlen wird vor allem auf die Missachtung der allgemeinen Vorsichtsmaßnahmen zurückgeführt – Maskentragen und Abstandhalten. Am 1. März durften die ganze Gastronomie und die Kulturstätten wieder öffnen, wenn auch nur mit 50% der Kapazitäten. Das wurde mit Beginn der Woche wieder zurückgenommen. Ebenso wurden die Schulen wieder geschlossen, die bis Anfang der Woche im Wechselunterricht geöffnet waren.  Das Impftempo, so stellt Dr. Stojtscho Kazarow, der Vorsitzende des bulgarischen Zentrums für den Schutz der Rechte im Gesundheitswesen fest, sei leider „in unserem Land extrem niedrig. Wir sind weiterhin die letzten in Europa.“ Ohne Impfung sei der Lockdown das einzige Mittel, um den Druck auf das Gesundheitssystem zu verringern. Es gebe kein anderes Mittel.

KROATIEN UND SLOWENIEN

Kroatien und Slowenien wählen, trotz unterschiedlich ausgeprägter Infektionszahlen in den jeweiligen Landesteilen, den langsamen Weg aus dem Lockdown: Seit Anfang März sind die kroatischen Restaurants und Cafés „draußen“ geöffnet, obgleich es sich, so Marusa Stamac vom kroatischen Unternehmer-Verband, noch nicht unbedingt für alle Gastwirte rentiere. Die Hälfte der Gastwirte, die Außenterrassen hätten, würden diese gar nicht geöffnet haben. Es lohne sich für sie zu diesem Zeitpunkt nicht, denn unter Einhaltung aller Vorschriften könnten sie nicht genügend Tische aufstellen, um die Betriebskosten zu decken.
In Kroatien steigen die Neuinfektionen derzeit stark an. Knapp 1.900 neue Fälle und 20 Tote wurden innerhalb der letzten 24 Stunden registriert. Zu einer erneuten Verschärfung der Maßnahmen kommt es allerdings nicht – mit Ausnahme des Schulunterrichts in vielen Regionen, die wieder zum Online-Unterricht übergehen mussten. Ministerpräsident Andrej Plenkovic, der Gesundheitsminister und der Parlamentspräsident ließen sich am Mittwochvormittag öffentlichkeitswirksam mit dem Impfstoff von AstraZenica impfen.

Slowenien weist derzeit doppelt so hohe Infektionszahlen als Kroatien auf. Die Corona-Regeln sind – relativ – streng. So wird etwa beim Betreten eines Supermarkts oder Einkaufszentrums die Besucherzahl genau kontrolliert, um nicht die zulässigen Kunden-Obergrenze zu überschreiten. Seit dieser Woche können auch in Slowenien die Außenterrassen wieder öffnen, was bei diesen Bewohnern von Postojna, auf halben Weg zwischen Ljubljana und Triest, einhellig begrüßt wird: Es sei schön, „nach langer Zeit wieder mit Freunden draußen Kaffee zu trinken.“

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