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Kann der Lachs aus dem 3D-Drucker tatsächlich echten Fisch ersetzen? Fotocollage: BR | Karin Straka

Veganer Lachs aus dem 3D-Drucker
FISCH gedruckt

Ein kleiner Bagel-Laden in Wien. Die große Sensation steht hier ganz bescheiden an der Wand. Ein 3D-Drucker, nicht besonders auffällig. Unbeeindruckt von den Testkunden, die an diesem Tag in den Bagel-Laden gekommen sind, schiebt sich die spitze Drucknadel über eine weiße Platte. Heraus kommt eine lachsfarbene Masse, Millimeter für Millimeter. Schon jetzt sind fischförmige Objekte zu erkennen. Ein paar Stunden dauert das. Wenn die Masse erst einmal getrocknet ist, soll sie die perfekte Geschmacksillusion sein: Veganer Lachs. Fisch aus dem Drucker, dem ersten Lachs 3D-Drucker überhaupt.

Tinte für den Drucker

Das eigentliche Erfolgsgeheimnis ist die lachsfarbene Masse, die Zutat oder besser gesagt: die Tinte für den Drucker. Eine Mischung aus pflanzlichen Stoffen und Algenextrakten. Woraus genau sie besteht sei Betriebsgeheimnis, sagt Robin Simsa. Er hatte die Idee vom Lachsdrucker, gründete eine Firma und arbeitet jetzt intensiv daran, den gedruckten Lachs markt- und massentauglich zu machen. Sein Ziel: Das vegane Produkt aus dem Drucker soll nicht nur wie Lachs schmecken. Es soll auch so aussehen und sich im Mund genauso anfühlen. „Lachs hat diese orangenen Muskelfasern und das weiße Bindegewebe“, sagt Simsa. „Das erfordert eine sehr genaue Kontrolle über die Struktur des Produktes, das hat man mit fast keiner anderen Herstellungsmethode, aber mit dem 3D-Druck hat man die Kontrolle über die Struktur.“

Das Start-up Team (v.l.n.r.): Bart van Hensbergen, Manuel Lachmayr, Robin Simsa und Theresa Rothenbücher. Foto: BR | Yvonne Samsarova
Das Start-up Team (v.l.n.r.): Bart van Hensbergen, Manuel Lachmayr, Robin Simsa und Theresa Rothenbücher. Foto: BR | Yvonne Samsarova

Konkurrenz für den Fischhandel?

Ein paar Straßen weiter in einer beliebten Fischhandlung. Seit 1912 ein Familienbetrieb. Hier liegt echter Fisch in der Auslage. Lachs, Forelle, Saibling, Kabeljau. Eine wirkliche Konkurrenz sieht Geschäftsführer Michael Cervenka im gedruckten Fisch nicht. Er hält ihn für überflüssig. Gegen vegetarische Ernährung habe er absolut nichts. Veganer versteht er allerdings nicht und schon gar nicht die Idee vom veganen Fisch: „Ein Fisch der mit Fisch nix zu tun hat ist sinnlos. Dann esse ich vegan doch lieber das was mir die Natur anbietet. Warum muss ich nachempfinden, dass das aussieht wie ein ‚Fleischlaberl’ – oder ein Fisch?“. Allerdings: anbieten würde er den veganen 3D-Fisch schon in seinem Laden, sollte er sich wirklich durchsetzen.

Und wie schmeckt's?

Zurück in den Bagelshop im Zentrum von Wien. Testessen des gedruckten Lachses, garniert mit Salat als Bagel-Variante. Die Idee hat sich herumgesprochen. In persönlichen Gesprächen versucht Geschäftsführer Simsa, jeden Einzelnen von der Nachhaltigkeit seiner Idee zu überzeugen. „Absolut umweltfreundlich!“, sagt er. „Keine Überzüchtung, keine Überfischung“. Nach ein paar Bissen die ersten Urteile: „Ich war überzeugt, dass es echter Fisch ist.“, sagt Michael Böhm, „Von der Konsistenz und von der Farbe her, ich find’s gut“. Auch Jasmin Spreer schmeckt’s: „Sehr rauchig, sehr fischig. Ich wüsste nicht, ob ich den unterscheiden könnte zwischen einem echten Räucherlachs und dem.“

Im Bagel-Laden druckt der 3D-Drucker schon die nächste Runde. Noch sind die Mengen zu gering, der Drucker zu langsam, um wirklich für den täglichen Straßenverkauf zu produzieren. Robin Simsa sucht deshalb nach weiteren Investoren, nach eigenen Läden und nach Personal. Sein Ziel: Druckfisch für alle. Erst in Wien. Und so bald wie möglich dann in ganz Europa.

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Beitrag: Yvonne Samsarova

Kamera: Markus Breiner

Videobearbeitung: Thomas Wachholz

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