Google Maps-Vorschau - es werden keine Daten von Google geladen.

10.000 bis 15.000 m³ Müll schwimmen im Moment in der Drina schätzt Dejan Furtula von der lokalen Umweltorganisation 'Eko Centar' in Visegrad. Foto: BR | Eldina Jasarevic

Umweltverschmutzung in Bosnien-Herzegowina
Der Fluss Drina versinkt im Müll

Der bosnisch-serbische Grenzfluss Drina hat ein Müllproblem. Tausende Kubikmeter Unrat treiben als regelrechte Müllinseln auf dem Fluss. Anfang Januar gefährdeten die Müllmassen sogar die Stromproduktion in einem Wasserkraftwerk in der Nähe der Stadt Visegrad in Bosnien. Die Gründe für die Verschmutzung sind vielfältig. Der Fluss reißt bei Hochwasser die vielen illegalen Mülldeponien entlang seines Ufers einfach mit, vermüllte Zuflüsse der Drina aus den Nachbarländern Montenegro und Serbien verschärfen das Problem zusätzlich.

Startup aus Deutschland hilft

Das Startup „Everwave“ aus Aachen hilft mit seinem speziell konstruierten Müllsammelschiff „CollectiX“ bei der Säuberung des Flusses. Clemens Feigl, einer der Mitbegründer, ist schockiert von den Müllmengen:

„Was hier drinnen ist, ist einfach unglaublich. Alles was man sich vorstellen kann, wie gesagt: Kühlschränke, Autoreifen, Plastikflaschen, Plastiktüten. […] So unglaublich große Mengen an Müll an einem Ort gesammelt haben wir tatsächlich noch nie gesehen.“

Clemens Feigl, Everwave

Die „CollectiX“ wirkt auf den ersten Blick unscheinbar. Doch das kleine Boot hat es in sich. Es kann ein Förderband ausfahren und fast drei Tonnen schwimmenden Müll auf die Ladefläche hieven. Sensoren erkennen dann mithilfe künstlicher Intelligenz, um welchen Müll es sich genau handelt. So lassen sich wichtige Daten über Beschaffenheit und Herkunft des Abfalls gewinnen. Zehn Tonnen Müll pro Tag sollen damit aus dem Fluss gefischt werden.

Eine lokale Umweltorganisation kämpft für Änderungen in der Umweltpolitik

Das ist ein Bruchteil dessen, was im Moment auf der Drina schwimmt. Auf 10.000 bis 15.000 m³ schätzt Dejan Furtula von der lokalen Umweltorganisation „Eko Centar“ in Visegrad die aktuelle Müllmenge im Wasser. Der Verein kämpft seit Jahren für eine Sanierung der Mülldeponien und Strafen für Umweltsünder. Dejan Furtula warnt auch vor weiteren Gefahren für die Gesundheit:

„Wir essen viel Fisch aus der Drina, die für ihren Fischreichtum bekannt ist. Damit nehmen wir aber auch viel Mikroplastik zu uns. Die Mülldeponien brennen ständig - das ist ein Verschmutzungskreislauf. All das kommt dann in die Luft, die wir wieder einatmen.“

Dejan Furtula, Bürgerverein „Eko Centar“

Jela und Stanislav aus Visegrad sind gekommen, um sich die Reinigungsaktion anzusehen. Sie haben ein kleines Häuschen an der Drina. Die Müllmengen schockieren sie zwar, im Fischfang sieht Stanislav aber kein Problem:

„Ja, wir essen ihn. Das, was auf der Oberfläche schwimmt, ist nicht so schädlich. Man findet mal einige Dosen Farbe oder Verdünner, aber das sind kleine Mengen in so viel Wasser. Wenn das Wasser stark verschmutzt wäre, würden die Fische auch vergiftet sein. Tote Fische haben wir aber noch nicht gesehen. Das wäre ein Warnsignal für uns.“

Stanislav aus Visegrad

Jela und Stanislav betonen, dass der Fluss nur zu bestimmten Zeiten, etwa nach Hochwässern oder der Schneeschmelze, derart verschmutzt ist. Man könne sonst sogar zwei bis drei Meter in die Tiefe sehen, meint Stanislav. Kaum vorstellbar bei dem derzeitigen Anblick. Dejan Furtula von der lokalen Umweltorganisation hingegen hofft auf eine dauerhafte Lösung der Müllproblematik und setzt auf die Hilfe von europäischen Unternehmen, wie dem deutschen Startup „Everwave“.

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten direkt von YouTube geladen.

Videomaterial: Eldina Jasarevic

Videobearbeitung: Karin Straka

Was Sie noch interessieren könnte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.