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Foto/Illustration: BR | Besnik Hamiti

Aktuelle Coronavirus Situation in Südosteuropa und Österreich
Wie läuft die Impfung gegen COVID-19?

Lieferengpässe bei den Impfdosen sind derzeit das beherrschende Thema in der EU. Einige Länder müssen ihre ehrgeizigen Impfpläne gegen COVID-19 deshalb verlangsamen oder gar stoppen. Für die meisten Länder auf dem Balkan außerhalb der EU heißt es warten, da für sie noch kein Impfstoff zur Verfügung steht. Zum Teil wird hier auf Lieferungen der in der EU nicht zugelassenen Impfstoffe aus Russland und China gesetzt.

ALBANIEN - Impfung im Fußballstadion

Mit 975 Dosen von BioNTech/Pfizer begann Albanien am 11. Januar im „Air Albania“-Nationalstadion von Tirana die nationale Impfkampagne. Bis letztes Wochenende wurden hier rund 550 ÄrztInnen und PflegerInnen aus den Covid 19-Krankenhäusern der Hauptstadt Tirana geimpft. Gesundheitsministerin Manastirlliu rechnet damit, dass Januar und Februar bis rund 41.000 Dosen geliefert werden, so dass dann rasch weitere Zielgruppen ihre Impfung bekommen könnten. Das Land hat mit BioNTech/Pfizer einen Vertrag über insgesamt 499.590 Dosen unterzeichnet. Diese sollten bis Juli geliefert werden. Daneben verhandelt Albanien auch mit den Herstellern AstraZeneca und Moderna und hält sich eine Option auf russische und chinesische Impfstoffe offen. So wird die Gesundheitsministerin mit der Aussage zitiert: „Wenn sie von den amerikanischen und europäischen zuständigen Einrichtungen zugelassen werden, können wir auch diese Impfstoffe in Betracht ziehen.“

Die Regierung möchte die komplette Bevölkerung innerhalb der nächsten 14 Monate impfen. Ist das nicht möglich, will man es in 18 bzw. 24 Monaten schaffen. Im armen Albanien ist die Impfung kostenlos. Eine Pflicht soll es nicht geben. Wie auch in anderen Ländern werden als erste etwa 5.000 ÄrztInnen und PflegerInnen geimpft. Die nächste Gruppe sind SeniorInnen über 75 Jahren. Dann folgen die rund 40.000 LehrerInnen und die etwa 12.000 PolizeibeamtInnen. Während die Opposition die Regierung kritisiert, gibt es in der Bevölkerung Akzeptanz. Als mögliche Erklärung verweisen BeobachterInnen auf die Mentalität der AlbanerInnen, die auch schon zu kommunistischen Zeiten regelmäßig geimpft worden seien und weswegen es auch kaum VerschwörungstheoretikerInnen gebe.

Autor: Astrit Ibro

AKTUELLE DATEN ALBANIEN 

7-Tage-Inzidenz: 204 (26.01.2021)

7-Tage-Inzidenz: 271 (19.01.2021)

(Quelle: Gesundheitsministerium Albanien)

BOSNIEN UND HERZEGOWINA - Noch kein Impfstoff in Sicht

Bosnien-Herzegowina hat wegen seiner komplizierten Staatsstruktur noch nicht mit den Impfungen gegen COVID-19 begonnen. An der Pandemiebekämpfung arbeitet nicht ein zentrales zuständiges Gesundheitsministerium auf Staatsebene, sondern dreizehn regionale Gesundheitsministerien. Die Entscheidung darüber welcher Impfstoff über welche Institutionen bestellt werden sollte, hat dementsprechend lange gedauert.

 

Zuerst wurden 1.232.000 Dosen über die Impfstoffplattform COVAX geordert, ausreichend für 20 Prozent der Bevölkerung. Weitere 892.000 Dosen sollten über EU-Mechanismen ins Land kommen. Da aber wegen der weltweiten Lieferengpässe diese bestellten und bereits bezahlten Dosen noch nicht angekommen waren, wurde letzte Woche beschlossen, zusätzlich direkt bei dem Hersteller BioNTech/Pfizer zu ordern. Auch russischer und chinesischer Impfstoff soll gekauft werden, um möglichst schnell mit der Impfung beginnen zu können. Das Institut für öffentliche Gesundheit im Kanton West-Herzegowina hat bereits beschlossen, den russischen Impfstoff Sputnik V zu besorgen. Interessierte BürgerInnen müssen sich auf eine Warteliste setzen lassen. Der Impfstoff selbst ist kostenlos, für die Impfung muss allerdings bezahlt werden.

Die russischen und chinesischen Impfstoffe wurden in der EU bisher nicht zugelassen. Deshalb gibt es Befürchtungen in der Bevölkerung Bosnien-Herzegowinas, dass die mit diesen Impfstoffen Geimpften später mit Einreisebeschränkungen in die EU rechnen müssen. Die Impfungen werden auf freiwilliger Basis durchgeführt – es sind keine Sanktionen für jene vorgesehen, die sich nicht impfen lassen wollen. Auch diejenigen, die bereits an Corona erkrankt waren, können sich impfen lassen. Obwohl die Prioritätenlisten noch nicht öffentlich bekanntgemacht wurden, ist es Medienberichten zu entnehmen, dass Ärzte und anderes Krankenhauspersonal wie auch über 65-Jährige und chronisch Kranke an der Spitze der Prioritätenliste stehen werden. Im Landesteil Republika Srpska sollen auch Journalisten zu dieser ersten Gruppe gehören.

Im Großen und Ganzen scheinen die Vorwürfe der Opposition an die Regierenden in Bosnien und Herzegowina, sie hätten die rechtzeitige Anschaffung der Impfstoffe verschlafen, gerechtfertigt zu sein.

Autorin: Eldina Jasarevic

AKTUELLE DATEN BOSNIEN UND HERZEGOWINA

Keine offiziellen Inzidenzwerte vorliegend.

BULGARIEN - Setzt auf AstraZeneca-Impfstoff für hohe Durchimpfungsrate

Zwei Wiener Würstchen mit Kartoffelsalat auf einem Teller. In einem Kühlbus eines Fleischproduzenten, verziert mit diesem Stillleben, wurden die ersten 1.000 Dosen des Impfstoffs von BioNTech/Pfizer gleich nach ihrer Ankunft in der bulgarischen Hauptstadt Sofia in die zweitgrößte Stadt des Landes, Plowdiw, transportiert. Dort wurden sie in einem 40 Jahre alten sowjetischen Kühlschrank „SIL“ gelagert, mit dem Argument, dass nur dieser abgeschlossen werden könne – mit Hilfe eines Vorhängeschlosses. Dieses Ereignis vom 26. Dezember 2020 sorgte für viele Witze in Bulgarien, aber auch für Verblüffung und Verdruss. Die 1.000 Impfdosen mussten zum Glück nur eine Nacht derart gesichert überstehen – sie wurden gleich am nächsten Tag verwendet.

 

In der ersten Phase der Impfkampagne in Bulgarien wird nur medizinisches Personal geimpft. Eigentlich: Denn in der Kleinstadt Sandanski in Südwestbulgarien erhielten auch der Vorsitzende des Gemeinderats, seine 3 Stellvertreter und weitere 16 Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung eine Spritze. Die Empörung war groß, die Erklärung scheinbar simpel: Im letzten Moment hätten sich Mediziner des lokalen Krankenhauses geweigert, geimpft zu werden, bei einigen wären Antikörper festgestellt worden. Deswegen wären 20 Dosen übrig geblieben. Konsequenzen aufgrund des Vorfalls gab es für niemanden.

Bisher bekam Bulgarien etwa 67.790 Impfdosen von BioNTech/Pfizer, dazu noch 2.400 Dosen von Moderna. Die meisten wurden schon verbraucht, denn die zuerst Geimpften erhielten inzwischen auch die zweite Spritze. Die Lieferungen sind klein, die Impfgeschwindigkeit langsam. Über 83.000 Dosen von BioNTech/Pfizer sollten bis Ende Februar, weitere 104.000 im März eintreffen. In den nächsten Tagen werden kleinere Mengen von Moderna erwartet. Die zweite Impfphase soll die LehrerInnen und die BewohnerInnen der Altersheime umfassen.

 

Die Hoffnungen auf eine Massenimpfung der Bevölkerung sind mit dem Impfstoff von AstraZeneca verbunden. Doch die BulgarInnen sind sowieso eher zurückhaltend, was die Impfung betrifft. Laut einer repräsentativen Umfrage von Gallup Int. Ende 2020 sind etwa 42 Prozent bereit, sich impfen zu lassen, 36 Prozent sind entschlossen dagegen, 22 Prozent zögern noch.

Autorin: Ekaterina Popova

AKTUELLE DATEN BULGARIEN

14-Tage-Inzidenz: 125 (27.01.2021)

14-Tage-Inzidenz: 108 (20.01.2021)

(Quelle: Gesundheitsministerium Bulgarien)

KOSOVO - Impfungen noch nicht gestartet

Wie es scheint, ist der Kosovo genauso wie Bosnien eines von wenigen Ländern in Europa, das mit der Impfung gegen Covid-19 noch nicht begonnen hat. Selbst das medizinische Personal wurde bislang nicht geimpft. Nach Regierungsangaben hat der Kosovo rund 500.000 Impfstoffdosen von BioNTech/Pfizer bestellt. Bisher hat das Unternehmen jedoch nicht bestätigt oder angegeben, ob und wann die ersten Dosen in den Kosovo geschickt werden können. Weitere 600.000 Dosen sollen aus Österreich und nochmal 720.000 Dosen über die Impfstoffplattform COVAX kommen.

 

Der Kosovo steht vor Parlamentswahlen, die am 14. Februar 2021 stattfinden werden. Vor diesem Hintergrund werden selbst die Versprechen über die mögliche Lieferung der Impfstoffe zu politischen Versprechen. Das Gesundheitsministerium geht davon aus, dass Mitte Februar eine erhebliche Menge an Impfstoff gegen COVID-19 im Kosovo eintreffen wird, schließt jedoch nicht aus, dass die Lieferung früher erfolgen könnte. Auf der anderen Seite hat die Impfstoffplattform COVAX offiziell bestätigt, dass sie die Impfstoffe für das Gesundheitspersonal, das zuerst geimpft werden soll, erst bis Juni 2021 liefern wird.

Angaben von Ministerpräsident Avdullah Hoti zufolge sollen chronisch Kranke und Menschen über 65 Jahren vor allen anderen BürgerInnen Zugang zur Impfung erhalten. Für die breite Masse würde Impfstoff zwischen Juni und Dezember zur Verfügung gestellt werden. Aus dem Budget des Kosovo wurden für die Pandemiebewältigung 40 Millionen Euro bereitgestellt. Auf dieser Grundlage behauptet das Gesundheitsministerium, dass alle Impfstoffe für die BürgerInnen des Kosovo kostenlos sein werden. Die Menschen sind allerdings der Ansicht, dass die Beschaffung von Impfstoffen zu spät erfolgt.

Autoren: Besnik Hamiti und Zana Cimili

AKTUELLE DATEN KOSOVO

Keine offiziellen Inzidenzwerte vorliegend.

KROATIEN - Plant Lockerungen trotz Impfstopp

Kroatien hat sofort nach der ersten Impfstoff-Lieferung mit der landesweiten Impfkampagne am 27. Dez. 2020 begonnen. Nach einem festgelegten Impfplan wurde zuerst das Personal im Gesundheitswesen und den Altenheimen geimpft, sowie die BewohnerInnen der Altenheime. Insgesamt erhielten bisher rund 55.000 Menschen die Erstimpfung und fast 10.000 von ihnen auch die Zweitimpfung. Es wurde fast ausschließlich das Präparat von BioNTech/Pfizer verimpft, das gemäß der EU-Planung geliefert wurde. Kroatien hält sich strikt an die Vorgaben der EU und hat keine eigenen Initiativen unternommen, um sich eigenständig mit Impfstoff zu versorgen.

 

Die Lieferschwierigkeiten der Impfstoffhersteller, die EU-weit für Verzögerungen sorgen, haben in Kroatien momentan zu einem kompletten Impfstopp geführt. Man geht davon aus, dass in den kommenden Wochen weniger als 70 Prozent der vereinbarten Mengen geliefert werden. Laut neuer Strategie des Krisenstabs werden so lange keine Neuimpfungen mehr durchgeführt, bis nicht alle bisher Geimpften ihre Zweitimpfung erhalten haben. Somit müssen 760.000 über 65-Jährige weiterhin auf den Impfschutz warten.

Kritik an der Regierung oder dem Krisenstab gibt es hinsichtlich der Lieferschwierigkeiten nicht. Es gab nie die Erwartungshaltung, dass Kroatien für seine 4 Millionen EinwohnerInnen eigenständig Impfstoff besorgen würde.

Angesichts der fallenden Infektionszahlen plant der Krisenstab diese Woche, die ohnehin im EU-Vergleich lockeren, Beschränkungen teilweise aufzuheben. So könnten alle Schulen wieder in den Präsenzunterricht wechseln, Sport- und Fitnesszentren öffnen und es wird sogar über Lockerungen im Gastronomiebereich nachgedacht.

Autor: Gordan Godec

AKTUELLE DATEN KROATIEN

7-Tage-Inzidenz: 96 (25.01.2021)

7-Tage-Inzidenz: 120 (18.01.2021)

(Quelle: Kroatische Regierung, www.koronavirus.hr)

MONTENEGRO - Ein Land ohne Impfstoff – zumindest vorerst

Obwohl besonders schwer vom Coronavirus getroffen, steht dem kleinen Montenegro mit seinen etwa 600.000 EinwohnerInnen Ende Januar 2021 keine einzige Impfdosis zur Verfügung. Letzten Ankündigungen der Behörden zufolge werden allerdings noch im ersten Quartal des Jahres 250.000 Dosen erwartet – 50.000 der Firma BioNTech/Pfizer, 50.000 des russischen Sputnik V Impfstoffes und 150.000 des chinesischen Herstellers Sinopharm. Die Immunisierung soll, nach Regierungsplan, mit Vakzinen beginnen, die in der EU zugelassen sind. Dafür ist der erste Teil der BioNTech/Pfizer-Lieferung von 12.000 Impfdosen gedacht, der Anfang Februar ins Land kommen soll. Präzisere Angaben gibt es noch nicht. Medizinisches Personal, ältere Personen und chronisch Kranke würden, gemäß der am 15. Januar verabschiedeten Nationalen Strategie zur Immunisierung der Bevölkerung, zu den Prioritätsgruppen gehören. Die montenegrinische Bevölkerung scheint sowohl Angst vor Corona, als auch vor der Impfung zu haben – nach einer Ende Dezember 2020 veröffentlichten Umfrage würden sich nur 42 Prozent impfen lassen, wenn die Vakzine verfügbar wären. Die Regierung plant eine Informationskampagne, um die Akzeptanz der Impfung zu verbessern.

Die im August abgehaltenen Parlamentswahlen brachten zum ersten Mal nach 30 Jahren oppositionelle Parteien an die Macht. Politische Kämpfe haben das Thema Impfung offenbar in den Hintergrund gedrängt, weshalb die erst am 4. Dezember konstituierte neue Regierung jetzt fieberhaft nach Lösungen sucht. Die neue Gesundheitsministerin Jelena Borovinic Bojovic wirft ihrem Amtsvorgänger Kenan Hrapovic grobe Versäumnisse bei der Impfstoffbeschaffung vor. Dadurch soll es zu Verspätungen und sogar zum Stillstand gekommen sein – nicht nur hinsichtlich der Anmeldung bei der Impfstoffplattform COVAX, sondern auch in den direkten Verhandlungen mit den Herstellern und einzelnen Ländern, die es teilweise gar nicht gegeben haben soll. Die Sonderstaatsanwaltschaft ermittelt gegen den ehemaligen Gesundheitsminister.

Autor: Dejan Stefanovic

AKTUELLE DATEN MONTENEGRO

7-Tage-Inzidenz: 460 (26.01.2021)

7-Tage-Inzidenz: 475 (19.01.2021)

(Quelle: „Our World in Data“, basierend auf Johns Hopkins University JHU)

NORDMAZEDONIEN - Wartet auf Impfstoffe und hofft auf Spenden

In Nordmazedonien wartet man auf Februar, denn dann sollen endlich die ersten Impfdosen von BioNTech/Pfizer geliefert werden. Noch aber wird über den genauen Umfang der Lieferung verhandelt. Im Gespräch sind 800.000 Dosen des Herstellers. Laut Gesundheitsminister Venko Filipce gibt es zusätzlich Verhandlungen mit den chinesischen Pharmafirmen Sinovac Biotech und Sinopharm über mögliche Impfstofflieferungen in der Größenordnung von 200.000 Dosen. Daneben hat das Nachbarland Serbien als Zeichen der Freundschaft die Lieferung von knapp 8.000 Dosen BioNTech/Pfizer zugesagt. Allerdings wird in dem Zusammenhang von Missverständnissen und Registrierungsproblemen berichtet. Und auch bei den medizinischen Apparaturen ist das kleine Land auf Hilfen von außen angewiesen. So kommen zwei Spezialgefrierschränke zur Aufbewahrung des Impfstoffes als Spende der Weltgesundheitsorganisation WHO aus den USA.

Bei den Impfstoffen ist es Regierungsziel, insgesamt 2,4 Millionen Dosen anzubieten. Das würde für 60 Prozent der Bevölkerung reichen. Sobald die versprochenen 8.000 Impfspenden aus Serbien einsetzbar sind, sollen diese zuerst ÄrztInnen und Pflegekräften verabreicht werden. Auch Regierungschef Zaev und Gesundheitsminister Filipce sind zur Impfung vorgesehen. Wegen der schwierigen Lage wirft die Opposition der Regierung Unfähigkeit vor und macht sie auch für die bislang mehr als 2.700 Pandemietoten verantwortlich. Auch eine große Anzahl von BürgerInnen bewertet die Regierung kritisch. In einer Umfrage waren 54 Prozent der Meinung, dass die Regierung keine gute Krisenpolitik an den Tag lege. Vergleichsweise schwach ausgeprägt ist auch die Impfbereitschaft. Nur 40 Prozent gaben an sich impfen zu lassen.

Autoren: Schaban Bajrami und Sasko Golov

AKTUELLE DATEN NORDMAZEDONIEN

7-Tage-Inzidenz: 261 (27.01.2021)

(Quelle: „Our World in Data“, basierend auf Johns Hopkins University JHU)

ÖSTERREICH - Kritik an Impfvordränglern

Die Impfstrategie sei durch die Lieferengpässe nicht gefährdet, versichert Gesundheitsminister Rudolf Anschober. Man hoffe trotzdem „volles Tempo“ beizubehalten. Österreich hat am 27. Dezember 2020 mit den Impfungen begonnen. Zuerst sollten in der ersten Phase, wie es der landesweite Impfplan vorsieht, „BewohnerInnen und Personal in Alten- und Pflegeheimen sowie Personen im Gesundheitsbereich und erste Hochrisikogruppen geimpft“ werden. Für erheblichen Unmut und offene Verärgerung sorgten jedoch seit Jahresbeginn Meldungen, wonach sich in einigen Bundesländern, wie in Tirol, Kärnten, der Steiermark, Wien und Vorarlberg, Kommunalpolitiker, Gemeindeangestellte und deren Angehörige impfen ließen. Obgleich sie noch nicht an der Reihe waren, hätten diese übrig gebliebenen Impfstoff erhalten. Das sei „absolut inakzeptabel“, bemängelte Bundeskanzler Sebastian Kurz.

Das Impftempo verläuft eher schleppend. Laut Dashboard des Gesundheitsministeriums wurden bisher 195.886 Dosen an die Impfstellen geliefert. 158.985 davon wurden als Impfung im e-Impfpass erfasst, wobei die Einmeldequote hier derzeit nur rund 80 Prozent beträgt, da sich die Infrastruktur zur flächendeckenden Eintragung noch im Aufbau befindet (Stand, 27. Jan. 2021). Für die Durchführung der Impfungen sind die Bundesländer zuständig, für die Auslieferung ausreichender Impfdosen der Bund. Und daran hapert es derzeit. Bei einer Video-Konferenz der Bundesregierung mit den Länderregierungschefs am vergangenen Montagabend sei deutliche Kritik an den Lieferengpässen geübt worden, auch aus den Reihen der ÖVP-Landeshauptleute. Kurz und Anschober sollten von „vollmundigen Ankündigungen Abstand nehmen“, wie der steierische ÖVP-Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer laut „Kleiner Zeitung“ gefordert habe. Denn in einem internen Papier des Gesundheitsministeriums heiße es, dass die Impfstoff-Lieferungen ab dem 10. Februar „ungewiss“ seien.

Autor: Clemens Verenkotte

AKTUELLE DATEN ÖSTERREICH

7-Tage-Inzidenz: 114 (27.01.2021)

7-Tage-Inzidenz: 118 (20.01.2021)

(Quelle: AGES/EMS)

Hinweis auf die Tragepflicht von FFP2-Masken in den öffentlichen Verkehrsmitteln in Österreich. Foto: BR | Thomas Wachholz
Hinweis auf die Tragepflicht von FFP2-Masken in den öffentlichen Verkehrsmitteln in Österreich. Foto: BR | Thomas Wachholz

RUMÄNIEN - Nach Holperstart läuft die Impfung jetzt an

Beim offiziellen Impfstart in der Europäischen Union, dem 27. Dezember 2020, war Rumänien mit dabei. Für Staatspräsident Klaus Iohannis sollte das ein klares proeuropäisches Signal sein. Allerdings verlief auch in Rumänien der Start eher stockend. Vom Hersteller BioNTech/Pfizer kamen anfangs nur wenige Dosen an. Seit dem 10. Januar aber hat die Kampagne an Fahrt aufgenommen. Bis zum 27. Januar waren von den mehr als 19 Millionen Einwohnern 528.378 geimpft. 40.667 haben bereits eine zweite Dosis bekommen. Nach Angaben der Behörden waren die rumänischen ÄrztInnen und Pflegekräfte mit dem 15. Januar immunisiert. Für die Regierung ein Erfolg, so dass jetzt die gesundheitlich besonders gefährdeten, die systemrelevanten und alle sonstigen über 65 Jahre alten Personen geimpft werden. Nun stellte sich aber heraus, dass bislang lediglich 50 Prozent aller in dieser Etappe bereits Geimpften tatsächlich diesen Kriterien entsprachen. Die andere Hälfte besteht laut Berichten von Betroffenen und der Medien zum Großteil aus im Homeoffice geschützten und kerngesunden, oft jungen „Systemrelevanten“. Gesundheitsminister Vlad Voiculescu heizt den Konflikt um das Corona-Management zusätzlich an, indem er erklärt, er glaube den offiziellen Angaben seiner Regierung zum Infektionsgeschehen nicht. Aktuell ist es etwa 850.000 Menschen gelungen, sich zum Impfen einzutragen. Kritik aus den Reihen der Opposition gibt es, weil sich auf der digitalen Anmeldeplattform nur so viele Impfwillige registrieren können, wie Doppeldosen der Mittel zur Verfügung stehen.

In den Medien wird dagegen auf die steigende Impfbereitschaft verwiesen. So sei die Zahl der Impfwilligen innerhalb von wenigen Tagen von 30 Prozent auf mehr als 40 Prozent gestiegen. Mehr als 70 Prozent der RumänInnen glauben laut einer aktuellen Umfrage außerdem an die Wirksamkeit der Impfung. Das wird als Erfolg der Informationspolitik gesehen. Schließlich gab es auch in Rumänien Corona-LeugnerInnen und eine breite Skepsis vor der Impfung. Dass sich der Trend jetzt dreht, wird als kleine Überraschung gewertet.

Autor: Herbert Gruenwald

AKTUELLE DATEN RUMÄNIEN

In Rumänien wird der Inzidenzwert nicht landesweit ausgewiesen, sondern für die Landkreise und die Hauptstadt Bukarest separat berechnet. Nachfolgend die Daten von Bukarest.

14-Tage-Inzidenz: 207 (27.01.2021)

14-Tage-Inzidenz: 296 (20.01.2021)

(Quelle: https://www.graphs.ro/covid_incidenta_oficiala.php?range_date=2021-01-27)

SERBIEN - Geht bei Lieferung über COVAX leer aus

Atomwaffen seien heutzutage leichter zu besorgen als Impfstoffe, erklärte der serbische Präsident Aleksandar Vucic in einem Fernsehauftritt vergangenes Wochenende. Vucic meinte auch, dass er sehr enttäuscht über Berichte im August letzten Jahres war, aus denen ersichtlich wurde, dass große westliche Länder bis zu 5 oder 6 Mal mehr an Impfstoff bestellt hatten, als die Einwohnerzahl ihrer Länder ist. „Es war doch klar, dass für uns und andere Länder der Region nichts übrig bleiben wird“, kritisierte er, nicht zum ersten Mal seit dem Ausbruch der Corona-Krise, die mangelnde Solidarität in Europa.

 

Serbien hat über das COVAX-System knapp 2 Millionen Impfdosen bestellt, bislang jedoch keine einzige hierüber erhalten. Auf bilateralem Weg und in direkten Verhandlungen mit den Herstellern ist es trotzdem gelungen etwa 1,5 Millionen Dosen zu besorgen. Das größte Kontingent kam letzte Woche aus China, 1 Million Dosen des Impfstoffes von Sinopharm. Zusätzlich etwa 500.000 Stück des russischen Sputnik V und eine relativ kleine Mengen des BioNTech/Pfizer Impfstoffes, rund 50.000 Dosen.

 

Offiziell hat die Impfung am 24. Dezember letzten Jahres begonnen. An diesem Tag wurden die serbische Premierministerin Ana Brnabic, einige Minister, wie auch die Mitglieder des Corona-Krisenstabs geimpft. Dafür stand die erste kleine Lieferung von 5.000 BioNTech/Pfizer Vakzinen zur Verfügung – der erste Impfstoff, der in Serbien zugelassen wurde. Es sollten jede Woche 19.500 dieser Dosen folgen. Allerdings wurde die Menge, nach den aktuellen Lieferengpässen der Pharmafirmen weltweit, auf 9.500 Dosen wöchentlich reduziert.

Nach dem Eintreffen von einer Million Dosen des Impfstoffes der chinesischen Firma Sinopharm, hat letzten Mittwoch die Impfung der Bevölkerung begonnen. Bis jetzt wurden etwa 370.000 BürgerInnen geimpft. Damit liegt Serbien im europäischen Vergleich sehr weit vorne, bezogen auf die Zahl der geimpften Bürger pro 100 Einwohner – 5,3 Prozent der Bevölkerung wurden bereits geimpft. Etwa 600.000 BürgerInnen haben sich bis jetzt über eine digitale Plattform für die Impfung angemeldet, bis zu 50.000 können täglich geimpft werden. Trotz relativ ausgeprägter Coronaskepsis, vor allem in den sozialen Netzwerken, ist jetzt schon abzusehen, dass die Nachfrage größer ist als die verfügbare Menge an Impfstoff.

Autor: Zoran Ikonic

AKTUELLE DATEN SERBIEN

7-Tage-Inzidenz: 161 (26.01.2021)

7-Tage-Inzidenz: 181 (19.01.2021)

(Quelle: „Our World in Data“, basierend auf Johns Hopkins University JHU)

SLOWENIEN - Keine Aufregung um Impfstoffmangel

In Slowenien hat die Impfung gegen Covid-19 am 27. Dez. 2020 mit BewohnerInnen der Altenheime begonnen. Die Impfung wird in dieser ersten Phase zentralisiert durchgeführt, d.h. in Impfzentren oder mit mobilen Einheiten, die etwa in Altenheime kommen und die Menschen vor Ort impfen. In dieser ersten Phase erhalten alte Menschen und chronisch Kranke die Impfung sowie medizinisches Personal und Personen, die mit Kranken, Älteren und Risikogruppen zu tun haben. Diese Phase sollte in den ersten drei Monaten des Jahres vollzogen werden. In der zweiten Phase bis zur Jahresmitte kommen dann Beschäftigte im Schulwesen, bei der Polizei, Feuerwehr, Armee oder in anderen öffentlichen, für die Bevölkerung wichtigen, Diensten an die Reihe. Ab Juli sollen dann alle anderen BürgerInnen geimpft werden. Die Anmeldung dafür ist bereits jetzt über die Hausärzte, die die Impfung dann auch vornehmen können, oder online möglich. Die Impfung ist freiwillig, es gibt aber Überlegungen sie zumindest für manche Bevölkerungs- und Berufsgruppen verpflichtend vorzuschreiben. Slowenien hofft dabei auf eine gesamteuropäische Lösung. Die Impfung ist für alle StaatsbürgerInnen kostenlos, d.h. die finanziellen Mittel für den Impfstoff und die Impfung kommen aus dem Staatshaushalt. Es werden alle Impfstoffe verwendet, die von der EU zugelassen sind, zur Zeit sind das jene der Firmen BioNTech/Pfizer und Moderna.

Interessanterweise wird in Slowenien im Moment nicht über einen Mangel an Impfstoffen berichtet. Die führenden Politiker, sowohl der regierenden Koalition als auch der Opposition, haben sich für die Impfung ausgesprochen, oder zumindest nichts dagegen gesagt. In der Bevölkerung ist auch kein großer Widerstand gegen die Impfung zu spüren, zumindest solange sie freiwillig ist, und die meisten ohnehin noch nicht an die Reihe kommen. Bis zum 23. Januar 2021 erhielten in Slowenien 48.717 Menschen die Erstimpfung und 6.963 die Zweitimpfung.

Autor: Stjepan Milcic

AKTUELLE DATEN SLOWENIEN

7-Tage-Inzidenz: 415,1 (27.01.2021)

(Quelle: Nationales Institut für Gesundheit)

UNGARN - Kritik an der EU, Kauf von russischem Impfstoff

Es war noch dunkel, als am 26. Dezember 2020 ein LKW aus Österreich die erste Tranche des BioNTech/Pfizer Impfstoffes nach Ungarn brachte: 9.750 Dosen, die für 4.875 Menschen reichen sollten. Laut offizieller Planung sollte am nächsten Tag, dem 27. Dezember, mit dem Impfen begonnen werden, so wie es in der gesamten EU vereinbart worden war. Doch die Behörden in Budapest starteten sofort damit. Nach der ersten Euphorie darüber, endlich ein Vakzin gegen das Coronavirus zu haben, kam sofort die Enttäuschung: Schnell wurde klar, dass es zu wenig Impfstoff im Land gibt. Laut Ministerpräsident Viktor Orban wird Ungarn die Corona-Beschränkungen erst im Herbst aufheben, falls die Impfstofflieferungen nach Ungarn weiterhin so langsam erfolgen würden. Für die Wirtschaft des Landes wäre das eine Katastrophe: Der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts ist erheblich. Orban übte massive Kritik an der EU wegen der niedrigen Anzahl der zur Verfügung stehenden Vakzine. Das russische Sputnik V Vakzin und jenes von AstraZeneca haben vor kurzem die Notgenehmigung der ungarischen Behörden bekommen. Am 22. Januar verkündete Außenminister Peter Szijjarto in Moskau, dass Ungarn russische Vakzine für die Impfung von einer Million Menschen gekauft habe. Nach Regierungsangaben ist Ungarn auch bereit, den chinesischen Impfstoff zu erwerben. Die Opposition dagegen kritisiert die Regierung: Ungarn solle nur diejenigen Impfstoffe beschaffen, die von der Europäischen Arzneimittelagentur zugelassen sind.

Der nationale Impfplan sieht vor, dass zunächst die MitarbeiterInnen im Gesundheitswesen geimpft werden. Dies ist inzwischen geschehen. Danach kommen die BewohnerInnen und Beschäftigten in den Seniorenheimen an die Reihe; anschließend die älteren Menschen über 60 Jahren, die einer Risikogruppe angehören. Die nächste Gruppe besteht aus Angehörigen der Sicherheitsbehörden, die in Kontakt mit der Bevölkerung kommen. Anschließend wird jenen Menschen im Alter zwischen 18 und 59 Jahren ein Impfangebot gemacht, die einer Risikogruppe angehören. Danach Menschen, die in der sogenannten „kritischen Infrastruktur“ arbeiten. Und erst danach werden alle anderen ab 18 Jahren die Impfung erhalten.

Die Regierung hat der Bevölkerung eine Wahlmöglichkeit zwischen den verschiedenen Impfstoffen versprochen, falls es Vorbehalte gegenüber bestimmten Herstellern geben sollte. Die ungarische Gesellschaft ist in der Frage der Impfung sehr gespalten: Nach Angaben des Zentralamtes für Statistik wollten sich Ende Dezember nur 14,9 Prozent der Bevölkerung impfen lassen. Seitdem hat sich die Lage ein wenig verbessert, aber die Leute sind skeptisch.

Autor: Attila Poth

AKTUELLE DATEN UNGARN

14-Tage-Inzidenz: 174 (27.01.2021)

14-Tage-Inzidenz: 205 (20.01.2021)

(Quelle: 444.hu basierend auf OWID und Johns Hopkins University JHU)

‚Passen wir aufeinander auf! Jedes Leben zählt‘ – Die Großplakate der ungarischen Regierung sollen motivieren. Es gibt zwar eine Ausgangssperre zwischen 20 und 5 Uhr, aber die Geschäfte sind bis 19 Uhr geöffnet, auch FriseurInnen und KosmetikerInnen dürfen arbeiten. Foto: BR | Attila Poth
‚Passen wir aufeinander auf! Jedes Leben zählt‘ – Die Großplakate der ungarischen Regierung sollen motivieren. Es gibt zwar eine Ausgangssperre zwischen 20 und 5 Uhr, aber die Geschäfte sind bis 19 Uhr geöffnet, auch FriseurInnen und KosmetikerInnen dürfen arbeiten. Foto: BR | Attila Poth
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