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Mira Furlan auf der FedCon 28, einer Convention zu den Themen Science-Fiction, Fantasy und Mystery, die 2019 in Bonn stattfand. Foto: picture alliance | Geisler-Fotopress | Iris Edinger | Geisler-Fotopress

Ein jugoslawisches Schicksal (07.09.1955 – 20.01.2021)
Die Schauspielerin Mira Furlan

Mira Furlan war nach Meinung der Fachwelt eine der größten Film- und Theaterschauspielerinnen des ehemaligen Jugoslawiens. Sie wurde 1955 in Zagreb in Kroatien geboren, wo sie auch aufgewachsen ist und 1978 die berühmte Akademie für Theater, Film und Fernsehen (ADU) abgeschlossen hat. Sehr bald wurde sie eine der führenden jungen Schauspielerinnen des Kroatischen Nationaltheaters HNK in Zagreb. Dann kamen wichtige Rollen in Film und Fernsehen. Mira Furlan hat in den 80er-Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts in vielen berühmten jugoslawischen Filmen große Rollen gespielt, darunter auch im international vielfach preisgekrönten Film „Papa ist auf Dienstreise“ des später weltberühmten Regisseurs Emir Kusturica aus Sarajevo.

 

Als Ende der 80er/Anfang der 90er der Zerfall Jugoslawiens begann, war das für viele die sich nicht eindeutig ethnisch äußern wollten oder konnten ein noch größeres Trauma als für jene, die sich einer Ethnie eindeutig zugehörig fühlten. Mira Furlans Wurzeln waren kroatisch-slowenisch-jüdisch, sie selbst hat sich als Jugoslawin betrachtet. Für kroatische Nationalisten damaliger Zeit war sie deshalb eine äußerst suspekte Person. Zudem ihr Partner der serbische Filmemacher Goran Gajic war, der damals in Belgrad lebte, obwohl auch er in Zagreb geboren worden war. Ein weiteres Beispiel dafür, wie Nationalismus weder Staats- noch Verstandesgrenzen kennt: Mira Furlan wurde damals in führenden kroatischen Medien als Verräterin und serbische Hure bezeichnet. Diese Beleidigungen und Angriffe konnte sie nicht ertragen. Sie und ihr Partner, dem wohl Ähnliches in Serbien widerfahren war, entschlossen sich 1991 in die USA auszuwandern. Zu Beginn lebten sie in New York, wo sie sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hielten. Später zogen sie nach Los Angeles und Mira Furlan bekam dort kleinere und größere Rollen in einigen Fernsehserien. Die größte Rolle war die der Delenn in der berühmten Science-Fiction-Serie „Babylon 5“.

 

In der Zwischenzeit wurde ihr das Wohnrecht, welches im sozialistischen System zwar kein Eigentum war aber ähnliche Rechte beinhaltete, in ihrer Stadtwohnung in Zagreb weggenommen. Nach jahrelangem Gerichtsprozess erhielt sie 2008 dieses Wohnrecht und somit die Wohnung in Zagreb zurück. Im 21. Jahrhundert besuchte sie die Stadt und Kroatien mehrmals, aber fast ausschließlich aus beruflichen Gründen. Auch in anderen Teilen des ehemaligen Jugoslawiens spielte sie in Filmen mit. Im Gegensatz zu ihrem Partner, der sagte, er komme immer wieder gerne in seine Heimat [Jugoslawien] und in seine Geburtsstadt Zagreb zurück, hat Mira Furlan das Trauma der 90er offenbar nie ganz überwunden. Auf die Frage in einem Interview vor ein paar Jahren, ob sie an eine Rückkehr denke, antwortete sie:

„Ich habe meine Geburtsstadt und mein Land nicht freiwillig verlassen, auch wenn es letztlich meine Entscheidung war. Und jetzt ist es zu spät, wieder eine neue Entscheidung zu treffen. Mich haben kroatische Nationalisten davongetrieben, womit ich keinesfalls die anderen [Nationalisten] amnestieren will.“

Mira Furlan, Schauspielerin

Und trotzdem: Im letzten Sommer hatte Mira Furlan einen Auftritt in einem Theaterstück, das nach dem Roman eines bekannten kroatischen Schriftstellers in der europäischen Kulturhauptstadt Rijeka aufgeführt wurde. Zusätzlich arbeitete sie am dramaturgischen Text des Stückes mit. Bei diesem Aufenthalt sagte sie in einem Interview für die lokale Zeitung, dass ihr Rijeka und seine Einwohner sehr gefallen würden und sie hier gerne an weiteren Projekten arbeiten würde.

 

Leider werden wir nie erfahren, ob sie diese Kooperation fortgesetzt, ihr Trauma überwunden und sich so letztlich mit ihrer Heimat doch noch versöhnt hätte.

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