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Foto eines Hundewelpen auf einer Internetverkaufsplattform Foto: ebay

Das illegale Geschäft mit Hundewelpen aus Bulgarien boomt
Meistens hilft nur Einschläfern

Neugierig strecken die Hunde ihre feuchte Schnauze in Richtung der Kamera. Es sind unterschiedlichste Rassen, sie alle wedeln freundlich mit dem Schwanz. Hier auf einem Hundetrainingsplatz geht es ihnen gut. Doch das war nicht immer so. Die Tiere sind in der Obhut von Kalina Kandulkova. Viele der Hunde hier stammen aus illegalen Zuchtstationen. Kalina zeigt auf ein schwarzes Pitbull-Weibchen. Die Hundedame wurde jahrelang regelrecht als „Gebärmaschine“ missbraucht, im Abstand von wenigen Monaten musste sie Hundewelpen zur Welt bringen. Die meisten bestimmt für Käuferinnen und Käufer in Deutschland oder Großbritannien.

Gerade in Zeiten von Corona boomt in Bulgarien das Geschäft mit dem Welpenhandel. Das Problem: viele Welpen kommen aus illegalen Zuchtstationen. Hier leiden die Muttertiere genauso wie die Welpen. „Für sie gibt es keine Dokumente, keine Information über die genaue Herkunft und auch die Gesundheit der Tiere spielt keine Rolle.“

 

Magdalena Penewa hat den illegalen Tierschützern den Kampf angesagt. Sie sitzt in ihrem Büro des Tierschutzvereins „Vier Pfoten Bulgarien“ und blickt auf Videoaufnahmen, die sie und eine Kollegin heimlich gefilmt haben. Als Kunden getarnt haben sie in einem Haus in Sofia Welpen gekauft. Das Video zeigt es deutlich, nach einem kurzen Gespräch heben die illegalen Hundezüchter einen Welpen aus einem Karton, völlig erschöpft, vom Muttertier fehlt jede Spur. Für Magdalena Penewa ist klar, dieser kleine Hund stammt aus einer illegalen Zuchtstation. „Aus dem Keller haben wir viele Welpen bellen gehört,“ erinnert sich Magdalena Penewa.

 

„Mir war klar, dass sich im Keller eine Zuchtstation befindet. Aber am Ende können wir das nicht beweisen. Dazu müssten die Behörden das Haus offiziell durchsuchen. Sie müssten das jedes Mal tun, wenn es Hinweise auf so einen Fall gibt.“

Magdalena Penewa von der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten Bulgarien“

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Illegaler Handel mit Hundewelpen aus Bulgarien

Beitrag: Christian Limpert

Kamera: Tomislav Mihailov

Schnitt: Roland Buzzi

Doch die bulgarischen Behörden sind überlastet. Ein Blick ins Internet zeigt, warum. Tausende Hundewelpen pro Tag bieten bulgarische Züchter an. Viele der Tiere gehen nach Deutschland sagt Magdalena, Kontaktpersonen verkaufen sie dort.

 

Welche Folgen das haben kann, hat Laura Köhler erlebt. Die 26-Jährige lebt in Norddeutschland. Vor knapp einem Jahr will sie für ihre Eltern einen Hund kaufen und stößt auf eine Onlineanzeige für einen Hundewelpen. Ein süßes Foto: Chico. 600 Euro. Alles habe seriös gewirkt, sagt Laura. Nach kurzem Emailkontakt findet die Übergabe statt.

Alles sei sehr schnell gegangen. Und das Glück, den kleinen Welpen in der Hand zu halten, habe alle Zweifel verdrängt. „Wir haben das Geld auf den Tisch gelegt und sind gegangen, ohne dass wir Verträge mitbekommen haben“, erinnert sich Laura. „Direkt am selben Tag haben wir uns schon gedacht, das ist eigentlich nicht so gut, warum haben wir keinen Vertrag bekommen, oder ‘nen Impfpass. Diese Züchterin hat uns auch versichert er wurde geimpft und hatte ‘ne Wurmkur bekommen.“ Doch Chico ist mit einem Virus infiziert, das oft bei Hunden aus Osteuropa auftaucht.  Einen Tag später muss Chico eingeschläfert werden.

Von der Verkäuferin fehlt jede Spur nachforschen will Laura nicht.

 

„Angenommen da steckt so etwas wie die Hundemafia hinter, ich weiß nicht ob man sich mit denen anlegen möchte“

Laura Köhler

Zurück nach Bulgarien. Tierschützerin Penewa von der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten Bulgarien“, hofft auf ein neues EU-Gesetz, dass ab April dieses Jahres gelten soll.

Dann müssten Online-Plattformen alle Tierhändler verifizieren und nur registrierte Tiere dürften von ihren Haltern zum Verkauf angeboten werden. Das sei eine Chance dem illegalen Welpengeschäft den Riegel vorzuschieben. „Dieses Gesetz muss in allen EU-Ländern angewendet werden“, fordert Magdalena. „Dann bekämen alle Zuchtanlagen persönliche Identifikationsnummern und wären auffindbar. In diesem Fall ist es dann einfach, Informationen über den ursprünglichen Besitzer eines Hundes zu erhalten.“

Doch auch dafür brauche es mehr Kontrollen, sagt Magdalena. Denn auch Identifikationsnummern ließen sich fälschen. Sie appelliert an das Verantwortungsbewusstsein aller Hundekäufer: Nur wer bei zugelassenen Züchtern kauft, kann sicher sein, dass bei seinem Welpen alles in Ordnung ist.

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Kommentare (1)

Silvia Schulze am

Danke für diesen Beitrag.. gerade geteilt auf FB ! weiter so..

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