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Camp Lipa am Abend des 30.12.2020. Foto: BR | Eldina Jasarevic

Flüchtende und Migranten in Bosnien und Herzegowina
19 Busse und kein Plan

Es ist immer noch nicht klar, was mit den Flüchtlingen und Migranten auch dem Camp Lipa im Nordwesten Bosnien und Herzegowinas passieren wird. Sie sollten an einen anderen Ort gebracht werden – doch daraus wird vorerst nichts. Fast 30 Stunden harrten sie in 19 Bussen unweit des Camps aus. Es ging nicht vorwärts und nicht rückwärts, weil sich die Zentralregierung in Sarajevo mit lokalen Behörden nicht einigen kann, wo die Menschen untergebracht werden können. Inzwischen sind sie in das ausgebrannte Camp zurückgekehrt.

 

Das Camp Lipa wurde am vergangenen Mittwoch geräumt. Aufgrund eines Streits mit den lokalen Behörden und der Zentralregierung in Sarajevo zog sich die Internationale Organisation für Migration, kurz IOM, aus Camp Lipa zurück. Sie betreibt alle Flüchtlingsunterkünfte in Bosnien und Herzegowina. Rund 1300 Menschen mussten das Camp verlassen und waren damit sich selbst überlassen – ohne Wasser, ohne Strom oder medizinische Betreuung.

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Videomaterial: Eldina Jasarevic

Bearbeitung: Jan Heier

Während der Räumung brach ein Feuer aus und zerstörte das Camp fast vollständig. IOM-Mitarbeiter berichteten, dass eine „kleine Gruppe von Migranten“ Feuer gelegt habe, als das Camp fast schon komplett geräumt war. Die bosnische Polizei will das weder bestätigen noch dementieren, geht aber von Brandstiftung aus. Die Ermittlungen laufen noch – so ein Polizeisprecher gegenüber dem ARD-Studio Südosteuropa.  Der Brand ist – anders als vielfach angenommen – ohnehin nicht die Ursache dafür, dass die Menschen aus Camp Lipa ohne Obdach sind. Das Camp wäre auch ohne den Brand geschlossen und geräumt worden.

 

Bei winterlichen Temperaturen campierten die Menschen tagelang im und um das ausgebrannte Camp herum. Das lokale Rote Kreuz und private Hilfsorganisationen wechselten sich tageweise ab und brachten den Menschen einmal am Tag etwas zu Essen und warme Kleidung. Sechs Tage nach der Räumung und dem Brand wurde die Menschen völlig überraschen aufgefordert, ihre Habseligkeiten zu holen und sich fertig zu machen. Die Menschen wurden zu Bussen geleitet, ohne zu wissen, wohin sie gebracht werden sollten. Diese Information war von keiner offiziellen Stelle zu bekommen, weder für sie noch für unser Team vor Ort.

Erst spät wurde bekannt, dass die Menschen in eine Kaserne im Ort Bradina gebracht werden sollten – etwa 250 Kilometer von Lipa und 25 Kilometer von der Hauptstadt Sarajevo entfernt. Kaum war die Nachricht in der Welt, meldeten sich die lokalen Behörden zu Wort: Sie wüssten nichts von einer Entscheidung, dass Migranten und Flüchtlinge bei ihnen untergebracht werden sollen. Aufgebrachte Bürger blockierten daraufhin die Zufahrt zur Kaserne in Bradina. Das für Migration zuständige gesamtstaatliche Sicherheitsministerium in Sarajevo machte daraufhin einen Rückzieher. Die Menschen aus Lipa kommen doch nicht nach Bradina – sagte Sicherheitsminister Selmo Cikotic, denn das würde mehr Probleme schaffen als lösen. Eine andere Lösung ist zur Zeit nicht in Sicht.

 

Mit den Menschen aus Lipa sind zurzeit in der Region insgesamt rund 3000 Flüchtlinge und Migranten ohne Obdach.

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