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Foto: BR | Christian Limpert

Der Traum vom Neustart
Ischgl sehnt sich nach Touristen. Der Winter ist schon da

„Ich könnt’ jeden Tag heulen bei dem Anblick“, sagt Andreas Steibl vom Tourismus-Verband Paznaun Ischgl. Drei Tage lang hat es geschneit, jetzt hat es trockene -5 Grad, die Sonne scheint. Perfektes Wetter für den Saisonauftakt. Doch der ist bereits zum dritten Mal verschoben, neuer Termin: Mitte Januar. Vielleicht. 1600 Menschen leben in Ischgl, stellen 12000 Gästebetten bereit. „Sie alle sind Gastgeber!“, sagt Steibl. Einer davon ist Bernhard Zangerl. Wir treffen ihn auf dem tief verschneiten landwirtschaftlichen Betrieb der Familie, inmitten von ungefähr 15 Kälbern. Bergbauernidylle pur. „In normalen Zeiten komme finde ich hier Ruhe und Ausgleich zum stressigen Alltag im Hotel,“ sagt Bernhard. Ihm und seiner Familien gehören ein 5 Sterne Hotel in Ischgl, zwei Restaurants und die Apres-Skibar „Kitzloch“. Jeden Abend kommt Bernhard auf den Hof und hilft mit. Die Produkte vom eigenen Hof, Fleisch von den Kälber oder Wolle von den Schafen,  gehen direkt an das eigene Hotel und die Restaurants.

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Beitrag: Christian Limpert

Kamera: Daniel Dzyak

Schnitt: Günter Stöger

Die sind nach wie vor geschlossen. „Ohne Tourismus lohnt sich auch die Landwirtschaft nicht“, sagt Bernhard. „Wir hoffen, dass wir sobald wie möglich starten und alles wieder zum Laufen bringen können.“ Gerade hatte er noch auf den 7. Januar gehofft, der Tag, an dem Hotels und Gastronomie in Österreich öffnen sollten. Doch jetzt startet das Land in den dritten Lockdown, Hotels und Restaurants bleiben geschlossen bis Mitte Januar, mindestens.

Dennoch: im Ort scheint es, als könne es tatsächlich jeden Moment losgehen. Überall räumen Hotelmitarbeiter Dächer und Wege frei von Schnee, an den Außenbereich bringen Techniker Beleuchtung und Wärmestrahler an. Auch die Silvretta-Bahn läuft. Im Testbetrieb. Für Einheimische dürfen Seilbahnen in Österreich ab 24.12. fahren, unter strengen Auflagen. „Solange Hotels geschlossen bleiben und Touristen fehlen ist der Betrieb nicht wirtschaftlich“, sagt der Vorstand der Silvretta Seilbahn AG in Ischgl, Günther Zangerl. Mit Bernhard nur entfernt verwandt. Doch sollten die Skifahrer dann irgendwann kommen, will sein Betrieb Gedränge am Lift auf jeden Fall vermeiden. Maskenpflicht und Abstandsregeln werde man per Video überwachen, sagt Zangerl. In die Gondeln dürfen nur 12 statt 24 Personen, der Innenraumsoll regelmäßig desinfiziert und gelüftet werden. „Wir wissen, dass die ganze Welt auf uns schauen wird, wenn es wieder losgeht.“, sagt der Seilbahnchef. 170 Pistenkilometer gäbe es im eigenen Skigebiet, doch solange alles unklar ist, präparieren sie nur ein Viertel davon.

Nur ein paar Meter entfernt von einer der drei Talstationen steht das „Kitzloch“. Eine Aprés-Skibar, die Bernhard Zangerl erst vor einem Jahr übernommen hatte. „Das kannten damals nur wenige, es war hier ein Geheimtipp für gute Partys“, sagt Bernhard. Doch als sich im März hier ein Barkeeper mit Corona infizierte, geriet erst das Kitzloch und dann ganz Ischgl weltweit in die Schlagzeilen. Sobald es geht, will Bernhard jetzt beweisen, dass Aprés-Ski in Ischgl nichts mit Ballermann zu tun hat. Heißt diesen Winter: Weniger Gäste, mehr Abstand, Reservierungspflicht und Hygieneregeln. “Es wird eine andere Art von Aprés-Ski,“ erklärt Bernhard „Man sollte trotzdem die Möglichkeit schätzen, dass man in Urlaub fahren und die Berge und das Skifahren genießen kann.“

Auch wenn keiner im Ort weiß, wann das für Touristen aus Deutschland, Belgien oder Holland wieder möglich sein soll, an ihrem Image arbeiten sie derzeit unermüdlich. Alle Hygienevorgaben würden befolgt, verspricht Tourismuschef Steibl. Alle Mitarbeiter in den Hotels regelmäßig getestet. Und mehr noch: für alles Touristen soll ein offizieller PCR-Test möglich sein, sowohl bei Anreise als auch kurz vor der Abreise. Pro Test und Kunde solle der „weit unter 50 Euro“ kosten, verspricht Steibl. Ihr Kulturzentrum haben sie inzwischen zum Testzentrum umgebaut, 3000 Tests pro Wochen sollen hier möglich sein.

Zurück zu Bernhard Zangerl ins edle 5 Sterne Hotel seiner Familie. Das läuft im Notbetrieb. Knapp hundert Saisonkräfte sitzen auf Abruf zuhause, in Ungarn, Deutschland oder Österreich. Nur die wenigen ganzjährigen Angestellte sind da. Nehmen die vielen Anrufe entgegen, vor allem aus Deutschland. „Informationsabfrage und vorsichtige Buchungen sind das“, erklärt Rezeptionistin Viktoria Pitterle. Schon klingelt es erneut. Eine Buchung für Mitte Februar. „Alle Gäste können kostenlos stornieren, falls die Anreise dann nicht möglich ist,“ sagt Viktoria. Sicher planen könne man derzeit eben nichts, bestätigt Hotelchef Zangerl.  Eine Woche Zeit braucht er um Saisonkräfte zu holen und das Hotel startklar zu machen. Damit will er warten so lange wie möglich, ob sie wirklich aufmachen im Januar, Bernhard Zangerl bleibt skeptisch. „Ich war schon oft überzeugt, dass es wieder los geht“ erklärt der Hotelier.  „Erst am 25. November, dann am 15. Dezember, jetzt hoffe ich, dass es beim dritten Versuch im Januar klappt. Aber man wird sehen was kommt.“

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