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Heute stimmten die Abgeordneten im ungarischen Parlament darüber ab, ob in der ungarischen Verfassung künftig festgeschrieben wird, dass nur Mann (Vater) und Frau (Mutter) Eltern sein können. Foto: BR | Karin Straka

Ungarn: Verfassungsänderung und neues Familienrecht
Droht gesetzlich verankerte Diskriminierung?

Die ungarische Regierungspartei Fidesz hat eine Zweidrittelmehrheit im Parlament und kann damit die Verfassung ändern. Heute, am 15. Dez. 2020, stimmten die Abgeordneten für so eine Verfassungsänderung. Es wurde festgeschrieben, dass nur noch Mann (Vater) und Frau (Mutter) Eltern sein können. Wollen Alleinerziehende adoptieren, brauchen sie künftig die Zustimmung des Familienministers. Auch Geschlechtsänderungen soll es nicht mehr geben. Laut Gesetz muss jenes Geschlecht ein Leben lang gelten, das bei der Geburt festgestellt wurde. Eine klare Beschneidung der Rechte von LGBTQ (lesbische, schwule, bisexuelle, transgender, queere)-Menschen.

Ungarische Regierung will konservatives Familienbild festschreiben

Nach massiver Kritik von Opposition und Zivilgesellschaft betonte Justizministerin Judit Varga vor der Abstimmung, dass Ungarn auch nach einer Verfassungsänderung die eingetragene Partnerschaft von gleichgeschlechtlichen Paaren anerkenne. Das geplante Gesetz stelle klar, dass Elternschaft durch biologische Tatsachen bestimmt werde, eingetragene Partnerschaften gleichgeschlechtlicher Paare würden davon nicht berührt.

György Meszaros ist homosexuell, lebt zur Zeit ohne Partner und hat vor drei Jahren seinen 7-jährigen Sohn David adoptiert. Foto: BR | Nikolaus Neumaier
György Meszaros ist homosexuell, lebt zur Zeit ohne Partner und hat vor drei Jahren seinen 7-jährigen Sohn David adoptiert. Foto: BR | Nikolaus Neumaier

György Meszaros ist homosexuell, lebt zur Zeit ohne Partner und: er ist Vater des 7-jährigen David. David ist ein Romajunge und György hat ihn vor drei Jahren adoptiert. Die beiden sind eine kleine Familie. In Ungarn zählt György zu einer Minderheit und passt für die konservative ungarische Regierung von Viktor Orban nicht in ihr Familienbild. Sein Leben als homosexueller Vater ist in Ungarn nicht einfach:

„In meinen Kreisen, […] unter meinen Freunden, auch an meinem Arbeitsplatz, akzeptieren das alle. Aber es gibt eine konservative Gesellschaft, die viel weniger offen gegenüber uns ist. In der ungarischen Gesellschaft gibt es Homophobie und das Problem ist, dass die Homophobie politisch angefeuert wird.“

György Meszaros, Adoptivvater

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Beitrag: Nikolaus Neumaier

Kamera: Daniel Dzyak

Ton: Florian Lachinger

Schnitt: Günter Stöger

Der Professor für Erziehungswissenschaften an der größten Universität des Landes möchte die politische Entwicklung nicht einfach hinnehmen. Er wünscht sich mehr Unterstützung von der EU. Doch die letzten Beschlüsse hätten seiner Meinung nach gezeigt, dass Wirtschaft wichtiger ist als Menschenrechte.

„Die Regierung wünscht, dass wir unsichtbar werden und das ist es, was wir nicht akzeptieren. Wir wollen sichtbar sein, wollen hier sein, ein Statement abgeben, wir wollen uns nicht verstecken.“

György Meszaros, Adoptivvater

Kritik in den Städten, Zustimmung auf dem Land

In der Familienpolitik zeigt sich die ungarische Gesellschaft gespalten. Auf dem Land wohnen die konservativen Wähler, in den Städten eher die Liberalen. Im liberalen 13. Bezirk von Budapest wird das Gesetzespaket kritisch gesehen. „Ich habe mehrere Freundinnen, die sind auf der Liste als Alleinerziehende und warten auf ein Kind.“, sagt eine junge Frau namens Marta und betont: „Also ich bin völlig gegen dieses neue Familiengesetz.“. Eine andere verweist auf die Waisenhäuser und Heime, da gebe es eine Menge Kinder, die froh wären, wenn sie jemand liebevoll annehmen würde. Da brauche es nicht unbedingt Vater und Mutter zusammen: „Ich denke die Hauptsache ist, dass das Kind in Liebe lebt.“, sagt die Frau.

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