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Mostar in Bosnien-Herzegowina: Die berühmte Brücke über die Neretva wurde im Bosnienkrieg zerstört, dann wieder aufgebaut und jetzt ist sie ein Symbol für die Einheit und die Zukunft. Foto: BR | Nikolaus Neumaier

Mostar 25 Jahre nach Kriegsende
Symbol für die Zerrissenheit Bosnien-Herzegowinas

Mostar mit seiner berühmten Brücke ist auch 25 Jahre nach Ende des Bosnienkrieges ein Symbol für die Zerrissenheit von Bosnien und Herzegowina. Eine unsichtbare Trennlinie verläuft hier zwischen katholischen Kroaten und muslimischen Bosniaken. Nationalisten auf beiden Seiten haben kein Interesse an einer Veränderung und verhinderten 12 Jahre lang lokale Wahlen. Viele Einwohner Mostars sind diese Trennung leid. Sie wünschen sich ein friedliches Miteinander der Bevölkerungsgruppen.

„Ich habe fünf Enkelkinder, und ich wünsche mir, dass die Stadt endlich das wird, was sie vor dem Krieg war. Dass unsere Kinder es schöner haben und eine glückliche Zukunft.“

Passantin, Mostar
Wahlkampfauftakt in Mostar: Die 36jährige Irma Baralja (rechts) hat erstritten, dass nach 12 Jahren erstmals wieder Kommunalwahlen stattfinden. Foto: BR | Eldina Jasarevic
Wahlkampfauftakt in Mostar: Die 36jährige Irma Baralja (rechts) hat erstritten, dass nach 12 Jahren erstmals wieder Kommunalwahlen stattfinden. Foto: BR | Eldina Jasarevic

Auch Irma Baralja setzt sich für eine Änderung der aktuellen Situation ein. Die Kandidatin der liberalen, antinationalistischen und multiethnischen Partei „Nasa Stranka“ („Unsere Partei“) hat vor Gericht erstritten, dass am 20. Dez. 2020 endlich wieder Kommunalwahlen in Mostar stattfinden können.

„Diese Wahlen in Mostar sind keine normalen Wahlen. Nicht nur, weil wir 12 Jahre lang darauf gewartet haben. Das wird eine Entscheidung zwischen der Vergangenheit und der Zukunft.“

Irma Baralja, Kandidatin der Partei „Nasa Stranka“

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Nikolaus Neumaier zur Situation in Mostar

Kamera: Daniel Dzyak

Ton: Mladen Pehar

Videobearbeitung: Karin Straka

Nationalistische Parteien bremsen den Versöhnungsprozess

Dass in Mostar 12 Jahre lang keine Lokalwahlen stattgefunden haben, hält Ivana Maric für geradezu symptomatisch für die Situation in Bosnien und Herzegowina. An der politischen Führung des Landes lässt die politische Analystin aus Sarajevo kein gutes Haar: „Nach 12 Jahren setzen sie sich einfach an einen Tisch und sagen: ‚Ok jetzt ist es in Ordnung, jetzt machen wir Wahlen in Mostar‘. Jetzt wissen wir also, wer 12 Jahre lang gebremst hat – die SDA und die HDZ.“

 

Zusammen mit der serbischen SNDS gehören die bosniakische SDA und die kroatische HDZ zu den drei nationalistischen Parteien, die in Bosnien und Herzegowina seit Kriegsende vor 25 Jahren praktisch ununterbrochen regieren. Kritiker werfen ihnen vor, ein noch in Kriegszeiten erprobtes System der Angst vor der jeweils anderen Volksgruppe zu konservieren und als Patentrezept für den politischen Machterhalt zu verwenden. Ivana Maric formuliert das so:

„Das Problem ist: Unsere Politiker mögen das, was sie jetzt haben. Sie müssen keine Ergebnisse liefern. Vor den Wahlen sorgen sie für Unruhe und sagen: ‚Ihr müsst uns wählen, sonst werden die anderen euch vernichten‘. Damit gewinnen sie Wahlen und das ist das Problem. Sie wollen nichts ändern.“

Ivana Maric, Politikanalystin
Die Politikanalystin Ivana Maric aus Sarajevo lässt kein gutes Haar an der politischen Führung Bosnien-Herzegowinas. Foto: BR | Eldina Jasarevic
Die Politikanalystin Ivana Maric aus Sarajevo lässt kein gutes Haar an der politischen Führung Bosnien-Herzegowinas. Foto: BR | Eldina Jasarevic

Am Ende zahlen die Bürgerinnen und Bürger die Zeche, sagt Maric. Das Ergebnis ist eine hohe Arbeitslosigkeit und eine auch im regionalen Vergleich unterentwickelte Infrastruktur. Hinzu kommen eine weitverbreitete Korruption, kontrollierte Medien und ein erlahmter Prozess der EU-Integration. Viele bezeichnen Bosnien und Herzegowina als „failed State“ – also als gescheiterten Staat. Ivana Maric widerspricht:

„Wir können das sehr schnell ändern. Nur müssen wir lernen, anders zu wählen. Wir haben genügend Leute, die wissen wie es geht. Das Problem ist nur, die Bürger zu überzeugen, dass sie für diese Leute abstimmen.“

Ivana Maric, Politikanalystin
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