Google Maps-Vorschau - es werden keine Daten von Google geladen.

Der zweite 'harte' Corona-Lockdown soll bis 06.12.2020 dauern. Wie es danach weitergeht steht noch nicht fest. Foto: BR | Florian Lachinger

Österreich im zweiten Lockdown
Zwischen Zusperren und Zweifeln

Groß war die Unterstützung der Bevölkerung für die Corona-Maßnahmen der österreichischen Regierung bereits vor dem landesweiten zweiten Lockdown nicht mehr: Von Frühjahr dieses Jahres bis Ende Oktober sank diese Akzeptanz nach Erhebungen der Uni Wien von 70 auf nunmehr rund 40 Prozent. Angesichts drastisch steigender Infektionszahlen und zunehmender Belastung der Krankenhaus-Kapazitäten verordnet die türkis-grüne Bundesregierung einen „harten Lockdown“, lässt von wenigen Ausnahmen abgesehen Geschäfte schließen, der Unterricht in Schulen wird digital ins Homeschooling verlegt, Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen greifen tief ins Leben eines jeden Einzelnen ein.

Tag Eins des landesweiten Lockdowns: Das waren keine menschenleeren Straßen, spärlich besetzten öffentlichen Verkehrsmittel, verlassenen Schulen und Kindergärten. Viele Eltern nahmen das Angebot der Regierung an, ihre Kinder zur Betreuung in die Schule zu bringen, sofern sie keine andere Möglichkeit hätten, sich um ihre Kinder kümmern zu können. In den Bundesländern Niederösterreich, Salzburg und Wien meldeten die Bildungsministerien, dass teilweise bis 50 Prozent der Schülerinnen und Schüler gekommen seien. So begleitete Abeer Haidar ihre Tochter heute Morgen, wie sonst auch, zur Volksschule im 8. Wiener Gemeindebezirk: Sie sei froh, dass sie gestern von der Schule verständigt worden sei, für die Tagesbetreuung zu sorgen. Denn während des ersten Lockdowns, im Frühjahr, sei die Kleine die ganze Zeit bei ihr daheim geblieben. „Manchmal musste ich im Zoom Konferenzen machen und sie war die ganze Zeit traurig gewesen, sie ist Einzelkind“. Die Direktorin der Volksschule in der Wiener Pfeilgasse, Christina Strobl, vergleicht den jetzigen Lockdown mit der Situation im Frühjahr, während der sechswöchigen strengen Ausgangsbeschränkungen. Damals seien nur zwei bis drei Kinder zur Betreuung in der Schule abgegeben worden, heute seien es 80 Kinder:

"Im ersten Lockdown war es ganz wichtig, dass möglichst viele Kinder zuhause bleiben und es gab sozusagen nur eine Notbetreuung. Jetzt ist es schon die klare Aussage: Wenn Sie Hilfe brauchen, wenn Sie die Schule als Unterstützung brauchen, dann schicken Sie die Kinder."

Christina Strobl, Volksschuldirektorin

Bundeskanzler Sebastian Kurz wirbt unterdessen für Verständnis und Akzeptanz der Lockdown-Maßnahmen. Er wisse, dass der Bevölkerung sehr viel abverlangt werde, so Kurz am Morgen im ORF-Sender Ö3, vor allem Eltern und Schulkindern. Doch wenn es nicht gelinge, die Ansteckungszahlen runterzubringen, würden die Intensivstationen überlastet.

Wie die Stimmung in der Bevölkerung ist? Für viele Menschen dürfte die deutliche Verringerung der sozialen Kontakte – und damit die Verringerung der Infektionsgefahr – eine große Herausforderung darstellen. Auf die Frage, wie sie mit den jetzt geltenden verschärften Kontaktregeln zurechtkäme, wonach nur der Einzelne Menschen eines anderen Haushalts treffen oder besuchen dürfe, sagt uns diese junge Passantin in der Wiener Kärntnerstraße:

"Ich muss ehrlich sagen, ich habe die Maßnahmen so wie sie jetzt sind, schon eingehalten. Ich lebe auf dem Land, und für mich macht es keinen Unterschied. Ich werde jetzt in der Wohnung sein und Renovierungsarbeiten machen und mich ein bisschen einigeln. Für mich ist das kein Problem eigentlich. Ich finde es gut, das muss jetzt sein."

Passantin, Wien

Soundcloud-Vorschau - es werden keine Daten direkt von Soundcloud geladen.

Lade Inhalte

Lade Inhalte Lade Inhalte
Auch auf der Kärntner Straße in der Wiener Innenstadt erledigten gestern viele letzte Besorgungen, bevor der Handel für geplant knapp drei Wochen schließen musste. Foto: BR | Clemens Verenkotte
0:00 | 0:00

Auf den Handel kommen, trotz der in Aussicht gestellten staatlichen Hilfsmaßnahmen, wieder schwere Zeiten zu. Ingrid Geyer-Fritz steht in ihrem kleinen Naturkosmetik- und Geschenkeladen im Wiener 13. Bezirk und blickt auf ihr Weihnachtssortiment. Treue Kunden hätten ihr Mut machen wollen.

"Am Samstag und heute - das war irrsinnig nett. Da habe ich so richtig gemerkt, dass einige Leute kommen und mir wirklich Zuspruch geben, also sagen: 'Halten Sie durch'. Aber es ist für mich persönlich eine Katastrophe."

Ingrid Geyer-Fritz, Geschäftsfrau

Bis zuletzt habe sie gehofft, dass die Regierung die kleinen Läden vom Lockdown verschonen würde.

"Immer mit der Keule im Nacken, ja vielleicht sperren wir auf, vielleicht aber doch nicht, wenn wir nicht brav sind, ist einfach ein Horror."

Ingrid Geyer-Fritz, Geschäftsfrau
Was Sie noch interessieren könnte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.