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Die Gedenkstätte für die 155 Opfer der Brandkatastrophe in Kaprun. Im Berghang im Hintergrund sieht man noch die Fundamente der Gletscherbahnrampe. Foto: BR | Florian Lachinger

Trauriger Gedenktag 20 Jahre danach
Die Brandkatastrophe von Kaprun

Einige hundert Meter von dem Ort entfernt, an dem vor 20 Jahren 155 Menschen ums Leben kamen, treffen sich heute wieder die Angehörigen. Manche fahren jedes Jahr hierher, so auch zum Jahrestag in diesem Jahr. Sie und Vertreter der Gemeinde versichern einander, sich jedes Jahr im Gedenken an die Opfer in Kaprun zu versammeln.

 

An diesem kalten 11. 11. 2020 sind nicht alle gekommen. Etwa 50 bis 60 Angehörige treffen sich an der Talstation der Gletscherbahn Kaprun. Beim ökumenischen Gottesdienst spricht Ursula Geiger, stellvertretend für alle Hinterbliebenen. Sie hat beim Unglück ihren 14jährigen Sohn Sebastian verloren. Heute sagt sie: „Es gibt eine Zeit für den Schmerz, eine Zeit für die Wut aber auch eine Zeit für die Versöhnung“.

„Ich denke, die Wut, die lässt natürlich nach 20 Jahren nach. Die Empathie, die damals gefehlt hat, die fehlt mir auch heute noch. Ich hätte mir mehr Menschlichkeit gewünscht und nicht alles nach Paragraphen ausgerichtet.“

Ursula Geiger, Angehörige

Ein Vater erinnert daran, wie schlimm es vor 20 Jahren war, als die Angehörigen stundenlang in Ungewissheit im schnell eingerichteten Angehörigenzentrum ausharren mussten. Wie sie nicht gewusst haben, was tatsächlich passiert ist und bis zuletzt gehofft hatten, dass niemand aus ihrer Familie betroffen ist. Heute sagt er: „Man hat in 20 Jahren gelernt damit zu leben“.

Der Gedenktag soll den Angehörigen gehören. Aus diesem Grund spricht auch kein Vertreter der Gemeinde, der Gletscherbahn oder des Bundeslandes. In der Gedenkstätte, die neben der Talstation im Stil eines langgezogenen Kubus errichtet wurde, brennen 155 Kerzen. In den farbigen Glasfenstern stehen 155 weiße Rosen. Symbole, die für die Toten stehen. Für die Hinterbliebenen steht der Name Kaprun für immer für die Katastrophe.

„Der Ort Kaprun wird von uns immer anders angeschaut, als von normalen Skifahrern.“

Ursula Geiger, Angehörige

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Beitrag: Christian Limpert

Kamera: Daniel Dzyak

Ton: Florian Lachinger

Videobearbeitung: Thomas Wachholz

Im Berghang neben der Gedenkstätte sieht man noch die Fundamente der Bahnrampe und den verschlossenen Eingang zum Tunnel, in dem sich vor 20 Jahren die Katastrophe ereignete. Was bleibt sind die Erinnerungen. Ursula Geiger, eine Sprecherin der Hinterbliebenen denkt immer noch daran, wie sich die Angehörigen behandelt fühlten. Von der Gletscherbahn und beim Prozess, der in Salzburg stattfand. Was sie bis heute vermisst, ist die Empathie. Was sie freut ist die Gemeinschaft der Angehörigen. Für Ursula Geiger und die anderen ist es wichtig zu wissen nicht allein zu sein.

11.11.2000, Brand in der Gletscherbahn Kaprun, ausgelöst durch einen Heizstrahler im unbesetzten Führerstand.

 

Im brennenden Zug gab es weder Feuerlöscher, noch Nothämmer oder eine Notsprechanlage, um den Zugführer ganz vorne zu alarmieren. Die Türen gingen nicht auf und ließen sich händisch nicht entriegeln.

 

155 Menschen kamen ums Leben.

 

12 Menschen konnten sich durch ein eingeschlagenes Fenster und die Flucht ans untere Tunnelende retten.

 

Alle Anklagen im Zusammenhang mit der Brandkatastrophe endeten mit einem Freispruch.

„Dadurch, dass so viele verunglückt sind, und so viele sich schon vorher gekannt haben, sind wir fast so eine kleine Selbsthilfegruppe gewesen, weil die Trauer bei allen zur gleichen Zeit gleich war. Das ist schon etwas Schönes, dass man jemand hat, mit dem man sprechen kann und wo man auch verstanden wird.“

Ursula Geiger, Angehörige
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