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Foto: BR | Clemens Verenkotte

Kindergarten im Kosovo
Seit 20 Jahren läuft das Hilfsprojekt in Krushe e Vogel

Nach Ende des Kosovo-Kriegs im Sommer 1999 kehrten die Frauen und Kinder des Dorfes Krushe e Vogel bei Prizren zurück, suchten vergeblich nach ihre männlichen Angehörigen. Serbische Einheiten hatte nahezu alle Männer umgebracht und die meisten Häuser angezündet. Damals entschied die deutsche Hilfsorganisation Humedica, genau dort einen Kindergarten zu errichten. Am 1. November 2000 öffnete der kleine Kindergarten seine Tore und steht seitdem einer neuen Generation von Dorfkindern und deren Familien zur Verfügung. Clemens Verenkotte hat den Kindergarten im Süden des Kosovo besucht.

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Am 1. November 2000 wurde der Kindergarten in Krushe e Vogel eröffnet, in einem Dorf, in dem anderthalb Jahre zuvor nahezu alle Männer von serbischen Einheiten ermordet worden waren. Foto: BR | Clemens Verenkotte. Foto: BR | Clemens Verenkotte
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Es sieht schon von weitem gut aus: Das schmucke, weißgestrichene Einfamilienhaus mit roten Dachziegeln auf einem größeren Grundstück, frisch gemähter Rasen. Jetzt, um kurz vor 12, rennen die Kleinen ins Freie, für heute ist der Kindergarten aus, Eltern holen die Drei- bis Sechsjährigen ab.

Das sind alltägliche Szenen, die sich überall auf der Welt abspielen. Doch hier ist es alles andere als alltäglich, denn der Bau des Kindergartens in dem kleinen Dorf Krushe e Vogel, in der Nähe von Prizren im Süden des Kosovo, geht zurück in die Kriegszeit: Der Grund, warum die Hilfsorganisation Humedica mit Sitz in Kaufbeuren unmittelbar nach dem Kosovo-Krieg im Sommer 1999 dieses Dorf für ihr langjähriges Förderprojekt ausgesucht hat, hat mit einem der schlimmsten Kriegsverbrechen zu tun, die sich im Kosovo ereignet haben: In Krushe e Vogel und dem größeren Nachbardorf Krushe e Madhe ermordeten serbische Truppen nahezu alle männlichen Bewohner der beiden Dörfer. Das wisse im Kosovo nahezu jeder, sagt Alban Bytyci, der Leiter des Kindergartens. Es gilt das Dorf aufgrund der Größe als der Ort eines der größten Massaker. „Wenn man 116 Männer ermordet, das entspricht etwa Mord an 85 Prozent der Männer.“

Die Witwen des Dorfes mussten die Feldarbeit übernehmen, die zuvor ihre Männer geleistet hatten – aber wer sollte auf die Kinder aufpassen? Der damalige Chef von Humedica, Wolfgang Gross, versprach den Frauen, Geld für den Bau und Unterhalt eines Kindergartens aufzutreiben: „Nachdem Wolfgang diese Geschichte erfahren hatte, kehrte er nach Bayern, nach Kaufbeuren zurück, er brachte die Story ins Fernsehen und innerhalb von 30 Minuten hatte er genug Spendengelder bekommen, um dieses Gebäude zu errichten, das wirklich schön ist.“

Im Eingangsbereich des Kindergartens erinnert eine Gedenktafel daran, dass unter anderem eine Spende der Benefizaktion Sternstunden des Bayerischen Rundfunks den Bau möglich gemacht hat. Heute gehen hier 24 Jungen und Mädchen in den Kindergarten, der im November vor 20 Jahren eröffnet werden konnte. Die Jüngeren sind in der „Schmetterlingsgruppe“, die Größeren in der „Bienen-Gruppe“, lernen die Zahlen, das Alphabet, auch ein bisschen Englisch bereits – nachmittags bekommen einige Acht- und Neuntklässler Englisch-Unterricht. Vor Weihnachten, und dies gehört bereits zur Tradition in der näheren Region, verteilen Alban und seine Helferinnen – Weihnachtsgeschenke, die aus Deutschland gespendet werden. „Die verteilen wir hier im Dorf, aber wir gehen auch in Dörfer, die hoch in den umliegenden Bergen liegen, wo sonst niemand hingeht,“ berichtet Alban. Das sei für ihn und seiner Helferinnen „die beste Zeit des Jahres.“

Wie es finanziell im nächsten Jahr mit dem Kindergarten weitergeht, ist noch ungewiss. 20 Jahre ist Humedica mit rund 40.000 Euro pro Jahr für die Gehälter, den Erhalt und die übrigen Kosten des Kindergartens aufgekommen. Derzeit, so heißt, suche man neue Sponsoren, die das Projekt weiterführen wollen, das für das Kosovo und vor allem  diesen vom Krieg gezeichneten Ort beispielhaft ist.

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