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Abends wird die Fußgängerzone von Prishtina desinfiziert. Foto: BR | Besnik Hamiti

Aktuelle Coronavirus Situation in Südosteuropa und Österreich
Crash-Test für den Südosten Europas

Die Infektionszahlen steigen wieder, in allen Ländern. Ein echter Crash-Test für die Gesundheitssysteme, es fehlen Fachärzte, medizinisches Personal. Dazu kommt Misstrauen in die Behörden, die teils überfordert sind, teils verdächtigt werden, schönzufärben, um wirtschaftlich fatale Lockdowns zu verhindern. Manche Länder trifft es auch deshalb hart, weil sie vergleichsweise gut durch die erste Corona-Welle kamen, glaubten, sie hätten die COVID-Pandemie schon gestoppt.

KROATIEN - Steigende Zahlen, viel Vernunft, Lockdown im Moment kein Thema

Mehr als 1.000 Infizierte am Tag, das hat das 4,3-Millionen-Einwohner-Land jetzt zum ersten Mal erleben müssen. Die Kurve der Infizierten-Zahl weist im Moment steil nach oben, seit Anfang, Mitte Oktober, nach einem ruhigen Verlauf den ganzen Sommer über. Die kroatische Halbinsel Istrien mit ihren knapp 210.000 Einwohner galt im Mai und Juni an manchen Tagen sogar als „Corona-frei“ – ohne neue Fälle. Das ändert sich gerade.

„Im Bezug zu den Zahlen haben wir die liberalsten Maßnahmen von allen“, sagt Kroatiens Gesundheitsminister Vili Beros – und mahnt gleichzeitig, wieder mehr Disziplin zu zeigen, die geltenden Anti-Corona-Regeln zu beachten: Maskenpflicht in allen öffentlich zugänglichen Räumen und im öffentlichen Nahverkehr, Sperrstunde um Mitternacht in der Gastronomie. Die Strategie der kroatischen Behörden: Mahnen und Appellieren, noch keine Strafen, weitgehend. Denn: Die Menschen in Kroatien halten sich fast alle an die Regeln, Proteste gegen die Corona-Politik der Regierung gibt es nicht, die Einreise nach Kroatien und die Bewegungsfreiheit im Land selbst ist nicht beschränkt, ein Lockdown im Moment kein Thema.

Das könnte sich ändern. Für die Hauptstadt Zagreb – davor schon für einige andere Regionen – gilt seit kurzem eine Reisewarnung des deutschen Auswärtigen Amtes. Einige Stationen in Krankenhäusern mussten kurzfristig schließen – aber noch ist die Lage relativ entspannt. Es gibt landesweit 1.450 Betten für Corona-Patienten auf den Intensivstationen und 800 Beatmungsgeräte – nur 35 von ihnen sind im Moment belegt mit Patienten, die beatmet werden müssen.

Mitarbeit: Gordan Godec

AKTUELLE DATEN KROATIEN

Testungen: 411.947

Infizierte Personen: 28.287

Genesene Personen: 21.435

Verstorbene Personen: 393

(Stand: 21.10.2020)

ALBANIEN - Schutzmaske auf der Straße, schon ab elf Jahren

Am Anfang reagierte Albanien mit drastischen Maßnahmen auf die Corona-Pandemie. Die wurden, mit Beginn des Schuljahres gelockert, mit der wenig überraschenden Folge, so Skënder Brataj, der Direktor der nationalen Notfallstation in Albanien, dass die Zahl der Neu-Infektionen deutlich anstieg. Die Hauptstadt Tirana ist dabei das Epizentrum der Pandemie, hier werden mehr als die Hälfte der Neuinfektionen registriert. Auch die Zahl der Todesfälle ist gestiegen, auf 458 (Stand: 20.10.2020), von 31 Mitte Mai. Seit September, seit Restaurants, Bars, Schulen und Schwimmbäder wieder geöffnet haben, ist die Zahl der Infizierten sprunghaft angestiegen.

Inzwischen wird deutlich mehr getestet in Albanien, deshalb sind auch hier die Zahlen vom Frühjahr nicht vollständig vergleichbar mit den Zahlen jetzt im Herbst, damals wurden 450 bis 500 Menschen pro Tag getestet, heute dreimal so viele.

Regierungschef Edi Rama erklärt, trotz der gestiegenen Fallzahlen seien erst knapp die Hälfte der medizinischen Kapazitäten ausgeschöpft. Schwere Fälle werden in der Hauptstadt Tirana behandelt, nur dort gibt es die dafür nötigen Fachärzte.

Ein zweiter Lockdown ist vorerst nicht geplant, zu schwerwiegend die Folgen für das Land Albanien, sagt Regierungschef Rama. Stattdessen: Schutzmaskenpflicht für alle ab elf Jahren, auf den Straßen und öffentlichen Plätzen. 3000 Polizeibeamte sollen kontrollieren, es drohen Geldstrafen.

Mitarbeit: Astrit Ibro

AKTUELLE DATEN ALBANIEN 

Testungen: 110.189

Infizierte Personen: 17.651

Genesene Personen: 10.225

Verstorbene Personen: 458

(Stand: 21.10.2020)

RUMÄNIEN - Krankenhäuser am Rande des Limits

Präsident Klaus Iohannis reagiert abwehrend-gereizt auf die Frage nach teilweisen chaotischen Zuständen in Rumänien: „Nicht alles sei chaotisch“, sagt er zur Corona-Lage im Land. Und: „Während „einer Katastrophe“ wie dieser, „müsse nicht nach Schuldigen, sondern nach Lösungen gesucht werden.“

Das wird täglich schwieriger, angesichts explosionsartig steigender Infektionszahlen. An manchen Tagen ist jeder dritte Test COVID-positiv. Inzwischen sind 37 Städte und 255 kleinere Ortschaften mit ihren Infektionszahlen in das Szenario „Rot“ gerutscht, das heißt: mehr als 300 Infektion auf 100.000 Einwohner. Die Zwei-Millionen-Hauptstadt Bukarest liegt im Moment bei 326 Corona-Infektionen auf 100.000 Einwohner.

Für diese „roten Bereiche“ wurden strenge Anti-Corona-Regeln angeordnet. Das heißt, für die nächsten zwei Wochen: Geschlossene Schulen, Online-Unterricht, Schutzmasken auch im Freien, geschlossene Kinos, Theater und Konzertsäle. Restaurantbetrieb nur draußen.

Rumäniens Ärzte befürchten, die die Belastungsgrenze der Krankenhäuser erneut überschritten wird, ähnlich wie im Frühjahr, während der ersten Corona-Welle. Insgesamt gibt es rund 1040 Intensiv-Betten für Corona-Patienten, 749 davon waren bereits zu Beginn der Woche belegt.

Das Hauptproblem sei allerdings der Ärztemangel, klagt ein führender Intensivmediziner: Für 20 Millionen Einwohner arbeiten in den Intensivstationen nur rund 1000 Fachärzte und 800 Assistenzärzte. Der Plan des Gesundheitsministeriums, 15 Prozent aller Behandlungskapazitäten des Landes ausschließlich zur Behandlung Corona-Kranker zu verpflichten stößt auf Kritik der Ärzte, die eine erhöhte Ansteckungsgefahr befürchten und in der Folge einen drohenden Kollaps des gesamten Gesundheitssystems.

Mitarbeit: Herbert Gruenwald

AKTUELLE DATEN RUMÄNIEN

Testungen: 2.927.096

Infizierte Personen: 191.102

Genesene Personen: 137.835

Verstorbene Personen: 6.065

(Stand: 21.10.2020)

BOSNIEN UND HERZEGOWINA - Furcht ums Krankenhauspersonal

Die Furcht vor einem Zusammenbruch des Gesundheitssystems in Bosnien-Herzegowina wächst. Nicht weil es an Medizintechnik in den Krankenhäusern fehlen würde, sondern an Ärzten und Fachpersonal, das die Geräte bedienen könnte. Die Zahl der mit Corona-Infizierten ist in den letzten Tagen explosionsartig gestiegen, die Furcht, dass zu viele aus dem schon seit Monaten überlasteten Krankenhaus-Teams infiziert werden könnten, ist groß.

Deshalb der Appell an die Bürger, sich wieder mehr an die Anti-Corona-Regeln zu halten. Um die Lage wieder in den Griff zu bekommen, wurde in zwei Regionen, Sarajevo und Una-Sana Maskenpflicht auch im Freien angeordnet. In Sarajevo drohen – für Einheimische empfindlich hohe – Geldstrafen von mehr als 500 bosnischen Mark (rund 250 Euro), falls sich jemand nicht daran hält. Verhängt wurde eine so hohe Strafe noch nicht, Verstöße kommen weiter vor, aber die Bereitschaft, Maske zu tragen, nimmt zu.

Ein Zehntel der Infizierten sind Schulkinder. Noch wird in den Klassenzimmern unterrichtet, Online-Unterricht zu Hause wird aber bereits wieder diskutiert.

Die meisten mit Corona Infizierten sind Berufstätige, Menschen im Alter zwischen 30 und 50. Ein Lockdown ist aber, aus Rücksicht auf die Wirtschaft im Land, kein Thema. Zu katastrophal war der Einbruch des ohnehin schon katastrophal niedrigen Wirtschaftswachstums beim Lockdown im Frühjahr.

Mitarbeit: Eldina Jasarevic

AKTUELLE DATEN BOSNIEN UND HERZEGOWINA

Testungen: 283.279

Infizierte Personen: 36.315

Genesene Personen: 25.779

Verstorbene Personen: 1031

(Stand: 21.10.2020)

SERBIEN - Angespanntes Warten auf die dritte Welle

Serbien hat schon hinter sich, was viele andere Länder noch vor sich haben: bereits im Juli traf die Serben eine zweite Corona-Welle. Jetzt, im Herbst, baut sich die dritte Welle auf. Die Hauptstadt Belgrad ist seit Tagen der größte Corona-Hot-Spot im Land, fast die Hälfe der Neu-Infizierten werden in Belgrad registriert. Serbien bereitet sich auf Schlimmeres vor, die größte Sporthalle des Landes, die Belgrader „Arena“ soll jetzt wieder zum „Notkrankenhaus“ werden und leichter erkrankte Patienten aufnehmen, etwa 500 zunächst, wie schon im Frühjahr.

Schon im Sommer hatte Serbien mit unerwartet hohen Infektionszahlen zu kämpfen, die Krankenhäuser waren voll mit COVID-Patienten. Diese sehr frühe „zweite Welle“ stand offenbar im Zusammenhang mit den Parlaments- und Kommunalwahlen Ende Juni. Serbien sprang damals von einem Extrem ins andere. Nachdem zunächst, beraten von chinesischen Experten, mit die strengsten Anti-Corona-Regeln in Europa gegolten hatten, wurde vor den Wahlen fast alles gelockert, eine politisch gewollte Schönfärberei vor den Wahlen, mit der Folge: Rapide steigende Infektionszahlen. Die Ankündigung eines Wochenend-Lockdowns kurz nach den Wahlen, Anfang Juli, trieb dann aber mehrere tausend Menschen auf die Straße, um gegen die Regierung zu protestieren. Regierung und Krisenstab haben das Vertrauen der Bevölkerung größtenteils verloren.

Deshalb haben sich in Serbien rund 3.000 Ärzte zu einer Initiative „Vereint gegen COVID“ zusammengetan. Sie wollen verhindern, dass die wahre Lage vertuscht wird, dass falsche Zahlen in Umlauf kommen – und auch: dass dringend benötigtes Medizinpersonal, eingeschüchtert durch die Behörden, frustriert aufgibt und das Land verlässt. Ihr Appell: Maske tragen, so helfen, den Zusammenbruch des Gesundheitssystems zu verhindern, denn, so die Ärzte „Vereint gegen Covid“, bei der letzten Welle fehlten nur noch ein paar Tage bis zu einem „italienischen Szenario“, dem totalen Kollaps des Systems in Serbien.

Das Problem: Anti-Corona-Regeln, die von Regierung und Behörden diskutiert werden, könnten auf wenig Akzeptanz stoßen, wenn sie wieder so streng sind wie zu Beginn der Corona-Krise. Offiziell belässt man es deshalb im Moment weitgehend beim Gebot, Maske zu tragen und Abstand zu halten. Bereits geltende Regeln sollen schärfer kontrolliert werden, zum Beispiel die 23-Uhr-Sperrzeiten für Gastronomie und Geschäfte und das Verbote von Versammlungen von mehr als 30 Personen in geschlossenen Räumen. Maske tragen in öffentlichen Innenräumen ist seit Juli bereits Pflicht, jetzt wird es auch im Freien empfohlen.

Mitarbeit: Zoran Ikonic und Dejan Stefanovic

AKTUELLE DATEN SERBIEN

Testungen: 1.249.106

Infizierte Personen: 36.608

Genesene Personen: 31.536

Verstorbene Personen: 780

(Stand: 20.10.2020)

BULGARIEN - Infizierten-Zahl steigt bedrohlich

Zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Krise registriert auch Bulgarien mehr als 1.000 Infizierte pro Tag, zuletzt (Stand: 20.10.2020) 1.024. Knapp ein Viertel (23%) der Tests waren Corona-positiv. Ab morgen (22.10.2020) ist das Tragen von Masken auch im Freien verpflichtend.

Sorge macht die Situation in den Krankenhäusern. Das Sieben-Millionen-Land Bulgarien leidet chronisch an Ärzte- und Pfleger-Mangel, auch schon vor Corona, viele haben das Land frustriert verlassen, als gesuchte Fachkräfte in anderen EU-Ländern. Jede infizierte Ärztin, jeder an Covid-19 erkrankte Krankenpfleger fehlt dringend. Auch wenn es noch ausreichend leere und gut ausgerüstete Intensiv-Pflegebetten gibt. Nur in den beiden „roten Zonen“ Bulgariens, Targowiste und Blagoewgrad – dort sind zur Zeit rund 120 Menschen auf rund 100.000 Einwohner infiziert – sind die Krankenhäuser überfüllt, Covid-Patienten von dort werden in die Hauptstadt Sofia und in andere Großstadt-Krankenhäuser gebracht.

In der Hauptstadt Sofia, im ganzen Land scheint die Lage äußerlich entspannt, die Anti-Corona-Regeln sind relativ locker: Mund-Nasenschutz ist nur in geschlossenen Räumen und im öffentlichen Verkehr Pflicht. Nur in den „roten Zonen“ sind Treffen mit vielen Menschen verboten.

Das heißt auch: Es wird weiter protestiert in der Hauptstadt Sofia, gegen die Regierung und den Generalstaatsanwalt, die mit einer Verfassungsreform nach noch mehr Macht streben im von Korruption geplagten Bulgarien. Die Proteste lassen Ministerpräsident Bojko Borissow kalt, die Corona-Krise nicht. Der Regierungschef fährt im Jeep durchs Land und verspricht Millionenhilfen – allerdings ohne genau zu sagen, woher das Geld kommen soll.

Mitarbeit: Ekaterina Popova und Camelia Ivanova

AKTUELLE DATEN BULGARIEN

Testungen: 624.901

Infizierte Personen: 31.863

Genesene Personen: 17.414

Verstorbene Personen: 1019

(Stand: 21.10.2020)

KOSOVO - Gereizte Stimmung, in der Wirtschaftskrise

Seit im Kosovo die zuvor vergleichsweise scharfen Regeln gelockert wurden, Anfang Juni, steigen die Infiziertenzahlen, erwartungsgemäß. Die Rede ist auch hier von einer „zweiten Welle“. Deshalb gilt Maskenpflicht, drinnen wie draußen. Wer sich weigert, muss zahlen: Geldstrafen zwischen 35 und 300 Euro, zehntausende mussten schon bezahlen.

Die Bevölkerung reagiert zum Teil äußerst gereizt, wenn Ministerpräsident Avdullah Hoti auf seinem Facebook-Account schärfere Maßnahmen damit begründet, einen Lockdown verhindern zu wollen. Der würde die Wirtschaftskrise im Kosovo deutlich verschärfen. Schon jetzt haben geschätzt 20- bis 40.000 Kosovaren in der Corona-Krise ihren Job verloren.

Mitarbeit: Besnik Hamiti

AKTUELLE DATEN KOSOVO

Testungen: 81.074

Infizierte Personen: 17.139

Genesene Personen: 14.787

Verstorbene Personen: 657

(Stand: 20.10.2020)

MONTENEGRO - Erst „Corona-frei“, dann europaweiter Hot-Spot

Knapp 630.000 Einwohner und mit 2.385 Infizierten auf 100.000 Einwohner führend in der Corona-Länderliste der Europäischen Statistikämter, vor Armenien und Spanien (Stand: 16. Oktober 2020). Ein Rekord, auf den Montenegro gerne verzichten würde, nachdem sich das kleine Land Anfang Juni offiziell für Corona-frei erklärt hatte, nach 28 Tagen in Folge, in denen kein neuer Corona-Fall bekannt geworden war.

Am Ende der ersten Welle, im Frühjahr, zählte Montenegro 324 Infizierte und neun Tote. jetzt, vier Monate und eine Parlamentswahl später, hat sich die Lage umgekehrt. Diese zweite Corona-Welle in Montenegro nahm im August an Fahrt auf. Die Bilanz bis heute: 17.000 Infizierte und 250 Corona-Tote.

Schärfere Regeln wurden erst Anfang Oktober eingeführt: Ein Ampelsystem für besonders betroffene Städte und Landesteile, die zum Beispiel nächtliche Ausgangssperren ab 22 Uhr möglich machen. Ansonsten bleibt es bei den üblichen Appellen: Abstand halten, Maske tragen.

Mitarbeit: Zoran Ikonic und Dejan Stefanovic

AKTUELLE DATEN MONTENEGRO

Testungen: 81.773

Infizierte Personen: 15.892

Genesene Personen: 11.581

Verstorbene Personen: 247

(Stand: 20.10.2020)

NORDMAZEDONIEN: Hat die „zweite Welle“ begonnen?

Die Zahl der Infizierten steigt, die Quarantäne-Stationen in den Krankenhäusern sind überfüllt, schwere Fälle werden in die Hauptstadt Skopje verlegt. Der mit nur knapper Mehrheit (62 von 120 Abgeordneten) regierende sozialdemokratische Staatspräsident Stevo Pendarovski versucht, die Infizierten-Zahlen mit Dekreten kleiner zu halten. Ein Durchregieren per Dekret, das die starke Opposition heftig kritisiert. Einmal die Woche organisiert sie Protestmärsche, bei denen unter anderem der Rücktritt des Gesundheitsministers gefordert wird, wegen „Unfähigkeit“.

Noch ist man sich nicht einig, ob das schon die zweite Corona-Welle ist, die das Zwei-Millionen-Einwohner-Land an der Grenze zu Griechenland heimsucht.

Gesundheitsminister Venko Filipce warnt vor einem düsteren Corona-Herbst und -Winter und droht mit einem Quarantäne-Lockdown, wenn in Nordmazedonien keine Abstandsregeln eingehalten und keine Schutzmasken getragen werden. Zur Diskussion steht, Restaurants, Cafés, Sandwich-Läden früher zu schließen, die Arbeit dort bis spätestens 23 Uhr einzustellen, Veranstaltungen zu verbieten und den öffentlichen Nahverkehr um die Hälfte herunterzufahren. Ob das helfen könnte ist unklar. Denn anders als während der ersten Corona-Welle im Frühjahr macht es die hohe Zahl der Neu-Infizierten schwer, die Hot Spots zu identifizieren.

Mitarbeit: Schaban Bajrami, Sasko Golov und Lyubisha Nikolovski

AKTUELLE DATEN NORDMAZEDONIEN

Testungen: 223.922

Infizierte Personen: 24.196

Genesene Personen: 17.673

Verstorbene Personen: 850

(Stand: 21.10.2020)

ÖSTERREICH - Schärfere Regeln gegen den Leichtsinn. Sorge um Wintersaison

Die „Lage in Österreich ist ernst“ sagt Bundeskanzler Sebastian Kurz und rechnet besorgt hoch, um für die neuen, schärferen Anti-Corona-Regeln zu werben. Wenn die Zahl der Infizierten weiter so steigt, verdoppelt sie sich alle drei Wochen und Österreich hätte im Dezember täglich 6.000 neu mit COVID-19 Infizierte. Das will die Bundesregierung in Wien auf jeden Fall verhindern. Die Skisaison, sowieso schon in Gefahr, steht auf dem Spiel, 15 Prozent der Wirtschaftskraft Österreichs, mindestens, speist sich aus dem Tourismus.

Deshalb: Jetzt die Notbremse – drinnen dürfen sich nicht mehr als 6 Personen treffen, draußen höchsten zwölf. Konzerte, Veranstaltungen in Hallen: Höchstens 1.000 dürfen rein, ins Stadion, an der frischen Luft: 1.500, maximal. Alle mit Abstand, alle nur mit Maske, das gilt auch beim Einkaufen, in der Bahn, in Bussen und U-Bahn. Ein „rot-weiß-roter Kraftakt“ sagt der Kanzler – und schiebt nach: Regional darf gern verschärft werden, je nach Lage, wenn die österreichische Corona-Ampel auf Rot steht, wie beispielsweise in Innsbruck in Tirol. Auch Bundeskanzler Kurz (ÖVP) ist angewiesen auf die Mitarbeit der Bundesländer. Eine frühe Sperrstunde hat Wiens SPÖ-Bürgermeister bisher verhindert.

Die meisten Österreicher halten sich an die Regeln, diskutieren aber heftig. Wer im Tourismus sein Geld verdient, weist darauf: In Restaurants, auf Reisen würden sich die wenigstens anstecken. Ergebnisse des „Contact-Tracing“: 40 Prozent stecken sich bei privaten Feiern an, 25 Prozent in der Freizeit, bei Hochzeiten, bei Vereinstreffen.

Mitarbeit: Wolfgang Vichtl

AKTUELLE DATEN ÖSTERREICH

Testungen: 1.993.124

Infizierte Personen: 70.769

Genesene Personen: 48.444

Verstorbene Personen: 940

(Stand: 21.10.2020)

SLOWENIEN - Erst Pandemie gestoppt, jetzt „Katastrophenfall“

Schwerer Rückschlag für Slowenien. Das Zwei-Millionen-Land steht unter Corona-Quarantäne, für 30 Tage: Teil-Lockdown. Elf von zwölf Regionen sind im roten Bereich, die zwölfte bald auch. Und das, obwohl Slowenien das erste europäische Land war, das – schon Mitte Mai – das vorläufige Ende der Pandemie erklärt hat.

Zuletzt gab es mehr als 300 Neu-Infizierte auf 100.000 Einwohner. Deshalb zog die Regierung die Notbremse. Regierungssprecher Jelko Kacin versucht aber zu beruhigen. Der ausgerufene „Katastrophenfall“ sei eher eine Art „technische Hilfe“ für die Behörden, um eine drohende Katastrophe zu verhindern, um Anti-Corona-Maßnahmen schneller greifen lassen zu können. Leben und Gesundheit der Menschen in Slowenien würden an erster Stelle stehen. Die Wirtschaft soll aber nicht leiden, in den Betrieben wird weitergearbeitet, die Einschränkungen betreffen vor allem den privaten Bereich.

Das heißt: Bürgersteige hochgeklappt, ungewohnt früh für Slowenen, von 21 Uhr bis sechs Uhr früh gilt: Polizeistunde. Es greift, etwas abgeschwächt, was bereits im Frühjahr ein Ausweiten der Pandemie verhindern sollte: Restaurants und Bars müssen nicht nur früh schließen, sie dürfen auch dürfen nur öffnen, wenn sie ihre Gäste ausreichend schützen können, mit genügend Abstand zwischen den Tischen, zum Beispiel. Zum Friseur darf nur jeweils eine Kundin – und natürlich nur mit Maske und Desinfektion der Hände am Eingang. Schulunterricht im Klassenzimmer gibt es nur noch für Grundschüler bis zur fünften Klasse, alle anderen lernen im Home-Schooling, auch nach den Herbstferien. Die Menschen sollen zu Hause bleiben, Fahrten über die eigene Region hinaus sind nur erlaubt, wenn jemand zur Arbeit oder zum Arzt muss.

Trotzdem erwartet Janez Poklukar, Leiter der UNI-Klinik in Ljubljana, steigende Infektions-Zahlen und mehr an Corona Erkrankte, in den nächsten zwei, drei Wochen. Vorsichtshalber werden in Krankenhäusern bereits Betten freigeräumt, geplante Operationen verschoben.

Die Slowenen murren, sind unzufrieden, aber einsichtig. Es gibt keinen nennenswerten Widerstand oder gar Protest gegen die neuen, verschärften Regeln. Strafen für das Nicht-Einhalten der Regeln sind zwar angedroht, die Polizei kontrolliert, will es aber zunächst nur verwarnen. Staatspräsident Borut Pahor appelliert an die Verantwortung jedes Einzelnen: „Eine schwere Zeit steht uns bevor. Solidarität ist jetzt wörtlich, lebenswichtig.“

Mitarbeit: Stjepan Milcic

AKTUELLE DATEN SLOWENIEN

Testungen: 301.028

Infizierte Personen: 15.982

Genesene Personen: 7.122

Verstorbene Personen: 200

(Stand: 20.10.2020)

UNGARN - Lockere Regeln, trotz steigender Infektionen

Ungarn galt als einer der Musterschüler im Kampf gegen das Corona-Virus, im Frühling 2020. Ungarn schloss damals sehr schnell Grenzen und Schulen, konnte so die Verbreitung des Virus spürbar einschränken. Das gilt jetzt nicht mehr.

Auf den Straßen ist von Anti-Corona-Einschränkungen kaum etwas zu sehen. Maskenpflicht gilt nur im öffentlichen Nahverkehr und innerhalb der Geschäfte. Restaurants und Bars sind geöffnet, bis 23 Uhr. Kinos und Theater haben ebenfalls offen, mit Maskenpflicht für Publikum, nicht alle halten sich dran.

An den Schulen wird fast normal unterrichtet, in den Klassenzimmern. Die Schüler sollen Masken tragen, die Fenster sollen offen bleiben. Nur wenn einer der Mitschüler positiv auf Covid-19 getestet ist, wird die Klasse vorübergehend nach Hause geschickt und digital unterrichtet. In den Herbstferien sollen alle Klassenräume desinfiziert werden, mit Hilfe des Militärs. an den Universitäten wird „hybrid“ unterrichtet: Vorlesungen nur online, einige Seminare werden persönlich gehalten, im Hörsaal.

Obwohl die Zahl der Infizierten täglich deutlich über 1.000 liegt und die Zahl der Toten viel größer ist als im Frühjahr, gehen die Ungarn mit den Gefahren des Corona-Virus viel lockerer um als damals. Ganz offiziell. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán versucht vor allem, noch mehr Schaden von Ungarns Wirtschaft abzuhalten. Wegen Reisewarnungen auch für die Hauptstadt Budapest sind kaum Touristen im Land, die Hotels vermieten ihre Zimmer und Apartments als Wohnungen oder Büros. Staatliche Hilfen gibt es nur für Unternehmen, Arbeitslose bekommen Arbeitslosenhilfe, aber nur für maximal drei Monate.

Einen Lockdown will die Regierung Orbán unter allen Umständen vermeiden.

Mitarbeit: Attila Poth und Edit Inotai

AKTUELLE DATEN UNGARN

Testungen: 919.481

Infizierte Personen: 50.180

Genesene Personen: 14.905

Verstorbene Personen: 1259

(Stand: 20.10.2020)

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