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Livestreamen und unterrichten – für Tanzlehrer Thomas und sein Team eine neue Erfahrung. Der direkte Kundenkontakt fehlt ihm, auch die vollen Tanzsäle. Allerdings kann er dank des Online-Unterrichts verhindern noch mehr Kundinnen und Kunden zu verlieren. Foto: BR | Yvonne Samsarova

Die Wiener Tanzszene und ihr Kampf ums Überleben
Vom Tanzsaal ins Tanzwohnzimmer

Allein in Wien finden jährlich 450 Bälle statt, die vorerst abgesagt werden. Der weltberühmte Opernball wird 2021 ebenso ausfallen. Keine Ballsaison bedeutet für die traditionsreichen Wiener Tanzschulen auch deutlich weniger Kunden. Die Wiener Tanzszene, die für ihre Vielfältigkeit bekannt ist, kämpft zurzeit um ihr Überleben.

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Videomaterial: Christian Limpert | Yvonne Samsarova

Videobearbeitung: Thomas Wachholz

Die Sektgläser stehen bereit, Sofa und Stühle sind weggerückt, der Tanzlehrer ist live zugeschaltet und begrüßt sie. Veronika Kunnert und Georg Merza bereiten sich auf ihre nächste Tanzeinheit vor. Das Überraschende dabei: Sie stehen in ihrem eigenen Wohnzimmer, wo der Tanzlehrer live auf ihrem Laptop zugeschaltet ist. Die beiden haben sich Ende des Jahres 2019 bei einer Wiener Tanzschule angemeldet. Veronikas Wunsch war es öfter im Alltag mit ihrem Mann zu tanzen. Er schenkte ihr daraufhin zu Weihnachten die Teilnahme am Tanzkurs. Die Freude war groß, doch hielt nicht lange an – drei Mal waren Sie bei dem Tanzunterricht im Saal, bis dieser coronabedingt unterbrochen wurde. Dennoch wollen sie sich ihre Leidenschaft für das Tanzen nicht nehmen lassen. Aufgrund der Coronapandemie wurde ihre Tanzschule hierbei kreativ und ermöglicht nun einen digitalen Tanzunterricht – per Livestream.

„Das war eine spontane Idee, gleich am Tag des Lockdowns. Wir haben gesagt ok – wenn die Gäste nicht zu uns kommen können, dann machen wir was, damit wir zu Ihnen nach Hause kommen und so wurde die Idee des digitalen Tanzwohnzimmers geboren.“

Thomas Schwebach, Leiter einer Wiener Tanzschule

Dank des Online-Unterrichtes können Veronika und Georg nun in der Sicherheit der eigenen vier Wände weitertrainieren. Auf ihrem Laptop können sie live mitverfolgen was in der Tanzschule geschieht und machen die Tanzbewegungen in ihrem Wohnzimmer nach. Ein Chatboard gibt ihnen zusätzlich die Möglichkeit mit den Tanzpaaren im Saal zu kommunizieren. Auch wenn die direkte Nähe zum Kunden fehlt, funktioniere das digitale System gut, erklärt Thomas Schwebach. Seine Kundinnen und Kunden machen zuhause meist ähnliche Fehler, wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Saal. Auf diese Fehler geht der Tanzlehrer vermehrt im Unterricht ein. Genaues Korrigieren funktioniere allerdings nicht.

 

Dennoch ist die digitale Lerneinheit für viele Betriebe momentan die einzige Möglichkeit, um weiterhin unterrichten zu können, und um nicht noch mehr Kundinnen und Kunden zu verlieren.

Im Tanzsaal wurde ein kleiner Bereich für den Livestream eingerichtet. Jede Woche wird von hier neun Stunden live Tanzunterricht gesendet. Foto: BR | Yvonne Samsarova
Im Tanzsaal wurde ein kleiner Bereich für den Livestream eingerichtet. Jede Woche wird von hier neun Stunden live Tanzunterricht gesendet. Foto: BR | Yvonne Samsarova

Die Coronapandemie und die Folgen für die Wiener Tanzszene

Durch den Lockdown im Frühjahr wurden viele geplante Feste und Hochzeiten abgesagt oder verschoben. Dadurch gab es auch keinen Bedarf am Tanzen. Somit haben sich etliche österreichische Tanzbetriebe von einem großen Teil ihrer Klientel verabschieden müssen. Mit den Sommermonaten und den damit verbundenen Lockerungsmaßnahmen hat sich die Lage kurzfristig verbessert, sodass Tanzschulen den gewohnten Betrieb mit einem ausgearbeiteten Präventionskonzept und einer vorgegebenen Distanzregelung wieder aufnehmen konnten. Die neueste Maßnahme besagt, dass maximal zehn Personen pro Trainingsgruppe in einem Saal zugelassen sind. Eine Vermischung der Tanzgruppen ist dabei nicht erlaubt. Das bedeutet das Aus der Ballsaison.

Die Coronapandemie hat die Wiener Tanzschulen schwer getroffen. Damit sich die Gäste weiterhin wohl und sicher fühlen, setzen diese auf ein ausgearbeitetes Präventionskonzept. Foto: BR | Yvonne Samsarova
Die Coronapandemie hat die Wiener Tanzschulen schwer getroffen. Damit sich die Gäste weiterhin wohl und sicher fühlen, setzen diese auf ein ausgearbeitetes Präventionskonzept. Foto: BR | Yvonne Samsarova

Von Walzer bis Hip-Hop und Jazz – eine gesamte Branche leidet

Auch Rebekka Rom, Tanzpädagogin und Besitzerin mehrerer Wiener Tanzstudios berichtet von den vielen Hürden, welche sie derzeit aufgrund der weltweiten Coronapandemie mit ihren Kolleginnen und Kollegen zu überwinden versucht. Sie bietet momentan keinen digitalen Unterricht an. Als Pädagogin weist sie darauf hin, wie wichtig der direkte Kontakt zum Kunden ist. Vor allem bei Kindern mache eine digitale Tanzeinheit nur wenig Sinn. Deswegen bereite auch ihr die Zehn-Personen-Regelung große Sorgen, da hierbei nicht nur der direkte Kundenkontakt fehle, sondern sich das Ganze wirtschaftlich gesehen auf die Dauer nicht rentiere.

Rebekka Rom ist Tanzpädagogin und Besitzerin mehrerer Wiener Tanzstudios. Sie arbeitet viel mit Kindern und Jugendlichen zusammen. Daher verzichtet sie derzeit auf einen digitalen Unterricht, da dieser den Unterricht im Saal nur bedingt ersetzen kann. Foto: BR | Yvonne Samsarova
Rebekka Rom ist Tanzpädagogin und Besitzerin mehrerer Wiener Tanzstudios. Sie arbeitet viel mit Kindern und Jugendlichen zusammen. Daher verzichtet sie derzeit auf einen digitalen Unterricht, da dieser den Unterricht im Saal nur bedingt ersetzen kann. Foto: BR | Yvonne Samsarova
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