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Flimjochbahn und Idjochbahn im Skigebiet Silvretta Arena bei Ischgl in Tirol. Foto: picture alliance | imageBROKER

Österreichs Wintersaison in Corona-Zeiten
Zwischen Neuinfektionen und Reisewarnungen

Deutschland hat in der vergangenen Woche für die österreichischen Bundesländer Tirol und Vorarlberg eine Reisewarnung ausgesprochen – für Wien gilt die Reisewarnung bereits seit Mitte September. Seitdem herrscht in Österreichs Politik, Wirtschaft und in Medien großes Entsetzen: „Ein Winter ohne Deutsche?“ titelte die eher bedächtige „Wiener Zeitung“. Den Skigebieten drohe ein Totalausfall bei ausländischen Touristen. Von einer deutlichen Verringerung des Infektionsgeschehens hänge, so formulierte Bundeskanzler Sebastian Kurz vor wenigen Tage, nicht nur die Gesundheit aller ab, sondern auch zahllose Arbeitsplätze in Österreich, vor allem im Tourismus.

Die Ansage ist eindeutig: Après-Ski in seiner bisherigen Form werde es nicht mehr geben, Maskenpflicht in den Gondeln, Abstandhalten vor den Liftstationen, Essen und Trinken nur noch im Sitzen erlaubt. Die Liste der Maßnahmen ist lang, die Österreichs Bundesregierung bei der Vorstellung ihres Konzepts für einen „sicheren Wintertourismus“ präsentiert hat. Denn für Österreichs Regierung steht viel auf dem Spiel: Nach Angaben der Statistik Austria, der staatlichen Statistikbehörde, brach Österreichs Wirtschaft im zweiten Quartal dieses Corona-Jahres um 14,3 Prozent ein, noch massiver als etwa in Frankreich und Italien. Einer der Hauptgründe: Die große Abhängigkeit des Landes vom Tourismus, der 15 Prozent der österreichischen Wirtschaftsleistung ausmacht. Zwischen Mai und August sanken die Übernachtungen gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019 um 33 Prozent. Die Buchungen der deutschen Touristen gingen um 43 Prozent zurück, auf 23,8 Millionen. Die Prognosen für die Wintersaison sind angesichts des schwankenden Infektionsgeschehens und der damit verbundenen Reisewarnungen recht vage: Das Wirtschaftsforschungsinstitut in Wien rechnet mit einem Minus von bis 25 Prozent im Wintertourismus.

 

Die Reisewarnungen der deutschen Bundesregierung für Vorarlberg und Tirol, beides Bundesländer, in denen der Wintertourismus von ganz erheblicher Bedeutung ist, verunsichern Hoteliers, Skischulen, Gastronomie und nicht zuletzt Politik noch mehr. „Ein Drittel aller Nächtigungen in Österreich finden in Tirol statt“, wie Tirols Landeshauptmann Günther Platter nicht müde wird zu wiederholen. Tirol verdiene „jeden dritten Euro“ durch den Tourismus. Doch es sind in Tirol nicht nur die Infektionszahlen, die die bevorstehende Wintersaison beeinflussen werden.

„Natürlich wird die ganze Welt auf uns schauen“, sagt Andreas Steibl, der langjährige Geschäftsführer des Tourismusverbands Paznaun-Ischgl, „jetzt zu Saisonbeginn“. Das sei ganz klar. Aus dem „ganzen Erlebten“ – und damit meint Steibl die massive Corona-Verbreitung durch Tausende von Touristen in Europa und im ferneren Ausland – habe man Erfahrungen gesammelt. In den vergangenen Wochen und Monaten hätten sich in Ischgl Seilbahn-Besitzer, Gemeinde, Behörden, Tourismusverband und Virologen zusammengesetzt, um ein Maßnahmenpaket auf die Beine zu stellen, das zeigen solle, „dass wir aus den Erfahrungen gelernt haben, dass so etwas nie wieder passieren wird“. Man wolle „das Maximum an Gesundheit“ gewährleisten. So würden alle MitarbeiterInnen in Ischgl, nicht allein im Service-Bereich, wöchentlich getestet, ebenso BusfahrerInnen, SkilehrerInnen, KassiererInnen in den Lebensmittel-Geschäften und anreisenden Touristen werde empfohlen, ein aktuelles Testergebnis mitzubringen. Eine „Screening-Station“ stehe den Gästen zur Verfügung.

Der Tiroler Fotograf Lois Hechenblaikner, der lange Jahre die teilweise orgiastischen Trinkexzesse im Ischgler Skigebiet in einem Bildband dokumentiert hat, erwartet für diese Saison ein „anderes Ischgl“: Es sei keine Frage, dass es „diese Ausgelassenheit nicht mehr geben“ werde. Und warum? „Weil, wenn das noch mal auftritt, was gewesen ist, dann ist überhaupt Schluss. Und das will sich auch so ein Ort wie Ischgl nicht leisten“. Man werde jetzt in Ischgl übervorsichtig sein, weil keiner sich eine Saison vermiesen wolle. Es werde eine „extrem angespannte Saison, weil so ein Ort natürlich in wenigen Monaten sein Geld machen muss. Die Sommersaison spielt eine viel geringere Rolle. Von der können sie nicht überleben“.

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