Google Maps-Vorschau - es werden keine Daten von Google geladen.

Rechtsanwalt Alexander Klauser (l.) und Verbraucherschutzverein (VSV)-Obmann Peter Kolba (re.) bei der Pressekonferenz 'Erste Amtshaftungsklagen gegen die Republik und Tirol im Zusammenhang mit Ischgl'. Foto: picture alliance | APA | picturedesk.com

Corona-Ausbruch in Ischgl
Erste Klagen gegen Österreich

Der österreichische Verbraucherschutzverein hat nach dem Corona-Ausbruch im Skiort Ischgl erste Schadensersatzklagen gegen den Staat Österreich eingebracht. Die Vorwürfe wiegen schwer: Die Tiroler Behörden, aber auch die Bundesregierung in Wien, hätten es verabsäumt, „unverzüglich wirksamen Maßnahmen zu setzen, um eine Ausbreitung des Coronavirus und weitere Ansteckungen zu verhindern“ heißt es in der Klageschrift.

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten direkt von YouTube geladen.

Videomaterial: Christian Limpert, Karin Straka, Clemens Verenkotte

Videobearbeitung: Thomas Wachholz

Auch seien Touristen nicht ausreichend gewarnt worden. Mit drastischen Folgen: Beim Verbraucherschutzverein in Wien haben sich inzwischen rund 6.000 Personen aus 45 Staaten gemeldet, die angegeben haben, sich während des Skiurlaubs in Ischgl und anderen Tiroler Skiorten mit dem Coronavirus infiziert und Covid-19 in die Heimat getragen zu haben – unter ihnen viele Deutsche. 32 Menschen seien infolge der Infektion gestorben, Tausende hätten unter schwere Symptome und Todesangst gelitten. Rund 1000 Betroffene vertritt der Verbraucherschutzverein nun auf dem Rechtsweg.

Um bei Gericht schnelle Erfolge erzielen zu können, habe man sich bei den aktuellen Klagen auf vier Fälle beschränkt, darunter der eines Betroffenen, der an Covid-19 verstorben ist. Bei den Musterklagen – auch Amtshaftungsklagen genannt – geht es in erster Linie um Schadenersatz für schuldhaftes Behördenversagen. Doch vielen Betroffenen gehe es nicht primär um Geld – so Peter Kolba, Vorsitzender des Verbraucherschutzvereins.

„Die Betroffenen haben uns mitgeteilt, sie seien sehr empört, dass niemand eingesehen hat, dass Fehler gemacht worden sind“

Peter Kolba, Vorsitzender des Verbraucherschutzvereins
Tausende Ski-Urlauber haben sich letzten Winter in Ischgl mit dem Coronavirus infiziert. Jetzt wurden die ersten Sammelklagen eingereicht. Foto: picture alliance | APA | picturedesk.com
Tausende Ski-Urlauber haben sich letzten Winter in Ischgl mit dem Coronavirus infiziert. Jetzt wurden die ersten Sammelklagen eingereicht. Foto: picture alliance | APA | picturedesk.com

Um den Betroffenen langwierige Gerichtsverfahren zu ersparen, appelliert der Verbraucherschutzverein nun in einem offenen Brief an Bundeskanzler Sebastian Kurz, die Sache in die Hand zu nehmen und eine rasche Lösung zu ermöglichen. So wie bei der Brandkatastrophe der Gletscherbahn in Kaprun vor 20 Jahren mit 155 Toten. Damals bekamen die Hinterbliebenen außergerichtlich und mit Hilfe einer Vermittlungskommission fast 14 Millionen Euro an Schadensersatz zugesprochen.

 

Der bessere Weg ist, einen runden Tisch einzuberufen, dort Fehler zuzugeben. Sich dort klar und ohne Wenn und Aber zu entschudligen bei den Touristen und Schadenersatz anzubieten.

Peter Kolba, Vorsitzender des Verbraucherschutzvereins
Was Sie noch interessieren könnte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.