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Foto: BR | Andrea Beer

Warten, Gurgeln, Gehen
Kostenloser Covid-Test für Kroatien-Rückkehrer

Also Ballermann ist dagegen ein Damenkränzchen. So war das in den letzten Wochen dort. Und die Regeln wurden von der Bevölkerung eingehalten, aber von den Touristen nicht. Ich habe mich in der Nähe, vor allem jungen Leuten, nicht aufgehalten.

Bianca Kos war in Split in Dalmatien. Die Germanistin machte in Wien einen Corona-Gurgeltest

Voraussichtlich noch bis Freitag um 21 Uhr können Menschen, die zwischen dem 7. und 16. August aus Kroatien zurückgekehrt sind vor dem Ernst-Happel-Stadion in Wien einen kostenlosen Coronatest machen. Ein Angebot der Stadt Wien, das es in ähnlicher Form auch in anderen Städten Österreichs gibt. Das Angebot hängt mit der österreichischen Reisewarnung für Kroatien zusammen, die seit Montagnacht besteht. Wer nach diesem Zeitpunkt aus Kroatien einreist braucht einen negativen Coronatest, der nicht älter als 72 Stunden sein darf oder muss aus der Heimquarantäne heraus einen solchen veranlassen. Die Reisewarnung für Kroatien war zuvor angekündigt worden und Rückkehrer hatten zwei Tage Zeit, ohne die nun geltenden Auflagen nach Österreich einzureisen. Anlass für die Reisewarnung der türkis-grünen Bundesregierung ist ein Anstieg der Neuinfektionen in Österreich, der zu einem Teil auf Rückkehrer aus Balkanländern wie Kroatien zurückgeführt werden kann. Zwei Tage hatten Rückkehrer also Zeit, um nach Österreich zurückzufahren. Es gab teils überstürzte Abreisen und Staus.

Der Gratistest vor dem Ernst-Happel-Stadion wird gut angenommen, vor den sogenannten Teststraßen an denen sich sowohl Autofahrer, als auch Fußgänger anstellen können, gibt es lange Schlangen. Alleine am Montag wurden nach Angaben der Stadt Wien jeweils rund 1.400 Proben dort entnommen und 146 neue Fälle festgestellt.  Nur wer keine Symptome hat, darf am Vorplatz des Happel-Stadions warten. Fällt ein Test positiv aus, wird der oder diejenige von der Gesundheitsbehörde benachrichtigt, einen Negativbescheid bekommen die jeweiligen Ex-Urlauber per Post. Ein 19-jähriger in der Warteschlange erzählt, sein Arbeitgeber in Niederösterreich hätte ihn nach dem Griechenlandurlaub für einen Test zum Happel-Stadion geschickt. Damit gehört er nicht zur Zielgruppe. Corina Had ist Sprecherin des Krisenstabs der Stadt Wien. Sie sagt dazu ganz allgemein. „Wichtig ist uns, dass nur diejenigen kommen, die tatsächlich die Kriterien erfüllen und in Kroatien waren in diesem Zeitraum. Da glauben wir auch, dass die Leute ehrlich sind.“

Balkan-Rückkehrer als Sündenböcke?

Die Wienerin Gordana Poljak wurde mit ihrer Familie an der dalmatinischen Küste von der Reisewarnung überrascht. Sie brachen den Urlaub schweren Herzens ab, erzählt die Kindergarten-Assistentin, die in Zadar geboren ist. Sie traf die Entscheidung auch aus finanziellen Erwägungen heraus, denn wer zurückkam bevor die Reisewarnung Montagnacht in Kraft trat, konnte durch die angebotenen Gratistests Geld sparen. Ein Covid-Test kann in einem privaten Labor in Wien gut und gerne bis zu 190 Euro pro Nase kosten. Ein Test auf eigene Kosten, das sei bei einer Familie schon ein hoher Betrag, findet Gordana Poljak.

Weil eine Reihe von Neuinfektionen in Österreich laut Gesundheitsministerium auf Reisen nach Kroatien und in weitere Balkanländer zurückgeht, sprach Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) in diesem Zusammenhang mehrfach von einem „massiven Einschleppen des Virus“ unter anderem aus Kroatien. Eine umstrittene Wortwahl, die Gordana Poljak nicht gefällt. Es könne sein, dass Menschen aus Balkanländern infiziert zurückgekommen seien. Da Italien oder Spanien in diesem Jahr nicht als Urlaubsländer in Frage kämen, seien nun viele Menschen nach Kroatien gefahren. Allerdings:

Ich finde, die (anm. österreichische Bundesregierung) haben jetzt einfach einen Sündenbock gesucht und gefunden, in Kroatien oder den Balkanländern. Aber es gibt genauso viele Leute in Österreich, die sich nicht an die Regeln halten. Nur jetzt sind wir halt die Schuldigen.

Gordana Poljak, Urlaubs-Rückkehrerin aus Zadar in Kroatien

Kroatien plädiert für „partielle Reisewarnungen“

Die österreichische Reisewarnung betrifft ganz Kroatien und das stößt in der kroatischen Tourismusbranche auf Unverständnis. Innenminister Davor Bozinovic betonte, in Regionen in denen Österreicher Urlaub machen würden sei die Lage sehr günstig. In der Tat sind die Corona-Infektionszahlen in Kroatien regional sehr unterschiedlich. In und um Zagreb oder der Gespanschaft Split-Dalmatien, auf der Insel Pag oder an der Markarska Rivera gibt es die meisten, in Istrien hingegen wenige bestätigte Coronafälle.

Die kroatischen Gesundheitsbehörden sehen Strandpartys und ausgelassenes Feiern in Nachtclubs als Hauptgründe für den Anstieg der Neuinfektionen im Land. Nach einer Rekordzahl von Neuinfizierten am vergangenen Freitag hat der nationale Krisenstab in Zagreb deshalb die Öffnungszeiten der Nachtlokale eingeschränkt. Bars und Nachtclubs dürfen ab sofort nur noch bis Mitternacht geöffnet sein. Weitere Maßnahmen sind aktuell nicht geplant. Der nationale Corona-Krisenstab bleibt seiner bisherigen Linie und appelliert an die Eigenverantwortung der Menschen im Land. So wird in Kroatien etwa in Einkaufszentren lediglich empfohlen, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen und Abstand zu halten – wer sich nicht daran hält wird aber nicht bestraft. Mit Blick auf die aktuelle Entwicklung redet Sandra Šikić, stellvertretende Direktorin des Instituts für die öffentliche Gesundheit ihren Landsleuten so ins Gewissen:

Ich richte meinen Appell hier vor allem an die jungen Menschen, sich nach wie vor verantwortungsvoll zu benehmen, damit sie das Virus, wenn auch unwillkürlich, nicht weiter streuen.

Sandra Šikić, Institut für öffentliche Gesundheit in Zagreb

Der Tourismus ist in Kroatien ein entscheidender Wirtschaftsfaktor und viele hatten diese Saison eigentlich verloren gegeben. Doch nach offiziellen Angaben sind zurzeit rund 800.000 ausländische Touristen im Land. Eine massive Rückreisewelle sei ausgeblieben, so Veljko Ostojić, Vorsitzender des kroatischen Tourismusverbandes.

„Manche Italiener und Österreicher haben das Land verlassen, aber das ist weit entfernt von einem Exodus. Die Touristen haben Augen, sie sehen, dass die reale Situation gut ist, dass es für sie keine Gefahr gibt, und deshalb wägen sie ab, ob sie vor dem Ende ihres Urlaubs gehen.“

Zu wenig Testungen in Kroatien?

Kroatien steht indes in der Kritik, bei Tests auf das Coronavirus im europäischen Vergleich deutlich hinterher zu hinken. Laut der Statistikplattform Worldometer wird zum Beispiel in Österreich dreimal so oft getestet wie in Kroatien. Mit rund 33.500 Tests pro eine Million Einwohner liege Kroatien demnach auch im regionalen Vergleich teilweise deutlich zurück – hinter den Nachbarstaaten Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Ungarn, Serbien und Slowenien.

Transit nach Deutschland möglich

Ein Transit von Kroatien über Slowenien durch Österreich nach Deutschland ist übrigens weiter ohne Einschränkungen möglich. Man muss dies glaubhaft machen, etwa durch den Verweis auf ein deutsches Autokennzeichen. Solange es keinen Zwischenstopp gibt, das teilte das österreichische Gesundheitsministerium auf ARD Anfrage mit. Eine WC-Pause werde notwendig sein, auch Tankstopps seien erlaub, hieß es, von Besuchen der Autobahnrestaurants bitte man aber abzusehen. Wer nach Österreich einreisen will, etwa um dort zu übernachten, muss sich jedoch an die geltenden Einreisebestimmungen halten. Das heißt: negativer Coronatest, der nicht älter sein darf als 72 Stunden oder zehn Tage Quarantäne und das veranlassen eines Tests innerhalb von 48 Stunden. Eine geeignete Unterkunft für die Quarantäne muss an der Grenze vorgewiesen werden können, etwa eine Hotelbuchung.

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