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Der Eingangsbereich im

Corona-Opfer Clubszene?
Die Wiener Nachtwirtschaft kämpft ums Überleben

Wien bei Tag ist Sissi, Schönbrunn und Sachertorte. Wien bei Nacht ist Techno, Punk, Subkultur und Rausch. Beides zusammen ist das, was man Wiener Kultur nennt. So schreibt es die Wiener Zeitung zusammen. Das Problem: Die Nacht findet seit Corona nicht mehr statt. Clubbetreiber fürchten um ihre Existenz. Die Folgen für die Kulturszene sind noch nicht absehbar.

Es ist ein lauer Sommerabend. Stefan Stürzer steht vor seinem Club „Das Werk“ am Wiener Donaukanal. Genau genommen steht er hinter dem Club, der Vordereingang mit der Kasse wird seit Monaten nicht mehr genutzt.

Im März hat Stefan Stürzer den Betrieb eingestellt. Kein Club will, dass sein Name Synonym mit einem neuen Corona-Hotspot wird. Deshalb huschen jetzt die roten, grünen und blauen Discolichter im Werk über eine leere Tanzfläche, das DJ-Pult verwaist. „Es sieht aus wie im Museum“, bedauert Stürzer.

Keine Lockerungen für Nachtclubs

Club müssen weiter geschlossen bleiben, obwohl es inzwischen Lockerungen für Gaststätten, Theater und sogar Bordelle gab. 25.000 Beschäftigte arbeiten allein in Wien in der sogenannten Nachtwirtschaft. Der Umsatz beträgt 1 Milliarde Euro im Jahr. Im Moment geht der gegen Null. „Der Branche geht’s richtig dreckig“, wie Stefan Stürzer sich ausdrückt. Die wenigsten der mehr als 90 Clubs in Wien verfügen über Outdoor-Flächen, wo sie etwa durch Getränkeausschank oder Popup-Pizzabuden Einnahmen generieren können.

Staatliche Hilfe aufgestockt

Anfang der Woche hat das Finanzministerium angekündigt, den Nachtclubbetreibern stärker als bisher unter die Arme zu greifen. Sie bekommen jetzt 100 Prozent ihrer Fixkosten ersetzt, aufgestockt von zuletzt 75 Prozent. Ob das noch rechtzeitig kam, wird sich in den nächsten Monaten herausstellen.

Bühnen liegen brach

Nachtclubs sind mehr als nur Wirtschaftsunternehmen. Viele heute namhafte Musiker und Bands wie Voodoo Jürgens, Bilderbuch oder Wanda haben hier vor kleinem Publikum angefangen, lange bevor sie die Stadthalle füllten. Diese Bühnen fallen jetzt weg. Auch DJane Electric Indigo, mit bürgerlichem Namen Susanne Kirchmayr – arbeitet gerade allein am heimischen Schreibtisch in ihrer Wohnung, statt an den Turntables vor Publikum.

Viele Künstler ohne Perspektive

Finanziell kommt die Künstlerin mit Geld aus dem Nothilfefonds über die Runden und mit Kompositionsaufträgen, die sie durch langjährige Kontakte bekommen hat. Aber nicht alle Künstler haben das. Gerade junge Musiker, die gerade durchgestartet sind, vielleicht ihre erste Tour vor sich hatten, schauen in eine unsichere Zukunft. „Es fällt schwer, sich da zu motivieren, zu forschen und neues auszuprobieren, ohne Perspektive, das irgendwann hören, sehen und fühlen zu können“, so die DJane.

Clubs als Schutzraum und Ventil

Mit den Clubs geht nach Ansicht von Susanne Kirchmayr ein sicherer Ort für Außenseiter verloren. Sie sieht auch eine Gefahr für die Gesellschaft, denn Tanzen sei auch ein Ventil. Dass die jungen Menschen sich ihren Raum suchen, hat man wie in anderen großen Städten auch in Wien gemerkt: an den Spontan-Partys unter offenem Himmel am Donauufer.

Rückschlag für aufstrebende Wiener Kulturszene

Clubbetreiber Stefan Stürzer schaut wehmütig auf die vergangenen Jahre. Da hat sich etwas aufgebaut, sagt er. Die Wiener Szene war wegweisend in Europa. Jetzt fürchtet er, dass Jahre der Arbeit und des Know-Hows aus Wien verloren gehen. Von der Politik ist er enttäuscht. Deshalb hat er beschlossen, jetzt selbst in die Politik zu gehen.

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