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Nach dem Eigentümerwechsel 2018 setzte die index Redaktion ein 'Unabhängigkeits-Barometer' auf. Seit dem vergangenen Monat wurde es auf 'in Gefahr' gesetzt. Foto: screenshot www.index.hu

Pressefreiheit in Ungarn: Index unter Druck
„Orban hat uns als „Fake-News-Fabrik“ bezeichnet“

Budapest vor einer Woche. Tausende haben sich vor dem Amtssitz des Ministerpräsidenten versammelt und demonstrieren für Presse und Medienfreiheit. Diese junge Frau ist aus Solidarität gekommen: „Sie haben alle meinen Respekt. Wer während der Coronapandemie seine Existenz für Demokratie riskiert, vor dem ziehe ich meinen Hut“.

Kurz davor, hatten fast alle Angestellten von Index gekündigt – der größten Nachrichten-Webseite Ungarns – aus Protest gegen die Entlassung ihres Chefredakteurs Szabolcs Dull. Dass es zur Kündigung kam, hat den 36-järigen zu diesem Zeitpunkt nicht mehr überrascht, erzählt er der ARD. Ausgesprochen hatte sie die Eigentümerstiftug MFA: „Dass wir diesen Punkt erreicht haben, war nicht überraschend, weil ich mich sehr stark gegen Einflüsse, die die Unabhängigkeit der Redaktion betreffen, gewehrt habe. Deswegen gab es Spannung und Konflikte zwischen uns.“

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Schon länger sahen Indexmitarbeiter die Unabhängigkeit ihre Redaktion in Gefahr. Hintergrund: Mitte Juni war bekannt geworden, dass der Unternehmer Miklos Vaszily 50 Prozent der Anteile einer externen Firma gekauft hat, die das lebenswichtige Anzeigengeschäft von „Index“ abwickelt. Vaszily steht der Regierungspartei Fidesz und Ministerpräsident Viktor Orban nahe. Und kurz nach seinem Einstieg wurden Pläne bekannt, die bei der Redaktion die Alarmglocken läuten ließen.

Bei der Firma tauchten externe Ratgeber auf und legten einen Umstrukturierungsplan vor. Sie schlugen vor, dass ein Teil der Redaktion in externe Firmen ausgelagert wird. Selbstverständlich hat es den Kollegen nicht gefallen. Organisatorisch und firmenrechtlich wäre das das Ende der Redaktion gewesen. Und meiner Meinung nach hatte diese Idee keinen wirtschaftlichen Hintergrund.

Ehemaliger index.hu Chefredakteur Szabolcs Dull

Die Sorge der Redaktion: Aus angeblich wirtschaftlichen Erwägungen soll Index geschwächt und auf Regierungslinie gebracht werden. Szabolcs Dull wehrte sich dagegen auch öffentlich. Das sei geschäftsschädigend gewesen, so der offizielle Kündigungsgrund. Dabei kommt die die Sorge der Redaktion nicht von ungefähr, sagt Sabosz Dull.

Dass unsere Arbeit der Fidesz oder der Regierung nicht gefallen hat, zeigt sich darin, dass staatliche Firmen, Ministerien unsere Interviewanfragen stets abgelehnt haben. Viktor Orbán, hat Index als Ministerpräsident keine Interviews gegeben. Obwohl Index die reichweitenstärkste Seite des Landes war. Orban hat uns öffentlich als „Fake-News-Fabrik“ bezeichnet.

Ehemaliger index.hu Chefredakteur Szabolcs Dull

Studien zufolge sind rund 80% der Nachrichtenmedien in Ungarn mehr oder weniger direkt unter dem Einfluss der Regierung von Viktor Orban. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunksender wurden 2010 in der staatlichen Medienholding MTVA zentralisiert, fast 500 Medienunternehmen in einer Holding zusammengefasst, die ihre Berichterstattung zentral koordiniert. Die wenigen unabhängigen Medien kämpfen ums wirtschaftliche Überleben, weil sie kaum staatliche oder private Werbeaufträge bekommen. So ist auch zu erklären, dass sich Ungarn seit 2010 im Ranking der Pressefreiheit der Organisation Reporter ohne Grenzen von Platz 23 auf aktuell 89 von 180 verschlechtert hat.

Dass nun auch Index verstummen könnte, sehen viele als das endgültige Ende der Pressefreiheit in Ungarn. Die ungarische Regierungspartei Fidesz nennt solche Darstellungen lächerlich und hysterisch. Private Unternehmen in Ungarn seien in Geschäften frei, heißt es in einem „Info Sheet“ zur Causa Index, das die Fidesz der Europäischen Volkspartei hat zukommen lassen.

Wie es mit Index weitergeht ist indes noch offen. Die Redaktion ist an Kündigungsfristen gebunden und befüllt das Portal noch mit Agenturmeldungen und Achivbeiträgen. Der Posten des Chefredakteurs ist noch nicht neu besetzt.Ex-Chefredakteur Szabolcs Dull darf nach der Vertragsauflösung sechs Monate lang für kein anderes Medium arbeiten. Er werde sich nun auf sein Jurastudium konzentrieren, sagt der 36-jährige und berichtet von eine regelrechten Kampagne gegen sich.

Es ist fürchterlich zu sehen, dass einen Tag nach meiner Entlassung, eine heftige Bloßstellungskampagne in regierungsnahen Medien gegen mich gestartet wurde. Es ist fürchterlich, dass das regierungsnahe Origo.hu über meine Telefonate schreibt. So etwas ist eigentlich gesetzwidrig.

Ehemaliger index.hu Chefredakteur Szabolcs Dull

Ironie des Schicksals: Bis Ende 2014 war Origo ein unabhängiges Portal. Dann wechselte es den Besitzer. Der Chefredakteur wurde daraufhin entlassen und das Portal auf Regierungslinie gebracht. Der Unternehmer Miklos Vaszily war auch hier ein wichtiger Akteur. Sein Einstieg beim Werbevermarkter vom Index könnte nun auch  den Anfang vom Ende der Unabhängigkeit auch dieses Portals markieren.

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