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Kühe auf der Alm in Österreich. Foto: picture-alliance | APA | picturedesk.com

Sind Informationskampagnen genug?
Wandern auf Österreichs Almen

Immer wieder gab es in den vergangenen Jahren schwere teils tödliche Unfälle mit Rindern auf Österreichs Almen. Insbesondere das sogenannte „Tiroler Kuh-Urteil“ hat eine Debatte losgelöst: Wer muss auf der Alm für Sicherheit sorgen – und wer trägt Verantwortung, wenn es doch zu einem Unfall kommt?

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TikTok-Trend verärgert Alm-Bauern

Erst in den vergangenen Wochen hat eine Internet-Challenge für Aufsehen gesorgt und Landwirte auf österreichischen Almen verärgert: Der Internet-Trend „Kulikitaka-Challenge“ auf der Kurzvideo-Plattform TikTok. In diesen Videos laufen Menschen unter hektischen Bewegungen auf Kühe los. In der Regel erschrecken die Tiere und laufen in Panik davon. Der Trend geht viral, findet viele Nachahmer.

 

Auch in Österreich, erzählt der Landwirt Georg Doppler. Er ist entsetzt von der Challenge. Macht seinem Frust in einem Video auf seiner Instagram-Seite Luft. Denn der Trend kann lebensgefährlich werden – für Mensch und Tier.

Update (27.07.2020) – Auszug aus einem Statement von TikTok, das wir heute erhalten haben:

 

… „Wir entfernen Inhalte wie Videos, Audio-Dateien, Bilder und Texte, die gegen unsere Community-Richtlinien verstoßen. Darüber hinaus sperren oder entfernen wir Konten, die an schwerwiegenden oder wiederholten Verstößen beteiligt sind. Unter bestimmten Umständen gehen wir noch einen Schritt weiter und melden solche Konten an die zuständigen Justizbehörden, damit die Sicherheit unserer Community gewährleistet ist. TikTok lehnt entschieden jede Form von Tierquälerei ab. Wir löschen Inhalte, die unnötig schockierend, grausam oder übermäßig explizit Gewalt gegenüber Tieren darstellen. Die von Ihnen genannte Challenge, aus der die Videos u.a. mit Kühen hervorgehen, ist uns bekannt. Wir prüfen und moderieren diese Inhalte anhand unserer Community-Richtlinien und haben Maßnahmen ergriffen. Wir werden die Inhalte weiterhin genau beobachten.“ …

Almlandschaften sind ein beliebtes Freizeit- und Urlaubsziel für Wanderer – auch in diesem Jahr. Aber sie sind auch der Lebensraum für viele Almtiere. Nicht allen einheimischen und touristischen Wanderern ist jedoch bewusst, wie sie sich verhalten sollen. Um Almwanderer besser aufzuklären, plant das Tourismus- und Landwirtschaftsministerium Österreichs jetzt eine Informationsoffensive. Zu diesem Ergebnis kam der erste virtuelle Almen-Gipfel mit Vertretern aus der Almwirtschaft, dem Tourismus und den Alpenvereinen am Dienstag.

Erich Schwärzler, Bundesobmann der Almwirtschaft, Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger und Gerald Dunkel-Schwarzberger, Präsident des Verbandes Alpiner Vereine Österreich nach dem virtuellen Almen-Gipfel am 21.07.2020. Foto: BR | Anna Feininger
Erich Schwärzler, Bundesobmann der Almwirtschaft, Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger und Gerald Dunkel-Schwarzberger, Präsident des Verbandes Alpiner Vereine Österreich nach dem virtuellen Almen-Gipfel am 21.07.2020. Foto: BR | Anna Feininger

Das Ziel ist, Wanderer über den Umgang auf der Alm aufzuklären. Dafür will die Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger alle Plattformen nutzen: Social-Media-Kampagnen, Zeitungsartikel aber auch Informationsmaterial in Hotels und Herbergen sollen Wanderer im sicheren Umgang auf Österreichs Almen schulen.
Immerhin leben nach Informationen des Landwirtschaftsministeriums fast 500.000 Kühe auf über 8.000 bewirtschafteten Almen in Österreich. An den Weideflächen der Tiere führen etliche Wanderwege vorbei und hindurch. Damit Wanderer wissen, wie sie sich in der Nähe der Tiere zu verhalten haben, hat das Ministerium bereits im vergangenen Jahr zehn Verhaltensregeln für Almen-Wanderer ausgearbeitet. Das Problem: nicht alle Wanderer kennen diese Verhaltensregeln. Darum sollen sie jetzt noch bekannter gemacht werden, sagte die Landwirtschaftsministerin.

Eigenverantwortung statt Rechtssicherheit

„Ich darf wirklich auch noch einmal dringend an die Eigenverantwortung appellieren, wir werden von unserer Seite noch stärkere Informationsoffensiven auch starten, damit das gute Miteinander auf unseren Almen auf unseren Weiden gewährleistet sein wird“, sagte sie nach dem Almen-Gipfel. Für viele Landwirte greift die Eigenverantwortlichkeit allein zu kurz, sie sind verunsichert.
Dazu beigetragen hat auch das sogenannte „Tiroler Kuh-Urteil“. Eine 45-jährige Deutsche, die mit ihrem Hund unterwegs war, wurde im Sommer 2014 von Kühen angegriffen und zu Tode getrampelt. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit zwischen den Hinterbliebenen und dem Landwirt erging das Urteil: Demnach wurde auch der Bauer eine Teilschuld an dem Vorfall zugeschrieben. Er musste dem Witwer und dem Sohn rund 180.000 Euro sowie eine monatliche Rente zahlen. Denn er hätte um die Gefährlichkeit seiner Mutterkühe wissen müssen. Zugleich habe das Todesopfer wiederum Warnschilder und Abstandsregeln ignoriert, begründete im Mai 2020 auch der Oberste Gerichtshof. Er hat das Urteil bestätigt.

Seither sind Landwirte besorgt. Einer von ihnen ist Georg Doppler. Seit 20 Jahren hat er schon Rinder, erlebt immer wieder, dass Touristen und Besucher sich distanzlos gegenüber den Tieren verhalten. Eine Informationskampagne, die auf Eigenverantwortlichkeit basiert allein reicht ihm nicht. Doppler fordert zusätzlich zu den Verhaltensregeln vor allem Rechtssicherheit: „Einen rechtsverbindlichen Almnutzungsvertrag, in dem sehr wohl diese Regeln drinnen stehen bis hin zum absoluten Hundeverbot, bis hin zum Müllthema und in dem ganz klar drinnen steht, dass der Wanderer, der Besucher, der Tourist, der Gast die Verantwortung übernimmt, sowohl für eigene Schäden, die ihn widerfahren durch Fehlverhalten, aber auch die Verantwortung übernimmt für Schäden, die an den Tieren entstehen. das ist für mich das wichtigste, weil wenn das klar ist, dann hält man sich auch an jede Hinweistafel und an jede zusätzliche Regel.“

Kritik an Verhaltensregeln

Die zehn Regeln, die das Tourismus- und Landwirtschaftsministerium 2019 herausgegeben hat, geben Wanderern Handlungsempfehlungen. Sie sehen zum Beispiel vor, dass Vieh-Herden großzügig umgangen werden sollen. Und auch für Hundehalter gibt es dort Hinweise: Die Tiere sollen an der kurzen Leine geführt und im Falle eines Kuh-Angriffs losgelassen werden. Besonders diesen Punkt kritisiert Georg Doppler scharf.
Er pocht auf ein komplettes Hundeverbot auf den Almen. „Da gibt’s keinen Kompromiss. Also diese netten Regeln, die da jetzt raufgestellt werden, sogar Anleitungsvideos gibt’s, wie man sich mit einem Hund bewegen soll, das führt nicht zum Ziel,“ sagt er. Denn: Die Zahl der Wolfsrudel in Österreich habe sich mehreren Medienberichten zufolge in den letzten Monaten erhöht. Auch wurden vermehrt Einzelwölfe gesichtet. Für Georg Doppler ist das ein Grund, der für ein Hundeverbot statt für Hundekontrolle auf den Almwanderungen spricht. „Wir haben auf der einen Seite das Problem, dass die Tiere dort, wo es Wolfskontakte gegeben hat, einfach übersensibilisiert sind was jetzt Wolf Schrägstrich Hund anbelangt, die Kuh unterscheidet da nicht zwischen Wolf und Hund und zudem kommt dann noch dass die Anzahl der Hunde explosionsartig mehr geworden sind. Die Herden sind einfach in Daueralarmbereitschaft.“

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