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Das medizinische Personal der Universitätsklinik in Prishtina ist erschöpft durch die Arbeitsbelastung seit Beginn der Coronakrise. Dem Personal wurde nun auch noch der Sommerurlaub gestrichen. Foto: BR | Besnik Hamiti

Aktuelle Coronavirus Situation in Südosteuropa und Österreich
Bereits die zweite Welle?

Ist das bereits die zweite Corona-Welle oder die zweite Spitze der ersten? Über Definitionen lässt sich streiten, doch Fakt ist: Die Infektionslage in Südosteuropa hat sich nicht entspannt – im Gegenteil. Viele Länder verzeichnen einen teilweise erheblichen Anstieg von Neuinfektionen – auf einem Niveau, dass es so bisher nicht gegeben hat. Ein Überblick mit dem Stand 3. Juli 2020.

ALBANIEN - Zweite Isolation kommt nicht in Frage

Albanien, das in den ersten zwei Monaten durch drastische Maßnahmen und eine totale Ausgangssperre gut durch die Corona-Pandemie gekommen ist, befindet sich aktuell in einer besorgniserregenden Situation. In den letzten zehn Junitagen gibt es eine Rekordzahl an Covid19–Infizierten und Verstorbenen: Zwischen dem 20. und 30. Juni gab es 644 neue Covid-Fälle und 20 Verstorbene.

Die Gründe dafür sind vielfältig: Einerseits erklären albanische Gesundheitsexperten, dass diese wachsende Zahl der Infizierten zu erwarten war – als Folge der Aufhebung der strengen Anti-Corona-Maßnahmen. Andererseits gibt es in Albanien keine generelle Maskenpflicht und auch dort, wo Masken getragen werden müssen, halten sich nicht alle an die Regeln. Und auch in Albanien nehmen viele die Pandemie nicht ernst – befeuert durch die gängigen Verschwörungsmythen, die auch von einigen Medien gestreut werden.

Das Gesundheitsministerium in Tirana hat die Covid-Kapazitäten der Krankenhäuser inzwischen auf insgesamt 550 Betten erhöht und ihre Ausstattung mit medizinischem Material und Beatmungsgeräten sichergestellt. Bis jetzt werden nur 20 Prozent dieser Kapazitäten für die Behandlung von Covid-Patienten benutzt – so die albanische Gesundheitsministerin, Ogerta Manastirlliu.

Eine zweite Isolation kann sich Albanien nicht leisten – so die einhellige Meinung im Land. Denn das Land musste innerhalb von nur drei Monaten zwei schwere Schläge hinnehmen: Am 26. November 2019 kam es zu einem schweren Erdbeben, das viele Häuser und öffentliche Gebäude zerstört  bzw. beschädigt hat. Und dann kam die Corona-Pandemie.

Mitarbeit: Astrit Ibro

AKTUELLE DATEN ALBANIEN – Stand: 03.07.

Testungen: 28033 (22806)

Infizierte: 2752 (1838)

Genesene: 1592 (1114)

Verstorbene: 72 (42)

(in Klammern stehen die Zahlen vom 19.06.)

BOSNIEN UND HERZEGOWINA - Regeln und Warnungen werden nicht ernst genommen

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen ist auch in Bosnien und Herzegowina deutlich gestiegen. Die Gründe dafür sind überall zu sehen: Die Bürgerinnen und Bürger beachten die Corona-Regeln nicht. In den Cafés, Restaurants, Geschäften und auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln tragen viele keine Schutzmasken und auch die Distanzregeln werden nicht eingehalten. Dafür haben die Verkehrsbetriebe auch nicht genug Fahrzeuge. Während die Bürgerinnen und Bürger die Warnungen und Regeln offenbar nicht ernst nehmen, scheinen die Besitzer von Geschäften, Cafés und Restaurants sie bewusst zu ignorieren, um Geld zu verdienen.

Obwohl die Behörden und dafür zuständigen Institutionen alltäglich in den Medien vor Covid19 warnen und auf die Beachtung der Corona-Beschränkungen hinweisen, kam die große Ernüchterung am 1. Juli., als bestätigt wurde, dass die Bürgerinnen und Bürger Bosnien und Herzegowinas nicht auf der Liste der Länder sind, die in die EU einreisen können. Und auch, dass das österreichische Außenministerium vor jeder Reise nach Bosnien und Herzegowina abrät.

Die Bürgerinnen und Bürger des Landes können ohne Einschränkungen zur Zeit nur nach Serbien ausreisen. Wer seinen Urlaub am Strand verbringen will, fährt deshalb nach Neum, der einzigen Stadt des Landes an der Adriaküste. Dort sind die Hotels, privaten Unterkünfte und die Strände voll.

Mitarbeit: Eldina Jasarevic

AKTUELLE DATEN BOSNIEN UND HERZEGOWINA – Stand: 01.07.

Testungen: 94.126 (81.030)

Infizierte: 4.606 (3.273)

Genesene: 2.432 (2.241)

Verstorbene: 188 (169)

(in Klammern stehen die Zahlen vom 19. Juni)

BULGARIEN - Das Gesundheitssystem bereitet sich auf Schlimmeres vor

Die Krankenhäuser in Bulgarien bereiten sich darauf vor, dass das Gesundheitssystem unter neuen, erheblichen Druck kommen könnte – der sogar schwerer als im April und Mai ausfallen könnte. Sie verstärken ihre Vorräte an Schutzkleidung und die Zahl der Intensivbetten. Denn der Trend der Corona-Neuinfektionen zeigt in den vergangenen knapp drei Wochen eindeutig nach oben. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, gibt es weit über 100 neue Fälle pro Tag. Auch die Zahl schwerer Krankheitsverläufe hat zugenommen – derzeit müssen 20 Prozent der Covid-Patienten in Krankenhäusern behandelt werden. Die Neuinfektionen im Land beschränken sich derzeit aber noch auf kleinere oder größere Cluster und breiten sich nicht unkontrolliert im Land aus.

Die Anzahl der Corona-Infizierten unter dem medizinischen Personal steigt ebenfalls immer mehr, was angesichts des chronischen Personalmangels in dieser Branche besonders besorgniserregend ist. Dies könnte dazu führen, dass Krankenhäuser geschlossen werden müssen, was im April und Mai in einzelnen Ortschaften schon passiert ist.

Die Vorsichtsmaßnahmen in Bulgarien werden vorerst nicht verschärft, denn die Regierung befürchtet Proteste der Bevölkerung –  aus wirtschaftlichen Gründen. Stattdessen sollen die bestehenden Regeln besser kontrolliert werden – zum Beispiel die Maskenpflicht in öffentlichen geschlossenen Räumen. Restaurants, Bars und Diskos bleiben geöffnet und auch das Finale der ersten Fußballliga haben 12.000 Fans live im Nationalstadion erlebt. Ärzte im Land beobachten das mit großer Sorge.

Mitarbeit: Ekaterina Popova und Camelia Ivanova

AKTUELLE DATEN BULGARIEN – Stand: 02.07.

Testungen: 144 369 (Keine Angaben vom 19.06.)

Infizierte: 5154 (3674)

Genesene: 2722 (1941)

Verstorbene: 232 (190)

(in Klammern stehen die Zahlen vom 19.06.)

KOSOVO - Massiver Anstieg der Neuinfektionen nach Lockerung

Seit den vollständigen Lockerung der Corona-Maßnahmen am 1. Juni hat sich die Situation Tag für Tag verschlechtert. Obgleich von den Behörden unverändert nachhaltig zum Tragen von Gesichtsmasken und zur Wahrung der Abstandsregeln aufgerufen wird, wird dies in vielen Fällen nicht befolgt.

Die Bettenkapazität in der Klinik für Infektionskrankheiten ist bereits erreicht, das Krankenhaus kann keine weiteren Patienten mehr aufnehmen. Nachfolgende Patienten werden in den übrigen Kliniken des Zentralkrankenhauses des Kosovo in Prishtina behandelt. Die Grenzen zu den Nachbarstaaten sind offen und am 28. Juni hat auch der Internationale Flughafen Prishtina den Flugverkehr wieder aufgenommen.

Der Anstieg der Infektionszahlen ist eine direkte Folge der Lockerung der extremen Corona-Schutzmaßnahmen. Diese sahen unter anderem vor, dass die Bevölkerung für höchstens 90 Minuten am Tag draußen sein durfte. Zum Anstieg dürfte auch eine Massenveranstaltung der Vetevendosje Partei am 12. Juni beigetragen haben, zu der tausende Anhänger des ehemaligen Ministerpräsidenten Albin Kurti kamen, ohne auf die Schutzmaßnahmen zu achten (Masken, Abstand).

Nach Angaben der Johns Hopkins Universität gab es zwischen dem 12. und dem 26. Juni im Kosovo 47 neue Fälle bezogen auf 100.000 Menschen. Damit liegt nur noch Schweden und Nordmazedonien mit der Anzahl der Neuinfektionen vor dem Kosovo. Ministerpräsident Avdullah Hoti hat angesichts dieser Zahlen erklärt, dass es zu neuen Schutzmaßnahmen in einigen Regionen des Landes kommen werde, sollte der Negativtrend anhalten. Das Gesundheitsministerium hat mittlerweile angekündigt, in Restaurants und Bars wieder verstärkt zu kontrollieren. Es würden Geldstrafen bei Zuwiderhandlungen verhängt.

Mitarbeit: Besnik Hamiti und Dardan Sadriu

AKTUELLE DATEN KOSOVO – Stand: 02.07.

Testungen: 24.046 (20.662)

Infizierte: 2.991 (1998)

Genesene: 1.644 (980)

Verstorbene: 54 (34)

(in Klammern stehen die Zahlen vom 19.06.)

KROATIEN - Tourismus und Wahlkampf bestimmen die Coronakrise

Kroatien gilt als eines der Länder, das auf die Pandemie schnell und effektiv reagiert hatte und quasi als „Coronafrei“ galt. Seit einer Woche gehört Kroatien allerdings zu den fünf EU-Staaten (Schweden, Polen Frankreich und Spanien) mit den meisten neu registrierten Corona-Fällen pro 100.000 Einwohner.

Die Gründe für den Wandel sind offensichtlich: Die Coronafrage geriet immer mehr zum politischen Spielball, denn nun galt es den Tourismus – und damit das wirtschaftliche Überleben Kroatiens – zu retten und die Parlamentswahlen am 5. Juli zu gewinnen.

Die Grenzen zu allen Nachbarstaaten wurden schon Mitte Mai relativ unkontrolliert geöffnet – erst Richtung EU, dann aber auch zu den Nachbarstaaten Bosnien, Serbien und Montenegro, um die Sommersaison zu retten. Ständig propagierte Hygiene-Maßnahmen und Abstands-Anweisungen werden in der Praxis immer weniger beachtet. Exemplarisch dafür ist das Tennis Show-Turnier in Zadar gewesen, bei dem sich neben vielen Teilnehmern auch der Initiator Novak Djokovic infiziert hat. Der ebenfalls anwesende Premierminister Plenkovic weigerte sich – trotz massiver Kritik – in Quarantäne zu gehen. Die Menschen in Kroatien waren irritiert.

Insgesamt keine gute Werbung für das Urlaubsland Kroatien – und sicherlich auch ein Grund dafür, dass die Touristen ausbleiben. Selbst im Norden des Landes haben noch nicht alle Hotels geöffnet, während im Süden von Split bis Dubrovnik einige komplett geschlossen bleiben.

Mitarbeit: Gordan Godec

AKTUELLE DATEN KROATIEN – Stand: 02.07.

Testungen: 81.437 (71 814)

Infizierte: 2.912 (2.280)

Genesene: 2.155 (2.142)

Verstorbene Personen: 110 (107)

(in Klammern stehen die Zahlen vom 19.06.)

MONTENEGRO: Vom Vorzeigeland zum Sorgenkind

Montenegro, das lange Zeit Corona-frei geblieben ist (40 Tage hintereinander), kämpft seit gut zwei Wochen wieder mit dem Virus. Die Behörden richten den Finger auf Serbien als den Hauptschuldigen für den „Import“ und den Anstieg der Infektionszahlen. Eine Gruppe montenegrinischer Fans sei zum Fußballderby Roter Stern – Partizan (10. Juni) nach Belgrad gefahren und habe so das Virus wieder nach Montenegro eingeschleppt. Dabei sollen die Fußballfans, um die Pflichtquarantäne bei Rückreisen aus Serbien zu umgehen, über Bosnien nach Montenegro eingereist sein ohne ihren Aufenthalt in Serbien offen zu legen.

Montenegro hat am 1. Juni seine Grenzen für die Bürger fast aller EU- und der meisten Nachbarstaaten geöffnet. Für Serbien jedoch nicht. Das sorgt für politische Spannung und hohe wirtschaftliche Verluste, da die Tourismusbranche größtenteils auf die Touristen aus Serbien angewiesen ist. Es ist durchaus möglich, dass die Reiseeinschränkungen für serbische Bürger bis zu den Parlamentswahlen andauern werden, die für den 30. August angesetzt sind.

Die gegenwärtige Zahl der Infizierten (aktive Fälle) liegt bei etwa 30 auf 100 000 Einwohner – mit steigender Tendenz.

Mitarbeit: Zoran Ikonic und Dejan Stefanovic

AKTUELLE DATEN MONTENEGRO – Stand: 01.07.

Testungen: xx (xx)

Infizierte Personen: 576 (355)

Genesene Personen: 315 (315)

Verstorbene Personen: 12 (9)

(in Klammern stehen die Zahlen vom 19.06.)

Hinweis: Offiziell wird die Gesamtzahl der Testungen nicht verkündet, nur die Tageszahl, die z.Z. bei etwa 400-500 Testungen pro Tag liegt.

NORDMAZEDONIEN - Zu spät ins Krankenhaus

Mit 195 Coronafällen pro 100.000 Einwohner liegt Nordmazedonien an fünfter Stelle im europaweiten Vergleich. Besonders hoch ist jedoch die Sterblichkeit: Sie liegt mit 140 Verstorbenen auf eine Million Einwohner deutlich höher als in den Nachbarländern Bulgarien und Serbien und um 30% höher als in Deutschland. Am 2. Juli gaben die Behörden bekannt, dass innerhalb von 24 Stunden 15 Menschen im Zusammenhang mit Covid19 gestorben seien. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Pandemie.

Laut Gesundheitsminister Venko Filipce, gehen die Erkrankten zu spät zum Arzt und kommen damit auch zu spät in die Krankenhäuser. Er forderte die Menschen im Land auf, auch auf geringste Verschlechterungen des Gesundheitszustandes zu achten und sich umgehend bei einem Arzt oder in einer Klinik zu melden. Die Behörden zeigen sich auch mit der Regeltreue der Bürger unzufrieden und führen den Anstieg der Neuinfektionen darauf zurück. So verzeichnete die nordmazedonische Polizei insgesamt 24.155 Verstöße gegen die Maskenpflicht. Außerdem sei bei vielen im Land noch der Irrglaube präsent, Covid19 sei nicht gefährlicher als eine gewöhnliche Grippe.

Bürgerinnen und Bürger Nordmazedoniens können ohne Einschränkungen nur nach Albanien, Serbien und in den Kosovo einreisen. Die Medien im Land reagieren mit Sarkasmus: „die EU öffnet die Grenzen: Bürger von Mosambik, Sambia und Bhutan mit erlaubter Einreise, Nordmazedonien ist nicht auf der Liste.“

Die eigenen Landesgrenzen hat Norrdmazedonien hingegen völlig geöffnet. Ein Grund dafür könnten die bevorstehenden Parlamentswahlen am 15. Juli sein. Viele Nordmazedonierinnen und Nordmazedonier leben im Ausland und würden bei einer Quarantäneverpflichtung von Reisen in ihr Heimatland absehen, so das mögliche Kalkül.

Mitarbeit: Schaban Bajrami, Sasko Golov und Lyubisha Nikolovski

AKTUELLE DATEN NORDMAZEDONIEN – Stand: 03.07.

Testungen: 63383 (49020)

Infizierte: 6625 (4820)

Genesene: 2748 (1863)

Verstorbene: 321 (222)

(in Klammern stehen die Zahlen vom 19.06.)

ÖSTERREICH - Sorge um Cluster und Infektionsketten

Seit Tagen steigt die Zahl an Neuinfektionen wieder an. An mehreren Tagen sogar im dreistelligen Bereich. So meldete das Gesundheitsministerium in Wien am 03. Juli 109 neue Infektionen innerhalb von 24 Stunden. Der Anstieg an Neuinfektionen ist vor allem auf einige „Hot-Spots“ zurückzuführen. Insbesondere in Oberösterreich hat sich ein so genannter „Cluster“ gebildet, in dessen Zentrum eine freikirchliche Gruppe steht. Der „Cluster“ umfasst 99 Personen (Stand 2. Juli). Die Behörden in Oberösterreich reagierten mit Schul- und Kindergartenschließungen in mehreren Regionen. Das Land Oberösterreich kündigte außerdem an, die Covid19-Testungen auszuweiten.

Trotz regional steigender Fallzahlen seien keine österreichweiten Verschärfungen der Anti-Corona-Maßnahmen geplant – so Bundeskanzler Sebastian Kurz in einem Pressestatement. Das Ziel sei es, die Ausbreitung über die betroffenen Gebiete hinaus zu verhindern und Infektionsketten zu trennen.

Angesichts der steigenden Infektionszahlen auf dem Westbalkan hat das österreichische Außenministerium die höchste Reisewarnstufe für Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien ausgesprochen. Österreichischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern wird „dringend“ empfohlen die betroffenen Länder zu verlassen. Die Einreisebestimmungen ändern sich nicht:  Coronatests oder eine 14-tägige-Heimquarantäne waren bei einer Einreise aus den Westbalkanländern ohnehin schon Pflicht.

AKTUELLE DATEN ÖSTERREICH – Stand: 03.07.

Testungen: 635.505 ()

Infizierte: 17.959 (17271)

Genesene: 16.558 (16141)

Verstorbene: 705 (667)

(in Klammern stehen die Zahlen vom 19.06.)

RUMÄNIEN - Lockerungsmodus lässt Coronawelle überschwappen

Am 1. Juli sollten die Corona-Schutzmaßnahmen in Rumänien weiter gelockert werden – doch daraus wurde angesichts der steigenden Infektionszahlen erst einmal nichts. Es drohe ein „zweiter, heftigerer Höhepunkt der ersten Infektionswelle”, da auch die einfachsten Schutzregeln nicht beachtet würden, warnte Gesundheitsminister Nelu Tataru. Er ging so weit,„den Selbsterhaltungstrieb eines Teils der Mitbürger” anzuzweifeln. Seit Wochen werden an manchen Tagen ebenso viele Neuansteckungen gezählt wie in den zwei Monaten des Notstands zu Beginn der Krise. Besonders besorgniserregend: Mehrere Krankenhäuser im Land haben in den vergangenen Wochen ihr Aufnahmelimit erreicht.

Es gelten weiterhin alle seit dem 15. Mai getroffenen Lockerungsmaßnahmen – einzig die Strafmaßnahmen für die Nichteinhaltung der Schutzregeln wurden erhöht. Mit mäßigen Erfolg: Medien berichten täglich von überfüllten Stränden am Schwarzen Meer und Freiluftlokalen, in denen Kellner keinen Mund-Nase-Schutz tragen und Gäste dichtgedrängt an Tischen sitzen.

Die Sorglosigkeit der Urlaubssuchenden wird zudem durch eine Desinformationskampagne der oppositionellen Sozialdemokratischen Partei (PSD) befeuert. Die PSD versucht angesichts der im Herbst anstehenden Parlamentswahlen in den Umfragen zu punkten. Sie unterstellt der Regierung, unter dem Deckmantel des Ausnahmezustands die Bevölkerung zu entmündigen und korrupte Geschäfte mit medizinischem Equipment zu betreiben. Die Regierung wird aber auch von anerkannten Experten kritisiert: Sie kommuniziere schlecht und ihr Krisenmanagement sei insgesamt optimierungswürdig.

Mitarbeit: Herbert Gruenwald

AKTUELLE DATEN RUMÄNIEN – Stand: 03.07.

Testungen: 735.221 (608.771)

Infizierte: 27.746 (23.400)

Genesene: 19.363 (16.555)

Verstorbene: 1.687 (1.484)

(in Klammern stehen die Zahlen vom 19.06.)

SERBIEN - Deutlicher Anstieg nach dem Wahltermin

Der kräftige Anstieg der Zahl der Neuinfizierten in Serbien ist nach Interpretation der Experten des nationalen Corona-Krisenstabs noch keine zweite Virus-Welle, sondern die zweite Spitze der ersten Infektionswelle. Der durch repressive Maßnahmen erzwungene, relative Erfolg in der ersten Phase der Pandemiebekämpfung ist Opfer der Politik geworden. Trotz der weiterhin lauernden Gefahr und des nicht abgemeldeten Epidemie-Zustands im Land, hatte es Präsident Vucic eilig, „den Sieg gegen Corona“ möglichst schnell in das gute Wahlergebnis umzusetzen. Die Wahlen, die ersten in Europa während der Pandemie, wurden auf den 21. Juni gelegt. Die schnelle Lockerung der Maßnahmen begann noch vor der Aufhebung des Ausnahmezustands am 6. Mai, denn es galt das Ambiente für die Wahlen zu schaffen, die Vorstellung, dass das Virus fast verschwunden sei. Der Politik beugte sich auch der Krisenstab und trug auch zur Entstehung eines solchen Anscheins der Normalität bei. Er blieb mehr oder weniger stumm auch bei Ereignissen, die wegen Nichteinhaltung der Vorschriften eine Wiederentflammung der Infektion regelrecht herbeigeschworen haben: Von großen Sportveranstaltungen über Wahlkampfaktivitäten bis hin zu Vucics Siegesfeier im Wahlkampflager seiner Fortschrittspartei, nach der mehrere hohe Amtsträger positiv auf Corona getestet worden waren.

Auch für den Großteil der Bevölkerung kam nach der großen Repression die große Entspannung. Die Menschen nahmen sich ihre Staatsführung zum Vorbild: Persönlicher Schutz und Abstandhaltung wurden im Alltag eher die Ausnahme als die Regel. Die Strafe: Am 1. Juni gab es nach offiziellen Angaben 18 Neuinfektionen, am 2. Juli 395 Neuinfektionen. Bei einem guten Teil der Menschen ist das Vertrauen in Institutionen gestört, sie sind verunsichert.

Das Gesundheitswesen und der Staat müssen mit den derzeit zurückgefahrenen Covid-Kapazitäten die neue Covid-Welle überbrücken und die Kommunikation mit der Bevölkerung verbessern. Eine Einführung restriktiver Maßnahmen im ganzen Land ist derzeit nicht geplant. Ausnahmesituationen und besondere Maßnahmen werden je nach Situation in einzelnen Städten eingeführt, die als Seuchenherde erkannt werden.

Für die Hauptstadt Belgrad, in der nach offiziellen Angaben über 80% aller Neuinfektionen registriert wurde, wurde am 3. Juli der Status einer Ausnahmesituation ausgerufen. Nachtclubs, Bars und Cafés müssen ab 23 Uhr schließen, Versammlungen werden eingeschränkt, Bußgelder für die Nichtbeachtung der Maskenpflicht eingeführt. Ursprünglich war auch die Schließung aller Studentenwohnheime geplant. Doch nach einer spontanen Demonstration vor dem Parlament, wurde diese Entscheidung zurückgenommen.

Auch in der Region „Sandzak“ bleibt die Situation angespannt. In der Stadt Novi Pazar und Umgebung hatte sich in den vergangenen Wochen ein Corona-Hotspot entwickelt.

Mitarbeit: Zoran Ikonic und Dejan Stefanovic

AKTUELLE DATEN SERBIEN – Stand: 03.07.

Testungen: 426.981 (332.342)

Infizierte: 15.504 (12.709)

Genesene: 13.064 (11.822)

Verstorbene: 298 (259)

(in Klammern stehen die Zahlen vom 19.06.)

SLOWENIEN - Keine Entwarnung

In Slowenien ist die Corona-Lage weitgehend unter Kontrolle und stabil. Vereinzelt gibt es Neuinfizierte, aber die Gesundheitsbehörden geben keine Entwarnung. So stuft Slowenien das Nachbarland Kroatien ab dem 4. Juli als epidemiologisch nicht mehr sicher ein. Slowenische StaatsbürgerInnen müssen dann nach einer Rückkehr aus Kroatien nachweisen, dass sie auch wirklich dort waren (Hotelrechnung, Nachweis über Immobilienbesitz, etc.). Für Transitreisende (z.B. Urlauber aus Deutschland) ändert sich nichts, sie dürfen aus Kroatien kommend innerhalb von 12 Stunden durch Slowenien reisen. Kurze Stopps, zum Beispiel zum Tanken, sind erlaubt, Übernachtungen in Slowenien hingegen nicht.

Sorgen bereitet den slowenischen Behörden die Infizierung von sieben Ärzten in einem Krankenhaus in der Stadt Maribor. Außer diesen sieben Ärzten mussten noch weitere 14 Beschäftigte in die Selbstisolation. Es wird vermutet, dass die Infektionskette von einem Arzt ausgeht, der von einem Symposium aus Montenegro zurückgekehrt war.

Mitarbeit: Stjepan Milcic

AKTUELLE DATEN SLOWENIEN – Stand: 02.07.

Testungen: 104.201 (92.152 )

Infizierte: 1649 (1519)

Genesene: xx ()

Verstorbene: 111 (109)

(in Klammern stehen die Zahlen vom 19.06.)

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Kommentare (1)

Bismark am

Ein Umdenken über Covid-19 ist notwendig! Ist Pandemie Covid-19 Fehlalarm?
Ich habe in Google gelesen, dass COVID-19 schon in Frühjahr und Sommer 2019 in Europa nachgewisen wurde (Google suchbegriff COVID-19 2019 in Europa): in Spanien, in Italien, in Frankreich …Da ging das Leben Ohne jegliche Einschränkungen und Verbote weiter. Müssen wir nicht über die Sinnhaftigkeit/Notwendigkeit der Verordneten Einschränkungen nachdenken und sie in Frage stellen? Man kann zurzeit in Deutschland nich mal aufgrund der Maskenpflicht frei atemen. In anderen Ländern wie Island, Norwegen, Österreich, Niederlande,Schweden, Finnland, Norwegen, die Schweiz und…leben die Menschen in Freiheit und können frei atmen, in Deutschland nicht. Deutschland 2020 ist wie ein großes Gefängnis. Das ist eine Schande für, da wir hier eigentlich ein Grundgesetz haben!!!

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