Google Maps-Vorschau - es werden keine Daten von Google geladen.

Wo früher eine mit Schlaglöchern übersäte Matschpiste war, ist im südserbischen Dorf Kukulovce jetzt eine frisch asphaltierte Straße. Foto: BR | Srdjan Govedarica

Wahlen in Serbien
Asphalt für Wahlbeteiligung

Gleich am Ortseingang von Kukulovce im Süden Serbiens wohnt Jadranka Djokic. Die Familie der 43-jährigen handelt mit Altmetall und golden gestrichene Löwenköpfe schmücken die Toreinfahrt, in der Hühner zwischen einem Autowrack und verstreuten Schrotthaufen Slalom laufen. Jadranka Djokic lacht viel und spielt gerade mit ihrem kleinen Enkel. Als sie aber über das Thema Wahlen spricht kann sie ihren Ärger kaum zügeln:

Sie haben uns angelogen, so richtig angelogen. Sie haben gesagt, das und das wird kommen - stimmt für uns ab. Und nach der Wahl haben sie uns wieder vergessen. Und dann die nächste Wahl und wieder neue Versprechen.

Jadranka Djokic

2017 haben mehr als 95 Prozent der Wahlberechtigten im 200-Seelendorf Kukulovce bei der Präsidentschaftswahl für Wahlgewinner Aleksandar Vucic gestimmt. Vor der Wahl hatten ihnen lokale Behörden versprochen, die einzige Straße im Dorf zu asphaltieren und eine Straßenbeleuchtung zu installieren, erzählt Dorfbewohner Mica Andjelkovic. Die Straßenlaternen leuchteten nur einen Tag lang und wurden nach der Wahl wieder abgeschaltet, sagt der Landwirt. Und die Dorfstraße blieb auch nach der Wahl die alte Matschpiste mit Schlaglöchern:

Ich hätte vielleicht für jemand anderen gestimmt, aber ich dachte, sie haben etwas versprochen, also gebe ich ihnen meine Stimme. Das was sie verlangt haben, haben wir also erfüllt. Aber sie haben das, was sie versprochen haben, nicht eingehalten. Und dann haben wir beschlossen, die Wahlen dieses Jahr zu boykottieren. Denn warum sollten wir abstimmen, wenn sich niemand um uns schert.

Mica Andjelkovic

Noch nicht mal eine Wahlurne werden sie ins Dorf lassen, drohten die Menschen aus Kukulovce und ihr angedrohter Wahlboykott schlug hohe Wellen in Serbien. Medienteams kamen und berichteten über die matschige Dorfstraße – das Symbol eines gebrochenen Wahlversprechens. Dann ging es ganz schnell.

In sechs Tagen wurde die Straße asphaltiert. Expressmäßig. Alles ist möglich, wenn man nur will. Man muss sich nur ein bisschen engagieren.

Mica Andjelkovic

Wahlversprechen gebrochen und dann schnell vor der nächsten Wahl nach einem Boykottaufruf doch erfüllt? Und das ausgerechnet beim Thema Ausbau der maroden Infrastruktur, das die Fortschrittspartei von Präsident Aleksandar Vucic zu einem der Leitmotive des Wahlkampfes auserkoren hat. Der Fall Kukulovce wirft unangenehme Fragen auf für die Regierung in Belgrad. Ging es in Kukulovce um klassischen Stimmenkauf – wollte ein Journalist am vergangenen Mittwoch von Ministerpräsidentin Ana Brnabic wissen. Diese regierte ungehalten:

Ach kommt Leute, können wir uns nicht ein mal mit einem positiven Thema befassen?

Ministerpräsidentin Ana Brnabic

Die Regierung hoffe, so Brnabic, dass möglichst viele Menschen am kommenden Sonntag zur Wahl gehen. Das sei wichtig für Serbien:

Aber Straßen haben wir deswegen nicht gebaut. Sondern wegen dieser Menschen, unabhängig davon, ob sie für diese oder für jene Liste stimmen.

Ana Brnabic

In Kukulovce spielt derweil eine Romacombo auf und die Menschen tanzen mit erhobenen Händen. Dass es ihnen gelungen ist, eine asphaltierte Straße samt Beleuchtung zu bekommen, ist für sie ein Grund zum Feiern – egal aus welchen Motiven die Behörden gehandelt haben. Inzwischen haben die Bewohner eines Nachbardorfs angekündigt, die Wahl ebenfalls boykottieren zu wollen, sollten ihre Dorfstraße nicht asphaltiert werden. In Kukulovce hingegen ist der Wahlboykott vom Tisch – sagt Jandranka Djokic:

Unser Präsident Vucic hat befohlen, dass wir in unserem Dorf auch etwas bekommen. Und jetzt sind wir zufrieden und alle werden wir zur Wahl gehen.

Jandranka Djokic

Soundcloud-Vorschau - es werden keine Daten direkt von Soundcloud geladen.

Lade Inhalte

Lade Inhalte Lade Inhalte
0:00 | 0:00
Was Sie noch interessieren könnte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.