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Mit über 1,2 Millionen die größte Minderheit in Rumänien: Szeklerinnen und Szekler, hier bei einer Gedenkveranstaltung im rumänischen Sfantu Gheorghe. Foto: BR | Videostandbild

Der Streit um die ungarische Minderheit in Rumänien
Wir können es nur gemeinsam schaffen

Budapest, am 4. Juni 2020. Für fünf Minuten steht an diesem Nachmittag alles still. Busse, Bahnen, das öffentliche Leben. Die Menschen im Land sollen sich an den „Vertrag von Trianon“ erinnern. Jener Vertrag, der nach Ende des ersten Weltkrieges eigentlich Frieden in die gesamte Balkanregion bringen sollte, geschlossen von den alliierten Siegermächten in Trianon. Der große Verlierer damals war Ungarn, zweidrittel des Landes wurden Nachbarländern wie Serbien oder Rumänien zugesprochen, mitsamt der dort lebenden Ungarn.

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Vertrag von Trianon - Ungarische Minderheit in Rumänien

Beitrag: Christian Limpert

Kamera: Thomas Ciulei

Schnitt: Roland Buzzi

Szekler nennen sich die Ungarn, die bis heute in Rumänien leben, in der Region Transsilvanien. Ihre Staatsbürgerschaft ist rumänisch, Sprache und Bräuche allerdings ungarisch. Anders als ihre Landsleute in Ungarn begehen die Szekler, mit 1,2 Millionen Menschen die größte Minderheit in Rumänien, den „Tag von Trianon“ als Trauertag. Auch in der Stadt Sfantu Gheorghe in Transsilvanien haben sich einige hunderte Szeklerinnen und Szekler versammelt, für eine Trauerfeier. Mit Gebeten, Gesängen und Hymnen. Arpad Antal hofft, dass dieser Tag friedlich bleibt. Antal, Bürgermeister der rumänischen Stadt Sfantu Gheorghe, ist Szekler, also ein Rumänien-Ungar. Keine leichtes Los, sagt Arpad Antal:

Arpad Antal, Bürgermeister von Sfantu Gheorghe in Rumänien, bei einer Gedenkveranstaltung der ungarischen Minderheit. Foto: BR | Videostandbild
Arpad Antal, Bürgermeister von Sfantu Gheorghe in Rumänien, bei einer Gedenkveranstaltung der ungarischen Minderheit. Foto: BR | Videostandbild

„Wir werden wirtschaftlich diskriminiert! Wir dürfen unsere Muttersprache nicht als zweite Amtssprache nutzen, neben Rumänisch, und wir dürfen unsere Symbole nicht neben jenen des rumänischen Staates verwenden. Wir sind Bürger zweiter Klasse in diesem Land, obwohl es auch unser Land ist.“

Arpad Antal, Bürgermeister von Sfantu Gheorghe in Rumänien

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Wunsch nach mehr Selbstverwaltung

Das Thema Trianon sorgt immer wieder für Missstimmung zwischen Ungarn und Rumänien. In einem Interview für das ARD-Studio Wien schlägt der Vorsitzende des Außenausschusses des ungar. Parlaments, Nemeth Zsolt, versöhnliche Töne an.

 

Beitrag: Christian Limpert

Kamera: Gabor Kovacs

Schnitt: Roland Buzzi

Ein paar Straßen weiter haben rumänische Nationalisten Stellung bezogen, die Trauerfeier der ungarischen Szekler passt ihnen ganz und gar nicht. Sie wollen an den Tag von Trianon in einer eigenen Feierstunde erinnern. Ermuntert dazu hat sie kein anderer als Rumäniens Staatspräsident Klaus Iohannis, selbst Teil der Minderheit der Rumänien-Deutschen und im Westen so geschätzt, dass ihm in diesem Jahr der Karlspreis verliehen werden soll. Doch in einer Fernsehansprache im April befeuert er den Konflikt um die Szekler, und um Trianon. Er wirft der sozialdemokratischen Partei Rumäniens vor, sie würden das Gebiet Transsilvaniens an die ungarische Minderheit übergeben wollen, außerdem verhöhnt er die ungarische Sprache der Szekler. Eine gefährliche Geste, die nicht unbeantwortet bleibt. Kurz nach der Ansprache von Iohannis meldet sich Ungarns Premierminister Viktor Orban via Facebook. Er postet das Bild einer historischen Weltkugel, die das ehemalige Gebiet Großungarns zeigt. Und pünktlich am 4. Juni veröffentlicht er ein Foto, auf dem er sowie Angehörige der ungarischen Minderheiten im Ausland zu sehen sind. Die Botschaft: Wir gehören zusammen.

 

Zitate, Fotos und Gesten, die der Szekler Bürgermeister Arpad Antal kritisch sieht. Das Verhalten des rumänischen Präsidenten sei nicht nachvollziehbar, ein Präsident müsse einen, sagt er. Dass die Szekler eine Abspaltung von Rumänien anstreben, sei absurd.

„Wir hoffen, dass es auch in diesem Teil Europas politische Oberhäupter gibt, die verstehen, dass wir es nur gemeinsam schaffen können, so zu leben wie die Menschen im Westen. Solange wir untereinander streiten, solange wir uns nicht gegenseitig respektieren, haben wir keinerlei Chance, so ein Leben zu führen.“

Arpad Antal, Bürgermeister von Sfantu Gheorghe in Rumänien

Ohne finanzielle Unterstützung der ungarischen Regierung wäre es schwierig für die Szekler, schildert Arpad. Seit Jahren fließen Millionensummen nach Transsilvanien. Landwirte zum Beispiel erhalten Zuschüsse, um sich neue Maschinen kaufen zu können, bis zu 15.000 Euro pro Hof. Für jugendliche Szekler gibt es Förderkurse, um deren rumänische Sprachkenntnisse zu verbessern. Das alles seien Hilfen, die sie vom rumänischen Staat nicht bekommen sagt Bürgermeister Antal. Auch der Bau eines neuen Fußballstadions mit 8.200 Sitzplätzen sei nur möglich, dank millionenschwerer Unterstützung der ungarischen Regierung. Der Szekler Fußballverein ‚Sepsi Old Sport Klub‘ soll hier trainieren und spielen, genau wie Kinder und Jugendliche. Vereinschef Attila Hadnagy hofft, dass das neue Stadion die Menschen der Region zusammenbringt: Rumänen und Ungarn als faire Fans und Sportler.

„Bei uns in der Stadt sind Rumänen und Ungarn gute Freunde, wir beschimpfen uns nicht gegenseitig. Aber in den Stadien werden unsere Spieler von gegnerischen Fans beschimpft, bei unseren Auswärtsspielen oder hier. Das ist nicht normal, das ist nicht korrekt. Es sind viele Strafen dafür verhängt worden, aber beruhigt haben sie sich nicht.“

Attila Hadnagy, Vereinschef des Szekler Fußballvereins 'Sepsi Old Sport Klub'

Zurück zu den Gedenkveranstaltungen. Während die Szekler ihre Trauerfeier beendet haben, grölen die rumänischen Nationalisten weiter, Loblieder auf den Vertrag von Trianon und die rumänische Einheit. Für ihren Protest seien die meisten aus anderen Landesteilen angereist, sagt Arpad Antal. Aus Gegenden, in denen es überhaupt keine ungarische Minderheit gebe. Für ihn zähle aber vor allem, dass beide Veranstaltungen friedlich verlaufen sind. „Morgen ist ein neuer Tag,“ sagt er. „Ein Tag, an dem wir eine gemeinsame Zukunft aufbauen können, hier in Transsilvanien, im Szeklerland, in Europa.“

 

Die Vorzeichen dafür sind nicht gut. Das rumänische Parlament will den Trauertag der Szekler zum rumänischen Feiertag machen, eine klare Provokation. Der Friedensvertrag von Trianon dürfte auch weiterhin für Unfrieden sorgen.

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Kommentare (4)

Ioannis am

Na ja Ungarn hat diese Gebiete auch durch Eroberung gehabt. Woher kamen die Majaren? Die Rumäner
lebten immer dort. Ok die waren under verschiedener namen wie Daken bekannt Ja sie waren Barbaren..aber id Ungarn noch schlimmer. Jetzt leben die Ungarn als Minderheit in Rumänien (Vlachien und Moldavien genauer)
wichtig ist das sie nicht als Bürger zweite klasse leben. Das sie ihre Schulen und Sprache spächen durfen.
Das ist alles Ok .

IUGA TEODORA am

Wenn man denkt was diese Minderheit die in ca. 900 n.c. aus der Steppe nach Europa kam und in Transilvanien die Bevölkerung brutal behandelt hat, orthodoxe Kirchen in Brand gesetzt haben und alles mögliches versucht sie zu maghiarisieren und damit zu beweisen das die Rumänen die Minderheit in Transilvanien sind. Alles hat nichts gebracht, und letztendlich haben sie das bekommen was sie verdient haben, obwohl es viel früher hätte sein müssen.
Aber sie bleiben schlechte Verlierer und werden sich nie damit abfinden.
Schade. Den wenn es nicht so währe könnten sie gut miteinander leben.
Gruß

Dragos Munteanu am

Sehr einseitiger Bericht! Warum wurden nur ungarische Politiker befragt? Die ungarische Versammlung war genauso nationalistisch wie die rumänische.

Sobo am

Bitte hinzufügen dass die ungarische Minderheit in Rumänien schon immer eine Minderheit war auch vor dem Ersten Weltkrieg.
Und JA, die werden von Orban finanziert :0) haha….aber auch nur weil die in Ungarn wählen dürfen.
Die Leser müssen informiert und nicht manipuliert werden, der Beitrag ist mir zu einseitig.

Gruss

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