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Nazmie Salihaj ist die Gastwirtin des „Kammerhofs“. Sie möchte trotz der Ungewissheit optimistisch bleiben. Foto: BR | Andrea Beer

Zimmer renoviert. Knödel fertig. Zukunft ungewiss.
Ein kleiner Landgasthof in Zeiten von Corona

Das Ehepaar Salihaj bekommt die Krise bereits im Februar 2020 zu spüren. Schon vor dem Lockdown in Österreich am 16. März zeichnet sich ab, dass schwierige Zeiten anbrechen. Das Virus ist in aller Munde und die Menschen gehen weniger Essen, beobachtet Selman Salihaj damals. Der 48-jährige kam vor rund 30 Jahren aus dem Kosovo nach Österreich. Gemeinsam mit seiner Frau Nazmie betreibt er den Landgasthof „Kammerhof“ in Hofstetten-Grünau bei Sankt Pölten, rund 70 Kilometer westlich von Wien. Ab Mitte März 2020 ist auch dieser mehrere Wochen geschlossen, denn Essen gehen und auswärts übernachten war bekanntlich nicht erlaubt. „Wir hatten null Einnahmen“, konstatiert Nazmie Salihaj nüchtern. Das ohnehin kleine Kernteam des Landgasthofs muss teilweise in Kurzarbeit geschickt werden, andere blieben, wie Lehrling Roman oder der Koch. Denn nach einiger Zeit durfte Essen von auswärts bestellt und abgeholt werden.

Wir sind Wirtsleute und versuchen die Dinge positiv zu sehen.

Nazmie Salihaj, Gastwirtin

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Rund um die Mittagszeit ist einiges los, doch dann wird es ruhig. In der Küche sind noch Knödel, sowie Kraut oder Sauce übrig. Foto: BR | Andrea Beer
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„Es blieb mehr Zeit für die Familie“, erzählt die 43-jährige Gastwirtin. Zudem hätten sie Dinge erledigt, für die im arbeitsintensiven Alltag des kleinen Familienbetriebs sonst keine Zeit blieb, beispielsweise Zimmer renoviert. Seit dem 29.Mai dürfen Hotels, Campingplätze und Beherbergungsbetriebe unter Corona-Auflagen wieder öffnen und auch Seilbahnen, Lifte oder Ausflugsschiffe fahren wieder. Doch allen ist klar: Die Saison ist gelaufen und das Geschäft wird zäh. Auch Selman und Nazmie Salihaj rechnen nicht mit einem Ansturm auf ihre 18 Zimmer. Darin übernachten oft Arbeiter die in der Umgebung beschäftigt sind und so sind sie nicht ausschließlich auf Touristen angewiesen, sei es aus Österreich oder dem Ausland. Nach Angaben der österreichischen Hoteliervereinigung macht nur rund die Hälfte der Hotels überhaupt auf.

Am Anfang wurde viel Hilfe versprochen. Wir haben 1020 Euro bekommen und seitdem nichts mehr. Ich dachte, dass sie uns die Kosten decken. Mehr hätten wir ohnehin nicht gebraucht.

Selman Salihaj, Gastwirt

Als die Salihajs den Gasthof vor knapp sechs Jahren kauften, nahmen sie einen Kredit über mehrere hunderttausend Euro auf, den sie nach wie vor bedienen müssen. Sie hätten immer gut gewirtschaftet und seien bisher einigermaßen durch die Coronazeiten gekommen. Dafür griffen sie nun auf ihr Erspartes zurück, denn von den finanziellen Hilfen, die die türkis-grüne Regierung versprochen hat, hätten sie bisher nichts gesehen, erzählt Selman Salihaj. Mit seinem Ärger ist er nicht allein.  Die angekündigten Wirtschaftshilfen der türkis grünen Regierung werden von vielen kleineren Unternehmern als nicht passgenau kritisiert.

Die Hotels, die (…) sich bisher nur über den Preis verkauft haben, weil sie keine eigenen Geschichte zu erzählen haben, die wird es am meisten treffen.

Michaela Reitterer, Präsidentin der österreichischen Hoteliervereinigung

Warnung vor zweiter Coronawelle

Mindestens einen Meter Abstand halten und Tische entsprechend stellen, Mund und Nasenschutz oder Coronavisier im Rezeptionsbereich (außer es gibt eine Plexiglasscheibe) und für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, das sind die aktuelle Regeln im Mitarbeiterbereich. In Hotelpools oder Saunen gelten spezielle Hygiene- und Präventionsmaßnahmen.

Die Berufsverbände appellieren an Hoteliers, Wirte und Gäste, sich an die Regeln zu halten. Denn die Befürchtung ist groß, dass die Lockerungen der Auflagen neue Ansteckungen auslösen könnten. Ein Albtraum für Wirtsleute wie die Salihajs und die gesamte Branche. Wie alle Branchen steckt auch der Tourismus in Österreich tief in den roten Zahlen. Auch wenn es teilweise gut gebuchte Hotels gibt, etwa an Seen, rechnen Experten damit, dass sich die Krise bis in die Sommersaison 2021 hinzieht und Hotels, Landgasthöfe, Pensionen oder Betreiber von Ferienwohnungen insolvent gehen könnten. Auch die nächste Wintersaison wird im Moment weitgehend verloren gegeben, in der in Österreich weit mehr Umsatz gemacht wird als im Sommer. Auch das Ehepaar Salihaj würde sich mehr Kunden wünschen, doch immerhin haben sie nun wieder auf.

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