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Mit Crowdinvesting gegen Corona
Fahrräder, Eis und afrikanische Küche

Crowdinvesting hätte ich ohne Corona nie gemacht.

Anthony Chira, der Wiener Unternehmer kam vor 23 Jahren über Umwege aus Nigeria nach Wien.

Das Coronavirus hat auch in Österreich in praktisch allen Branchen eine Wirtschaftskrise ausgelöst. Mehr als 530.000 Menschen sind arbeitslos gemeldet und 1,3 Millionen in „Covid-19-Kurzarbeit“. Hängen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten eines Unternehmens mit dem Virus zusammen, kann diese beantragt werden. Das heißt: Je nach Bruttoeinkommen erhalten Arbeitnehmer in der Kurzarbeit bis zu 90% ihres bisherigen Nettogehalts. Das Geld kommt aus der öffentlichen Hand und soll Pleiten und Kündigungen zunächst verhindern. Laut Angaben von Bundesarbeitsminsiterin Christine Aschbacher sei vor allem der Handel betroffen. Doch auch in Hotels, Pensionen oder in der Gastronomie sind rund 100.000 Menschen in Kurzarbeit.

Das was wir hier machen ist sehr politisch. Wir vereinen Kulturen, wir vereinen Menschen. Jeder von uns glaubt an etwas und es ist fast unmöglich, nicht politisch zu sein.

Anthony Chira sieht sich als sozialen Unternehmer. Gute Bedingungen für Arbeitnehmer seien ihm wichtig, sagt er.

Crowdinvesting im Laden um die Ecke. Ein Zukunftsmodell?

Auch Anthony Chira hat für vier seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Kurzarbeit beantragt. Der 50-Jährige betreibt einen Fahrradladen samt Bistro in Wien, das „Velobis“. Bis zur Krise arbeiteten dort bis zu 14 Leute. Im Service, in der Küche, im Fahrradladen. Dann kam Corona und der Umsatz brach vollkommen ein. Ein Vergleich; Im April 2019 machte das Bistro 40 000 Euro Umsatz, im April 2020 tröpfelten gerade mal 480 Euro in die Kasse. Doch allein Miete und Betriebskosten belaufen sich auf 6000 Euro. Dreien musste Anthony Chira kündigen. Vier – darunter er selbst –  sind weiter im Laden. Der Fahrradladen ist inzwischen wieder offen, doch das Sommergeschäft ist nicht mehr aufzuholen. Im Bistro könnte er seit dem 15. Mai wieder Gäste bewirten. Doch das Velobis im 14. Wiener Gemeindebezirk macht voraussichtlich erst Anfang Juni wieder auf, denn Anthony Chira renoviert noch und baut um. Es entsteht auch eine Eismanufaktur im Bistro, in der selbstgemachtes Eis verkauft werden soll. „Ohne Corona hätten wir uns die Zeit nicht genommen“, konstatiert Chira. Das nötige Geld für den Umbau holt er sich nicht von der Bank, sondern durch Crowdinvesting. Grob gesagt, eine Alternative zu einem Bankkredit, den vor allem kleine und mittlere Unternehmen ausprobieren. Kunden, Bekannte oder Freunde können Geld investieren und bekommen dafür mindestens 12% Zinsen in Wertgutscheinen: Für Fahrradreparaturen, Fahrradzubehör, einen Helm oder für Essen, Getränke und Events im Bistro. Innerhalb von fünf Jahren fliesse das Geld an die Investoren zurück, sagt der Unternehmer. Vor Corona hätten Kunden wohl nicht mitgemacht, vermutet Anthony Chira. Doch sie hätten gesehen, dass lokale Betriebe in ihrem Bezirk Hilfe brauchen würden.

Es wird sich nicht alles von heute auf morgen ändern, aber ich gehe davon aus, dass wir etwas aus der Krise lernen. (…) Die Leute spüren, wir haben Krise und sie unterstützen lokale Unternehmen. Ich glaube, dass wird das Zukunftsmodell sein.“

Anthony Chira

Erfahrungen mit Rassismus als schwarzer Österreicher?

Anthony Chira hat die österreichische Staatsbürgerschaft und mit Rassismus in Österreich wenig Probleme, wie er erzählt. Danach gefragt fällt ihm spontan nur Beispiel aus Deutschland ein. Bei einem Job in München wurde er von Polizisten auf der Straße kontrolliert und empfand deren Vorgehen dabei als demütigend und rassistisch motiviert. Anders als sein Freund, der aus Ghana stammte, habe er gelassen reagiert.

In Wien sei er in all den Jahren nur zwei oder dreimal kontrolliert worden. Der schwarze Österreicher mit nigerianischer Einwanderungsgeschichte hat für sich offenbar einen Weg gefunden, mit Vorbehalten und Rassismus umzugehen von denen viele andere schwarze Österreicher erzählen.

 

Wenn du in ein neues System kommst, dann musst du dich erklären. Das ist so. Natürlich gibt es immer wieder Menschen, die was gegen dich machen (…) aber die würden das auch zu Schwulen oder Frauen sagen. Von daher würde ich das nicht überwerten.

Anthony Chira

Was Parteienpolitik angeht unterstützt Anthony Chira in Österreich die Sozialdemokraten, die SPÖ. Vor allem das Thema Gleichheit sei ihm wichtig und dafür steht die Partei seiner Ansicht nach. „Es ist sehr wichtig, zu sagen als Mensch gebe ich dir eine Chance“, meint er und hat selbst im Berufsleben diese Erfahrung gemacht. Was er als Unternehmer in der SPÖ mache, werde er oft gefragt und lacht. Aus seiner Sicht bilden Arbeitnehmer und Unternehmer eine Einheit, in der jeder jeden braucht.

Die Menschen wissen wenig über Afrika

Von Shaka Zulu bis Wiener Schnitzel, die Speisekarte des Bistros bestehe aus Afrika und Europa, sagt Anthony Chira. In ostafrikanischen Rezepten überwiege der arabische Einfluss, in westafrikanischen der europäische. Er selbst stammt aus Onitsha in Nigeria und kam der Liebe wegen einst über Umwege vom Niger an die Donau. Die meisten Nichtafrikaner wüssten wenig über afrikanische Länder. In Berichten ginge es zudem meistens um Krieg und Elend. Anthony Chira würde sich mehr Berichte über die Vielfalt der Menschen und Kulturen wünschen:

Die Menschen sind überall ähnlich und es gibt ein paar Ausbeuter, die sie anstiften, sich gegenseitig zu bekämpfen.

Anthony Chira

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