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Die 13-jährige Schwimmerin Iman Avdic ist in ihrer Altersklasse bereits mehrfache bosnisch-herzegowinische Landesmeisterin. Ihr Schwimmtraining sieht in Corona-Zeiten allerdings ganz anders aus als sonst. Foto: BR | Eldina Jasarevic

Rekordschwimmerin aus Bosnien-Herzegowina trotzt Corona
Schwimmtraining im Gewächshaus

Wenn Sie sehen möchten, wie man stundenlang schwimmen kann, ohne sich von der Stelle zu bewegen, sollten Sie nach Matuzici bei Doboj in Nordbosnien fahren. Von der Hauptstraße an der Ampel links abbiegen und dann geradeaus bis zur Moschee mit der kupfernen Minarettspitze. Direkt gegenüber der Moschee steht ein grau-weißes Haus mit einem großen überdachten Balkon. Das ist dann Ihr Ziel. Gehen Sie in den Hinterhof bis zu dem winzigen Gewächshaus, vor dem ein Holzpflock mit einem Gummiseil steht. Ein Blick hinter die Plastikplane fördert Erstaunliches zutage: Kein Gemüse, sondern ein zwei mal drei Meter großes Schwimmbecken. Halten Sie die Plane bitte nicht zu lange offen, denn sonst wird das Wasser kalt!

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Schwimmtraining anders

Videomaterial: Eldina Jasarevic

Videobearbeitung: Karin Straka

Zwei Mal am Tag können Sie hier ein blondes Mädchen beobachten, das im Joggingtempo aus dem benachbarten Wäldchen auf das Gewächshaus zuläuft. Das Mädchen heißt Iman und ist dreizehn Jahre alt. Nach einer halben Stunde Jogging und Sprintlauf, wärmt sie sich noch weiter auf. Währenddessen prüft Evelin, Imans Vater und Schwimmtrainer, die Wassertemperatur und gibt seiner Tochter Anweisungen zur folgenden Schwimmeinheit. Noch ein paar Dehnungsübungen und Iman hüpft in ihre Badesachen. Sie setzt sich Schwimmmütze und -brille auf und schnallt sich einen Gurt um die Taille. Dann steigt sie ins Wasser und beginnt zu schwimmen. Der Gurt, der mit einem Gummiseil an einen Holzpflock vor dem Gewächshaus gebunden ist, ermöglicht es Iman, in diesem winzigen Becken echte Schwimmbewegungen nachzuahmen, ohne sich von der Stelle zu bewegen.

Schwimmen ist Imans Leben. Sie ist in ihrer Altersklasse bereits mehrfache bosnisch-herzegowinische Landesmeisterin und Rekordhalterin in den Disziplinen Freistil, Rückenschwimmen und Lagen. Ihr großes Ziel: Sie möchte Olympiasiegerin werden. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde das Olympiabecken in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo gesperrt, und Iman kann dort nicht mehr wie gewohnt trainieren. Drei Männer aus ihrer Familie – Vater, Onkel und Opa – kamen deshalb auf die Idee mit dem kleinen Schwimmbecken und dem Seil. In Sarajevo schwer durchführbar, wurde Opas Haus auf dem Land für diese Aktion gewählt. Den Effekt des Gewächshauses nutzen sie, um die für das Training geeignete Wassertemperatur zu erreichen.

 

Iman und ihr Vater wissen, dass diese Form des Trainings echtes Schwimmen nicht ersetzen kann. Aber es hilft der erfolgreichen Sportlerin in Form zu bleiben, und das Gefühl fürs Wasser nicht zu verlieren. Wenn das Olympiabecken in Sarajevo in voraussichtlich einigen Wochen wieder öffnet, wird sich zeigen, wie gut das funktioniert hat. Iman ist jedenfalls die einzige aus ihrem Sportverein, die überhaupt im Wasser trainieren konnte.

Und zum Schluss verrate ich Ihnen, warum ich das alles erzähle: Ich finde diese Geschichte wirklich cool! Sie zeigt, wie Menschen es mit Geschicklichkeit, Improvisationskunst und ohne große finanzielle Mittel schaffen, auch in Zeiten von Corona an ihren Zielen dranzubleiben und sich nicht entmutigen zu lassen.

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