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80 Pflegerinnen machten sich auf den Weg nach Wien, um ihre KlientInnen in Österreich in den nächsten Wochen zu betreuen. Foto: BR | Studio Wien | Videostandbild

Corona-Sonderzug mit Pflegerinnen erreicht Wien
24-Stunden-Pflege aus Rumänien

Der Bahnhof in Temeswar in Rumänien am Sonntagabend. 80 Frauen warten mit ihren Koffern vor dem Bahnhofsgebäude, weit auseinander stehend. Ihr Ziel: Österreich. Ein Sonderzug soll sie nach Wien bringen. Noch aber ist von dem Zug nichts zu sehen. Ob er fahren kann oder nicht, darüber gab es ein langes Tauziehen zwischen den Behörden in Österreich und in Rumänien. Die rumänischen Frauen sind so genannte „24-Stunden-Pflegekräfte“, in Österreich werden sie dringend gebraucht. Denn dort pflegen sie alte oder kranke Menschen im Schichtbetrieb. Heißt: ein bis zwei Monate am Stück, rund um die Uhr. Dann löst sie eine andere Pflegerin ab. Von dem Geld, das sie in Österreich verdienen, ernähren sie ihre Familie zuhause in Rumänien.

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24-Stunden-Pflegekräfte aus Rumänien für Österreich

Beitrag: Christian Limpert

Kamera: Thomas Ciulei

Videobearbeitung: Thomas Wachholz

Für Mariana ist es deshalb eine Fahrt mit gemischten Gefühlen. Ihren Nachnamen will die Pflegerin nicht verraten. „Gerade bin ich emotionslos“, sagt sie. „Ich lasse meine zwei Kinder zurück in Rumänien. Aber mit dem Geld, das ich verdienen werde, versorge ich sie“. Direkt hinter ihr wartet Elena Munteanu. Normalerweise fährt sie nur für kurze Erholungsphasen zurück nach Rumänien. Dort aber saß sie jetzt fest, seit Beginn der Corona-Krise. Ohne Möglichkeit, Geld zu verdienen.

„Ich kann es kaum abwarten, zu fahren. Bisher war ich es nur gewohnt, maximal zwei Monate am Stück zu Hause zu bleiben und in Österreich wartet meine Kollegin schon ungeduldig, dass ich sie ablöse.“

Elena Munteanu, 24-Stunden-Pflegekraft

Nach Angaben der Wirtschaftskammer sind 33.000 Menschen in Österreich auf eine Pflege rund um die Uhr angewiesen. Um sie zu versorgen, bedarf es etwa 60.000 Pflegekräfte. Fast alle von ihnen kommen aus dem Ausland, rund die Hälfte aus Rumänien. So wichtig deren Arbeit auch ist, so schlecht sind oft die Bedingungen. Die Frauen müssen bei den Agenturen, die sie an private Haushalte vermitteln, oft Inkassovollmachten unterschreiben. Vereinbarte Boni würden nicht ausgezahlt.

 

Mit großem Einsatz hatte sich die Europaministerin Österreichs, Karoline Edtstadler (ÖVP), um die Sonderzüge bemüht, die die Pflegerinnen zunächst nach Wien bringen sollen. Vor allem die behördlichen Genehmigungen seien ein Problem gewesen, sagt die Ministerin. Vereinbart sind nun vorerst insgesamt sechs Züge.

 

Der erste ist inzwischen am Bahnhof Temeswar eingetroffen. 300 Pflegekräfte hätten darin Platz, tatsächlich mitfahren werden nur 80. Die Abfahrt am Abend: pünktlich. Am nächsten Morgen erreicht der Zug den Bahnhof Wien-Schwechat. Eskortiert von der Polizei werden die Pflegerinnen zunächst in Hotels gebracht, von dort aus geht es weiter, nach Kärnten, ins Burgenland, sogar bis nach Tirol und Vorarlberg. In der Debatte über die schlechten Arbeitsbedingungen gibt es derweil nichts Neues. Auch Elena Mecei, eine der angekommenen Pflegerinnen, bestätigt, dass sie sich in Österreich andere Arbeitsbedingungen wünschen würde. „Aber das ist halt meine Arbeit“, sagt die Frau. Für sie geht es weiter ins Burgenland. Ihre Kollegin, die sie nun ablöst, sei mehr als drei Monate im 24-Stunden-Dienst gewesen. Das sei nicht mehr tragbar gewesen, sagt sie.

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