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Trotz der ersten Lockerungen kontrolliert die Polizei den Hauptplatz Pristinas. Es ist verboten, sich in Gruppen auf dem Platz aufzuhalten. Foto: BR | Besnik Hamiti

Massive Einbrüche auf den Arbeitsmärkten
Aktuelle Coronavirus Situation in Südosteuropa und Österreich

Nahezu zwei Monate nach Ausbruch der Corona-Pandemie machen sich die sozialen und wirtschaftlichen Folgen teilweise dramatisch bemerkbar: In einigen Branchen brechen die bisherigen Geschäftsmodelle komplett zusammen, die Arbeitslosenzahlen steigen in einem oftmals rasanten Tempo an. Regierungen verschulden sich durch die Corona bedingten Rettungsmaßnahmen für Unternehmen und Beschäftige massiv, alle ursprünglichen Haushaltsplanungen müssen buchstäblich über den Haufen geschmissen werden. Jetzt, in der Corona-Krise, treten allerdings auch die bisherigen Unterschiede deutlicher denn je zutage: Hier unser Überblick:

ALBANIEN - Bis zu 90 Prozent der Produktion läuft

Albanien gehörte zu den ersten Ländern, die sehr drastische Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie ergriffen haben. Unter dem Eindruck der Lage im benachbarten Italien war der Regierung mit dem Auftauchen des ersten Covid-19-Falls am 9. März klar, dass sie eine Infektionswelle wie in der italienischen Lombardei mit der vorhandenen medizinischen Infrastruktur nicht bewältigen könnten. Zwei Finanzpakete wurden sehr rasch versprochen und in Kraft gesetzt. Mit dem ersten Hilfspaket wurden 64.000 Familien und Personen unterstützt: Arbeitslose, kleinere Familienbetriebe, sowie Beschäftigte, deren Betriebe wegen der Corona-Pandemie geschlossen wurden. Mit dem zweiten Finanzpaket hat die albanische Regierung nicht nur diese finanzielle Unterstützung fortgesetzt, sondern auch den Wirtschaftsunternehmen einen Fonds der Garantie in Höhe von 100 Mio. Euro angeboten. Unter diesen Bedingungen und ausgehend von der Tatsache, dass die Corona-Pandemie eine flache Kurve hat, hat die albanische Regierung beschlossen, die Wirtschaft Schritt für Schritt zu „befreien“. Nach Angaben von Regierungschef Edi Rama arbeiten derzeit 85 bis 90 Prozent der Produktionsbetriebe. Albanien hat keine große Industrie: die meisten arbeitsfähigen Albanerinnen und Albaner arbeiten im Dienstleistungssektor, in der Nahrungsmittelindustrie, in der Bauwirtschaft und vor allem in der Textilverarbeitung sowie in Call Centern. Die Landwirtschaft trägt zu über 21 Prozent zum Bruttosozialprodukt bei. Bei der Auszahlung der Finanzpakete ist die albanische Bürokratie zügig: So sind nach Angaben der Steuerbehörde in Tirana über 87.000 Anträge angenommen und 78.000 bereits ausbezahlt worden. Nur 3,5 Prozent der Anträge auf eine finanzielle Unterstützung seien abgelehnt worden.

Angesichts dieser Umstände hat die albanische Regierung beschlossen, die sogenannte „grüne Landkarte“ mit neuen Städten und Gemeinden zu erweitern, in denen keine Covid-Fälle registriert worden sind. Seit dem 4. Mai gelten in 25 Städten und Gemeinden weitere Lockerungen: Dort können sich Rentner zwischen 6.00 und 8.30 Uhr nach draußen begeben, die anderen Bürgerinnen und Bürger dürfen zwischen 9.30 bis 17.30 alleine ins Freie, nicht in Gruppen. Auch die privaten Fahrzeuge dürfen in dieser Zeitspanne innerhalb der eigenen Stadt und mit einer Polizei-Genehmigung fahren – so heißt es in der Entscheidung des Nationalen Experten-Komitees. Gesundheitsministerin Ogerta Manastirlliu stellte zu Beginn dieser Woche die Strategie der allmählichen Lockerung vor. Sie kündigte an, dass ab dem 11. Mai weitere Branchen öffnen werden, wie die Friseure, Zahnarztkliniken und Geschäfte bei den großen Handelszentren. Ein erhebliches Problem ist der Unterricht. Die Universitäten, Schulen und Kindergärten sind seit dem 10. März geschlossen. Der Unterricht wird online gemacht. Alle StudentInnen, die in diesem akademischen Jahr ihren Abschluss machen, werden im Juni für drei bis vier Wochen in die Vorlesungssäle zurückkehren. Auch die AbiturientInnen kehren nach dem 18. Mai in die Schulen fakultativ zurück, um sich auf die Prüfungen vorzubereiten. Alle anderen Schülerinnen und Schüler setzen ihren Unterricht online fort und können erst im September an ihre Schulen zurückkehren.  Die Ausgangssperre ist gültig: Die Rentner dürfen während der Woche die Wohnung nicht verlassen, nur für zwei Stunden, um einzukaufen. Die Geschäfte schließen um 17:30 Uhr. Bars, Hotels und Restaurants bleiben weiterhin geschlossen. Die Bewegung von einer Stadt zur anderen ist unverändert verboten.

Mitarbeit: Astrit Ibro

AKTUELLE DATEN ALBANIEN
(07.05. – 11.00 Uhr) 

Testungen: 9.806 (8.253)

Infizierte: 842 (773)

Genesene: 605 (470)

Verstorbene:  31 (31)

(in Klammern stehen die Zahlen der Vorwoche)

BOSNIEN UND HERZEGOWINA - Stärker steigende Arbeitslosigkeit in der Föderation, geringere Jobverluste in der Republika Srpska

Die offiziellen Arbeitslosenzahlen liegen bei knapp 30.000, doch sie zeigen nicht das ganze Bild: Sehr viele Menschen haben vor der Corona-Pandemie „schwarz“ gearbeitet, ohne bei Kranken- und Sozialversicherungen angemeldet zu sein. Diese Personen dürften mit hoher Wahrscheinlichkeit auch ihren Job verloren haben. Ende 2019 waren insgesamt 830.000 ArbeitnehmerInnen gemeldet. Am härtesten trifft es die ArbeitnehmerInnen im Gastgewerbe, in der Holzverarbeitung und Textilindustrie sowie im Servicesektor. Deren Arbeitsverträge waren nach Angaben des Präsidenten der Allianz der Unabhängigen Gewerkschaften von Bosnien und Herzegowina, Selvedin Šatorović, befristet. In den beiden Entitäten zeigen sich auch bei den Hilfsmaßnahmen deutliche Unterschiede: In der Föderation BiH trat erst Anfang dieser Woche das sogenannte „Corona-Gesetz zur Abschwächung der negativen Folgen der Pandemie“ in Kraft. Das Ergebnis: Erst mit diesem Gesetz ist es möglich, alle Arbeitnehmer unabhängig von der Angestelltenzahl zu unterstützen, die vor der Pandemie Steuern und Abgaben entrichtet haben. In der Föderation waren zum 01.05. offiziell 26.511 Menschen registriert, die ihre Arbeit in der Corona-Krise verloren haben. Derzeit sind in der Föderation 510.000 ArbeitnehmerInnen bei der Steuerbehörde gemeldet. In der Republika Srpska (RS) haben nach offiziellen Angaben circa 2.000 Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz im Zuge der Corona-Pandemie verloren. Die Regierung der RS hat für März und April die Steuern und Abgaben aller ArbeitnehmerInnen übernommen. Die Arbeitgeber hingegen müssen den monatlichen Mindestlohn von umgerechnet 260 Euro den ArbeitnehmerInnen auszahlen. Der Gesamtstaat BiH hat nach Gesprächen mit der EU und dem Internationalen Währungsfonds eine Kredithöhe von 330 Millionen Euro zur Bekämpfung der Coronakrise vereinbart. Von der EU erhält BiH 250 Millionen Euro für den gleichen Zweck.

Das Alltagsleben kehrt schrittweise zurück: In der Föderation gibt es keine nächtlichen Ausgangssperren mehr. Senioren und Minderjährige können dreimal in der Woche ihre Wohnungen verlassen. Seit Montag sind kleine Geschäfte, Handwerker wie Friseure, sowie Schönheitssalons wieder geöffnet, unter Einhaltung strenger hygienischer Bedingungen. In der Republika Srpska ist die Corona-Lage schlechter als in der Föderation. Es wird vermutet, dass es dort wesentlich mehr Infizierte gibt, in Folge der Feiern und Partys während des orthodoxen Osterfestes. In der RS ist die nächtliche Ausgangssperre immer noch in Kraft, allerdings seit dem 07.05. „nur“ noch von 22 Uhr bis 05 Uhr, statt bereits ab 20 Uhr. Am Montag nächster Woche können Kindergärten, Friseure, Kneipen, Restaurants, Fitnesszentren und private Zahnarztpraxen wieder öffnen. Die Islamische Gemeinde BiH hat am Mittwoch die Moscheen für Gläubige geöffnet, allerdings nur für die Tagesgebete, unter Beachtung der aktuellen Schutzmaßnahmen. Die Moscheen in BiH waren am 17.März geschlossen worden. Die Hotels, Kinos, Theater und Kinderspielplätze bleiben im ganzen Land geschlossen. – Für tagelange Schlagzeilen und einen großen Shitstorm sorgte eine Party mit Promis und ohne Einhaltung der Schutzmaßnahmen. So hat ein angesehener Arzt und Chef einer Klinik in Sarajevo eine Geburtstagsparty (mit Alkohol im Ramadan) gefeiert, mit dem Bundesminister für Außenhandel BiH (einem serbischen Politiker der regierenden Partei in der RS), dem Dekan der Fakultät für Tiermedizin, der zugleich auch Mitglied der Wissenschaftlichen Gruppe für die Verfolgung und Analyse der Corona-Lage ist und einigen prominenten Sängern. Nachdem die Polizei erschienen war, musste jeder Partygast 250 Euro und der Restaurantbesitzer 3300 Euro Strafe zahlen. Der Klinikchef und der Corona-Experte wurden von ihren Positionen abgelöst, das Schicksal des Ministers ist noch unklar.

Mitarbeit: Eldina Jasarevic

AKTUELLE DATEN BOSNIEN UND HERZEGOWINA
(07.05. – 12.30 Uhr)

Testungen: 38.187 (30.793)

Infizierte: 2.036 (1.757)

Genesene: 954 (727)

Verstorbene: 90 (69)

(in Klammern stehen die Zahlen der Vorwoche)

BULGARIEN - Geringer Anstieg der Arbeitslosigkeit – Staat übernimmt 60 Prozent der Löhne und Sozialabgaben

Bislang schlagen sich die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie nur recht mild auf den Arbeitsmarkt aus: Ende April betrug die Arbeitslosenquote 6,7 Prozent. Das ist ein Anstieg um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat und ein Anstieg um 0,8 Prozent im Vergleich zum April 2019. Seit Ausrufung des Notstands am 13.03. meldeten sich rund 91.000 Beschäftigte bei den Behörden als arbeitslos. Die Regierung unterstützt die Unternehmen und Betriebe mit erheblichen Finanzmitteln: So übernimmt die Regierung mit ihrer sogenannten „60/40-Regelung“ 60 Prozent der Sozialversicherungsabgaben und 60 Prozent der Löhne. Die Arbeitgeber sind für die restlichen 40 Prozent der Sozialversicherungsabgaben und 40 Prozent der Löhne verantwortlich. Bis Ende April haben 9.000 Arbeitgeber von diesem Angebot Gebrauch gemacht. Auch mit weiteren Maßnahmen versucht die bulgarische Regierung, die Wirtschaft in Corona-Zeiten zu unterstützen: Der Bauindustrie wird die rasche Umsetzung großer Infrastrukturprojekte in Aussicht gestellt, die bereits geplant worden sind: Autobahnen, Schnellstraßen, Wasserwege, Dämme. Diese Projekte würden aus dem Staatshaushalt sowie aus EU-Mitteln finanziert. Ebenfalls wird die lokale Landwirtschaft mit staatlichen Investitionen unterstützt. Mit Blick auf die sehr wichtige Tourismus-Branche setzt auch Bulgarien auf die Förderung der heimischen Gäste: Für die Ferienzeit werden kostenlose Voucher für Ferien in Bulgarien verteilt, an Einwohner, die ihre Steuern nachweislich zahlen. Die Details würden noch ausgearbeitet werden, hieß es.

Der nationale Notstand wird am 13. Mai aufgehoben. Dennoch wird ein Großteil der Maßnahmen in Kraft bleiben. Zu den Lockerungen zählen, dass Gesichtsmasken nicht mehr länger bei Aufenthalten im Freien verpflichtend sind, sondern nunmehr nur bei Aufenthalten in öffentlichen Räumen. Parks und Bergregionen werden wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Bars und Restaurants dürfen ihre Außenplätze wieder bewirtschaften. Die Checkpoints, mit denen der Zugang zu den größeren Städten kontrolliert wurde, werden landesweit aufgehoben. Der Schulunterricht bleibt online, nur die Klassen 7 und 12 werden zurückkehren können, um ihre Abschlüsse zu machen. Die Kindergärten bleiben geschlossen. Nach Angaben des Gesundheitsministers Kiril Ananiev werden zusätzliche Schutzmaßnahmen für Ärztinnen und Ärzte getroffen. Seit Ausbruch der Pandemie sind 182 Mediziner sowie Pflegerinnen und Pfleger infiziert worden, das entspricht zehn Prozent der Gesamtanzahl der Infizierten. Erst in dieser Woche sind zwei Ärzte an Covid-19 verstorben, die sich bei der Ausübung ihrer Tätigkeit mit dem Virus infiziert hatten.

Mitarbeit: Ekaterina Popova und Camelia Ivanova

AKTUELLE DATEN BULGARIEN
(06.05.2020 12:00 Uhr)

Testungen: 52.931 (45.208)

Infizierte: 1.811 (1.488)

Genesene: 384 (266)

Verstorbene: 84 (65)

(in Klammern stehen die Zahlen der Vorwoche)

KOSOVO - Viele Betriebe befürchten Konkurse – Regierung zahlt Mindestlöhne aus

Obgleich für das erste Quartal 2020 keine offiziellen Arbeitsmarktdaten vorliegen, zeigt sich die geschäftsführende Regierung Kurti zuversichtlich, dass sie mit ihren Finanzhilfen (170 Millionen Euro) einen beträchtlichen Teil der „informellen“, grauen Wirtschaft (die rund 35 Prozent der Produktion darstellt) seit der Corona-Krise verringert hat. Der Grund: Unternehmen, die ihre Arbeitnehmer coronabedingt als arbeitslos melden, erhalten finanzielle Unterstützung. Auf der Grundlage des Nothilfegesetzes erhalten Menschen, die ihren Job verloren haben, Familien, die kein eigenes Einkommen haben, Pflege- und medizinisches Personal, Arbeitnehmer in Bäckereien und Apotheken in den Monaten April und Mai jeweils 170 Euro. Dies entspricht dem Mindestlohn im Kosovo. Zudem übernimmt die Regierung zu 50 Prozent die Mietkosten von Läden und kleineren Geschäften. Laut einer Umfrage, die von fünf Unternehmerverbänden im April erhoben wurde, blickt die Privatwirtschaft äußerst skeptisch in die Zukunft: Über 90 Prozent der befragten Unternehmen sagten, dass ihre Umsätze aufgrund der restriktiven Corona-Einschränkungen zurückgegangen seien, um mehr als drei Viertel, wie knapp 50 Prozent von ihnen mitteilten. Jeder vierte Betrieb habe seine Geschäftsaktivitäten komplett einstellen müssen, 60 Prozent befürchten, dass sie geschäftlich die Pandemie nicht überleben werden. Ein Großteil der Privatwirtschaft ist dieser Umfrage zufolge unzufrieden mit der Regierung: Deren Corona-Entscheidungen seien nicht klar und eindeutig kommuniziert worden.

Seit dem 13.03. hatten 44 Tage lang die Infizierungszahlen zugenommen, seit zehn Tagen ist dieser Trend gebrochen: Die Anzahl der Genesenen übersteigt die Anzahl der Infizierten: Derzeit gibt es 327 aktive Fälle, 533 Menschen sind wieder genesen. Seit dem 04.05. hat die geschäftsführende Regierung einige Maßnahmen wieder aufgehoben: So sind seitdem kleinere Geschäfte, Bau- und Immobilienfirmen, Autogeschäfte und Beratungsunternehmen wieder geöffnet. Einwohner dürfen mittlerweile zweimal pro Tag für insgesamt drei Stunden ihre Wohnungen verlassen. Die Quarantäne für die Städte Pristina, Prizren, Ferizaj, Nord Mitrovica, Klina und Vitia ist aufgehoben worden, denn: Das Verfassungsgericht hat zum zweiten Mal in Folge entschieden, dass die Quarantäne-Maßnahmen der Regierung nicht rechtmäßig gewesen seien. Ab dem 18.05. sollen die Verkehrsbetriebe, Lebensmittelmärkte, Frisörläden, Zahnärzte und Fastfood-Betriebe wieder öffnen.

Mitarbeit: Besnik Hamiti und Dardan Sadriu

AKTUELLE DATEN KOSOVO
(07.05. – 09.00 Uhr)

Testungen: 9.085 (7.180)

Infizierte: 860 (799)

Genesene: 533 (249)

Verstorbene: 26 (22)

(in Klammern stehen die Zahlen der Vorwoche)

KROATIEN - Massive Finanzhilfen für Unternehmen und Arbeitnehmer – große Sorge um Tourismus im Sommer

Die kroatische Regierung hat zu Beginn der Corona-Pandemie betont, dass sie in erster Linie mit all ihren Maßnahmen Arbeitsplätze sichern und erhalten möchte. Arbeitsplätze seien der Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg. Grund dafür ist nicht nur die Sorge um den Tourismus-Sektor, dessen Erfolg stark von Qualität und Engagement der über 100.000 Beschäftigten abhängt, und der rund 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht. Mit einem Sofortprogramm erhalten seit Mitte März Unternehmen, die aufgrund der Corona-Pandemie mehr als 20 Prozent Umsatzeinbußen im Vergleich zum Vorjahr haben, zügig und unbürokratisch für jeden Arbeitnehmer einen Gehaltszuschuss in Höhe von 4.000 Kuna (530 Euro) bis Mai. Dann ist eine Verlängerung der Maßnahmen bis August geplant. In diesem Zusammenhang können Unternehmen auch die Stundung der Sozialabgaben beantragen. Mittlerweile werden monatlich 200 Millionen Euro für rund 500.000 Arbeitnehmer (in 84.000 Unternehmen) aus der Staatskasse gezahlt. Darüber hinaus bieten staatliche Finanzinstitute aber auch Privatbanken Unternehmen Liquidität- und Refinanzierungskredite mit günstigen Zinssätzen (0,25 – 1%) an. So hielt sich anfangs der Anstieg der Arbeitslosenzahl in Grenzen: Im März dieses Jahres waren 143.000 Arbeitslose gemeldet, im Vergleich zum gleichen Monat im Vorjahr sogar 2.000 weniger. Aber die Lage scheint sich nun in den kommenden Monaten dramatisch zu verändern. Denn während in den Monaten April, Mai und Juni (Beginn der Tourismus-Saison) in den vergangenen Jahren 30.000 bis 40.000 Menschen Arbeit gefunden hatten, haben jetzt genau entgegengesetzt im April rund 17.000 Menschen ihren Arbeitsplatz verloren. Aktuell gibt es 159.208 gemeldete Arbeitslose (Arbeitslosenquote 8,6%). Falls der Tourismus ausbleibt und der Staat ab Sommer nicht mehr die Zuschüsse zahlt, befürchten viele den Kollaps der kroatischen Wirtschaft.

In den letzten Tagen liegt die Zahl der täglichen Neuinfektionen in der Regel unter 10 Personen, während die Zahl der Geheilten täglich um ein Vielfaches höher liegt. So wird auf den wieder belebten Straßen in den Städten – oft ohne Mindestabstand – hitzig darüber debattiert, dass ja rein rechnerisch in zwei, drei Wochen nahezu niemand mehr infiziert sei!

 

Trotz Lockerung der bisherigen Maßnahmen kritisiert der Chef-Epidemiologe immer wieder die Sorglosigkeit in der Bevölkerung und warnt vor der zweiten Pandemie-Welle im Herbst. Ab kommendem Montag dürfen Gastronomiebetriebe mit Terrassen-Betrieb aufsperren. Aber da sie aufgrund der Hygiene-und Mindestabstands-Vorschriften nur einen Bruchteil ihrer Außenplätze aufstellen dürfen, werden viele Cafés geschlossen bleiben, weil sie so nicht einmal ihre Unkosten decken könnten, wie Verbandsvertreter bemängeln. Endlich ist auch die Entscheidung gefallen, dass die Abitur-Prüfungen (Zentral-Abitur) wie geplant im Juni stattfinden sollen. Einen geregelten Schulbetrieb wird es bis zum Beginn der Sommerferien dahingegen nicht geben, erklärt das Bildungsministerium.

Mitarbeit: Gordan Godec

AKTUELLE DATEN KROATIEN
(07.05. – 15.00 Uhr)

Testungen: 41.938 (36.221)

Infizierte: 2.125 (2.076)

Genesene: 1.641 (1.348)

Verstorbene: 86 (69)

(in Klammern stehen die Zahlen der Vorwoche)

MONTENEGRO - Hauptsorge gilt den Einbußen im Tourismus

Montenegros Wirtschaft wird dieses Jahr nach Einschätzungen der Weltbank, des Internationalen Währungsfonds und Ratingagenturen wie Standard & Poor’s zwischen 6 und 9% schrumpfen. Besonders betroffen ist der Tourismus, der zum BIP des Landes mit bis zu 25% beiträgt. Die Staatsverschuldung, die Ende 2019 77,3% des Bruttoinlandsprodukts betragen hat, wird voraussichtlich auf 90% steigen. Seit Beginn der Krise haben etwa 4.840 Menschen ihre Arbeit verloren, sodass die Zahl der Arbeitslosen auf 40.360 angestiegen ist. Die auch bis dahin relativ hohe Arbeitslosigkeit stieg von 15,3% auf 17,4%. Die Regierung hat innerhalb kurzer Zeit, am 09.04. und am 24.04., zwei Hilfspakete für die Wirtschaft bereitgestellt. Im ersten Anlauf schnürte die Regierung ein Paket in Höhe von 100 Millionen Euro. Im zweiten Anlauf waren es „nur noch“ 75 Millionen. Im europäischen Vergleich sehen diese Zahlen sicherlich recht bescheiden aus, aber es darf nicht vergessen werden, dass es sich um ein kleines postkommunistisches Land mit etwa 630.000 Einwohnern handelt, die im Durchschnitt 510 Euro im Monat verdienen und dessen Bruttoinlandsprodukt knapp 5 Milliarden Euro beträgt. Obwohl Montenegro die Corona-Krise hervorragend gemeistert hat (geringste Zahl der Infizierten und Verstorbenen europaweit), seit Tagen einen oder keinen neuen Fall der Neuinfektionen meldet und seine Strände bereits am 18. Mai öffnen will, geht die ganze Tourismusbranche von enormen Einbußen aus. Man rechnet, optimistisch gesehen, dass die Verluste im wichtigsten Wirtschaftszweig des Landes bis zu 70% der Vorjahres-Saison betragen könnten.

Der neueste Bericht der Nichtregierungsorganisation „Freedom House“ stuft Montenegro als ein „hybrides Regime“ ein, also keine Demokratie mehr. Genauso wurden übrigens auch Serbien und Ungarn eingestuft. Es wundert nicht, dass in den montenegrinischen unabhängigen Medien dieser Bericht sogar die Corona-Krise überschattet. Der Bericht „Nations in Transit“ spricht davon, dass in Montenegro (und Serbien) die demokratischen Standards untergraben werden. Es wird angeführt, dass nach „Jahren zunehmender staatlicher Vereinnahmung, Machtmissbrauchs und Strongman-Taktiken“ der Präsidenten Djukanović (Montenegro) und Vučić (Serbien), diese zwei Staaten nicht mehr als Demokratien kategorisiert werden. Zselyke Csaky, Research Director, Europe & Eurasia, erklärte gegenüber BIRN (Balkan Investigative Reporting Network), dass beide Balkanländer über einen schwachen institutionellen Staatsapparat verfügen. Bezogen auf Montenegro wurden negative Entwicklungen in der Unabhängigkeit der Justiz, Medienfreiheit und Korruption festgestellt.

Die regierende Demokratische Partei der Sozialisten (DPS) Montenegros habe staatliche Institutionen und das Justizsystem unter voller Kontrolle. Das sollte aber auch niemanden wundern, bedenkt man, dass diese Partei seit der Auflösung des Kommunismus und der Einführung des Mehrparteiensystems kein einziges Mal abgewählt wurde. Genauso einzigartig ist die politische Figur von Präsident Milo Djukanović, der seit 30 Jahren fast ununterbrochen, mal als Präsident, mal als Premierminister, das kleine Balkanland regiert. Das macht den Montenegrinern niemand in Europa nach, Demokratie hin oder her.

Mitarbeit: Zoran Ikonic und Dejan Stefanovic

AKTUELLE DATEN MONTENEGRO
(07.05. – 10.00 Uhr)

Testungen: 8.211 (6.986)

Infizierte: 324 (322)

Genesene: 261 (206)

Verstorbene: 8 (7)

(in Klammern stehen die Zahlen der Vorwoche)

NORDMAZEDONIEN -  Hilfspaket für Unternehmen und Arbeitnehmer nur über neue Milliardenkredite finanzierbar

Die drastischen Einschränkungen bei der Bekämpfung der Pandemie haben ihre Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen: Von einer Branche zur nächsten breiteten sich die negativen Effekte des Notstandes aus. Viele Unternehmen waren gezwungen, ihren Betrieb einzustellen, vor allem in der Tourismusindustrie und Gastronomie. Nach der Ausrufung des nationalen Notstands sank der Aktienindex an der Börse in Skopje um 30 Prozent. Nach Angaben der Behörden haben in den Monaten März und April knapp 10.000 Beschäftigte ihren Job in Folge der Corona-Pandemie verloren. In absoluten Zahlen ausgedrückt: Derzeit sind 115.000 Menschen arbeitslos gemeldet, im Januar diesen Jahres 105.000. Nicht enthalten in der offiziellen Statistik sind die Beschäftigten in Handwerk und Catering: Deren Vertreter haben erklärt, dass 40.000 Arbeitsplätze gefährdet seien und ein Großteil der Beschäftigten bereits entlassen worden sei. Allein im Catering-Bereich hätten mehr als 15.000 Arbeitnehmer ihre Anstellung verloren. Drei Viertel der nordmazedonischen Arbeitnehmer und Firmen seien von der Corona-Krise betroffen, wie das Institut für Wirtschaftsforschung „Finance Think“ mitteilt. Die geschäftsführende Regierung stellte daher ein Maßnahmenpaket auf, das den Arbeitgebern verbilligte Kredite zur Verfügung stellte und die Auszahlung des Mindestlohns an die Arbeitnehmer. Diese Finanzhilfen kosten den Staatshaushalt rund zwei Milliarden Euro, die nicht in der Haushaltsplanung vorgesehen waren. Daher muss sich Nordmazedonien auf den internationalen Kapitalmärkten um die Aufnahme dieser zwei Milliarden Euro bemühen, was derzeit sehr schwierig sein dürfte.

Mitarbeit: Schaban Bajrami, Sasko Golov und Lyubisha Nikolovski

AKTUELLE DATEN NORDMAZEDONIEN
(07. 05. 13.00 Uhr)

Testungen: 18.186 (16.436)

Infizierte: 1.572 (1.465)

Genesene: 1.079 (738)

Verstorbene: 89 (77)

(in Klammern stehen die Zahlen der Vorwoche)

ÖSTERREICH -  Arbeitslosenzahl auf historischem Höchststand

Wenn an diesem Freitag die Finanzminister der Eurogruppe in einer Videokonferenz darüber diskutieren, wie der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) zur Unterstützung der EU-Mitglieder in der Corona-Pandemie eingesetzt und wie die Auswahlverfahren dafür durchgeführt werden, dann geht es besonders auch für Österreich um einiges. Experten gehen für das laufende Jahr von einem wirtschaftlichen Absturz beim Bruttoinlandsprodukt von 5,5 Prozent aus. Dass es im Jahr darauf dann wieder um fünf Prozent bergauf gehen soll, darauf mag sich niemand verlassen. Denn keiner weiß im Moment, wie schlimm es in den für Österreich wichtigen Schlüsselbereichen, wie etwa im Tourismus und in der Freizeitindustrie, tatsächlich werden wird.

Was aber bedeutet das für den Wirtschaftsstandort Österreich, vor allem für die Arbeitnehmer und ihre Arbeitssituation? Die Linzer Johannes Kepler Universität hat dazu äußerst düstere Prognosen erarbeitet, vor allem was die Aussichten für die jungen Österreicherinnen und Österreicher betrifft. Demnach könnte sich die Jugendarbeitslosigkeit durch die Pandemie in diesem Jahr aufgrund der Coronakrise fast verdoppeln. Waren es vor der Krise 44.000 arbeitslose Jugendliche, so rechnen die Linzer Wissenschaftler mit einem Ansteigen auf knapp 80.000. Insgesamt erreichte die Arbeitslosigkeit in Österreich im vergangenen Monat April aufgrund der Coronakrise einen neuen historischen Höchststand: Über 571.000 Personen hatten Ende April keinen Job, die Arbeitslosenquote war auf 12,8 Prozent gestiegen. Gleichzeitig wurden 104.000 Kurzarbeitsanträge für 1,2 Millionen Menschen gestellt. Der österreichische Arbeitsmarkt-Service (AMS) hatte mit 1. Mai 91.460 Anträge für Corona-Kurzarbeit von Unternehmen mit einer Bewilligungssumme von fast 8,8 Milliarden Euro genehmigt.

Laut aktuellster Modellrechnung der AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) liegt die sogenannte effektive Reproduktionszahl bei 0,67. Damit ist der Wert im Vergleich zu letzter Woche stabil geblieben. Eine infizierte Person konnte im Modell 0,67 weitere hypothetische Personen anstecken. Im selben Zeitraum ging laut Modell die Zahl der Neuinfizierten auf einen Zeitraum von 13 Tagen gerechnet um täglich 4,2 Prozent zurück. Die effektive Reproduktionszahl ist damit etwas höher als vor einer Woche (0,63), aber das ist darauf zurückzuführen, dass die Zahl der täglichen Neuinfektionen auf vergleichsweise niedrigem Niveau stabil geblieben ist.

AKTUELLE DATEN ÖSTERREICH
(07.05. – 16.00 Uhr)

Testungen: 297.894 (256.399)

Infizierte: 15.667 (15.401)

Genesene: 13.698 (12.907)

Verstorbene: 609 (584)

(in Klammern stehen die Zahlen der Vorwoche)

RUMÄNIEN - Hohe Aufwendungen für Verlust von Arbeitsplätzen

Die Corona-Pandemie trifft die rumänische Wirtschaft massiv: Nach Prognosen der EU-Kommission dürfte es zu einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um sechs Prozent kommen und einem Haushaltsdefizit von über neun Prozent des BIP. Die Regierung von Ministerpräsident Ludovic Orban blickt ein wenig optimistischer in die nächste Zukunft: Sie rechnet mit einem Rückgang um nur 1,9 Prozent. Die Arbeitslosigkeit werde, so die Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF), in diesem Jahr bei 10,1 Prozent liegen, 2021 allerdings, zeitgleich mit einem Wiederaufschwung der Wirtschaft, auf rund sechs Prozent zurückgehen. Seit Beginn des Notstands am 16.03. sind nach Angaben des Arbeitsministeriums über 300.000 Arbeitsverträge gekündigt worden. Wegen der Corona-Maßnahmen sind insgesamt mehr als eine Million Arbeitnehmer zeitweilig arbeitslos geworden und erhalten für diese Periode vom Staat Arbeitslosengeld in Höhe von 75 Prozent ihres Gehalts ausgezahlt, bis maximal 75 Prozent des rumänischen Durchschnittslohns (5.400 Lei, umgerechnet rund 1.130 Euro). Sehr aufmerksam geht Arbeitsministerin Violeta Alexandru Meldungen nach, wonach manche Unternehmen den Staat zu betrügen versuchen, indem sie zwar die 75prozentige Lohnzahlung vom Staat für Arbeitslosenhilfe kassieren, aber die Arbeitnehmer weiter beschäftigen. Aufschlussreich sind die Umfrageergebnisse der Meinungsforschungsinstituts IRSOP, die Ende April veröffentlicht wurden: Danach betrachten über 70 Prozent der Befragten den Absturz der Wirtschaft als eine größere Gefahr als die Pandemie selber. Die Mehrheit der Bevölkerung konnte im April ihren Lebensstandard halten, 38 Prozent beklagten den Rückgang ihres Einkommens und 19 Prozent waren direkt oder über Familienmitglieder von Arbeitslosigkeit betroffen. Die Corona-Krise habe die Rumänen solidarischer werden lassen, meinten 41 Prozent. Die Arbeit der Regierung Orban finden 55 Prozent gut und sehr gut, 80 Prozent sind davon überzeugt, dass der Staat durch die Notstandsmaßnahmen die Gesundheit der Menschen schützen und nicht die bürgerlichen Freiheiten einschränken wolle.

Staatspräsident Klaus Iohannis bleibt bei der Aufhebung des Notstands und einer ersten, leichten Lockerung der Einschränkungen zum 15. Mai, obwohl er selber einräumt, dass die Erkrankungen nicht weniger werden. Der Notstand werde von einem „Alarmzustand“ („stare de alertă“) ersetzt. Experten, darunter der Gesundheitsminister, wiesen am vergangenen Wochenende warnend darauf hin, dass die Erkrankungen weiterhin zunehmen. Iohannis gibt zu, dass sich „die Situation nicht verbessert“ habe. Man „müsse jedoch zu einem gewissen Zeitpunkt weitergehen“. Ausgangsbeschränkungen innerhalb der Ortschaften werden teilweise aufgehoben. Erklärungen über Zweck und Ziel des Ausgangs werden nicht mehr nötig sein. Ausgang wird weiterhin nur in Gruppen von maximal drei Personen gestattet. Museen, Zahnarztpraxen und Friseursalons werden wieder aufmachen können. Die Maskenpflicht in geschlossenen Räumen und im öffentlichen Verkehr bleibt bestehen. Reisen zwischen verschiedenen Ortschaften werden nur eingeschränkt möglich sein. Profisportler dürfen trainieren, öffentlich Sportereignisse mit Publikum sind aber weiterhin untersagt.

Mitarbeit: Herbert Gruenwald

AKTUELLE DATEN RUMÄNIEN
(07.05. – 14.00 Uhr)

Testungen: 226.613 (175.374)

Infizierte: 14.499 (12.240)

Genesene: 6.144 (4.017)

Verstorbene: 876 (695)

(in Klammern stehen die Zahlen der Vorwoche)

SERBIEN -  Schönmalerei im Vorfeld der Wahlen am 21. Juni?

Nach optimistischen Schätzungen der serbischen Staatsführung werde Serbien wegen erfolgreich durchgeführter Finanz- und Wirtschaftsreformen der vergangenen Jahre ungeschorener aus der Krise kommen als viele andere europäische Länder. Gestützt werden die Aussagen von Prognosen des IWF, wonach die serbische Wirtschaft in diesem Jahr ein Minus von nur drei Prozent und 2021 ein kräftiges Wachstum erwarten könne. In diesen Kontext würden sich auch die offiziellen Zahlen hinsichtlich der Corona-Folgen einfügen: Nur etwa 6.000 Menschen hätten sich in den letzten zwei Monaten als arbeitslos gemeldet. Der rapide Anstieg der Arbeitslosigkeit vom Beginn der Epidemie soll dank der Ankündigung eines 5,1 Milliarden Euro schweren Hilfspakets für die Wirtschaft gestoppt worden sein. Zu den Maßnahmen gehört u.a. die direkte Unterstützung von Arbeitgebern, die zur Überbrückung drei Monate lang die Mindestlöhne für ihre Beschäftigten aus der Staatskasse ausbezahlt bekommen werden. 237.000 Arbeitgeber mit über 1,1 Millionen Beschäftigten sollen sich angemeldet haben, die Auszahlung des ersten Mindestlohns soll in diesen Tagen beginnen. Die offizielle Statistik zählt allerdings nur jene Personen, die sich beim Nationalen Arbeitsamt als entlassen registriert haben. Wie viele Serben wirklich wegen der Corona-Krise ohne Arbeit geblieben sind, lässt sich nicht genauer ermitteln. Zumindest noch nicht. Nach Angaben einiger Gewerkschaften liege die Dunkelziffer bei 50.000. Vor allem die genaue Zahl der Entlassenen im privaten Sektor bzw. in den am meisten betroffenen Dienstleistungsberufen sei noch unbekannt. Offen ist auch, wie sich die Rückkehr von etwa 400.000 serbischen Bürgern aus dem Ausland auf den Arbeitsmarkt auswirken wird, die vorübergehend oder dauerhaft ihre Arbeit im Westen verloren haben. Ein großer Teil von ihnen werde, so Experten, mit der Wiederbelebung der dortigen Ökonomien in den Westen zurückkehren wollen, ein Teil werde aber bleiben und sicherlich zum Anstieg der Arbeitslosigkeit in Serbien beitragen. Laut IWF betrug 2019 die Arbeitslosigkeit in Serbien 10,9%, für 2020 werden 13,4% erwartet.

Aufgrund des günstigen Epidemie-Verlaufs hat die serbische Staatsführung den Weg der Normalisierung des Lebens eingeschlagen. Der wichtigste und spürbarste Schritt: Die Aufhebung des Ausnahmezustands und der dazugehörigen, äußerst unpopulären Ausgangssperren, die an Wochenenden jeweils 84 Stunden lang andauerten. Dies wurde am Mittwoch im Parlament beschlossen und tritt ab heute (07.05.) in Kraft. Was Corona nicht verändert hat, sind die demokratischen Zustände in Serbien. Was die mächtige Fortschrittliche Partei (SNS) und ihr Vorsitzender, Präsident Vucic, während des Ausnahmezustands gemacht haben, setzten sie vergangene Woche während und nach der ersten Sitzung des serbischen Parlaments nach Einführung des Ausnahmezustands fort: Einen Wahlkampf unter umfassendem Missbrauch staatlicher Institutionen und bei voller Medienkontrolle, der alle kritischen Stimmen zum Schweigen bringen soll. Repressiv reagierte Vucics Partei auf die allabendlichen, spontanen und friedlichen Aktionen unzufriedener Bürger, die von den Fenstern und Balkonen „mit Lärm gegen die Diktatur“ gegen Vucic reagierten. Trotz offizieller Ausgangssperre schickte die SNS Fußball-Hooligans und Parteiaktivisten auf die Häuserdächer, die ausgestattet mit Fackeln und Lautsprecheranlagen einen der führenden Oppositionellen, Dragan Djilas, diffamieren sollten. Der neue Wahltermin ist der 21. Juni. Die Forderung oppositioneller Parteien nach einer Verschiebung wegen der noch immer dauernden Epidemie und wegen undemokratischer Atmosphäre wurde abgelehnt. In der Abkehr von den strengsten Maßnahmen in die „Normalität“  sehen Kritiker Vucics Wunsch, möglichst schnell Kapital aus der glimpflich überstandenen Corona-Krise zu schlagen. Die Opposition ist gespalten. Die größte oppositionelle Koalition „Allianz für Serbien“ bleibt beim bereits vor über einem Jahr ausgerufenen Boykott. Einige oppositionelle Fraktionen haben schon vor der Krise erklärt, bei den Wahlen anzutreten und werden deshalb „Vucics Opposition“ genannt, die den Wahlen den Anschein von Legitimität geben sollen. Laut Meinungsumfragen kann Vucics Partei unter solchen Umständen mit einem klaren Sieg rechnen.

Mitarbeit: Zoran Ikonic und Dejan Stefanovic

AKTUELLE DATEN SERBIEN
(07.05. – 15.00 Uhr)

Testungen: 122.995 (85.645)

Infizierte: 9.848 (9.009)

Genesene: 2.160 (1.343)

Verstorbene: 206 (179)

(in Klammern stehen die Zahlen der Vorwoche)

SLOWENIEN - Keine massiven Rückgänge am Arbeitsmarkt

Die Arbeitslosigkeit ist momentan noch nicht alarmierend. Das liegt unter anderem an der guten Ausgangssituation: Die Arbeitslosigkeit war niedrig (vier Prozent im Jahr 2019), so dass auch Pendler aus Kroatien und Saisonarbeiter aus anderen europäischen Ländern in Slowenien Arbeit fanden. Die industrielle Produktion wurde auch in dieser Corona-Zeit weitgehend fortgesetzt, so dass es keine erheblichen Rückgänge gab. Nach Angaben des Arbeitsamtes waren Ende April 2020 insgesamt 88.451 Personen als arbeitslos gemeldet. Im April 2019 waren es 73.965. Besonders betroffen sind die Bereiche Tourismus und Gastgewerbe, einige Dienstleistungen sowie Kleinhandel, Verkehrs- und Bauwesen. Mit der Lockerung vieler restriktiven Maßnahmen wird erwartet, dass auch in diesen Branchen die Arbeit wiederaufgenommen wird, und ein Teil der Arbeitslosen wieder Beschäftigung findet. Der Staat springt mit verschiedenen Hilfsmaßnahmen für Arbeitnehmer und Steuererleichterungen für Unternehmer ein, was durch das sogenannte „Megagesetz“ geregelt ist, das Anfang April vom Parlament verabschiedet worden ist. Finanzielle Hilfsmaßnahmen für Arbeitnehmer und Steuererleichterungen für Unternehmer sind bisher in Höhe von drei Mrd. Euro vorgesehen. Das alles wirkt sich natürlich auch auf den Haushalt aus. Es wurde ursprünglich ein Überschuss von 500 Mill. Euro im Staatshaushalt für dieses Jahr geplant. Die aktuellen Prognosen gehen davon aus, dass es ein Defizit in Höhe von 3,7 Mrd. geben wird.

Kaum hat sich die epidemiologische Situation um das Coronavirus etwas beruhigt, beginnt wieder die innenpolitische Debatte. Vier Oppositionsparteien haben am Montag dieser Woche eine parlamentarische Anfrage gegen Wirtschaftsminister Zdravko Pocivalsek eingebracht. Er hatte im März und April große Mengen Schutzmittel (Masken, Handschuhe, Desinfektionsmittel etc.) im Ausland und auch im Inland für die heimischen Bedürfnisse bestellt. Dabei habe er sich nicht an Vorschriften bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen gehalten. Es bestehe der berechtigte Verdacht, dass es sich hierbei um Provisionen (Korruption) und Nepotismus gehandelt habe, so die Opposition. Der Minister weist solche Anschuldigungen entschieden zurück und kontert, die aktuelle Opposition sei schuld daran, dass er und die Regierung so schnell handeln mussten und keine Zeit hatten, alle bürokratischen Einzelheiten zu beachten. Die Epidemie wurde am 12.03. verkündet und die aktuelle Regierung übernahm das Amt am 13.03. Also hätte die Regierung nicht die üblichen 100 Tage Einarbeitungszeit, nicht mal eine Woche, sondern einen halben Tag, so die Regierungsvertreter. Die regierende Koalition schiebt die Schuld dafür der schlechten Vorsorge und mangelhaften Vorbereitung der vorangegangenen Regierung von Marjan Sarec zu, sodass Ministerpräsident Janez Jansa und sein Kabinett schnell hätten handeln müssen, um zu retten, was zu retten gewesen sei. Inzwischen ist ein gemeinsamer Bericht von sechs Ministerien zu den angeblichen Versäumnissen bei der Behandlung der Corona-Krise durch die Vorgängerregierung von Marjan Sarec bekannt geworden. Darin wird die alte Regierung von Marjan Sarec beschuldigt, zu Beginn der Corona-Krise leichtsinnig und verantwortungslos gehandelt zu haben. Sie habe die Krise gar nicht wahrgenommen und keine vorbeugenden Maßnahmen getroffen bzw. mit erheblicher Verspätung, was der jetzigen Regierung die Arbeit sehr erschwert habe. Marjan Sarec bezeichnete dies als „manipulatives, politisches Pamphlet“, indem sich die aktuelle Regierung als „super, unfehlbar“ darstelle, und für alle Unzulänglichkeiten und Fehler „Marjan Sarec und seine Regierung“ verantwortlich mache.

Mitarbeit: Stjepan Milcic

AKTUELLE DATEN SLOWENIEN
(06.05. – 00.00 Uhr)

Testungen: 59.978 (52.948)

Infizierte: 1.449 (1.429)

Genesene: 249 (232)

Verstorbene: 99 (91)

(in Klammern stehen die Zahlen der Vorwoche)

UNGARN - Ausmaß der Arbeitslosigkeit noch ungewiss – überwiegend indirekte Wirtschaftshilfen

Die vormals vibrierende Innenstadt von Budapest ist still: Die Touristen bleiben aus, es kommen seit Beginn der Pandemie keine Besucher, keine Konferenzgäste. Die Restaurants und Cafés sind seit fast zwei Monaten für Gäste geschlossen. Sie dürfen, wie in vielen anderen Ländern auch, allerdings Hauslieferungen oder Take-Away-Service kochen. Viele Unternehmer der Gastronomiebranche und Hotellerie haben Arbeitskräfte entlassen, sie haben keine Reserven, um Löhne und Steuern zu bezahlen. Die Arbeitslosigkeit steigt – doch in welchem Ausmaß, lässt sich nur schwer sagen. Experten und Wissenschaftler beobachten, dass seit kurzem ausführliche, detaillierte Daten über die ungarische Arbeitslosigkeit nicht erhältlich seien. So seien zwar Daten vorhanden, etwa über die Anzahl der Menschen, die Sozialhilfe beantragen oder in welchen Branchen Arbeitsplätze verloren gegangen sind. Nach Angaben des Zentralamtes für Statistik betrug die Arbeitslosigkeit von Januar bis Ende März 3,7% Prozent. Die Daten für April sind noch nicht veröffentlicht worden. Experten schätzen, dass die Arbeitslosigkeit im Corona-Jahr 2020 mindestens 5,6 Prozent betragen werde. Die ersten Hilfsmaßnahmen für Unternehmen und Beschäftigte legte Ministerpräsident Viktor Orbán Mitte März auf: Firmen und Personen erhielten für die Rückzahlung von Krediten Zeit bis Jahresende. Das Moratorium beziehe sich auch auf Arbeitgeber in den Bereichen Tourismus, Gastwirtschaft, Unterhaltungsindustrie, Taxi-Unternehmen sowie in der Sport- und Kulturbranche. Anfang April legte Orbán seine Pläne zur Rettung der Wirtschaft vor. Orbán kündigte an, dass der Staat bereit sei, 70 Prozent des ausgefallenen Grundlohns abzudecken. Der Betrag dürfe allerdings nicht 112.000 Forint übersteigen, umgerechnet circa 320 Euro. Eine Weile war es nicht klar, was dies bedeute und wen es betreffe. Arbeitnehmer hätten sich enttäuscht gezeigt. Für Investitionen zur Schaffung neuer Arbeitsplätze und zur Sicherung der bestehenden Jobs gibt die Regierung umgerechnet 1,2 Milliarden Euro aus, für zinsgünstige Kredite an Firmen und Unternehmen werden 5,7 Milliarden zur Verfügung gestellt.

Seit Montag dieser Woche ist das Leben in Ungarn zweigeteilt: Auf dem Land sind Lockerungen bereits in Kraft, in Budapest und im Komitat Pest (dem Landkreis um die Hauptstadt) gibt es noch keine Aufhebung der Maßnahmen. In dieser Region gibt es die meisten Infizierten. In den übrigen Landesteilen dürfen Cafés und Restaurants ihre Außenanlagen nutzen. Freibäder, Open Air Museums und Parks sind wieder geöffnet, ebenso die Kirchen für Gottesdienste. Budapester dürfen ihre Ferienwohnungen (sofern vorhanden) auf dem Land nicht besuchen. In der Hauptstadt gelten weiterhin die Ausgangsbeschränkungen: Geschäfte müssen um 15 Uhr schließen – mit Ausnahme der Lebensmittelmärkte, Apotheken und Drogerien. Einwohner sollten zu Hause bleiben und nur in begründeten Fällen die Wohnung verlassen. Seit Montag gilt in ganz Ungarn die Maskenpflicht in Geschäften und öffentlichem Personenverkehr. In ungarischen Großstädten waren gleich am ersten Tag der Lockerungen, am Montag, die meisten Cafés und Restaurants sehr gut besucht. Sie hätten es kaum erwarten können, wieder einmal irgendwo hingehen und etwas bestellen zu können, sagten viele Menschen. Die Behörden mahnten jedoch wiederholt: Man möge vorsichtig sein und den Sicherheitsabstand einhalten.

Mitarbeit: Attila Poth und Edit Inotai

AKTUELLE DATEN UNGARN
(07.05.- 12.00 Uhr)

Testungen: 94.036 (72.951)

Infizierte: 3.150 (2.775)

Genesene: 801 (581)

Verstorbene: 383 (312)

(in Klammern stehen die Zahlen der Vorwoche)

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