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Der Leuchtturm von Podersdorf ist eines der Wahrzeichen des Neusiedler Sees. Foto: BR | Jan Heier

Warten aufs Aufsperren
Tourismusbetriebe am Neusiedler See hoffen auf Neubeginn

Ab Mitte Mai dürfen Gastronomiebetriebe und Hotels in Österreich wieder öffnen. Wie und unter welchen Auflagen das geschehen soll, ist noch nicht klar. Details will die Regierung erst am Dienstag der nächsten Woche bekanntgeben. Für Restaurantbesitzer und Hoteliers waren die vergangenen Wochen seit der behördlichen Schließung am 16. März äußerst belastend. MitarbeiterInnen mussten auf Kurzarbeit gesetzt oder freigestellt werden, die Umsätze fielen komplett aus, Miete und Betriebskosten liefen weiter. 40 Prozent der Arbeitslosen, die seit Mitte März gemeldet sind, waren in der Tourismusbranche tätig. Jetzt also bald der Neustart unter sehr eingeschränkten Bedingungen. Am Neusiedler See wartet die Tourismusbranche auf Mitte Mai und hofft, dass die Gäste aus dem In- und Ausland zurückkommen.

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Josef Lentsch, der Wirt des „Gasthaus zur Dankbarkeit“ in Podersdorf am Neusiedler See, ist ein optimistischer Mensch, auch in diesen Zeiten. Es komme gerade jetzt auf eine positive Einstellung an: „Wir werden diese Krise auch überstehen, weil wir schon so viel überstanden haben. Vielleicht kriegen wir einige Dellen ab, aber das wird trotzdem weitergehen.“ Seit 1934 ist das „Gasthaus zur Dankbarkeit“ in Familienbesitz, sein Großvater gab dem Wirtshaus diesen Namen, hatte er doch seit Ende des 19. Jahrhunderts immer wieder gespart, Rückschläge erlitten, um dann endlich seinen Lebenstraum doch noch erfüllen zu können. In den beiden geräumigen Gaststuben sind die Stühle mit den Sitzlehnen nach oben auf die weißen Tischtücher gestellt. Seine 80 Sitzplätze sind seit Mitte März leer, draußen im ruhigen Innenhof des historischen Anwesens ist noch einmal für 80 Gäste Platz.

Er glaube nicht, „wenn jetzt geöffnet wird wieder, dass es dann gleich ohne Problem wieder anläuft wie vorher. Ich glaube, es wird weniger sein.“ Die Anzahl der Tische werde abnehmen müssen, um den neuen Sicherheitsabständen Genüge zu tun. Josef Lentsch rechnet mit einem Umsatzrückgang von bis zu 50 Prozent.

Im benachbarten Illmitz, ebenfalls am Ostufer des Neusiedler Sees, betreibt Reinhard Sattler mit seiner Ehefrau das „Hotel Nationalpark“: Ein Familienbetrieb, vier Sterne Hotel, 45 Doppelzimmer, sechs Seminarräume, Restaurant und Bar, Wellness und Swimmingpool im großen Gartenbereich. Bis Mitte März sah seine Saison gut aus, die Buchungen waren da. Doch dann brachen die Buchungen zusammen. „Im Moment ist mein Order immer nur voll mit Stornierungen.“ Als einer der ersten Betriebe in der Region meldete er seine Mitarbeiter auf Kurzarbeit an, doch die Löhne muss er für drei Monaten mindestens vorstrecken. Er musste einen Überbrückungskredit aufnehmen, den ihm seine Hausbank gewährte. Von den staatlichen Finanzhilfen, die insgesamt 38 Milliarden Euro umfassen, habe er bislang nichts gesehen, sagt Reinhard Sattler. Ein Überbrückungskredit sei einfach ein Kredit, der zurückgezahlt werden müsse. Die Steuerstundung bedeute nichts anderes, als dass er diese Steuern auch zurückbezahlen werde. Reinhard Sattler:

„Bis jetzt haben wir eigentlich keinen Cent bekommen als Zuschuss, und mittlerweile seit 16. März sind wir behördlich geschlossen, und das ist ein sehr, sehr großer Kraftakt auch für einen sehr gesunden Betrieb, wie unserer ist.“

Rund 75 Prozent der Gäste kämen aus Österreich in die Region Neusiedler See, vor allem aus dem nahegelegenen Wien, aus Nieder- und Oberösterreich und der Steiermark, sowie 25 Prozent aus dem Ausland, besonders aus Deutschland, sagt Stefan Schindler, Geschäftsführer der Neusiedler See Tourismus Gesellschaft. 2019 übernachteten 1,6 Millionen Menschen am Neusiedler See. Was er sich von der Öffnung der Hotels und Restaurants erwartet? Es komme viel Arbeit auf die Betriebe zu und man hoffe, dass die Gäste zurückkämen: „Wir hier in der Region haben ja eigentlich das perfekte Angebot dafür, weil wir ein sehr weites Land sind. Wir haben über 1.000 Kilometer Radwege, wir haben den Nationalpark, den Naturpark. Wir haben viele kleine und mittlere Betriebe, wo man sozusagen auch sicher urlauben kann, Ferienwohnungen, Ferienhäuser. Das heißt, wir hätten vom Angebot her das ideale – wenn man es in Anführungszeichen setzt und das soll nicht zynisch klingen – Corona-Paket.“

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