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Das Ehepaar Milijana und Aleksandar Karganovic auf ihrem Balkon, die während des Interviews Gesichtsmasken tragen. Sie ist Architektin und ist seit mehreren Wochen im Homeoffice. Er ist Bauingenieur und fährt werktags in sein Büro, von 7 Uhr bis 13 Uhr. Foto: BR | Dejan Stefanovic

Serbiens strenge Ausgangssperren
Wie eine junge Familie in Belgrad damit klarkommt

Serbien gilt als eines der Länder mit den härtesten Einschränkungs-Maßnahmen im Kampf gegen das Corona-Virus. Seit dem ersten April-Wochenende gelten die Ausgangssperren bereits für das ganze Wochenende: Samstag 13 Uhr bis Montag 05 Uhr (40 Stunden), seit letztem Wochenende wurde diese Zeitspanne ausgedehnt, auf ganze 60 Stunden (Freitag 17 Uhr bis Montag 05 Uhr) und an diesem Wochenende, zum orthodoxen Osterfest, werden die Serben 84 Stunden am Stück ihre Wohnungen/Häuser nicht verlassen dürfen (von 17 Uhr am Karfreitag bis 05 Uhr in der Früh am Dienstag). Was bedeutet das für eine Familie mit zwei kleinen Kindern, in einer 60qm2 Wohnung in Belgrad? Wie kommen sie mit dieser rigorosen Einsperrung klar?

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Die Familie Karganovic: Das sind Vera und ihre kleine Schwester Vida und ihre Eltern, Milijana und Aleksandar. Sie ist Architektin, er Bauingenieur – und ihr Leben spielt sich seit Wochen in ihrer 60qm2 Wohnung in einem vierstöckigen Wohnhaus in Belgrad ab. Zum Glück hätten sie einen kleinen Balkon, sodass sie zumindest an der frischen Luft seien könnten. Doch vier Wochen Ausnahmezustand: Das seien, so sagt Milijana, die für ein großes Projektbüro arbeitet und im Homeoffice ist, sehr intensive Wochen gewesen. Noch nie habe sie so wenig Zeit gehabt, das gelte für die ganze Familie.

Ihr Ehemann Alksandar, der als Bauingenieur für eine deutsche Firma arbeitet, fährt an den Werktagen zu seinem Büro, rund 30 Kilometer von Belgrad entfernt – dort würden alle Sicherheits- und Hygiene-Vorschriften eingehalten. Er bringt Verständnis für die komplette Ausgangssperre auf, die ja schon am vergangenen Wochenende galt:

 

„Meiner Meinung nach hätte es etwas lockerer sein können, aber wenn ich die Mentalität meiner Landsleute berücksichtige, bringen vielleicht nur diese strengen, restriktiven Maßnahmen Ergebnisse. Würde man alles dem Gewissen der Bürger überlassen, wären auch die Folgen wahrscheinlich schwerer.“

Derzeit gibt es in Serbien nach Angaben der Gesundheitsbehörden  über 5.690 Infizierte, 3.765 Menschen sind in Krankenhäusern, davon 120 auf Intensivstationen. Mehr als 100 Menschen sind verstorben. Dass nun zum Osterfest die Gottesdienste nicht wie gewohnt stattfinden können, findet Aleksandar nicht überzeugend.

 

„Meiner Meinung nach hätte man diesen Gottesdienst am Ostersonntag erlauben sollen. Wenn ich mir Fotos von den Ausflugsorten oder aus dem Lidl z.B. anschaue, wo der Andrang groß ist und viele Menschen auf kleinem Raum gruppiert sind, bin ich der Meinung, dass es da keinen großen Unterschied gegeben hätte.“

 

Mit dem über 80stündigen Eingesperrtsein während der Osterfeiertage kommt seine Ehefrau nicht klar. Vielmehr seien die drastischen Maßnahmen Ausdruck des Unwillens der Regierung, differenzierter vorgehen zu wollen. Die Verantwortung werde pauschal bei der Bevölkerung abgeladen, findet Milijana Karganovic:

 

„Es ist übertrieben, dass wir in der Zeit der Feiertage so lange „gefangen“ werden. Man sollte alles gut organisieren. Am einfachsten ist es, Menschen in ihren Heimen einzusperren. Wenn wir schon diese Polizeistunde haben, so viel Polizei und Armee an der Umsetzung der Maßnahmen engagiert sind, damit Menschen nicht rausgehen… dann könnten sie auch jetzt engagiert werden… wie wenn eine Schlange vor dem Geschäft gut organisiert wird, damit sich Menschen versorgen können, so könnte man das auch für Kirchenbesuche organisieren.“

 

Die siebenjährige Vera nutzte zumindest noch die Zeit, um vor Beginn der kompletten Ausgangssperre, die von Freitagnachmittag  bis Dienstagfrüh gilt, unten vor dem Wohnhaus zu spielen.

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Kommentare (1)

Aleksandar am

Aleksandar Karganovic hat vollkommen Recht mit seiner Aussage:
„Meiner Meinung nach hätte es etwas lockerer sein können, aber wenn ich die Mentalität meiner Landsleute berücksichtige, bringen vielleicht nur diese strengen, restriktiven Maßnahmen Ergebnisse. Würde man alles dem Gewissen der Bürger überlassen, wären auch die Folgen wahrscheinlich schwerer.“
Nur mit so „strengen“ bzw. „unmenschlichen“ Massnahmen kann man die Corona Epidemie in Serbien stabilisieren.

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