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Wohncontainer für Saisonarbeiter in Großbritannien, 2019 Foto: Zhiwko Pawlow

Zwischen Einkommensverlust und Ängsten
Bulgariens Saisonarbeiter in Corona-Zeiten

Über eine Million bulgarische Saisonarbeiter waren vor Ausbruch der Corona-Pandemie im wesentlichen in vier westlichen Ländern beschäftigt: In Spanien, Großbritannien, Deutschland und Italien. Allein in der Bundesrepublik nach Angaben der Konföderation unabhängiger Gewerkschaften in Bulgarien, 300.000 Arbeitskräfte. Die anhaltend massive Nachfrage in den westlichen EU-Ländern und Großbritannien nach bulgarischen Saisonarbeitern stieß jetzt, in Zeiten von Corona und strikten Ein- und Ausreiseauflagen in Bulgariens Öffentlichkeit auf eine Mischung aus Verärgerung und Verängstigung.

Zhiwko Pawlow war einer von ihnen: Der 36jährige gelernte Elektriker lebt in dem Dorf Koschariza im Landkreis Burgas und war im letzten Jahr zusammen mit seiner Frau Penka von März bis August auf einer Erdbeerfarm in der englischen Grafschaft Herefordshire. Vorerst wollen er und seine Frau erst mal daheim bleiben.

 

„Der Arbeitgeber versichert uns, dass eine gute Hygiene gewährleistet ist, aber man arbeitet dort immerhin mit Menschen und weiß nicht, mit wem die anderen in Kontakt standen. Wir leben und arbeiten dort in einer Gemeinschaft. Wir sind nicht Seite an Seite, aber es besteht ein Risiko.“ (Zhiwko Pawlow, aus Koschariza bei Burgas)

 

Auf der englischen Erdbeerfarm verdienten er und seine Frau jeweils 1.350 Euro im Monat, bei freier Unterkunft in Wohnwägen sowie später in Wohncontainern. In seinem eigentlichen Beruf als Elektriker erhielt er umgerechnet 610 Euro im Monat.

 

Die anhaltend massive Nachfrage in den westlichen EU-Ländern und Großbritannien nach bulgarischen Saisonarbeitern stieß jetzt, in Zeiten von Corona und strikten Ein- und Ausreiseauflagen, in Bulgariens Öffentlichkeit auf eine Mischung aus Verärgerung und Verängstigung. Als die ersten Meldungen in bulgarischen Medien auftauchten, dass Deutschland bulgarische Erntehelfer mit Charterflugzeugen holt, brandete in den sozialen Netzwerken ein Sturm der Empörung auf. Zwei Beispiele:

 

„Das ist unerhört, echte Schweinerei! Warum erklärt man in Deutschland keine Mobilisierung von Arbeitskräften unter den tausenden Nichtstuern und Neuankömmlingen? Deutschland hat doch über ein Million Pseudoflüchtlinge aufgenommen! Was arbeiten sie, warum gehen sie nicht arbeiten?“

 

„Europäische Solidarität in Aktion! Manche Länder holen sich Sklaven, um, ihre Gesundheit und Leben riskierend, die Wirtschaft in Stand zu halten. In anderen Ländern, die den euro-atlantischen Werten frönen, werden sowohl die Bevölkerung, als auch die Wirtschaft aussterben.“

 

Der bulgarische Gewerkschaftsbund „Podkrepa“ rief in einem öffentlichen Schreiben die Regierung auf, sie möge anordnen, dass die Saisonarbeiter bis zum Ende der Pandemie in dem jeweiligen Gastland bleiben sollten. Dort sollte auch sichergestellt werden, dass die Arbeitskräfte Zugang zu medizinischer Versorgung hätten. Während in Bulgarien strenge Ausgangsbeschränkungen frühzeitig verhängt worden seien, sei es nicht nachzuvollziehen, dass sich die Saisonarbeiter einem Ansteckungsrisiko aussetzen würden. Bulgarische Saisonkräfte sind während ihrer Zeit im europäischen Ausland nicht in Bulgarien krankenversichert. In Notfällen, bei akutem Behandlungsbedarf, kommt der bulgarische Staat und damit der Steuerzahler für diese Kosten auf.

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