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Der Ansturm auf Baumärkte und Gartencenter, die unabhängig von ihrer Größe seit heute (14.04.2020) ebenfalls wieder geöffnet sein dürfen, ist teilweise sehr groß. Foto: BR | Florian Lachinger

Notwendiges Hochfahren mit angezogener Handbremse
Österreich öffnet kleine Läden und Baumärkte

Soviel Freiheit wie möglich, so viele Einschränkungen wie notwendig: Dies ist nach Worten von Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz das Motto der kommenden Monate. Die Bevölkerung habe sich auch über die Osterfeiertage sehr diszipliniert verhalten. Die Zahlen entwickelten sich gut und gingen in die richtige Richtung. „Wir sind auf Kurs“, so der Kanzler. Die Öffnung von kleinen Läden sowie Gartenbau- und Baustoffmärkten sei „den ersten Schritt in Richtung neue Normalität setzen“. Die Ausgangsbeschränkungen gelten weiterhin im Land. Das langsame „Hochfahren“ einer Volkswirtschaft birgt erhebliche Risiken.

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Beitrag: Christian Limpert

Kamera: Daniel Dzyak

Schnitt: Roland Buzzi

Kommentar von Clemens Verenkotte

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Die Entwicklung der Corona-Zahlen wird in Österreich genau beobachtet. Sollte die Zahl der Erkrankten nach der Lockerung wieder steigen, will die Regierung die Notbremse ziehen. Foto: BR | Florian Lachinger
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Schneller als die anderen aus der Krise wieder rauskommen, sofern die „Zahlen“ stimmen: Mit diesem ambitionierten Versprechen hat Österreichs türkis-grüne Bundesregierung die heimische Bevölkerung veranlassen können, auch über die Osterfeiertage sehr diszipliniert an den massiven Einschränkungen zur Eindämmung des Virus festzuhalten, und jetzt die ersten Vorteile dieses Durchhaltens genießen zu können. Richtig ist: Die „Zahlen“ stimmen. Die tägliche Zuwachsrate an Neuinfektionen binnen 24 Stunden ist auf unter ein Prozent zurückgedrängt worden, es gibt seit zehn Tagen inzwischen mehr Genesene als Infizierte, mit der Folge, dass sich die Infizierungen, bemessen auf dem jetzigen Niveau, nur noch alle 38 Tage verdoppeln würden. Auch wenn es Teil der regierungsamtlichen Krisenkommunikation sein mag, in regelmäßigen Abständen öffentlich und mit Blick auf das europäische Ausland das hohe Lied des „Vorbilds Österreich“ zu intonieren: Aufs Ganze gesehen ist Österreich bislang vergleichsweise gut durch diese beispiellose Herausforderung gekommen. Mit der jetzigen Öffnung von kleineren Läden, Geschäften, Gartenbau- und Baustoffmärkten beschreitet die Regierung Kurz/Kogler einen Weg, der ganz erhebliche Risiken birgt, der allerdings unvermeidbar ist. Das langsame, stufenweise „Hochfahren“ einer komplett zum Stillstand gekommenen Volkswirtschaft ist ein notwendiger Schritt, um die finanziellen und sozialen Belastungen für Bevölkerung, Staat und Wirtschaft nicht ins Unendliche ansteigen zu lassen.

Die Entscheidung ist ein erster Indikator dafür, dass selbst wohlhabende Staaten wie Österreich die rasant steigenden, Corona bedingten Milliardensummen nicht über Monate hinweg aufbringen können. Ohne die zeitgleiche Verschärfung der Gesichtsmasken-Pflicht in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln und das Festhalten an allen bisherigen Ausgangsbeschränkungen könnte diese zweite Etappe auf dem Weg in eine „neue Normalität“ nicht vollzogen werden. Zu groß wäre die Gefahr eines Rückschlags, einer „zweiten Welle“. Dies ist der Bevölkerung Österreichs ebenso gegenwärtig wie der Bundesregierung. Widersprüchlich bleibt der Fahrplan der künftigen Lockerungen des öffentlichen Lebens: Warum etwa große Möbelgeschäfte bis Monatsende geschlossen bleiben müssen, Baustoffmärkte allerdings nicht, verärgert die jeweils benachteiligte Branche. Dass die Kinder und Jugendlichen bis Mitte Mai daheimbleiben müssen – eine Maßnahme, die vor allem Schülerinnen und Schüler aus sozial fragilen Verhältnissen und in arg begrenztem Wohnraum lebend benachteiligt – ist in ihrer mangelnden Abstufung nicht unbedingt nachzuvollziehen. Das Öffnen von Lokalen, Gaststätten und Hotelbetrieben, derzeit frühestens für Anfang Juni anberaumt, dürfte mangels ausländischer Touristen zu einer weiteren Belastungsprobe führen, denn die Schatten über den immer noch unter Quarantäne stehenden Tiroler Skiregionen im Paznauntal und St. Anton am Arlberg werden erst nach einer glaubwürdigen politischen und juristischen Aufklärung schwinden.

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