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Die Benutzung von Spielplätzen und Sportanlagen ist aufgrund des Coronavirus weiterhin untersagt. Zumindest bis Ende Juni 2020 gibt es in Österreich auch keine öffentlichen Veranstaltungen. Foto: BR | Karin Straka

Coronakrise in Österreich und Südosteuropa 09/04/20
Von Hausquarantäne bis Hafturlaub

Während in Österreich das öffentliche Leben einer schrittweisen Normalisierung entgegensieht, verschärfen einige Länder in Südosteuropa die ohnehin strengen Ausgangsbeschränkungen noch mal deutlich. In Serbien und Nordmazedonien etwa gilt für das gesamte kommende Wochenende eine absolute Ausgangssperre für jedermann. In Rumänien sind mehrere Kreiskrankenhäuser unter Millitärverwaltung gestellt worden, weil dort unkontrollierbare Ansteckungsherde entstanden waren. Slowenien hat hingegen eine Art Amnestie für Strafgefangene beschlossen, um das Ansteckungsrisiko in Gefängnissen zu minimieren – einige Häftlinge kommen vorzeitig frei, andere dürfen die Haft für die Dauer der Corona-Krise unterbrechen. Weitere Informationen mit dem Stand vom 9. April um 17 Uhr finden sie hier:

Albanien

Albanien hat als eines der ersten Länder drastische Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie verhängt. Seit einem Monat bereits ist das öffentliche Leben weitgehend komplett unterbunden worden. An den vergangenen drei Wochenenden hatten die Menschen völlige Ausgangssperre, die jeweils montags um 5 Uhr endete. Niemand darf das Haus verlassen, alle Geschäfte samt Apotheken und Bäckereien sind während dieser Ausgangssperre an den Wochenenden zu.

 

An Werktagen gilt: Täglich darf nur ein Familienmitglied, nur für eine Stunde und mit einer Polizeigenehmigung die Wohnung verlassen, um Brot, Nahrungsmittel oder Medikamente zu kaufen. Die Zustimmung  kommt elektronisch  über e-albania oder per SMS.

 

Besonders hart ist es für Rentner: Sie dürfen bis zum Ende der Corona-Pandemie das Haus überhaupt nicht mehr verlassen. Die Polizei erteilt keine Genehmigungen, auch wenn die älteren Menschen den Antrag stellen. Sie sollen von ihren Kindern versorgt werden oder von Helfern der jeweiligen Rathäuser.

 

Auf  Straßen, Plätzen und Kreuzwegen patrouillieren Einheiten der Staatspolizei und der Armee. Ohne Polizeigenehmigung darf kein privates Auto fahren. Wer von der Polizei ertappt wird, kann seinen Führerschein für 3 Jahre verlieren, auch sein Auto kann konfisziert werden.

 

Albaniens geschlossene Grenzen führen u.a. dazu, dass die ganz wenigen Einreisenden große Probleme haben: So mussten in dieser Woche 22 Menschen fünf Tage lang im Niemandsland am Grenzübergang zu Griechenland verbringen, weil Griechenland sie zugelassen hatte, während Albanien die Grenze dicht gemacht hat. In den letzten Tagen gab es ein Problem an einem Grenzübergang zu Griechenland, dass die albanischen Behörden mit einem Hotel in Korça gelöst haben, wo sie in einer 14-tägigen Quarantäne Unterkunft erhalten konnten.

 

Es gibt kein Osterfest mit großen Ansammlungen. Jede Familie kann zuhause individuell feiern. Dies betrifft sowohl die katholischen, als auch die orthodoxen Gläubigen.

 

Albanien bemüht sich, die Engpässe der Technologie und der medizinischen Ausstattungen durch strenge, „mechanische Befehle“ zu ersetzen. Es sei der albanischen Regierung gelungen, die Menschen zu sensibilisieren, zuhause zu bleiben. In einem postkommunistischen Land wie Albanien, das 45 Jahre in der kommunistischen Zeit mit eiserner Hand und  mit grausamen Befehlen regiert wurde, sind die Menschen auch heute nach 30 Jahren des politischen Pluralismus noch gehorsam, insbesondere die alten Leute. Sie hören der Regierung zu und respektieren, was die Regierung sagt. Es lässt sich nicht zuverlässig sagen, ob sie von den Maßnahmen überzeugt sind oder sich eher aus Furcht vor Bestrafung an die Regeln halten.

 

Die Türkei ist bei der Versorgung der Krankenhäuser in Albanien von entscheidender Bedeutung. Aus der Türkei sind bisher 15 Tonnen mit medizinischem Material gekommen. Vor zwei Tagen trafen auch die ersten sechs Krankenwagen ein, die als kleine „Krankenhäuser“ sogar mit Respiratoren ausgestattet sind. Auch die EU hat vier Millionen Euro für das albanische Gesundheitswesen überwiesen. Eine Maskenpflicht gibt es nicht, weil Masken für die Bevölkerung noch fehlen, doch in Städten wie Librazhd oder in Elbasan springt die Eigenproduktion an. Albanien wandte sich auch an die Nato für eine humanitäre Unterstützung bzw. Versorgung mit Respiratoren, Krankenwagen, Betten usw. Bis jetzt gibt es noch keine Antwort darauf.

 

Derzeit (Stand Donnerstag, 09.04., 11:00 Uhr) gibt es nach Angaben des albanischen Gesundheitsministeriums 409 Infizierte. 58 Menschen befinden sich in Krankenhäusern, davon 5 Patienten auf Intensivstationen. 165 Infizierte sind wieder genesen, darunter 27 ÄrztInnen und PflegerInnen. 22 Menschen sind am Virus verstorben.

Bosnien und Herzegowina

Die Ausgangssperren sind drastisch: Im gesamten Land darf niemand zwischen 20:00 Uhr abends und 05:00 auf die Straße.

 

Im Landesteil Republika Srpska gilt seit Beginn dieser Woche die Regelung, dass ältere Menschen über 65 Jahre an zwei Tagen vormittags (Dienstags und Freitags) von 07:00 bis 11:00 ihre Wohnungen verlassen dürfen. Für alle anderen Altersgruppen herrscht dann Ausgangssperre, es sei denn für Fahrten zur Arbeit.

 

Im Landesteil Föderation Bosnien-Herzegowina dürfen Senioren sowie Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren nicht nach draußen – in dieser Woche gibt es allerdings eine Lockerung für die älteren Menschen: Sie dürfen werktags am Vormittag ihre Wohnungen verlassen, um sich ihre Rente abzuholen, einzukaufen oder zur Apotheke zu gehen. Die Post- und Bankschalter sind für die älteren BewohnerInnen am Freitag und Samstag (09. und 10.04.) vormittags reserviert. Die übrige Bevölkerung möge in dieser Zeit nicht ihre Bankgeschäfte tätigen.

 

Einen eindringlichen Appell richtete der Sicherheitsminister der Föderation, Fahrudin Radoncic, an alle im Ausland lebenden BürgerInnen: Sie sollten über die Osterferien nicht nach Hause fahren, wenn sie müssten nach ihrer Ankunft umgehend für zwei Wochen in häusliche Quarantäne.

 

Kulturell noch ein kleiner Tipp: Die bosnische Band Dubioza Kolektiv streamt seit drei Wochen am jedem Montagabend von 20:30 bis 21:00 auf YouTube ihre Dubioza Kolektive Quarantine Show angefangen. Der Apell an ihre Fans: „Wenn wir schon nicht in Eure Städte kommen und für Euch  Konzerte halten können, dann kommen wir in Eure Rechner, Tablets und Handys.“

 

Nach Behördenangaben gibt es derzeit (Stand Donnerstag, 13:00 Uhr) 841 Infizierte in Bosnien-Herzegowina, 97 Menschen gelten als geheilt. 35 Menschen sind am Covid-19 verstorben.

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Videomaterial: Eldina Jasarevic

Videobearbeitung: Karin Straka

Bulgarien

Seit 20. März sind Besuche in Parkanlagen, städtischen Grünflächen, Sportanlagen und Kinderspielplätze verboten. Ausnahmen gelten für HunderbesitzerInnen. Die Städte und Gemeinden legen die Einschränkungen unterschiedlich aus: In kleinen Kommunen, wie etwa Chepelare, Belasitza und Kozlodui, herrscht nachts eine Ausgangssperre für alle Einwohner.

 

Den Ärger der Bevölkerung zog sich die Bürgermeisterin von Sofia, Jordanka Fandakowa, mit ihrer Anordnung zu, Besuche im äußerst beliebten Naturpark Vitosha nahe der Stadt zu untersagen. In Online-Petitionen sprachen sich viele Menschen gegen diese Maßnahme aus, darunter auch prominente Sportler wie die Snowboard Siegerin Alexandra Jekova.

 

Ministerpräsident Bojko Borissow kündigte in dieser Woche an, dass es bald eine Regelung für ältere Menschen und Kinder geben werde, damit diese Personengruppen zu unterschiedlichen Tageszeiten Parks und Gärten besuchen könnten. Dies dürfte vermutlich erst nach dem orthodoxen Osterfest geschehen.

 

Im Vorfeld der Osterfeiertage (17. bis 20.04.) traf Ministerpräsident Bojko Borissow am Donnerstag (09.04.) mit den Spitzen der Orthodoxen Kirche des Landes zusammen. Borissow hatte seine erheblichen Bedenken am Mittwoch gegen das ursprüngliche Festhalten der Kirche an den religiösen Riten in Zeiten der Corona-Pandemie geäußert. Die Osterfeierlichkeiten könnten zur Ausbreitung des Virus führen. Der Kompromiss: Die Gottesdienste an Palmsonntag und Ostern werden vor den Gotteshäusern abgehalten, auf den notwendigen Abstand zwischen den Gottesdienst-Besuchern werde daher geachtet. An Palmsonntag werden zudem keine Palmzweige verteilt.

 

Zum Schutz der älteren Menschen gibt es auch in Bulgarien eigene Einkaufszeiten für diese Bevölkerungsgruppe: Nur Kunden, die älter als 60 Jahre sind, haben jeden Morgen von 08:30 bis 10:30 Uhr Zutritt in Supermärkten.

 

Saftige Strafen werden von den Behörden bei Übertretungen der unverändert geltenden Ausgangsbeschränkungen verhängt: Umgerechnet 2.500 Euro müssen Einzelpersonen zahlen, wenn sie die Auflagen nicht einhalten – angesichts relativ geringer Monatseinkommen sind dies vergleichsweise außerordentlich drakonische Geldstrafen. Seit Beginn dieser Woche jedoch sind zumindest die Strafen für das Betreten von Parkanlagen verringert worden, auf 150 Euro. Im Wiederholungsfall drohen zwischen 500 und 1000 Euro Geldbuße.

 

Derzeit (Stand Donnerstag, 16:00 Uhr) sind 618 Menschen infiziert. 233 Patienten befinden sich in Krankenhäusern, davon 27 auf Intensivstationen. 48 Patienten gelten als geheilt. 24 Menschen verstarben an dem Virus.

Kosovo

Im Kosovo gelten drastische Maßnahmen. Für das gesamte Land hat die Regierung des Kosovo eine Ausgangssperre verhängt, die von 17 Uhr am Nachmittag bis 06 Uhr am nächsten Morgen gilt. Ohne behördliche Genehmigung darf in dieser Zeit niemand Haus oder Wohnung verlassen. Alle Kindergärten, Schulen und Universitäten sind bis auf Weiteres gesperrt, Sport- und Kulturveranstaltungen ausgesetzt. Der öffentliche Nahverkehr ist gestoppt, ebenso wie alle Flüge. Alle Parks und Erholungsgebiete sind geschlossen. In Pristina sind zudem alle Plätze in Fußgängerzonen gesperrt. Restaurants, Bars und selbst „Take-Away “-Betriebe sind geschlossen. Nur Bäckereien und Lebensmittelläden bleiben geöffnet, dürfen aber nur unter strengen Desinfektions- und Schutzmaßnahmen betreten werden.

Gegen einige der Maßnahmen haben Oppositionspolitiker inzwischen eine Klage beim Verfassungsgericht eingelegt, aus ihrer Sicht ist die Ausgangssperre verfassungswidrig, da sie nicht mehrheitlich von allen Abgeordneten im Parlament beschlossen wurde. Hintergrund dieser Klage ist eine schwere politische Krise. Nach einem Misstrauensantrag gegen Premierminister Albin Kurti zurücktreten, seiner Partei ist es bislang nicht gelungen, einen neuen Koalitionspartner zu finden und einen neuen Premierminister zu stellen. Wie es politisch weitergeht ist völlig unklar.

Widerstand gegen die von der abgesetzten Regierung beschlossenen Maßnahmen gibt es bereits im Norden des Kosovo. Die mehrheitlich serbischen Gemeinden dort halten sich nicht an die Entscheidungen aus Pristina sondern richten sich nach den Regeln, die die serbische Regierung in Belgrad vorgibt.

Bislang gibt es im Kosovo 224 bestätige Corona-Fälle. 6 Menschen sind in Folge einer Corona-Erkrankung verstorben, 37 genesen. Bislang wurden 2.570 Menschen getestet.

Offizielle Informationen: https://www.kosova.health/en/

Kroatien

Eine besonders strenge Ausgangssperre gilt in ganz Kroatien. Wer keinen Passierschein hat, darf seinen Wohnort nicht verlassen. Der Passierschein kann online beantragt werden und verfügt über einen QR-Code, der alle behördlichen Informationen zu der Sondergenehmigung beinhaltet. Die Polizei kontrolliert intensiv und hat landesweit an Ortszufahrten und wichtigen Verbindungsstraßen Check-Points eingerichtet. Das allgemeine Versammlungsverbot gilt weiterhin, auch Kirchen. Für die große Mehrheit der katholischen Kroaten, rund 88 Prozent der Gesamtbevölkerung, fällt der Kirchenbesuch an Ostern also aus. Nicht alle wollen das hinnehmen: Die Regionalzeitung „Slobodna Dalmacija“ berichtet über einen Priester, der trotz in den letzten Tagen Gläubige dazu aufgerufen hatte, das Versammlungsverbot zu brechen. Eine von ihm angesetzte heilige Messe wurde von der Polizei verhindert, die Beamten wurden vom Priester beschimpft und verflucht.   Gegen den Priester wurde Strafanzeige erstattet, auch der örtliche Bischofsrat hat den Priester verwarnt und sich öffentlich für dessen Verhalten entschuldigt.

Nach Angaben der kroatischen Behörden sind vor allem die strengen und scharf kontrollierten Maßnahmen ein Grund dafür, dass die Corona-Situation in Kroatien stabil und unter Kontrolle sei. Die Zahlen der Infizierten steigen im erwarteten Maße. Im Vergleich zu den EU-Ländern stehe Kroatien entsprechend der Umstände sehr gut da.

Eine Ausnahme der strengen Regeln gilt für die Lebensmittelgeschäfte, die dürfen bis Ostersamstag von bis 20.00 Uhr öffnen, statt wie normalerweise bis 17 Uhr.

In Kroatien gibt es bislang 1.343 bestätigte Corona-Fälle, davon gelten 179 als genesen. 19 Menschen sind verstorben. Bislang getestet wurden 13.125 Menschen, in Krankenhäusern werden derzeit 359 an Corona Erkrankte behandelt.

Offizielle Informationen unter http://www.koronavirus.hr

Montenegro

Lange hat sich Montenegro als das einzige Land in der EU bezeichnet, das frei von Corona-Erkrankungen ist. Erst am 17. März gab es dort die ersten beiden Fälle. Doch nach wie vor das Land seit Ausbruch der Epidemie relativ gut da.

Seit 30. März gilt eine Ausgangssperre von 19 Uhr am Abend bis 5 Uhr in der Früh. Nur wer zur Arbeit geht oder einen medizinischen Notfall vorweist darf Wohnung oder Haus in dieser Zeit verlassen. Auch sonst ist das öffentliche Leben sehr eingeschränkt. So dürfen in Privat-Pkw maximal zwei Personen fahren, der öffentliche Nachverkehr inklusive Taxis ist komplett eingestellt. Die meisten Grenzübergänge sind geschlossen. Kindergärten, Schulen, Universitäten und alle nicht unbedingt notwendigen Geschäfte sind geschlossen.

Die Zahl der mit dem Corona-Virus infizierten Personen liegt bei 252, zwei Menschen sind bislang gestorben, 45 Erkrankte werden im Krankenhaus behandelt. Insgesamt wurden in Montenegro 2329 Menschen getestet.

Offizielle Angaben unter https://www.ijzcg.me/

Nordmazedonien

Die Behörden in Nordmazedonien haben die Bewegungsfreiheit ihrer Bürger noch mal deutlich eingeschränkt. An Wochentagen gilt von 16 bis 5 Uhr die so genannte Polizeistunde, also eine Ausgangssperre. Menschen über 67 dürfen nur von 10-12 Uhr auf die Straße – Minderjährige von 13-15 Uhr. An Wochenenden müssen alle Bürgerinnen und Bürger ganztägig zuhause bleiben. In der Öffentlichkeit dürfen sich nirgends mehr als zwei Menschen aufhalten. In Supermärkten und allen anderen noch offenen Geschäften gilt eine Maskenpflicht. Auch Handschuhe müssen getragen werden. Der öffentliche Nahverkehr ist zudem stark eingeschränkt. In Skopje fahren die Busse nur noch von 5 bis 9 und von 13 bis 16 Uhr. Die Müllabfuhr kommt statt zwei Mal jetzt nur nach einmal in der Woche.

Die verschärften Maßnahmen sind nach Angaben der Regierung darauf zurückzuführen, dass sich viele Menschen nicht an die bisherigen Regeln gehalten haben.  So sei der vorgeschriebene Mindestabstand von zwei Metern vor allem in ländlichen Gebieten kaum eingehalten worden. Bei Kotrollen seien außerdem insgesamt 48 Lokale aufgeflogen, die trotz Verbot noch geöffnet hatten.

Die Islamischen Gemeinschaft in Nordmazedonien hat indes die Regierung aufgefordert, auch Religionsgemeinschaften mit staatlichen Hilfen zu stützen. Geschehe das nicht, würde man die Moscheen wieder öffnen, die von der Islamischen Gemeinschaft selbst vor drei Wochen geschlossen wurden.

In Nordmazedonien sind 663 Personen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert (bei 6571 Tests). 30 Menschen sind gestorben, 37 inzwischen wieder genesen.

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Videomaterial: Lyubisha Nikolovski

Videobearbeitung: Thomas Wachholz

Österreich

Österreich bereitet sich auf eine schrittweise Lockerung der strengen Coronabeschränkungen vor. Ab dem 14. April dürfen kleine Geschäfte mit einer Fläche von unter 400qm wieder öffnen, ebenso Gartencenter und Baumärkte. Die größeren Geschäfte, Supermärkte sowie Friseure sollen ab 1. Mai folgen. Alle anderen Dienstleistungen sowie Gastronomiebetriebe und Hotels müssen bis Mitte Mai jedenfalls geschlossen bleiben. Die Entscheidung darüber, ob es dabei bleibt, erfolgt aber erst Ende April, mindestens bis dahin gelten auch die Ausgangsbschränkungen. Die Menschen sollen in ihren Häusern und Wohnungen bleiben –  es sei denn, sie haben wichtige Arbeit zu erledigen oder sie müssen sich oder Hilfsbedürftige versorgen. Auch Spaziergänge sind erlaubt, allerdings nur alleine oder mit Personen zusammen, mit denen man zusammen wohnt. Überall sollen die Menschen einen Abstand von mindestens einem Meter zueinander einhalten, das wird auch von der Polizei kontrolliert. Daran gibt es auch Kritik: Immer wieder beschweren sich Menschen in sozialen Netzwerken darüber, dass die Polizei sie bei kleinsten Verstößen anzeige.

Begleitend zu der schrittweisen Lockerung kommt auf die Menschen in Österreich eine ganze Reihe neuer Maßnahmen zu. Dazu gehört zum Beispiel, dass ein Nase-Mund-Schutz künftig nicht nur im Supermarkt, sondern auch in allen anderen – wieder geöffneten – Geschäften oder in den öffentlichen Verkehrsmitteln getragen werden muss. Die Lockerungen sollen nach Angaben der Regierung außerdem nur unter der Voraussetzung umgesetzt werden, dass sich die Corona-Lage nicht wieder verschlechtert. Österreich verzeichnet seit Tagen einen Rückgang an Neuinfektionen, außerdem setzt sich der Trend fort, dass es mehr Menschen gibt, die genesen sind, als Neuinfektionen.  Es gibt aber auch Zweifel daran, ob die Lockerung der Maßnahmen jetzt schon angebracht ist. Noch sei der Höhepunkt der Corona-Krise nicht erreicht, warnt die habilitierte Epidemiologin, ehemalige Gesundheitsministerin und heutige Chefin der SPÖ, Pamela Rendi-Wagner.

In Österreich sind etwas mehr als 13.000 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert (bei rund 126.300 Tests). Fast 1100 Erkrankte werden in Krankenhäusern behandelt, 266 davon auf Intensivstationen. 295 Menschen sind gestorben, 5240 wieder genesen.

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Kleine Geschäfte sollen in Österreich nach Ostern wieder öffnen. Gleichzeitig betont Bundeskanzler Kurz, die Krise sei noch nicht vorbei.

Strenge Ausgangsbeschränkungen gelten weiter, die Mundschutzpflicht wird ausgeweitet und Grenzen bleiben dicht.

 

Beitrag: Christian Limpert
Kamera: Daniel Dzyak
Schnitt: Christine Dériaz

Rumänien

Seit dem 16. März gilt in Rumänien der Notstand und laut dem Präsidenten Klaus Ioannis dürfte dieser bis zum 16. Mai verlängert werden. Experten gehen jedoch davon aus, dass der Notstand noch länger andauern könnte, weil der Höhepunkt der Infektionen in Rumänien erst Mitte Mai erwartet werde.

Die Notstandsregelungen sind sehr streng. Den Menschen ist es tagsüber nur in Ausnahmefällen gestattet, ihre Wohnungen und Häuser zu verlassen. Erlaubt ist der Weg zur Arbeit, zum Einkaufen von Lebensmitteln oder Medikamenten oder Besorgungen in Baumärkten. Jeder Bürger ist verpflichtet, eine Erklärung über das Ziel seines Ausgangs mitzuführen – entweder handschriftlich oder als digitales Formular, das per App angezeigt werden kann. Personen über 65 dürfen das Haus nur drei Stunden lang vormittags und am Abend verlassen. In der Öffentlichkeit dürfen sich nirgends mehr als drei Personen gleichzeitig aufhalten und müssen dabei einen Mindestabstand von 1,5 Metern wahren. Im Zeitraum 22 bis 6 Uhr gelten noch strengere Ausgangsbeschränkungen für alle Bürger.

An Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen dürfen maximal acht Personen teilnehmen. Stirbt ein Covid-19.Erkrankter, darf er in Begleitung von maximal zwei Personen bestattet werden.

Zahlreiche Polizeistreifen kontrollieren die Einhaltung der Regeln. Sie werden oft von Militäreinheiten begleitet. In der Stadt Klausenburg sollen auch Drohnen zum Einsatz kommen. Inzwischen sind 341 Strafverfahren wegen „Behinderung der  Bekämpfung von Krankheiten“ eröffnet worden. Nach einer jüngst erfolgten Gesetzesnovelle drohen in diesen Fällen Strafen von 5 bis 15 Jahren Gefängnis. Bei den Ermittlungen handelt es sich vorwiegend um Fälle, bei denen von einer vorsätzlichen Behinderung der Bekämpfung oder sogar böswilliger Verbreitung der Ansteckung ausgegangen wird – so sollen mehrere Patienten Ärzte oder Angehörige des Krankenhauspersonals angespuckt haben. Die Bußgelder für Regelverletzungen sind Anfang April auf 2000 bis 20.000 Lei (zirka 400 bis 4000 €) für Privatpersonen und auf 10.000 bis 70.000 Lei (etwa 2000 bis 14.500 €) für Firmen erhöht worden. Und sie werden häufig verhängt. Allein in den 24 Stunden vom 8. bis zum 9. April mussten 7741 Personen insgesamt rund 16,7 Millionen Lei (ca. 350.000€) an Bußgeldern bezahlen.

Das Gesundheitssystem des Landes ist nach wie vor in einer dramatischen Lage: Ungefähr 25% aller 5202 Erkrankten im Land sind Ärzte oder medizinisches Personal. Das wird auf fehlende Schutzkleidung und unzureichende Tests zurückgeführt. In vielen Abteilungen der Krankenhäuser, die nichts mit der Behandlung von  Erkältungs-, Lungen- oder Infektionskrankheiten zu tun hatten, sind zu spät festgestellte kleinere oder größere Ansteckungsherde entstanden. Eine solche Entwicklung führte zur Absperrung der in Nodrostrumänien gelegenen Kreisstadt Suceava und der umliegenden Dörfer, die Teilregion wurde zum Quarantänegebiet erklärt. Die regionale Landesklinik steht inzwischen unter Militärverwaltung. Ein Arzt im Rang eines Generals leitet die Klinik. Er hat verfügt, dass alle dort arbeitenden Ärzte sowie das gesamte restliche Personal in Isolation in der Nähe des Krankenhauses wohnen müssen – getrennt von ihren Familien. Auch das Kreiskrankenhaus in der Stadt Deva ist unter Militärverwaltung gestellt worden – auch hier hat es zahlreiche Ansteckungen in der Klinik gegeben.

In Dutzenden Krankenhäusern im Land hat es Proteste von Ärzten gegeben, die mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen fordern. Eine auf Vorschlag von Präsident Iohannis eingeführte Prämie von monatlich 500,00 € für Ärzte und Angehörige des Krankenhauspersonals, die in unmittelbarem Kontakt mit Covid-19-Patienten stehen, wurde von dem Großteil der Ärzte für unzureichend erklärt. Sie fordern lebenslange Hinterbliebenenrenten für ihre Angehörigen, für den Fall, dass sie sich im Dienst mit dem Coronavirus anstecken und daran sterben sollte.

Inzwischen ist es der rumänischen Regierung gelungen, zusätzliche Schutzausrüstung für das Krankenhauspersonal zu organisieren – aus Südkorea und der Türkei kamen Großlieferungen an, teilweise mit Flugzeugen der NATO.

In Rumänien sind 5202 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert (bei rund 51800 Tests). 178 Erkrankte werden intensivmedizinisch behandelt. 292 Menschen sind gestorben, 647 wieder genesen.

Serbien

Die serbische Regierung hat die bestehende Ausgangssperre verschärft: Von Freitag 17 Uhr bis Montag 5 Uhr dürfen die Menschen ihre Wohnungen und Häuser nicht verlassen. Alle Geschäfte werden in dieser Zeit geschlossen bleiben. Hunde dürfen für 20 Minuten morgens zwischen 8 und 10 und abends zwischen 23 und 1 Uhr ausgeführt werden. Die Regierung appelliert an die Menschen, die Ausgangssperre am Wochenende, „nicht als Strafe, sondern als lebensrettende Maßnahme zu sehen“. Unter der Bedingung, dass die Maßnahmen eingehalten werden, könne sich die Situation bis Mitte Mai entspannen – sagen Experten in Serbien. Unter der Woche gilt die Ausgangssperre von 17 bis 5 Uhr. Menschen über 65 dürfen ihre Häuser und Wohnungen gar nicht verlassen – mit der einzigen Ausnahme, dass sie freitags von 4 bis 7 Uhr in der Früh im nächstgelegenen Supermarkt einkaufen oder spazieren gehen können.

Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Tanjug haben serbische Gerichte in den ersten zwei Wochen seit Einführung der Ausgangssperre – Geldstrafen in Höhe von mehr als 120 Millionen Dinar (etwas über 1 Million €) wegen Verstößen dagegen verhängt. Insgesamt wurden 2.406 Personen bestraft – mit Geldbußen zwischen 50.000 und 150.000 Dinar (ca. 420-1280€).

Der serbische Präsident Aleksandar Vucic hat auf seinem Instagramaccount bekanntgegeben, dass sein ältester Sohn zu den Erkrankten gehört. Der 22-jährige sei wegen seines „klinischen Bildes“ in der Belgrader Infektionsklinik untergerbacht worden. Wann er zuletzt Kontakt mit seinem Vater hatte, ist nicht bekannt.

In Serbien sind 2867 Personen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Etwas mehr als 1900 Menschen müssen in Krankenhäusern behandelt werden, davon 127 in Intensivstationen. 66 Menschen sind gestorben, 118 inzwischen wieder genesen.

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Videomaterial: ARD Wien

Videobearbeitung: Jan Heier

Slowenien

Im kleinen Alpenland herrscht noch keine Ausgangssperre. Es gelten allerding einige Einschränkungen und Verhaltensempfehlungen. Die Devise lautet auch in Slowenien „Bleiben Sie zuhause!“ und es ist den Bürgern nicht gestattet ihre Wohnorte zu verlassen. Es gibt aber ausnahmen etwa für Fahren zur Arbeit oder um sich mit Lebensmitteln und Medikamenten zu versorgen. Auch Landwirten ist es erlaubt, über Gemeindegrenzen hinweg zu arbeiten. Zielloses umherfahren oder Sport im Freien sind hingegen nicht erlaubt. Laut slowenischen Medien halten sich die Sloweninen und Slowenen an die Vorschriften. Die Polizei habe zwar einige Bürger ermahnen müssen, zu Strafanzeigen soll es bislang aber nicht gegeben haben.

Für einige Bürger bringt die  Coronakrise in Slowenien paradoxerweise mehr Bewegungsfreiheit mit sich. Um die Ansteckungsgefahr in Gefängnissen zu minimieren hat die slowenische Regierung für einige Häftlinge eine Art Amnestie verfügt. 15 Gefängnisinsassen kommen vorzeitig frei, 68 werden „beurlaubt“ und müssen den Rest ihrer Strafe absitzen, wenn sich die Coronakrise abgemildert hat. Alle Freigelassenen seien auf das Coronavirus negativ getestet worden, melden slowenische Medien unter Berufung auf das Justizministerium.

In Slowenien sind 1124 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert (bei rund 31.000 Tests). 108 Erkrankte werden in Krankenhäusern behandelt, 35 davon auf Intensivstationen. 43 Menschen sind gestorben, 120 genesen.

Ungarn

Die ungarische Regierung bleibt bei den geltenden Notstandsmaßnahmen. Ministerpräsident Orban kündigte am 9. Aril an an, dass jede Woche aufs Neue darüber befunden wird, wie lange sie noch bestehen sollen. Bürgermeistern ist es in der Osterzeit gestattet, weitergehende Maßnahmen zu setzen, sofern sie das für erforderlich halten. Unter Touristen beliebte Gemeinden haben bereits angekündigt, Parkplätze zu sperren und Besucher fernhalten zu wollen.

 

Die bestehenden Regeln umfassen geschlossene Grenzen, die Schließung von Universitäten und Schulen,  Kinderbetreuungseinrichtungen, Restaurants und Cafés und das Pausieren der Gerichte. Die Menschen sind zwar aufgerufen zuhause zu bleiben, es gibt aber Ausnahmen – erlaubt sind etwa der Weg zur Arbeit und Spaziergänge alleine oder zusammen mit Menschen, mit denen man auch zusammen wohnt. Menschen über 65 dürfen ihre Häuser und Wohnungen nur von 9 bis 12 Uhr verlassen. Das warme Frühlingswetter treibt die Menschen landesweit ins Freie. In Budapest etwa sind sowohl die städtischen Parks als auch die umliegenden Ausflugsziele gut besucht. Nach Angaben des Internetportals 24.hu hat die Polizei bislang  701 Personen angezeigt, weil sie gegen die Auflagen verstoßen haben. Sie mussten insgesamt 15,6 Millionen Forint (ca. 44000€) an Bußgeldern zahlen. Um die Menschen aus dem öffentlichen Nahverkehr fernzuhalten und zum Autofahren zu animieren, hat die Regierung Parkgebühren abgeschafft. Der Straßenverkehr hat daraufhin deutlich zugenommen. Kritiker bemängeln, dass diese Maßnahme den Kommunen eine wichtige Einnahmequelle nehme und damit von der Opposition regierte Bezirke abstrafe.

 

In Ungarn sind 980 Personen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert – bei 27826 Tests. 66 Menschen sind gestorben, 96 inzwischen wieder genesen.

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