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Foto: picture alliance/APA/picturedesk.com

Bis auf weiteres geschlossen
Kreatives aus Kunst und Kultur in Zeiten der Coronakris

Die Coronakrise hat auch die Kunst- und Kulturbranche hart getroffen. Museen, Ausstellungshallen und Kinos mussten schließen, Veranstaltungen wurden abgesagt und auch an volle Konzerthallen ist derzeit nicht zu denken.

In Österreich und Südostereuropa gelten besonders restriktive Maßnahmen, um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen. Aber ebenso kreativ regiert die Kulturszene in den Ländern, um den Menschen auch in ihrer Isolation Möglichkeiten zu geben, kulturelle Angebote nicht nur online zu konsumieren, sondern auch mitzumachen.

In Serbien hat die Galerie des Kulturvereins „Matica Srpska“ ein Online-Spiel, eine „künstlerische Challenge“, gestartet. Das Spiel ist so einfach wie genial: ein vorgegebenes Kunstwerk soll zu Hause „nachgeahmt“, fotografiert und anschließend über das persöhnliche Profil ins Netz gestellt werden. Damit nimmt man an einem Preisausschreiben teil, bei dem das Foto mit den meisten Likes ein Geschenk aus dem Museumsgeschäft der Galerie bekommt.

Das international bekannte „Motovun Film Festival“ in Kroatien hat sich als aktiver Partner dem internationalen online Kurzfilm-Festival „My Darling Quarantine“ angeschlossen. Auf Initiative Enrico Vannucis (Venedig Filmfestival) werden seit dem 16.März bis zum Ende der Coronakrise wöchentlich sieben Kurzfilme vorgestellt und die Online-Zuschauer wählen ihren Favoriten. Gleichzeitig werden mit dem Festival Spenden für – durch die Coronakrise – in Not geratene Künstler gesammelt.

In Ungarn haben über 50 junge Festivalmacher auf Facebook das „Maradj Otthon Fesztivál“ („Bleib zu Hause Festival“) ins Leben gerufen. Ungarische und internationale Musiker treten hier in Live-Konzerten auf und Schauspieler bieten Lesungen an. Während ihrer Veranstaltungen kann sich das Online-Publikum mit ihnen unterhalten und Kommentare posten.
Geplant ist auch eine online Talent-Show nach dem Vorbild von „X-Factor“, die „K-Faktor“ heißen wird („Karantene-Faktor“)

MESS in Bosnien und Herzegowina ist das älteste Theater-Festival in Südosteuropa. 59 Jahre lang hat dieses Festival in Sarajevo trotzig und phantasievoll nicht nur überlebt, sondern wurde während der Belagerung Sarajevos in den 1990er Jahren zum Symbol dafür, dass Kultur selbst im Krieg nicht untergehen darf. Auch während der Ausgangsbeschränkungen in der Coronakrise findet das Festival statt – diesmal online.

Die Veranstalter des renommierten „Internationalen Festivals George Enescu“ in Rumänien präsentieren  Videoaufnahmen von Konzerten internationaler Orchester unter der Leitung bekannter Dirigenten, die in den vergangenen Jahren auf Bukarester Konzertbühnen standen.

In Bulgarien ist die Popmusik-Szene online aktiv und viele Musiker veröffentlichen ihre „Home-Auftritte“ auf Facebook oder Youtube. Mittlerweile hat sich die virtuelle Veranstaltungs-Bühne „URBO Live“ etabliert, wo regelmäßig Live-Konzerte online gestreamt werden

Viele Museen und Galerien haben in der Coronakrise ihr virtuelles Angebot ausgebaut. In Montenegro organisiert das Kulturministerium im Rahmen seiner Aktion „Zivimo kulturu #ostanidoma“ (Es lebe die Kultur # bleib Zuhause) in Zusammenarbeit mit der Vereinigung der Bildenden Künstler Montenegros (ULUCG) eine virtuelle Präsentation der jährlichen Kunstausstellung dieser Künstlervereinigung, die dieses Jahr ihr 75. Jubiläum feiert.

In Nordmazedonien bietet die Nationale Kunstgalerie Daut Pashin Amam virtuelle Führungen an.

In Österreich haben viele Museen ihre Sammlungen via „Google Arts and Culture“ ins Internet gestellt. Zum Beispiel das Kunsthistorische Museum in Wien, das Schloss Schönbrunn oder auch das Wiener Belvedere. Täglich um 15 Uhr bietet das Belvedere zudem Führungen und einen Blick hinter die Kulissen per Livestream über seine Facebook-Seite an.

Auch Opernfans kommen online auf ihre Kosten. Die Wiener Staatsoper hat im Archiv gekramt und es gibt täglich einen Livestream vergangener Vorstellungen zu sehen – kostenlos..

Auf dem Programm stehen zum Beispiel La Bohème, Parsifal oder Der Rosenkavalier. Die Aufführungen starten in der Regel um 19 Uhr. Das Programm ist hier einsehbar.

Für Geschichtsinteressierte und (Hobby-)Historiker eignet sich der digitale Lesesaal der österreichischen Nationalbibliothek. Mehr als 1,2 Millionen Objekte sind momentan im digitalen Bestand. Dieser soll sukzessive auf drei Millionen Objekte erweitert werden. Wer zum Beispiel den Suchbegriff Corona eingibt, erhält als ersten Treffer eine Quittung für Schweinefleisch aus Ägypten aus dem Jahre 335.

Zu guter Letzt kehrt die Pest an Karfreitag nach Wien/online zurück. Das Rabenhoftheater Wien und der ORF-Radiosender FM4 veranstalten gemeinsam eine Lesung von Albert Camus´ „Die Pest“. Insgesamt 120 Menschen, unter ihnen Elfriede Jelinek und der ehemalige österreichische Bundespräsident Heinz Fischer, haben Textpassagen des Werkes gelesen und aufgenommen. Zusammen ergeben sie eine 10-stündige Marathonlesung. Zu sehen und hören ab dem 10.04. um 12 Uhr auf fm4.orf.at.

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