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Spätestens ab Montag, den 6. April 2020, müssen die KundInnen von Lebensmittelläden und Drogerien in Österreich, mit einer Verkaufsfläche von mehr als 400 Quadratmetern, einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Foto: BR | Florian Lachinger

Coronavirus in Südosteuropa und Österreich
Mangelnde Schutzkleidung und Senioren in Non-Stop Isolation  

Jeder Tag in Österreich und den südosteuropäischen Ländern im Kampf gegen die Coronavirus Pandemie und ihren Folgen bleibt weiterhin hochdynamisch. Eines fällt auf: Inzwischen versuchen alle Länder unseres Berichtsgebiets an mehr Test-Kits zu gelangen. Serbien etwa verspricht schon nächste Woche bis zu 7000 Tests täglich durchführen zu können, während es gestern noch 812 waren. Zudem wurde den sechs Westbalkanstaaten Hilfe von der EU-Kommission versprochen, die sich solidarisch zeigt mit Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien.  Zur raschen Unterstützung der Gesundheitssysteme haben die Länder bis zu 38 Millionen Euro erhalten, teilte die EU-Kommission am Montag mit. Auch wurde mehr Schutzausrüstung allen Westbalkanländern versprochen. Um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise auf dem Westbalkan abzumildern, werden aus den Vorbeitrittshilfen für die EU-Kandidaten 374 Millionen Euro umgewidmet, so die EU-Kommission.

Hier unser Überblick über die aktuelle Lage vor Ort in Südosteuropa und Österreich. (Informationsstand, Donnerstag, 2.04.20, 17.00 Uhr)

ALBANIEN

Wieder hat die albanische Regierung die Ausgangsbeschränkungen noch einmal verschärft. Menschen, die in einem Haushalt zusammenleben, dürfen nicht mehr gemeinsam das Haus verlassen. Seit Montag gilt: Pro Haushalt darf nur noch ein Bewohner nach draußen und das maximal für eine Stunde am Tag, um vor allem Besorgungen für den täglichen Bedarf zu erledigen. Wer dies vorhat, muss ab sofort jedes Mal einen Antrag über das Portal e-albania stellen, die entsprechende Genehmigung kommt meist in wenigen Minuten zurück. Doch wer kein Internetzugang hat, kann eine Ausgangserlaubnis per SMS beantragen. Allerdings kommt dann die Antwort meist nach Stunden zurück oder erst am nächsten Tag. Ausdrücklich nicht antragsberechtigt sind Rentnerinnen und Rentner. Sie dürfen in den nächsten zwei Monaten, so die Regierung, ihr Haus gar nicht mehr verlassen. Bei Missachtung werde die Polizei die älteren Menschen sofort nach Hause zurückbringen. Jüngere Familienmitglieder sind jetzt angehalten, für die Älteren einzukaufen. Wo dies nicht klappt, sollen nun neugebildete Helferteams einspringen.

All die neuen Maßnahmen in Albanien sind derzeit in Europa die am weitreichendsten bei der Einschränkung der persönlichen Bewegungsfreiheit. Die meisten Bürger in Albanien halten sich daran. Die Ansprachen hierzu von Regierungschef Edi Rama sind ziemlich deutlich und immer wieder auch angsteinflößend für viele Menschen. „Ohne diese Verschärfungen, hätten wir zehnmal mehr Tote als bisher“, so Rama. Momentan werden in Albanien 16 Tote gemeldet. Unklar ist, ob sie an oder mit der Corona-Erkrankung verstorben sind – eine relevante Unterscheidung beim Zählen der Toten, die auch in vielen anderen Staaten kaum gemacht wird. Insgesamt sind 277 Menschen infiziert, darunter auch acht Kinder. Acht Personen sind auf Intensivstationen, vier von ihnen müssen künstlich beatmet werden. Noch sind die Krankenhäuser nicht überbelastet, auch wenn im ganzen Land rund 200 Intensiv-Betten zur Verfügung stehen. Das Durchschnittsalter der Covid-Patienten liegt albanischen Behörden zufolge bei 50 Jahren. Seit Ausbruch der Virus-Krise wurden in Albanien 1.919 Menschen getestet. Wie in anderen Ländern gibt es zu wenige Tests. Eine präzisere Lagebestimmung steht weiterhin aus, in dem etwa 2,8 Millionen-Einwohner-Land.

BOSNIEN UND HERZEGOWINA

Wie in den anderen Balkanländern ist die Sorge in Bosnien-Herzegowina besonders groß um Menschen über 65 Jahre. So gilt für sie ein totales Ausgangsverbot, sowohl in der Föderation Bosnien-Herzegowina als auch in der Republika Srpska. Wie es ihnen zu Hause in völliger Isolation geht, mit welchen psychischen Belastungen sie Tag und Nacht zu kämpfen haben, lässt sich meist nur erahnen. Oft rufen isolierte Ältere bei zuständigen Stellen an, weil ihnen etwa bestimmte Medikamente fehlen. In der Föderation gilt außerdem die totale Ausgangssperre auch für alle unter 18 und sorgt inzwischen für großen Unmut. So haben Aktivisten begonnen, Unterschriften für Teenager und Kinder zu sammeln. Link zur Unterschriftensammlung

Eine Petition soll eingereicht werden. Das Ziel: Allen unter 18 Jahren soll unter bestimmten Bedingungen die persönliche Bewegungsfreiheit ermöglicht werden. Zum Beispiel sollen Minderjährige bis 14 Jahren zusammen mit ihren Eltern das Haus verlassen dürfen. Teenager zwischen 15 und 18 Jahren sollen auch nach draußen dürfen, wenn sie keine Gruppen bilden. Noch kann es dauern, ob überhaupt und inwiefern es zu solchen Lockerungen kommen kann, für die junge Generation in der Föderation. Ebenso offen ist eine ähnliche Debatte, ob auch die Älteren über 65 Jahre nicht wenigstens für ein paar Stunden das Haus verlassen dürfen. Statt mit Lockerungen muss die Bevölkerung in der Republika Srpska eher mit weiteren Verschärfungen rechnen. Denn das Parlament in Banja Luka hat den Ausnahmezustand ausgerufen, der ab 3. April in Kraft tritt. Insgesamt gibt es in Bosnien-Herzegowina 15 Tote. 518 Menschen sind infiziert. 20 Personen gelten inzwischen als geheilt. Das Land hat rund 3,5 Millionen Einwohner.

BULGARIEN

Bulgarien ist das ärmste EU-Land und kämpft seit Jahren mit einem Personalmangel im Gesundheitswesen. Entsprechend groß ist die Empörung im ganzen Land, als auf einmal bekannt wurde, dass vergangenen Montag ein Flugzeug mit 231 bulgarischen und rumänischen Pflegerinnen in Österreich gelandet ist. Und offenbar soll es weitere Charterflüge geben, um auch noch bulgarische Saisonarbeiter nach England und Deutschland auszufliegen. Noch ist unbekannt, welcher länderübergreifende Deal mit Bulgarien wohl in Vorbereitung ist. Viele Bulgarinnen und Bulgaren sind jedoch besorgt, dass die Saisonarbeiter sich in Westeuropa infizieren und krank nach Bulgarien zurückgeschickt werden könnten, wo sie dann dem ohnehin maroden Gesundheitssystem in Bulgarien zur Last fallen könnten. Die zweitgrößte Gewerkschaft in Bulgarien „Podkrepa“ hat dazu nun einen offenen Brief an die Regierung geschrieben, mit vielen Fragen. Noch gibt es keine Antwort. Überhaupt will die Regierung das Thema bis jetzt gar nicht kommentieren, unternimmt nichts gegen die tiefe Verunsicherung in der bulgarischen Öffentlichkeit. Das Land hat etwa sieben Millionen Einwohner. Inzwischen gibt es zehn Tote, 457 Infizierte, 25 Menschen gelten als genesen. Experten schätzen, dass zurzeit die Kirchen in Bulgarien besonders gefährliche Orte seien. Denn die Heilige Synode der Bulgarischen orthodoxen Kirche weigert sich immer noch, die Kirchen zu schließen. Mittlerweile hat sie aber entschieden, dass alle Ostern-Rituale vor den Kirchen im Freien stattfinden sollten, wo die Menschen eine Zwei-Meter-Distanz einhalten können.

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Angst vor Corona in Bulgarien und Rumänien: viele Krankenhäuser sind nicht vorbereitet.

Beitrag: Christian Limpert

Kamera: Tomislav  Mihaylov

Schnitt: Roland Buzzi

KOSOVO

Im Kosovo sind nach Angaben der Gesundheitsbehörde derzeit (Donnerstag, 02.04., 13:00 Uhr) 125 Menschen infiziert, zehn Personen gelten als geheilt und ein Patient ist verstorben. Seit Dienstag dieser Woche ist auf Anordnung des Innenministeriums der gesamte öffentliche Verkehr eingestellt worden, um zusätzlich zu den bisherigen Maßnahmen die Verbreitungsgeschwindigkeit des Virus einzudämmen. Zu Beginn dieser Woche hat die geschäftsführende Regierung Kurti ein umfangreiches Hilfspaket in Höhe von knapp 180 Millionen Euro verabschiedet. Das Ziel: Unternehmen und Einwohnern finanziell zu unterstützen, die von den wirtschaftlichen Auswirkungen im Kampf gegen das Coronavirus betroffen sind.

Die innenpolitische Lage belastet zusätzlich die Stimmung im Land: Eine Woche nach dem Zerfall der bisherigen Koalitionsregierung unter Premierminister Albin Kurti und dem erfolgreichen Misstrauensantrag im Parlament führt Staatspräsident Hashim Thaci Gespräche mit den Spitzen der Parteien, wie es inmitten der Corona-Pandemie politisch weitergehen soll.

Zudem hat das Verfassungsgericht einstimmig entschieden, dass die Notstands-Entscheidungen der Regierung Kurti vom 23. März (Einschränkung der Bewegungsfreiheit und öffentlichen Versammlungen) gegen die Verfassung des Kosovo verstießen. Diese Entscheidungen, so das Verfassungsgericht weiter, würden am 13. April aufgehoben werden. Begründung: Die garantierten Grund- und Freiheitsrechte dürften nur von der Regierung eingeschränkt werden, sofern sie ausdrücklich gesetzlich dazu befugt sei. Die Regierung habe mit ihren Maßnahmen die verfassungsrechtlich garantierten Menschenrechte verletzt. Der geschäftsführende Premierminister Kurti sagte am Dienstagabend gegenüber dem Sender KTV, dass er von der Entscheidung des Verfassungsgerichts überrascht sei und die Entscheidung respektieren werde.

Kurti erklärte auf einer Pressekonferenz am Dienstagabend, dass die Regierung die 100-Prozent-Strafzölle auf Waren und Dienstleistungen aus Serbien abschaffen und diese durch den Grundsatz der Gegenseitigkeit ersetzen werde. Die Gegenseitigkeitsmaßnahmen stünden im Einklang mit dem CEFTA-Abkommen und den europäischen Handelspraktiken. „Die Entscheidung muss von der Grenzpolizei, dem Zoll, der Lebensmittel- und Veterinärbehörde des Kosovo (KFVA), der Agentur für Medizinprodukte und -ausrüstung und anderen entsprechenden Institutionen durchgesetzt werden“, betonte Kurti. In diesem Fall würden die Gegenseitigkeitsmaßnahmen nur für Serbien gelten, während die Maßnahmen gegenüber Bosnien und Herzegowina vollständig abgeschafft würden. Laut Kurti tritt die Entscheidung sofort in Kraft und ist bis zum 15. Juni gültig.

KROATIEN

In Kroatien sind nach Angaben der Corona-Informations-Webpage der Regierung (koronavirus.hr) derzeit (Donnerstag, 02.04., 14:00) 1.011 Menschen infiziert, 88 Menschen gelten als geheilt und sieben Menschen sind verstorben. Über 7.600 Menschen wurden auf das Virus getestet.

Der nationale Stab für Zivilschutz erklärte, dass die Lage in Kroatien stabil und unter Kontrolle sei. Die Zahlen der Infizierten stiegen im erwarteten Maße. Im Vergleich zu anderen EU-Ländern stehe Kroatien entsprechend der Umstände sehr gut da. Dies sei vor allem darauf zurückzuführen, dass sehr schnell sehr restriktive Maßnahmen getroffen worden seien.

Die Bevölkerung hält sich an die Verbote und unterstützt die Maßnahmen. Proteste oder Widerstand gegen die massive Einschränkung der individuellen Freiheit gibt es nicht. In den Medien verhallte die Mahnung eines Verfassungsrichters, dass die meisten Maßnahmen verfassungswidrig seien. Der nationale Stab für Zivilschutz habe sich Kompetenzen aneignet, die nur dem Parlament zustünden.

Seit dem 23. März darf in Kroatien niemand mehr seinen (gemeldeten) Wohnort verlassen. Die Polizei hat an den Stadt- und Gemeindegrenzen Checkpoints errichtet und lässt nur Personen in Sonderfällen mit Passierschein durch. Neu ist seit 01.04. die Einführung eines „digitalen Passierscheins“, der nur noch online beantragt werden kann, mit einem QR-Code versehen ist und von der Polizei direkt kontrolliert werden kann. Dies ist eine Reaktion auf zahlreiche Verstöße und Manipulationen mit den bisherigen Passierscheinen.

Die kroatische Regierung erhöht die bisherigen Hilfen für die Wirtschaft. So wird die Regierung, zunächst befristet auf die nächsten drei Monate, alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern den Mindestlohn zahlen sowie zusätzlich alle Sozialabgaben übernehmen. Diese Finanzhilfen würden über die jeweiligen Unternehmen und Betriebe abgewickelt.

Die Versorgung mit medizinischen Schutzgütern sei mit der Lieferung von 12,5 Tonnen aus China und zehn Tonnen aus Deutschland für die nächste Zeit gesichert, so die Regierung. Zudem haben viele kroatische Unternehmen aus dem Textil- und Chemie-Sektor ihre Produktion umgestellt und stellen Masken, Desinfektions-Mitte u.ä. her, darunter auch der bekannte Textilhersteller Varteks aus Varazdin.

MONTENEGRO

Die Behörden in Montenegro stellen sich auf einen Anstieg von Corona-Infektionen ein. Gleichzeitig ist man der Ansicht, dass geltende Anordnungen nicht ausreichend von allen Bürgerinnen und Bürgern befolgt werden. Deshalb gelten inzwischen neue, strengere Regeln. Dazu gehört eine Ausgangssperre, werktags von 19.00 bis 05.00 Uhr sowie ab Samstag 13.00 Uhr bis Montag 05.00 Uhr. Kinder unter 12 Jahren dürfen sich auf öffentlichen freien Flächen nicht ohne Begleitung eines Erwachsenen aufhalten. Alle Sport- und Freizeitaktivitäten auf allen öffentlichen Flächen sind verboten, ebenso wie Versammlungen. Die Maßnahmen sollen bis 15. April gelten.

Corona-Patienten mit leichten Symptomen sollen in Montenegro, ähnlich wie in Serbien, in lazarettähnlichen Unterkünften isoliert und dort bis zur Genesung behandelt werden. Für diesen Zweck wurde eine moderne Sporthalle in der Hauptstadt Podgorica mit 150 Betten ausgestattet. Im Kampf gegen Corona hat sich Montenegro inzwischen offiziell an die NATO-Mitgliedsländer gewandt und unter anderem um Beatmungsgeräte, Corona-Tests, verschiedene medizinische Schutzausrüstung sowie Ausstattung für Krankenhäuser gebeten.

Nach offiziellen Angaben gibt es in Montenegro 140 Infizierte bei 1.030 Tests. 1.028 Menschen befinden sich in Quarantäne und über 6.000 unter behördlicher Aufsicht. Zwei Menschen sind in Folge einer Corona-Erkrankung gestorben.

Offizielle Informationen unter: https://www.ijzcg.me/

NORDMAZEDONIEN

In Nordmazedonien gibt es 384 offiziell bestätigte Fälle von Covid-19-Erkrankungen. Die meisten liegen in der Hauptstadt Skopje im Krankenhaus. 11 Menschen sind bisher an der Lungenkrankheit gestorben. Im ganzen Land stehen laut Gesundheitsministerium etwa 1.000 Betten für die Corona-Patienten zur Verfügung.

Wegen der Pandemie sind einige Gerichtsverfahren ausgesetzt. Die Regierung in Skopje rechnet mit großen finanziellen Problemen. Die Steuereinnahmen sinken, die Schulden steigen. Deshalb regiert der Rotstift: freiwerdende Stellen in der öffentlichen Verwaltung werden nicht neu ausgeschrieben. Es gilt auch ein Ausgabenstopp für Büromöbel und Dienstwagen.

ÖSTERREICH

In Österreich sorgt weiter die Mundschutzpflicht für Supermärkte für Diskussion. Bundeskanzler Sebastian Kurz hatte diese bereits für Mittwoch, 01.04., angekündigt. Doch weil eine flächendeckende Versorgung mit Masken nicht möglich war, bleibt es vorerst eine freiwillige Verordnung. Ab Montag, 06.04. gilt dann per Erlass: wer einen Supermarkt in Österreich betritt, muss einen Mundschutz tragen. Supermärkte müssen diese am Eingang bereitstellen. Neben dem Tragen eines Mundschutzes müssen dann auch Mindestabstände in Supermärkten eingehalten werden, Einkaufswägen müssen nach Benutzung desinfiziert werden und wer Krankheits-Symptome aufweist, darf gar nicht mehr Einkaufen.

Unklar ist, wer die Kosten für Masken und zusätzliches Personal übernimmt.

Händler und Supermarktketten sehen hier den Staat in der Pflicht.

Weiterhin in der Kritik steht Skiort Ischgl in Tirol. Skilifte und Bars liefen Anfang März uneingeschränkt weiter, obwohl es bereits nachweislich Corona-Erkrankte vor Ort gab, unter anderem war ein Barkeeper mit dem neuen Corona-Virus infiziert. Die Gefahr wurde von Behörden und Gastronomen lange heruntergespielt. Der Verbraucherschutzverein Österreich (VSV) hat deshalb die Daten und Angaben von über 2.500 Tirol-Urlaubern gesammelt, die davon ausgehen, sich in Ischgl oder dem Paznauntal mit Corona angesteckt zu haben.

Doch eine Anzeige des VSV bei der Staatsanwaltschaft Innsbruck gegen Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP), Tiroler Behörden und Seilbahngesellschaften wird vorerst nicht weiterverfolgt. Wie die Staatsanwaltschaft Innsbruck mitteilt, gebe es derzeit keine Ermittlungen aufgrund eines konkreten Verdachtes gegen konkrete Personen.

Die Polizei sei beauftragt worden, einen Bericht zu verfassen. Ischgl bleibt dennoch in der Kritik: in einem Interview berichtet ein DJ, wie Corona ganz bewusst verharmlost wurde und wie fahrlässig Aprés-Ski Bars mit der Situation umgingen.

Laut Innenministerium starben bisher 158 Menschen an den Folgen einer Infektion mit dem Coronavirus in Österreich. 1.057 befinden sich zur Behandlung in Krankenhäusern. 227 Menschen wurden auf Intensivstationen versorgt. 1.749 vormalig Infizierte gelten als genesen. Bisher gab es in Österreich 10.923 positive Testergebnisse.

Offizielle Seite des Gesundheitsministeriums: https://info.gesundheitsministerium.at/

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Sicher im Supermarkt. In Österreich gilt bald eine Mundschutzpflicht beim Einkaufen.

Beitrag: Christian Limpert

Kamera: Daniel Dzyak

Schnitt: Christine Dériaz

RUMÄNIEN

Allein in den letzten 24 Stunden wurden 278 neue Erkrankungen gemeldet. Insgesamt gibt es nun in Rumänien bei rund 19,5 Millionen Einwohnern: 2.728 Infektionen und 94 Tote. 267 Menschen gelten als wieder gesund. Aktuell befinden sich 78 Patienten auf Intensivstationen. Bukarest und Suceava gelten inzwischen als Hotspots, in beiden Städten gibt es die meisten Infektionen. Suaceva wurde zur Sperrzone erklärt, besonders ansteckend seien dort die Krankenhäuser. 200 Mediziner in Suaceva sind infiziert. Gerade die hohe Ansteckungsrate unter Medizinern hat nun in weiteren Städten zu Proteste geführt. Inzwischen geben sogar Ärzte ihre Arbeit auf und weigern sich Corona-Patienten zu behandeln. Um zu vermitteln ist der Gesundheitsminister heute bereits zum zweiten Mal ins Risikogebiet nach Suaceva gereist. Von massiven Ansteckungen sind auch Krankenhäuser in Bukarest, Arad und Deva betroffen. Erwartet wird, dass sich die Ärzte-Proteste noch ausweiten werden. Inzwischen hat Regierungschef Ludovic Orban eingeräumt, dass es Engpässe bei der Versorgung mit Schutzmaterialien gibt, auch für medizinisches Personal. Deshalb legen immer mehr Ärzte ihre Arbeit nieder. Verständlich oder unverantwortlich? Die Debatte in Rumänien nimmt jetzt Fahrt auf: über die ärztliche Pflicht, Menschenleben zu retten bei fehlenden Schutzvorkehrungen.

SERBIEN

Das Land hat etwa sieben Millionen Einwohner. Die serbischen Behörden melden 1.171 infizierte Personen. Es gibt 31 Tote. 72 Patienten werden künstlich beatmet.

Immerhin: Bei der Zahl der getesteten Personen soll es einen deutlichen Sprung nach vorne geben. Während gestern noch 810 Tests durchgeführt werden konnten, so sollen es schon in der nächsten Woche bis zu 7.000 sein.

Die landesweite Ausgangssperre von 17 Uhr bis 5 Uhr – an Wochenenden von 15 Uhr bis 5 Uhr –  ist weiterhin in Kraft und gilt für jeden Bürger. Präsident Vucic droht seit Tagen, die Ausgangssperre auszudehnen, sogar auf 24 Stunden, „falls sich die Bürger weiterhin unverantwortlich verhalten“, so Vucic. Auf die Frage, wie das funktionieren soll, vor allem, was Einkäufe von Nahrungsmitteln und Medikamenten angeht, antwortete er in etwa: „Was schert mich das!?“

Für Rentnerinnen und Rentner gilt bereits die totale Ausgangssperre, mit der einzigen Ausnahme, dass sie sonntags von 4 bis 7 Uhr in der Früh im nächstgelegenen Supermarkt einkaufen gehen können oder spazieren gehen können.

Die Hotspots der Infektionen sind Belgrad, Niš und Valjevo, wobei die Hälfte der Infizierten aus Belgrad kommt.

Die größte Halle des Messegeländes in Belgrad wurde in ein Covid-Lazarett mit 3.000 Betten umgewandelt. Ebenso die Messehalle in Novi Sad, die auch als ein provisorisches Covid-Krankenhaus mit 1.000 Betten dienen soll. Außerdem werden auch große Sporthallen, wie die Belgrad-Arena, die Spens-Sporthalle in Novi Sad, die Cair-Sporthalle in Niš in entsprechende Covid-Lazarette umgewandelt und entsprechend ausgestattet.

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Coronakrise in Serbien - Senioren über 65 Jahre besonders betroffen

Videomaterial: Zoran Ikonic

Videobearbeitung: Karin Straka

SLOWENIEN

In Slowenien sind derzeit (Donnerstag, 02.04., 15:30 Uhr) 897 Menschen infiziert, 112 Patienten sind im Krankenhaus, davon 29 auf Intensivstation. 16 Menschen sind verstorben. Knapp 25.000 Menschen wurden bislang getestet.

Das slowenische Parlament ist am Donnerstag zu einer außerordentlichen Sitzung zusammengetreten. Premierminister Janez Jansa hat das sogenannte „Megagesetz“ vorgelegt. In 111 Artikeln werden dort die Maßnahmen aufgelistet, um die Folgen der Corona Pandemie zu lindern und vor allem dem Wirtschaftsleben zu helfen. Das Gesetz soll rückwirkend vom 13.03. (dem Tag, an dem die Epidemie in Slowenien erklärt worden ist) bis zum (vorläufig) 31.05. gelten. Alle Parlamentarier trugen Gesichtsmaske und saßen im gebotenen Abstand zueinander.

Auch in Slowenien ist es besonders schwer für ältere Menschen und Kranke. Bis Donnerstag wurde in sieben von 115 Altenheimen die Infektion mit Coronavirus bestätigt. Infiziert wurden dort 137 Bewohner und 30 Angestellte des Pflegepersonals, sechs Bewohner sind inzwischen verstorben sind. In Heimen, in denen dies möglich ist, wird eine Art „Dreiteilung“ vorgenommen: In einem Teil leben gesunde Bewohner, im zweiten Bereich die an Covid-19 Erkrankten und im dritten Trakt die nicht eindeutig zuzuordnenden Bewohner. In slowenischen Medien wird unter anderem auf die psychischen Folgen der „Dreiteilung“ auf die Bewohner hingewiesen: Eine Pflegerin berichtete, sie habe einen an Covid-19 positiv getesteten Bewohner in den anderen Teil des Heimes bringen müssen. Der Bewohner habe daraufhin weinend und mit zitternder Stimme die Pflegerin gefragt, warum er umziehen müsse, ob dies jetzt heiße, dass er sterben werde.

UNGARN

Rentner sind nicht nur die Risikogruppe Nummer Eins in der Corona-Pandemie. In Ungarn leiden sie auch am meisten unter den Ausgangsbeschränkungen, so die ungarische Akademie der Wissenschaften. Sie haben wenig Kontakte zu anderen und können mit dem Internet nicht umgehen. Das World Wide Web ist wegen der oft niedrigen Renten auch unerschwinglich für die ungarischen Senioren.

Die Pandemie trifft in Ungarn zunehmend auch Leistungssportler. So wurden die Bronze-Medaillengewinner Dominik Kozma und Boglárka Kapás positiv getestet. Laut ungarischem Schwimmverband sind insgesamt neun Athleten betroffen.

Nach offizieller Statistik gibt es in Ungarn 585 Infizierte, 21 Menschen sind gestorben. 42 gelten als geheilt. Die Dunkelziffer gilt als hoch.

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„Corona-Gesetz“ in Ungarn: Victor Orban stellt die Demokratie unter Quarantäne.

Autor: Christian Limpert

Schnitt: Christine Deriaz

In Ungarn gibt es seit dem 28. März 2020 Ausgangsbeschränkungen, sie sollen vorerst bis 11. April 2020 gelten. Der Wohnort darf nur in begründeten Fällen, wie für Arztbesuche, den Einkauf, den Besuch in der Apotheke, den Arbeitsweg oder Hilfeleistungen, verlassen werden. Foto: BR | Attila Poth
In Ungarn gibt es seit dem 28. März 2020 Ausgangsbeschränkungen, sie sollen vorerst bis 11. April 2020 gelten. Der Wohnort darf nur in begründeten Fällen, wie für Arztbesuche, den Einkauf, den Besuch in der Apotheke, den Arbeitsweg oder Hilfeleistungen, verlassen werden. Foto: BR | Attila Poth
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